Rezensionen · Romane

Rezension „Harte Tage, gute Jahre“ von Christiane Tramitz ★★★★★

Eine Biographie einer Sennerin in Romanform. Ein Rückblick in alte Zeiten – bewegend, beeindruckend und mit so viel Weisheit.

So frei und dem Himmel so nah

70 Jahre auf einer Alm in den bayerischen Bergen – die außergewöhnliche Lebensgeschichte einer bemerkenswerten Frau.
Christiane Tramitz erzählt das Leben der Sennerin vom Geigelstein. Es ist eine Geschichte vom einfachen Leben im Gleichmaß der Jahreszeiten und in Achtsamkeit vor der Natur und von der Geborgenheit inmitten einer vertrauten Heimat.
Weil sie Liebeskummer hatte, packte die damals siebzehnjährige Bauerntochter Maria Wiesböck aus Samerberg 1941 ihren Rucksack, verließ den väterlichen Bauernhof und stieg auf zur Oberkaser-Alm in den Chiemgauer Alpen. Dort versorgte sie fortan als Sennerin das Vieh und kehrte seitdem nicht einmal in den harten Wintern ins Tal zurück.
Die Alm-Wirtschaft wurde ihr Lebensinhalt. Sie lebte einfach und gesund im Einklang mit der Natur. Nun, am Ende dieses langen Lebens erkennt sie, dass das Vertraute mehr und mehr verschwunden ist. Auch auf der Alm hat das moderne Leben längst Einzug gehalten, und so manches davon bedroht die Natur.
Die Biografie der Sennerin vom Geigelstein entführt die Leser auf eine anrührende Weise in die längst untergegangene Welt der traditionellen Alm-Wirtschaft inmitten einer Natur, die sich die meiste Zeit des Jahres lebensfeindlich zeigt. Dieses Leben ist alles andere als ein Idyll gewesen. Es war voller Entbehrungen und bot dennoch jene Geborgenheit, die wir heute Heimat nennen…(Klappentext)

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„Die alte Sennerin Mare sitzt auf ihrem Stuhl und lauscht in die Stille. Im Herd zuckt die letzte Flamme, dann wird es finster im Raum. Ist schon die Nacht hereingebrochen?“ (Beginn)

Erzählt wird aus der Sicht der über 90-jährigen Mare – einer alten, nun schon leicht dementen, aber immer noch dickköpfigen Sennerin.
In der Gegenwart hat Maren mit ihrem Alter und den Menschen zu kämpfen, welche sie von ihrer geliebten Alm vertreiben wollen. Zu alt, zu schwach und nicht ganz richtig im Kopf sei sie, sagen die Leut‘. Die alte Sennerin jedoch, stur wie eh und je, weiß es besser und immer wieder schweifen ihre Gedanken in die Vergangenheit ihres langen und harten Lebens. Und so begleitet der Leser die alte Maren durch ihre Jugend mit der ersten großen Liebe, über ihre Tage als hart arbeitende Sennerin, bis hin zu ihren letzten Tagen. Ein Leben voller Stille und Entbehrungen, manchmal auch Hunger und Einsamkeit. Doch es war ein selbst bestimmtes Leben und sie wollte es nie anders haben, denn auf ihrer Alm war sie glücklich, dort oben war sie frei.

harte tage, gute jahre 2
© Pink Anemone

Die Geschichte von Maren wird von der Autorin einfühlsam wiedergegeben, sodass ein bewegendes und vor allem beeindruckendes Portrait einer Frau entsteht, die sich den damaligen Konventionen hinwegsetzte und ein selbst bestimmtes Leben führt, so wie es ihr gefiel.

Der Schreibstil ist flüssig und die Erzählweise packend, hat man doch das Gefühl durch Marens Augen zu blicken und mit ihr in Erinnerungen zu schwelgen.
Mit viel Liebe zum Detail, welche wunderschöne Naturbeschreibungen einschließt, gewinnt diese Biographie in Romanform Authentizität. Vor allem auch durch die im bayrischen Dialekt geführten Dialoge.

