Rezensionen · Thriller/Krimis

Rezension „Veilchens Winter“ von Joe Fischler ★★★

Witze-Krimi voller Klischees und etwas realitätsfern, bekommt erst ab der Mitte die Kurve, aber dafür dann richtig.

Russischer Winter in Tirol

Valerie „Veilchen“ Mauser, hochverdienter Star bei der Wiener Kripo, wird ans LKA in ihrer Tiroler Heimat berufen. Vom Neuanfang im „Heiligen Land“ erhofft sie sich ein einfacheres, ruhigeres Leben. Da hat sich Valerie aber böse geschnitten. Gleich am ersten Arbeitstag überträgt ihr der Landesvater höchstpersönlich einen äußerst delikaten Fall. In kürzester Zeit wird Valerie zum Spielball von Politik, Hochfinanz und ausländischem Kapital – in Gestalt eines vor kurzem eingebürgerten Oligarchen und Tiroler Neo-Hoteliers. Ein ungeklärter Todesfall und ein entführtes Kind bringen Valerie gehörig ins Schwitzen – ein mörderisch spannender Fall im gar nicht heiligen Land Tirol!…(Klappentext)

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„>>Mama?<<, krähte sie mit sattem Bass. >>Kind, um Himmels willen! Bist du krank?<< Valerie Mauser drehte sich auf die Seite und hustete. (S. 5 – Beginn)

Ich freute mich riesig darauf diesen Alpenkrimi zu lesen. Mal wieder etwas lockeres und witziges. Das es jedoch so „witzig“ wird hätte ich nicht gedacht.

Alles beginnt damit, dass Valerie Mauser, genannt Veilchen, von Wien nach Innsbruck versetzt wird. Gemütliche Leut‘, prachtvolle Berge und eine ruhige Kugel schieben. So hatte sie sich das Ganze zumindest vorgestellt..unser Veilchen. Vielleicht deswegen ein Grund weshalb man sich gleich bei der Antrittsfeier einen so mächtigen Schnapsrausch umhängt, sodass man Filmrisse hat und sich alles erstmal durch den Kopf gehen lassen muss.
In diesem Zustand wird Valerie sogleich vom Landeshauptmann in sein  Büro zitiert. Die Hütte brennt, denn die Tochter des millionenschweren russischen Oligarchen wurde entführt und dieser wird nun erpresst. Forderung: 3 Millionen, keine Polizei. Natürlich muss daher alles äußerst diskret ablaufen, ergo wirklich keine Polizei, sowie auch sonst kein Wort zu irgendwem. Veilchen ist auf sich alleine gestellt und muss nun ohne Hilfe die Tochter finden und die Täter dingfest machen. Nur gut, dass man in Tirol als Kriminalbeamtin keiner geregelten Arbeit nachgeht, sondern machen kann was man will, und so beginnt die Jagd nach den Entführern, die vor nichts zurück zu schrecken scheinen. (persönl. Inhaltsangabe)

Veilchens Winter 3
© Pink Anemone

Man erkennt vielleicht meinen leicht ironischen Unterton und das hat auch seinen Grund, denn so richtig ernst nehmen kann ich diesen Krimi nicht. Gut, vielleicht ist das auch so gewollt, aber ein bisschen Realitätsnähe wäre schon wünschenswert gewesen.

Veilchen, eine der besten Kripo-Beamten, agiert zeitweise weder professionell, logisch noch nachvollziehbar und manche Handlungen und Geschehnisse sind etwas realitätsfern.
Zudem wird hier einiges an Klischees aufgefahren. Sei es der Hansi Hinterseer-Verschnitt von Landeshauptmann, bis hin zu den Tirolern für die jeder ab Salzburg aus dem Balkan zu kommen scheint. Bischt a Tiroler, bischt a Mensch. Bischt koa Tiroler, bischt a Oasch.

