Rezensionen · Thriller/Krimis

Rezension „Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten“ von Robert C. Marley ★★★★★ & Buchbesprechung

Gelungener Auftakt einer viktorianischen Krimi-Reihe – authentisch, spannend und mit ganz besonderen Charakteren.

Spätes 19. Jahrhundert / 1. Teil der Inspector Swanson-Reihe

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Ich liebe viktorianische Krimis und Thriller und mit diesem Buch habe ich ein ganz besonderes Schmankerl unter diesen Krimi-Reihen für mich entdeckt.
Hier sprüht es regelrecht vor Authentizität und das Besondere daran – die meisten Protagonisten existierten wirklich und der Autor hat rund um diese eine spannende Geschichte kreiert. Dadurch sticht dieser Autor mit der Inspector Swanson-Reihe definitiv aus der Masse heraus, denn durch diese Tatsache erhält dieser Krimi eine ganz besondere Tiefe und Authentizität.
So etwas lädt mich dann natürlich immer ein zu googeln und bevor wir uns meiner Rezension widmen, möchte ich die (für mich) wichtigsten Personen aufzählen und deren Rolle in diesem Krimi kurz erläutern.

Oscar Wilde, Arthur Conan Doyle und Agatha Christie

 

Diese Autoren kennt wohl jeder.

  • Arthur Conan Doyle bringt sich im vorliegenden Krimi begeistert in die Ermittlungen ein, sehr zum Erstaunen und nicht unbedingt zur Freude von Inspector Swanson. Wenn jemand auf den Knien herum rutscht, um einen Tatort mit einer Lupe zu untersuchen, um sich in Sherlock Holmes hineinversetzen zu können, sieht das mehr als nur seltsam aus
  • Agatha Christie begegnet uns als junges und ungestümes Mädchen. Schon im zarten Alter hat sie eine bemerkenswerte Beobachtungsgabe und ist alles andere als auf den Mund gefallen.
  • Oscar Wilde hat sehr häufig Auftritte in diesem Krimi und wird hier wirklich sehr bildhaft und authentisch porträtiert – sarkastisch mit viel trockenem Humor und immer für eine Flirterei zu haben. Kein Wunder hat man sich im damaligen London über ihn das Maul zerrissen.

Last but not least unser Hauptprotagonist Chief Inspector Donald Sutherland Swanson

Donals Swanson
© Wikipedia

Auch dieser existierte wirklich und war alles andere als unbekannt. Chief Inspector Donald Sutherland Swanson war nämlich kein geringerer als der leitende Ermittler beim Fall Jack the Ripper 1888.
Also wenn das einen Krimi nicht authentisch macht, dann weiß ich auch nicht.

Auch dieser Hope-Diamant, um den sich alles in diesem Krimi dreht, existiert. Der Fluch und die Familie Hope machten schon damals Schlagzeilen.  Es ist daher nicht verwunderlich, dass dieser blaue, hochkarätige Diamant in vielen Filmen Erwähnung findet, wie z.B. in „White Collar“, „South Park“ (da soll noch jemand sagen diese Serie würde nichts zur Bildung beitragen *g*) und natürlich „Titanic“.
Heute kann man den Hope-Diamant in Washington im National Museum of Natural History betrachten.

Der Autor hat also wirklich außerordentlich viel Arbeit in die Recherche gesteckt und das erkennt man auch beim Lesen dieses Krimis.

Übrigens habe ich durch diesen Krimi die Seite der Baker Street Bibliothek und den Dryas-Verlag entdeckt. Alle die ins viktorianische England abtauchen wollen sind auf diesen Seiten gut aufgehoben.

So, und nun wollen wir uns endlich meiner Rezension widmen…

Inspector Swanson - Diamentenfluch 2
© Pink Anemone

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Der Tod der Goldschmiede

London 1893, Gordon Wigfield, ein ehrbarer Goldschmied und Damenfreund wurde in seiner Werkstatt auf bestialische Weise ermordet.
Chief Inspector Donald Sutherland Swanson nimmt die Ermittlungen auf.
Doch es bleibt nicht bei einer Leiche. Die Nachforschungen führen Swanson schließlich in die höchsten Kreise der Gesellschaft. Welche Rolle spielen Oscar Wilde und sein Geliebter Lord Douglas? Und was weiß Arthur Conan Doyle?
Die Karten werden neu gemischt, als sich herausstellt, dass der in den Kellern des Londoner Bankhauses Parr am Cavendish Square aufbewahrte „Blaue Hope-Diamant“ eine Imitation ist …(Klappentext) – hier wäre es übrigens von Vorteil gewesen nicht gleich zu viel zu verraten.

