Rezensionen · Thriller/Krimis

Rezension „Die Lektion des Todes“ von Luca Veste ★★

Leider überwiegt hier das psychische Drama des Ermittlers und auch das Ende konnte mich nicht vollends überzeugen.

Diesen Psychothriller habe ich von Janna von KeJas-Blogbuch zu Weihnachten geschenkt bekommen und mir tut es irgendwie total leid, dass dieser Thriller nicht ganz so mein Ding war.
Der Grund – wieder einmal ein kaputter Ermittler mehr im Kreise der depressiven und schicksalsgebeutelten Inspektoren.
Erst vor kurzem habe ich mich noch mit Kerstin von KeJas-Blogbuch über diese Überschwemmung von Drama-Ermittlern unterhalten. Wer hätte da ahnen können, dass ich in kürzester Zeit auf genau so einen treffen werde, denn der Ermittler im vorliegenden Psychothriller schlägt alle Schicksale der bisherigen Ermittler in Krimis und Thrillern um Längen. Er hat nämlich nicht nur einen Schicksalsschlag hinter sich und alle diese Schläge sind keine „Frau hat mich verlassen, deswegen saufe ich von früh bis spät“- oder „Den letzten Fall konnte ich nicht lösen, deswegen saufe ich von früh bis spät und zieh auch noch eine Line“-Schicksalsschläge..ohhh nein..hier kommt es ganz dicke.

Kann mir von Euch jemand sagen, weshalb es fast nur noch kaputte Ermittler gibt? Die Frage stelle ich mir nämlich schon die längste Zeit. Was geht da in den Autoren vor? Haben sie die Befürchtung der Fall selbst könnte nicht für genügend Spannung sorgen? Doch aus persönlicher Leseerfahrung sorgt der Fall bzw. der Serienkiller durchaus für genügend Spannung, wird jedoch durch das Geseiere und Gejammere, inklusive gedanklicher Depressionsmonologe des Ermittlers unterbrochen, was zum Abfallen des Spannungsbogens beiträgt. Und es läuft in diesem Fall immer gleich ab – die Beweise führen zu einem Verdächtigen, dieser hat gleich etwas unglaublich schreckliches vor, die Spannung steigt und…der Ermittler verfällt in Gedanken an die Vergangenheit, wie furchtbar nicht alles ist und er so alleine ist und es nicht mehr aushält…buhuuu.

Natürlich gibt es auch bei mir Thriller- und Krimi-Reihen bei denen mich das private Umfeld und persönliche Probleme des Hauptprotagonisten durchaus interessieren. Das sind jedoch diejenigen, welche eher im Hintergrund und nur nebenher verlaufen, nicht jedoch im Vordergrund stehen. Und natürlich gibt es auch Leser, denen genau diese persönliche und private Komponente wichtig ist und manchmal sogar interessanter finden als den Fall selbst, aber wenn dadurch der Fall selbst in den Hintergrund rückt  ist es für mich irgendwie kein Thriller/Krimi mehr, sondern eher ein Spannungsroman.

Puhh, vielleicht sollte ich darüber einmal einen eigenen Beitrag schreiben *grübel* und bevor ich hier noch jemanden vergraule der einfach nur eine Rezension lesen wollte, lasse ich nun mein eigenes Geseiere und Gejammere sein und wir begeben uns zur Rezension *g*.

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Drama vs. Psychothriller

»Das Mädchen, das Sie gefunden haben, ist nicht mein erstes Experiment. Und es wird nicht das letzte sein.« In Liverpool wird die Leiche einer Studentin gefunden. Daneben ein Brief, der ein verbotenes psychologisches Experiment beschreibt. DI David Murphy hält den Brief für ein Ablenkungsmanöver – bis weitere Leichen auftauchen.Auf der anderen Seite der Stadt versucht Rob Barker, seinen eigenen Verlust zu verarbeiten. Vor knapp einem Jahr verschwand seine Freundin spurlos. Rob wurde verdächtigt, doch es gab keinerlei Beweise. Und zwischen beiden Fällen scheint es eine erschreckende Verbindung zu geben …(Klappentext)