Was mich jedoch am meisten störte, war die nicht aufhören wollende und oft überzogen wirkende Komik. Die Handlung wird nämlich immer wieder durch, meiner Meinung nach, übertrieben lustige Gedanken oder Slapstickeinlagen unterbrochen und das leider allzu oft.

„>>Der Groschen war gefallen<< hätte auch allzu abgedroschen geklungen. Noch dazu waren Groschen Geschichte, wie die Schillinge, nur die ‚falschen Fünfziger‘ gab’s noch. Die heißen heute Fuffis. Falsche Fuffis…“ (S. 71)

Danach folgten zwei „normale“ Sätze und dann wieder eine humoristische Einlage. Mit der Zeit hat mich das nur noch genervt, denn die Handlung wollte dadurch so gar nicht voranschreiten. Hinzu kommt dann auch noch das, aus dem Nichts auftauchende, imaginäre Teufelchen Veilchens, welches auf ihrer Schulter sitzt und, wär hätte das gedacht, ebenfalls witzige Sprüche ablässt. Das war für mich einfach too much. Lustiger Schmäh hin oder her, aber alles hat irgendwann seine Grenzen erreicht. Hier geht der Krimi auf Kosten der Witze und des Humors unter (wer hätte gedacht, dass sowas mal aus meinem Mund kommen würde?).

Ab der Mitte, mit dem Auftauchen ihres ehemaligen Kollegen Stolwerk, wird es jedoch besser. Viel besser! Die humoristischen Einlagen wirken nicht mehr so übertrieben und wurden auf ein erträgliches Maß reduziert. Die Dialoge sind pfiffig und auch wirklich zum Schmunzeln.
Auch die Handlung nimmt hier an Fahrt auf und somit auch die Spannung. Am Ende konnte mich der Autor sogar mit einer überraschenden Auflösung begeistern.

Der Schreibstil selbst ist klar und flüssig und auch die Erzählweise, abgesehen von den übertriebenen Komik-Elementen, lädt zum Weiterlesen ein.
Wäre es nur von Anfang an so gewesen…ich wäre vor Begeisterung nicht mehr zu halten gewesen.

Fazit:
Wenn der Krimi von Anfang an so verlaufen wäre, wie von der Mitte an, dann hätte er wohl volle Punktzahl erhalten. So musste ich mich jedoch durch übertriebene und nicht enden wollende humoristische Einlagen kämpfen, welche die Handlung erheblich bremsten und meistens gar nicht so witzig waren. In der ersten Hälfte geht der Krimi also auf Kosten der Witze und Komik komplett unter.
Mit den Klischees hätte ich mich noch anfreunden können (vor allem weil sie gar nicht so weit hergeholt sind), doch an diesen teils nicht nachvollziehbaren und realitätsfernen Handlungen hatte ich schon ein bissl zu knabbern.
Nichtsdestotrotz wird dieser Krimi ab der Hälfte richtig gut -> rasant, spannend, überraschende Wendung. Hier sind auch die Dialoge und so manche Geschehnisse wirklich witzig und zum Lachen. Tja, weniger ist eben oft mehr.
Lesern die auf humoristische Witze-Krimis stehen und es mit der Realität nicht so genau nehmen, kann ich diesen Alpenkrimi ohne Bedenken empfehlen.
Ob ich nun auch den 2. Teil dieser Reihe lesen werde, weiß ich noch nicht. Bin noch etwas hin und her gerissen.
Von mir gibt es zwar eine Leseempfehlung, diese richtet sich jedoch vor allem an die Freunde dieser Art von Krimis.