„Zur Winterzeit gibt es Tage auf dem Geigelstein, da verschwindet alles, was die Menschen dort geschaffen haben, unter einem großen weißen Teppich, und der Berg ruht still und mächtig wie ehedem.“ (S. 17)

Auch an Witz und Humor fehlt es nicht, was daran liegt, dass Maren nicht auf den Mund gefallen war und über einen Batzen trockenen Humor verfügte.

„>>Schnall di o.<< , >>Des hat’s früher net geben, des will i heit a ned<<, sagt Mare und schimpft bis zur nächsten, übernächsten und überübernächsten Kurve über das nervende Klingeln und Blinken des Fahrzeugs, bis sie sich fluchend anschnallt. >>Damit a Ruah is!<<“ (S. 101)

Und von der alten Sennerin Mare können wir nebenher noch vieles lernen – nicht immer gleich jammern, gelassener und mutiger sein, das Beste aus jeder Situation machen, sein eigenes Leben leben, ob es den anderen passt oder nicht und hin und wieder auch etwas sturer sein.

Fazit:
Ein bewegender und beeindruckender Rückblick in alte Zeiten aus der Sicht der alten Sennerin Mare.
Diese Biographie in Romanform konnte mich begeistern, vor allem aufgrund der einfühlsamen und würdevollen Charakterzeichnung und der Liebe zum Detail.
Ein Buch welches man immer wieder lesen kann und wobei einem Mare auch jetzt noch so einiges über das Leben beibringen kann. Nicht nur für Berg- und Almliebhaber.
Von mir gibt es daher eine absolute Leseempfehlung und ein Chapeau an die Autorin.

© Pink Anemone

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© Pink Anemone

Leseprobe (© Droemer Knaur Verlagsgruppe)

Weitere Produktinformationen:

Unabhängiger und selbständiger Kauf des Buches!

  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: Knaur HC (1. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426214318
  • ISBN-13: 978-3426214312
  • Preis: 16,99€ (Stand vom 14.01.2018)
  • Auch erhältlich als E-Book

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8 Kommentare zu „Rezension „Harte Tage, gute Jahre“ von Christiane Tramitz ★★★★★

  1. Weil der „like“-Button sich weigert zu erscheinen (bleibt immer auf „lade…“ stehen) kriegst Du eben einen Kommentar zu dieser tollen Rezension. Ich mag Lebensberichte von Menschen, die im Einklang mit der Natur gelebt haben, besonders gerne lesen. Wir haben uns ja leider viel zu weit davon entfernt und ich glaube, dass man von Menschen wie der alten Sennerin eine Menge lernen und übernehmen kann.

    LG Gabi

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    1. Also diese bösen Like-Buttons immer. Der Hintern ghört eana versohlt.
      Das Buch ist einfach nur traumhaft toll und man kann nicht nur bezüglich Leben in und mit der Natur von der alten Mare was lernen, sondern vor allem die Ansicht zum Leben selbst. Sie ist meine kleine persönliche Heldin. Und ich hab jetzt Lust auf eine Alm zu gehen und mich für 1 Woche dort oben einzuigeln..mit Büchern natürlich *g*

      Gefällt 1 Person

      1. Genauso habe ich mir das vorgestellt, dass Menschen, die mit Tieren und der Natur leben, oft einen viel klareren Blick auf alles haben und ein paar Weiseheiten mit einem teilen können, die uns weiterbringen.

        Ich stelle es mir sowieso traumhaft vor, einen Sommer (nicht nur eine Woche, ich muss es gleich wieder übertreieben … aber viele Bücher müssen mit!) weitab von allem in ganz einfachen Verhältnissen zu leben, von mir aus auch ganz alleine, und zu sich selbst zu finden 🙂

        LG Gabi

        Gefällt 1 Person

        1. Oh ja, und aufgrund der Bücher bräuchte ich da auch Strom. Ansonsten könnte es ruhig spartanisch eingerichtet sein *g*. Aber finde mal ne Hütte die nur für 1 Pers. ist. Ich suche nämlich schon seit einer Ewigkeit, aber die sind alle erst ab 4 Pers. und wenn man sich da einzeln einquartiert, zahlt man gleich mal das Doppelte oder Dreifache *heul*

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