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„Bereits in jungen Jahren wird uns die Angst vor dem Tod gelehrt – jener unbegreiflichen Macht, auf die wir alle zustreben, einzig und allein, weil wir existieren.“ (S. 9 – Anfang)

Klappentext und Anfang des Psychothrillers lassen einem Großes erwarten – Psychothrill durch und durch.
Die Thematik, die der Autor gewählt hat, lässt einem auf jeden Fall die Gänsehaut rauf und runter laufen. Ein Serienkiller treibt in Liverpool sein Unwesen und der Grund ist seine ganz spezielle Mission – Forschung und Experimente an Menschen. Er hält sich dabei an Dr. Sigmund Freuds These „Das Ziel allen Lebens ist der Tod“ und genau diesen will er erforschen und dafür benötigt er natürlich auch Publikum. Mit Briefen, welche an den Opfern angebracht sind, wendet er sich an die Ermittler und diese haben es in sich.

„Was fühlen wir im Augenblick des Todes? Können wir das Gefühl jemals beschreiben? Ohne die wissenschaftliche Forschung, ohne Experimente werden wir keine dieser Fragen je beantworten können.“ (S. 51)

Man erhält aber nicht nur anhand der Briefe Einsicht in die kranke Gedankenwelt des Täters, sondern auch durch ein paar wenige Erzählstränge des Killers selbst, welche erkennen lassen, dass bei ihm auf psychologischer Ebene so einiges im Argen liegt.

„Die Erste hatte nicht annähernd so sehr geschrien. Dieser nutzlose Haufen Haut und Knochen hatte mit seinem Geheul schier die Wände eingerissen.[…] Die hatte vielleicht Nerven.“ (S. 134)

Ebenso erhält man Einblick in die Sicht des Opfers „Experiment 2“, welches schon seit längerem in seinem Keller sein Dasein fristet, der ganze Stolz des „Wissenschaftlers“ ist und mit dem er noch viel vor hat.

die lektion des todes 3
© Pink Anemone

Erzählt wird in zwei Handlungssträngen.
Der eine betrifft die Gegenwart und wird hauptsächlich aus der Sicht des leitenden Ermittlers Murphy erzählt, aber zu ihm kommen wir später.
Der zweite Handlungsstrang ist ca. ein Jahr zuvor angesiedelt und enthält die Sichtweise von Rob Barker. Dessen Freundin verschwand nach einem Mädelsabend spurlos, doch keiner will ihm glauben, dass ihr etwas zugestossen sein könnte, da sie in der Vergangenheit schon mehrmals für Monate einfach abgehauen ist. Schließlich gerät er selbst ins Visier der Ermittler.

Bis hierher erscheint der vorliegende Psychothriller ein wahres Goldstück unter den Psychothrillern zu sein – interessante Thematik, der Schreib- und Erzählstil ist durchaus fesselnd und auch der Plot in diesen Bereichen geht einem unter die Haut. Hier erkennt man, dass der Autor, welcher ein Studium in Psychologie und Kriminologie absolvierte, durchaus Ahnung von der Materie hat. Doch leider fällt das Ganze durch den Hauptprotagonisten, den Ermittler Murphy, in sich zusammen.

Dieser hat private Probleme ohne Ende und diese sind wirklich gewaltig. Private Probleme bei Ermittlern sind derzeit ja sehr modern. Kein Krimi/Thriller scheint mehr ohne persönliches Ermittler-Drama auszukommen, aber Luca Veste treibt dies hier wirklich an die Spitze. DI David Murphy hat gleich 3 private Baustellen:

  1. er hat den letzten Mordfall versemmelt. Hier wird jedoch keineswegs darauf eingegangen welchen Mist er gebaut hat. Es wird nur immerzu erwähnt.
  2. Massive Probleme mit seiner Noch-Ehefrau, einer Junkie-Braut, von der er getrennt lebt
  3. ..und das ist fast schon ein eigenständiger Fall…seine Eltern wurden auf bestialische Weise ermordet

und als wäre das nicht schon genug, nimmt ihn dann auch noch der Serienkiller ins Visier. Sorry, aber das ist wirklich  absolutely too much! Kein Wunder flennt DI Murphy, ist völlig von der Rolle und kann sich nicht wirklich auf den Fall konzentrieren und dieser dann in dem Ganzen Tohuwabohu und Rumgejammere untergeht..und natürlich immer dann wenn es gerade spannend wird.