© Pink Anemone

Veilchens Winter 2
© Pink Anemone

❆❆❆

Leseprobe (© Haymon Verlag)

Autoren-Info:

Joe Fischler
© lovelybooks.de

Joe Fischler wurde 1975 in Innsbruck geboren und lebt in Tirol. Nach Jurastudium und Bankberuf machte er sich 2007 selbstständig und fasste 2014 den Entschluss, sich voll auf seine Bücher zu konzentrieren. „Veilchens Winter“ ist der erste seiner Veilchen-Krimis und erscheint im Haymon Verlag. Der Autor mag Figuren mit Tiefgang, spritzige Dialoge, realistische, zufallsfreie Ermittlungsarbeit und Spannung, die sich knapp vor der Unerträglichkeit im großen Finale auflöst. Neben dem Schreiben ist die Musik seine zweite große Leidenschaft, und so kann es vorkommen, dass er während seiner Lesungen auch mal in die Saiten greift. Abschalten kann er in der Natur: Beim „Mountain Walking“, einer Mischung aus Nordic Walking und Berggehen mit Stöcken, fliegen ihm die besten Ideen zu. Die verlorenen Kalorien gleicht er am liebsten mit gutem Essen und Rotwein aus, gefolgt vom geliebten Kaiserschmarrn, was ihn mit Stolwerk aus den Veilchen-Krimis verbindet. (© lovelybooks.de)

Weitere Produktinformationen:

Unabhängiger und selbständiger Kauf des Buches!

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Haymon Verlag; Auflage: 1. (12. Januar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3852189675
  • ISBN-13: 978-3852189673
  • Preis: 9,95€ (Stand vom 20.01.2018)
  • Auch erhältlich als als E-Book und HC

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6 Kommentare zu „Rezension „Veilchens Winter“ von Joe Fischler ★★★

  1. Ich mag schon auch mal Krimis, bei denen die Mordermittlung gar nicht so im Vordergrund steht, sondern eher die Personen und in denen auch der Humor nicht zu kurz kommt. Wo die Grenze zum Slapstick verläuft, ob man mit Überzeichnungen gut leben kann und ob einem Hau-Drauf-Humor oder doch eher leise Ironie gefällt, ist ja immer sehr individuell.
    Band 1 fand ich erfrischend und unterhaltsam. Bei Band 2 hätte ich gerne etwas anderes gehabt, eine charakterliche Weiterentwicklung, tiefergehende Informationen oder ähnliches, damit sich nicht der Eindruck einer bloßen Wiederholung von Band 1 festsetzt. Kam leider nicht, deshalb konnte mich Band 2 nicht überraschen und hat mich daher dann nicht mehr so begeistert.
    Inzwischen gibt es glaube ich schon 4 Bände und bei denen ist es vielleicht dann so gekommen, wie ich es schon für Band 2 erhofft hatte. Aber nach dem zweiten Teil hat mich die Leselust an diesen Alpenkrimis so verlassen, dass diese Serie jetzt erst mal ruht. Ich bin gespannt, ob Du weiterlesen wirst oder ob Dich diese Flaute schon nach Band 1 ergreift.

    LG Gabi

    Gefällt 1 Person

    1. Ahhh, danke für die Info…die mich jetzt noch mehr verunsichert hat. Vielleicht erst bei Teil 3 weiterlesen? Ne, geht irgendwie so gar nicht bei einer Reihe, oder?
      Erfrischend fand ich das jetzt nicht gerade, wenn nur noch Witz und Klamauk herrschen und die Handlung dadurch stecken bleibt. Wie gesagt, aber der Mitte war es Hammer. Hach, ich weiß ned. Na ich hab eh noch so viel auf dem SuB und dann lese ich vielleicht doch noch den 2. Teil *g*

      LG Conny

      Gefällt 1 Person

      1. Sorry, verunsichern wollte ich Dich nicht – aber ehrlich gesagt geht es mir so ähnlich wie Dir. Ich hab Teil 3 auf dem Reader, aber irgendwie locken mich immer andere Bücher mehr. Ich hate gehofft, Du rauscht durch die Reihe und kannst meine Begeisterung dafür wecken…. ich glaube, das ist auch eine Art Bücher, für die man in der richtigen Stimmung sein muss, dann passt es.

        LG Gabi

        Gefällt 1 Person

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