Rezensionen · Romane

Kurz-Rezension „Geständnisse“ von Kanae Minato ★★★★★

Ein erschütternder und beklemmender Roman über Rache und die Folgen einer erfolgsorientierten Erziehung

 

Die kleine Tochter der alleinerziehenden Lehrerin Moriguchi ist im Schulschwimmbad ertrunken; ein tragischer Unfall, wie es scheint. Wenige Wochen später kündigt Moriguchi ihre Stelle an der Schule, doch zuvor will sie ihrer Klasse noch eine letzte Lektion mit auf den Weg geben. Denn sie weiß, dass ihre Schüler Schuld am Tod ihrer Tochter haben. Mit einer erschütternden Offenbarung setzt sie unter ihnen ein tödliches Drama um Schuld und Rache, um Gewalt und Wahnsinn in Gang, an dessen Ende keiner – weder Kind noch Erwachsener – ungeschoren davonkommt. (Klappentext)

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Nach Beendigung dieses Romans bin ich immer noch erschüttert und er wird mich sicher noch lange Zeit nicht loslassen.
Ein Roman der im heutigen Japan angesiedelt ist und sich mit der dort herrschenden und sehr ausgeprägten erfolgsorientierten Erziehung von Kindern, sowie deren möglichen Folgen beschäftigt.
Zugegeben, es ist ein Horrorszenario, der Supergau, doch wie wir wissen nicht völlig aus der Luft gegriffen. Dies beweisen die zunehmenden Berichte von Jugendlichen, die scheinbar aus dem Nichts austicken…sie werden immer jünger und es betrifft nicht nur Japan. Denn diese Erfolgsorientiertheit ist schon längst zu uns übergeschwappt.

In diesem Roman blickt der Leser hinter die Kulissen. Wie diese Art der Erziehung die Kinder beeinflusst und was sie aus ihnen machen kann. Ihre Gedanken, ihre Gefühle, der Druck unter dem sie stehen, bis sie von Opfern zu Tätern werden, getrieben von dem Gefühl der Rache, jedoch aus unterschiedlichen Gründen.
Doch nicht nur die Jugendlichen kennen dieses Rachegefühl, sondern auch die Mutter des ermordeten Kindes. Sie, selbst in gewisser Weise Opfer, wird zur Täterin, zwar auf etwas subtilere Art, doch auch getrieben von Rache.

Dieser Roman unterscheidet sich von anderen dadurch, dass man von Anfang an weiß was vorgefallen ist und wer die Täter sind. Doch durch die wechselnden Erzählperspektiven dringt man immer tiefer in die Geschehnisse und deren Auslöser ein. Mit jeder wechselnden Sichtweise erfährt man mehr Details, welche einem als Leser erschüttern.

Der Schreibstil ist nüchtern, ja nahezu emotionslos. Dies verstärkt jedoch das beklemmende Gefühl während des Lesens, da dadurch die Kaltblütigkeit in der hier agiert und reagiert wird, perfekt transportiert wird. Mit jeder gelesenen Seite wird man tiefer in den Sumpf der Rache gezogen, aus dem man erst auftaucht, wenn man am Ende des Buches angelangt ist.

Fazit:
Ein absolut packender Roman, der durch seinen ungewöhnlichen Schreibstil besticht und einem gerade dadurch lange nicht loslässt. Erschütternd, grausam und beklemmend, aber mit einer überaus wichtigen Message. Ein Roman, der gerade in der heutigen erfolgsorientierten Welt gelesen werden sollte. Von mir gibt es daher eine absolute Leseempfehlung!

© Pink Anemone

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Leseprobe

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© KeJas-Blogbuch

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit Dank an

  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag (27. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570102904
  • ISBN-13: 978-3570102909
  • Originaltitel: Kokuhaku (Confessions)
  • Preis: 16,99€ (Stand vom 15.10.2017)
  • Auch erhältlich als: E-Book

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Autoren-Info
© Hiroyuki Yamaguchi

Kanae Minato, geboren 1973 in Japan, begann ihre Karriere als Schriftstellerin mit dem Bestseller „Geständnisse“, der erfolgreich verfilmt wurde. Ihre Romane und Kurzgeschichten wurden vielfach ausgezeichnet.

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5 Kommentare zu „Kurz-Rezension „Geständnisse“ von Kanae Minato ★★★★★

  1. Hey 🙂

    Ich finde es ehrlich gestanden sehr, sehr schade, dass der Schreibstil so gar nicht meins ist. Denn die Story wäre genau meine Kragenweite … Aber ich bin ehrlich gestanden schon auf den ersten Seiten der Leseprobe verzweifelt, weil ich mit dieser Erzählform leider überhaupt nichts anfangen kann. Schätze, mir wird wohl nichts anderes übrigbleiben, als mir einmal den Film zu Gemüte zu führen …

    Liebe Grüße
    Ascari

    Gefällt 1 Person

    1. Anfangs tat ich mir auch etwas schwer, aber wenn man sich erst daran gewöhnt hat geht es wirklich flott. Und wie gesagt, es ist auf jeden Fall mal etwas Anderes. Aber so hat jeder seine Favoriten und Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Wäre ja traurig wenn wir alle das Gleiche gut finden würden *g*.

      Gefällt 1 Person

  2. Kann dir nur zustimmen – ein fesselnder und einnehmender Roman! Und gerade der Wechsel der Perspektiven macht den Reiz aus, denn nichts ist so wie es auf den ersten Blick scheint

    Gefällt 1 Person

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