„Jeder lauerte nur darauf, dass er irgendeine Schwäche zeigte. Doch er hatte sich daran gewöhnt, die Fassade zu wahren – niemandem gegenüber irgendetwas preiszugeben oder zu teilen.“ (S. 62)

Tja, hätte sich auch nur der Autor etwas daran gehalten, so wäre der Spannungsbogen auf hohem Niveau geblieben und nicht ständig in sich zusammengesackt, aber da wäre das Buch wohl auch nur halb so dick geworden.

Die Auflösung enthält zwar eine große Überraschung, mit dem Ende bin ich trotzdem nicht zufrieden. Hier wird nämlich keineswegs darauf eingegangen, weshalb der Täter so wurde wie er ist, wieso ihn der Tod so fasziniert oder warum er sich für Experimente an Menschen entschieden hat. Man könnte meinen er macht das Ganze einfach nur, weil er gerade lustig ist und nichts besseres zu tun hat.
Mir fehlt hier der Bezug zur Pathopsychologie und bei einem Autor der ein abgeschlossenes Studium in Psychologie und Kriminologie hat, hätte ich mir eigentlich genau das erwartet.

Fazit:
Dieser Psychothriller hätte durchaus ein richtiggehendes Schmankerl werden können. Thematik top, Plot durchaus spannend (wenn das Zwischendrin-Gejammere nicht gewesen wäre) und toller Schreib- und Erzählstil. Leider wird hier jedoch das persönliche Drama des Ermittlers immer wieder in den Vordergrund gerückt und die Menge und Intensität dieser Schicksalsschläge sind einfach zu viel und zu dramatisch. Mich wundert, dass mir von dem ewigen Augenüberdrehen die selbigen nicht steckengeblieben sind.
Auch das Ende konnte mich nicht gänzlich zufriedenstellen.
Für Leser, welche sich für kaputte Ermittler interessieren und erwärmen können, ist dies sicher ein durchaus empfehlenswerter Psychothriller. Ebenso für Leser bei denen das Weshalb und Warum nicht so sehr im Vordergrund stehen.
Mein Highlight war dieser Psychothriller nicht wirklich. Aufgrund des tollen Schreibstils bleibt der Autor trotzdem auf meinem Radar. Vielleicht macht er es beim nächsten Mal ja besser.

© Pink Anemone

die lektion des todes 2
© Pink Anemone

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Autoren-Info:

luca veste
© Amazon

Luca Veste, Liverpooler mit italienischen Wurzeln, arbeitete als Schauspieler, Musiker und Staatsdiener, bevor er sein Studium der Psychologie und Kriminologie an der Universität von Liverpool begann.
Er ist Autor zahlreicher Kurzgeschichten, die in verschiedenen Publikationen veröffentlicht wurden, und lebt mit seiner Familie in Liverpool, dem Schauplatz seines aufsehenerregenden Debütromans »Die Lektion des Todes«.

Weitere Produktinformationen:

Geschenkt bekommen!

  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (19. Januar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 344238320X
  • ISBN-13: 978-3442383207
  • Preis: 3,26€ (Stand vom 07.03.2018)
  • Auch erhältlich als E-Book

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17 Kommentare zu „Rezension „Die Lektion des Todes“ von Luca Veste ★★

  1. Dir muss gar nichts leidtun! Mir tuts leid das mein Geschenk für dich ein griff ins Klo war … 😦

    Ich kann deine Kritik verstehen, empfand es selbst beim Lesen aber nicht so extrem – ist aber auch schon einige Jahre (?) her – wobei auch mir die Probleme des Ermittlers auffielen. Er war mir aber einfach sympathisch – das machte es wett 😉