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„Die Zeit der Kerzen und der Gemütlichkeit. Die Zeit des dampfenden Kakaos und der duftenden Kerzen. Die Vorweihnachtszeit….“ (S. 11 – Anfang)

Ruhig und besinnlich scheint dieser Krimi zu beginnen doch lasst Euch nicht täuschen, denn hier geht es alles andere als ruhig und besinnlich zu. Bereits ein paar Seiten weiter war es das mit der Idylle und die unerklärlichen Morde an Englands Goldschmieden nehmen ihren Anfang – im Jahre 1878.
15 Jahre später – Chief Inspector Swanson wird zu einem Mord gerufen. Ein geachteter und ehrbarer Goldschmied wurde auf bestialische Weise ermordet. Alle Beweise und Hinweise scheinen ins nichts zu führen, bis ein weiterer Goldschmied auf ähnlich brutale Art ermordet aufgefunden wird. Parallelen sind der Beruf und die Räucherkegel die um und auch in den Leichen gefunden werden. Bei den Ermittlungen wird schnell klar, dass diese Goldschmiede gar nicht so ehrbar waren wie es zunächst schien. Jeder von ihnen hat Dreck am Stecken und das nicht zu knapp.
Doch was dies alles mit dem Hope-Diamanten zu tun hat und weshalb die Zeit läuft, tja, das liest man am besten selbst.

Inspector Swanson - Diamentenfluch 3
© Pink Anemone

Ich liebe viktorianische Krimis aufgrund ihres ganz eigenen Flairs und sofern sie authentisch sind und dieser reizte mich besonders.
Dieser Krimi sprüht nämlich nahezu vor Authentizität. Dies liegt vor allem an den vorhandenen Protagonisten.
Der Großteil der im Buch vorkommenden Personen existierte wirklich. Oscar Wilde, Arthur Conan Doyle und auch die kleine Agatha Christie kreuzen unseren Weg. Aber allen voran Chief Inspector Donald Sutherland Swanson. Ja, richtig gelesen. Dieser Krimi beruht auf eine einst tatsächlich existierenden Person. Ebenso gibt es auch den berüchtigten Hope-Diamanten, wie auch sein Fluch, der angeblich vielen Besitzern Unglück und Tod bescherte.
Mit diesem Wissen erhält dieser Krimi einen ganz besonderen Charme.
Der Autor schafft es auf sehr einnehmende Art und Weise diese Personen auftreten zu lassen, welche den Leser nicht nur einmal schmunzeln lässt.
Die Charaktere sind durchwegs gut und vor allem authentisch gezeichnet und behalten ihren für sie typischen Charme bei.

Die Charakterzeichnugnen sind im Allgemeinen sehr gut gelungen und die an die Zeit  angepasste Dialogführung trägt ebenso dazu bei sich in die damalige Zeit zurückversetzt zu fühlen.
Die Zahl der Protagonisten wäre auch durchaus überschaubar gewesen, wenn der Autor bei den Angaben der Namen nicht des Öfteren zwischen der Familien- und Vornamen, sowie der Kurzform der Vornamen switchen würde. Das führte manchmal etwas zur Verwirrung.

Historische Ereignissen werden hier ebenso auf amüsante Weise eingeflochten.

„Es war das Jahr 1893. Jenes Jahr, in welchem die Welt ihr Augenmerk skeptisch auf Neuseeland gerichtet hatte. Man sprach vom Verfall der Moral, man sah sich einer unglaublichen Bedrohung ausgesetzt, man zitterte und schauderte bei dem Gedanken daran, eine Welle weiblicher Gewalt könne amazonenhaft und feministisch auf die heilen Kontinente männlicher Herrschaft schwappen und sie überspülen.“ (S. 19)

Die Rede ist von der Wahlberechtigung der Frauen und welche Reaktionen diese in der damaligen Zeit auslöste.
Aber auch die Geschichte der Forensik wird hier thematisiert. Diese steckte damals noch in den Kinderschuhen und so etwas wie die Möglichkeit Täter anhand von Fingerabdrücken zu überführen, wurde nur müde belächelt.

„Trotz seiner Offenheit den geheimnisvollen wissenschaftlichen Methoden der noch jungen forensischen Abteilung des Yards gegenüber war Swanson ein skeptischer Mann der alten Schule…“ (S. 33)

Der Autor hat hier wirklich viel Zeit und Mühe in die Recherche gesteckt und historische Ereignisse genauso packend beschrieben wie den Krimi selbst.
Der Schreibstil ist flüssig und die Erzählweise packend. Der Plot enthält unzählige Wendungen und die Auflösung war selbst für mich mehr als überraschend. Es gab im Verlauf der Story absolut keine Hinweise und trotzdem war es doch logisch und nachvollziehbar.
Hier wird auch nicht am typisch britischen Humor gespart – morbide und trocken, bissig und treffend, also ganz meins. Daher musste ich mehr als nur einmal laut lachen.

