Klassiker · Rezensionen

Rezension „Jahrmarkt der Eitelkeit“ von William M. Thackeray ★★★★

Ein Roman ohne Helden, dafür mit herrlich britischem Humor

 

Die Freundinnen Amelia und Becky könnten mit dem konventionellen Frauenbild ihrer Zeit kaum unterschiedlicher umgehen. Während die eine versucht, ihr Glück durch Anpassung und das Befolgen der Regeln zu finden, ist die andere entschlossen, gegen das ihr zugedachte Schicksal zu rebellieren. Sie will hoch hinaus – und das mit allen Mitteln.

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Dieser Klassiker erschien 1849 aus der Feder des Autors William Makepeace Thackeray, der als einer der bedeutendsten Schriftsteller des viktorianischen Zeitalters gilt.
Trotzdem dieser Klassiker Anfang des 19. Jahrhunderts geschrieben wurde, lässt er sich gut und flüssig lesen. Dies ist dem frischem Schreib- und Erzählstil Thackerays zu verdanken. Vor allem den Erzählstil möchte ich hier hervorheben, denn dieser macht diesen alten Schinken zu einem besonderen Klassiker.
Thackeray ist hier quasi der Geschichtenerzähler, der seine eigene Meinung und Gedanken in diesen Roman fließen lässt und dies auf eine herrlich humorvolle und ironische Art und Weise und sehr spitzer Zunge, die den den Leser nicht nur einmal schmunzeln und hin und wieder sogar laut auflachen lässt.
Hier eröffnet sich dem Leser ein satirischer Gesellschaftsroman, der vor allem die hohe Londonder Gesellschaft auf’s Korn nimmt. Ein Roman mit herrlich skurrilen Gestalten, die vom Autor präzise dargestellt wurden – so facettenreich wie sie das Leben eben ausspuckt.
Zudem richtet sich Thackeray zwischendurch immer wieder direkt an den Leser selbst. Dadurch bekommt man das Gefühl als würde man ihm bei einem Täschen Ceylon-Tea gegenüber sitzen und die „neuesten“ Klatsch- und Tratschgeschichten der viktorianischen High Society erzählt bekommen.

Der Roman ist so facettenreich wie die Charaktere selbst. Er beinhaltet das Spiel um Macht, Geld und Ansehen, Intrigen und lasterhafte Vergnügungen, Liebe und Enttäuschung.
Aber auch historische Begebenheiten werden miteingeflochten wie die Befreiungskriege und die Schlacht um Waterloo, wobei diese jedoch nur gestreift werden, bzw. im Hintergrund verlaufen.
Das Hauptaugenmerk des Autors liegt auf der Durchleuchtung der Gesellschaftsklassen.

Hin und wieder schweift Thackeray jedoch ab in Nebensächlichkeiten, wo die ein oder andere Länge entsteht. Bei einem Wälzer von knapp 920 Seiten sind solch kleinen Längen jedoch leicht zu verschmerzen.
Ebenso waren der Stammbaum von so manchem Adelsgeschlecht oft verwirrend und undurchschaubar, wobei man nicht mit Sicherheit sagen kann, ob diese Undurchsichtigkeit und Ausuferung von wer mit wem bekannt und verwandt ist und weshalb gerade mit diesem und jenem verbandelt wurde, von Thackeray absichtlich so übertrieben dargestellt wurde. Man darf hier so Manches nicht zu ernst nehmen und muss vieles mit einem ironischen Augenzwinkern lesen. Und trotzdem dieses satirischen Schauspiels enthält dieser Klassiker zusätzlich auch noch Tiefe.

Fazit:
Dieser Klassiker hat mich köstlichst amüsiert und konnte mich zusätzlich auch noch fesseln.
Man bedenke, daß in jedem Scherz immer ein Fünkchen Wahrheit steckt und daher so Manches, möge es noch so satirisch dargestellt sein, die traurige Wahrheit enthält, welche man auch sehr gut auf die heutige Gesellschaft übertragen kann. Daher ist dieser Roman zu Recht ein Klassiker.
Ich habe damit jedenfalls einen neuen Lieblingsautor der klassischen Literatur entdeckt (wieder einmal ein Engländer) und kann diesen nur weiterempfehlen.
Vor allem an diejenigen die nichts gegen schwarzen Humor und bissige Satire haben. In dieser Hinsicht ist dieser Roman nämlich very british.

Weitere Produktinformationen:

Unabhängiger und selbständiger Kauf des Buches!

  • Taschenbuch: 928 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. Juni 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423139994
  • ISBN-13: 978-3423139991
  • Originaltitel: „Vanity Fair“
  • Preis: 14,90€ (Stand: 29.08.2017)
  • Auch erhältlich als HC und HB

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