Rezensionen · Sachbücher/Biographien

Rezension „Schwestern berühmter Männer“ von Luise F. Pusch ★★★

Gut als Nachschlagewerk oder als Themeneinstieg.Trifft aber nicht auf jede Biographie zu

 

Dieses Buch beinhaltet 12 Kurzbiographien von…genau!..Schwestern berühmter Männer. 12 Autoren/Autorinnen  – 12 Biographien, die da wären:

– Caritas Pirckheimer – Der Kampf der Äbtissin gegen Luther
Diese Biographie wäre durchaus interessant. Leider geht es hier hauptsächlich um die Nürnberger Reformation Luthers und deren Einfluss auf Frauenklöster. Zu wenig erfährt man über ihr Leben und die 2. Hälfte der Biographie beschäftigt sich sowieso nur noch mit dem Bruder, dem Humanisten Willibald Prickheimer. Vermutlich weil über sie nur wenig bekannt ist, aber weshalb nimmt man dann diese Frau in die Sammlung mit auf?
Zudem wurden Briefe im Original, sprich in altdeutscher Rechtschreibung und Grammatik, von der Autorin in die Biographie aufgenommen. Für mich waren diese dadurch kaum bis gar nicht verständlich. Vielleicht wären diese interessant und aufschlußreich gewesen. Auch in den Fußnoten ist keine Übersetzung vorhanden.

– Cornelia Goethe – Wie aus einer Rebelling eine unglückliche Frau wurde
Hier sind vor allem die Briefe interessant, welche Einblicke in das Gefühlsleben Goethes Schwester gewähren – in das Gefühlsleben einer Frau, die mehr als nur Frau sein wollte, sondern eine Gleichberechtigte.
Eine aufschlußreiche Kurzbiographie in einem guten Schreib- und Erzählstil.

– Maria Anna Mozart (Nannerl) – Die begabte Schwester im Schatten des jüngeren Bruders
Diese Biographie enthält interessante Einblicke in das Familienleben der Mozarts und ist in einem flüssigen Schreibstil verfasst.

– Mary Lamb – Die erste Kinderbuch- und Bestsellerautorin ihrer Zeit, welche auch als solche von den Männern anerkannt wurde
Von der Schwester des Essayisten Charles Lamb erfährt man vieles aus der Kindheit und den Familienverhältnissen, inklusive Familientragödie die nicht ganz ohne ist. Hier konnte mich nicht nur die Biographie selbst, sondern auch der Schreib- und Erzählstil begeistern.

– Dorothy Wordsworth – Die stumme Schriftstellerin
Diese Biographie von der Schwester des britischen Dichters William Wordsworth liest sich wie ein Roman und ist wirklich interessant.

– Ulrike von Kleist – Die Frau die aus der Rolle fällt
Dies ist eine Biographie einer starken, selbstbewussten und vor allem selbständigen Frau, die auf Konventionen gepfiffen hat und auch mal in Männerkleidern reiste. Leicht hatte sie es mit einem Bruder wie Heinrich von Kleist (deutscher Dramatiker und Lyriker) nicht. Fesselnder Schreib- und Erzählstil.

– Luise Büchner – Die Emanzipierte
Sie war Frauenrechtlerin und Schriftstellerin. Sie setzte sich dafür ein, dass der Krankenschwesternberuf ein bezahlter Frauenberuf wurde.
Auf diese Biographie hatte ich mich besonders gefreut. Leider ist der Erzählstil wirr, sprunghaft und vermag es nicht zu fesseln. Schade, da Luise Büchner eine wirklich interessante Frau war.

– Betsy Meyers – Das aufopfernde Schwesterlein
Leider auch eine eher uninteressante Biographie über die Schwester von Georg Büchner (deutscher Schriftsteller, Mediziner und Revolutionär), Wilhelm Büchner (Politiker) und Ludwig Büchner (Philosoph und Schriftsteller).
Von ihr ist auch nur relativ wenig bekannt, weshalb ich mich wieder wunderte, dass diese Kurzbiographie in die Sammlung aufgenommen wurde. Zudem hat der sehr trockene Schreibstil dazu beigetragen, dass ich nicht mal diese kurze Kurzbiographie zu Ende gelesen habe.

– Elisabeth Förster-Nietzsche – Die machthungrige und nationalsozialistische Schwester
Eine der interessantesten Biographien in diesem Buch, was auch am fesselnden Schreib- und Erzählstil und den vielen Informationen liegt. Eine Dame die aus der Rolle fällt, da sie alles andere als eine Sympathieträgerin ist.

– Alice James – Krankheit ihre Karriere, Tod ihr Ziel
Wieder eine äußerst aufschlußreiche und interessante Biographie der Schwester von Henry James (amerikanischer Schriftsteller). Diese liest sich schon fast wie ein Roman.

– Willemina Jacoba von Gogh – Die Künstlerin
Diese Biographie einer eigentlich interessanten und künstlerisch begabten Frau konnte mich vom Erzählstil her absolut nicht überzeugen – ohne roten Faden, sprunghaft und langweilig erzählt.

– Carla Mann – Das Leben einer mutigen Frau, welches tragisch endete
Diese Biographie habe ich verschlungen – flüssiger und erfrischender Schreibstil mit interessanten Einblicke in die Familie Mann.

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Diese Sammlung an Kurzbiographien ist durchaus interessant und beinhaltet zusätzlich Literaturhinweise, Anmerkungen, Infos über die Autoren und ein interessantes Nachwort. Hier wird vor allem auf die Stellung der Frau und der Vergleich zwischen Männern und Frauen zur damaligen Zeit eingegangen. Manchmal ist es mir aber fast schon zu feministisch angehaucht.
Manche Biographien konnten mich vom Schreib- und Erzählstil nicht überzeugen. Ein paar beinhalten auch Briefe, welche in englisch oder französisch und in Originalform (Rechtschreibung und Grammatik) abgedruckt wurden. Bei den englischen Briefen konnte ich zumindest ein paar interessante Informationen rauslesen, aber bei den französischen Briefen musste ich aussteigen. Dadurch gingen einige aufschlußreiche Infos verloren – vermute ich mal, da ich diese Briefe ja nicht verstanden habe.
Es gibt auch zahlreiche (auch unnötige) Fußnoten in den Kurzbiographien. Wenn man hier die deutsche Übersetzung der Briefe ebenfalls mit hinein genommen hätte, wäre es kein Fehler gewesen.

Fazit:
Dieses Buch ist bei manchen Personen ein gutes Nachschlagewerk und auch als Themeneinstieg empfehlenswert, aber bei anderen scheint es entweder am Schreib- und Erzählstil des jeweiligen Autors zu hapern, oder es ist schlichtweg zu wenig Material vorhanden. In diesem Fall beschäftige sich die sog. Biographie dann eher mit dem berühmten Bruder und/oder der allgemeinen Stellung der Frau zur jeweiligen Zeit. Zudem ist es mir manchmal zu feministisch angehaucht (..und das sage ich als Frau). Das Problem mit den Briefen in Originalsprache hat mich ebenfalls gestört, zumindest bei den französischen Briefen.
Daher gibt es von mir nur eine bedingte Leseempfehlung.


 

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