    Dafür fand ich das Ende zu vorhersehbar, hihi

    Hoffe mit einem nächsten Buch irgendwann liege ich dann besser ❤

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    1. Das Ende war ja auch irgendwie..hmm…zu schnell vorbei. Ich hätte so gern gewusst wie er auf diese Idee gekommen ist usw. Ich bin in der Hinsicht aber auch seeehr neugierig und ja, es war zu offensichtlich wer dahintersteckt. Tja, uns kann wohl nix mehr so schnell aus den Patschen schmeißen XD
      Und bitte, bitte mach Dir keinen Kopf. Wer weiß, vielleicht gefällt Dir mein Geschenk ja auch nicht *g*

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      1. Ich gehe fast davon aus das das Buch heute einen ähnlichen Eindruck bei mir hinterlassen würde … von Jahr zu Jahr wird man den kaputten Ermittler*innen überdrüssiger. Aber als ich es las gefiel es, deshalb dachte ich … hach es lässt sich nicht schön reden – beim nächsten Mal wird’s gezielt eines von deiner A-Liste, hab sie ja abgespeichert (=

        Dein Buch wird leider noch etwas warten müssen …

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        1. Vor 2-3 Jahren hätte es aufgrunddessen vermutlich auch besser abgeschnitten. Wenn man so viele Krimis und Thriller liest wie wir beide, dann kommen einem eben vermehrt diese Dramaqueens unter und manchen gefällt ja genau diese Thematik, aber mir wird es schon zu viel mit diesen Baustellen-Kaspern von Ermittlern XD

          Du hast Dein ganzes Leben Zeit, um mein Buch zu lesen *g*

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          1. Ich denke auch, in wenigen Jahren kann sich sooo viel tun im leseverhalten. Ich glaube hätte ich „Siedlung der Toten“ vor 3 Jahren gelesen, hätte es vielleicht besser abgeschnitten (als Beispiel)

            Deswegen bin ich froh das sich meine Leseverhalten auch erweitert hat, breitgefächerter ist – man kann sonst gar nicht mehr begeistert werden! Aber der wechsel verschiedener Thematiken und Genres bringt frischen Wind rein!

            ❤ :-*

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          2. Weise Worte. Wenn es nicht so wäre, würden wir wohl immer noch Hanni & Nanni-Bücher lesen, also ein Hoch auf die Weiterentwicklung..auch wenn wir uns manchmal wie 16jährige Gören benehmen XD

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  2. Ich finde ja, negative Rezensionen schreiben und lesen sich viel leichter. Zumindest hatte ich viel Spaß beim Lesen. Und ja, ich hab auch die Schnauze voll von diesen kaputten Ermittlern. Es geht auch anders und zum Glück kriegen es zumindest einige Autoren auch so hin. Wobei ich schon Ewigkeiten keinen Psychothriller mehr gelesen habe… aber ich hab noch einen in meinem SuB gefunden… passend für die Challenge. 😉

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    1. Ich glaube es geht mittlerweile schon vielen so, dass sie diese Psychowracks von Ermittlern nicht mehr sehen können. Ich habe hier noch einiges an Thrillern rumliegen und auch Psychothriller, da finde ich sicher noch etwas für die Challenge. 😊

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    1. Ja Hallo meine Süße,
      ich habe mir auch mehr erhofft und es tut mir leid, da das Buch ein Geschenk von Janna war, aber es war eben einfach nicht meins. Ich hab die Nase irgendwie schon voll von durchgebeutelten Psychowracks von Ermittlern..und müssen es denn immer gleich so wahnsinnig dramatische Schicksalsschläge sein? Da spreche ich jetzt allgemein von diesen am Boden kriechenden Ermittlern. Aber naja, anderen gefällt so eine Thematik.
      Hoffe Dir geht’s gut?
      Liebe Grüße Conny

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  3. Heyho
    mmmmh…Das liegt hier ja auch noch herum und will gelesen werden. Aber will ich das jetzt? Deine Rezension ist spitzenklasse und sagt echt viel aus. Ich mag ja schräge Ermittler aber wenn es sich nur um private Probleme dreht und dann in diesem Maßen bin ich doch nicht glücklich damit. Vielleicht gebe ich dem Buch mal eine Chance und spätestens nach den ersten Seiten weiß ich ob oder ob nicht 😉
    Hab ein schönes Wochenende, das klopft nämlich schon an..tock tock tock
    Liebe Grüße
    Kerstin

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