Trotzdem sollte man nicht allzu zart besaitet sein, denn die Morde sind alles andere als 08/15 und werden hier nicht nur angedeutet.

„Die Hände mit Draht gefesselt. Der Kopf im Nacken. Die Augen entsetzt aufgerissen. Schwache Rauchschwaden stiegen noch immer aus der verbrannten Mundhöhle auf […..]. Der Mörder hatte den Mann auf den Stuhl gesetzt und ihm das geschmolzene Gold in den Rachen gegossen.“ (S. 29)

Und das ist die harmloseste vorhandene Beschreibung.

Fazit:
Dies ist der Auftakt einer viktorianische Krimi-Reihe, welche definitiv ganz nach meinem Geschmack ist und das Zeug dazu hat einer meiner Lieblingsreihen zu werden – authentisch, spannend, mit viel britischem Humor und ganz besonderen Charakteren. Von mir gibt es daher eine absolute Leseempfehlung und ich freue mich jetzt schon den 2. Teil zu lesen.

© Pink Anemone

Inspector Swanson - Diamentenfluch 4
© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Blogger-Rezensionen

© Weltenwanderer

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Reihenfolge der Inspector Swanson-Reihe:

  1. „Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten“
  2. Inspector Swanson und der Fall Jack the Ripper
  3. „Inspector Swanson und der magische Zirkel“
  4. „Inspector Swanson und das schwarze Museum“

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Weitere Produktinformationen:

Enthält Werbung!

Selbständiger und unabhängiger Kauf des Buches!

Weitere britische und viktorianische Krimis und Romane erhält man im Dryas-Verlag. Ein Tipp für alle Liebhaber dieses Genres.

Druck
© https://www.dryas.de/
  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Dryas Verlag; Auflage: 1 (1. Mai 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940855537
  • ISBN-13: 978-3940855534
  • Preis: 10,50€ (Stand vom 07.03.2018)
  • Auch erhältlich als E-Book und HB

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Autoren-Info:

Robert Cedric Marley
© https://hoermordkartell.de/Autoren-und-Autorinnen/Marley:::7_14.html

Robert Cedric Marley wurde 1971 geboren und ist das Pseudonym des Autors Gerald Hagemann. Er ist gelernter Goldschmiedemeister und Mitglied des Magischen Zirkels, für den er Zauberapparate anfertigt. Seit seiner Jugend liebt er die Krimis von Sherlock Holmes und Agatha Christie und besitzt auch ein eigenes Kriminalmuseum. Er unterrichtet Kinder und Jugendliche in Selbstverteidigung und Selbstbehauptung und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in einer sehr alten Stadt.
Autorenbeiträge findet Ihr auch in der Baker Street Bibliothek.

 

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19 Kommentare zu „Rezension „Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten“ von Robert C. Marley ★★★★★ & Buchbesprechung

  1. Du bist aber auch immer ausführlich o.O *VirtuellenHutZieh und wieder wunderhübsche Fotos von dir! Auch wenn du Wiki angibst, beim ersten fehlt es und hast du dich informiert ob sie Urheberrecht haben? Kleine Blogs wie wir kommen nicht unbedingt in solche Situationen, aber wenn dann wird es teuer!

    Du hast mich wirklich ein wenig angezuckert was das Buch betrifft – werde ich mal im Auge behalten! Zartbesaitet bin ich absolut nicht, wobei die Festa-„Kühe“ mich an meine Grenzen bringen, holy shit!

    Hab einen feinen Abend :-*

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    1. Ich hoffe nicht zuuuu ausführlich. Ansonsten einfach so weit nach unten scrollen bis einen was interessiert *g*.
      Beim ersten Bild gibt es keine Urheberrechts-Angaben, daher habe ich nur Wiki angegeben. Steht ja sonst nix dabei.

      Die Reihe ist wirklich Hammer, also zumindest was ich bezüglich dieses Teils der Reihe beurteilen kann.
      Zu Deinen Festa-Kühen habe ich schon was gelesen. Ich glaube das lasse ich dann wohl lieber..oder doch nicht…Du hast mich gerade wegen Deinem „UUaahhhh“ neugierig darauf gemacht, aber ich lese auch kein Festa-Extrem. Ach mal gucken *lach*.

      Dir auch einen schönen Abend mit Flauschiball und gute Besserung Schnuggschnugg :-*

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      1. Erstmal: dein Blog – deine Party, und wenns ein Roman für sich wäre 😉

        Wenn ich Zeit habe lese ich deine Rezensionen sehr gerne, sie benötigen nur eben mehr Zeit als die ein oder andere auf anderen Blogs.

        Du hast mich definitiv neugierig gemcht! Mich würd interessieren ob Band 2 unabhängig gelesen werden kann – reizt mich noch etwas mehr hihi Also zack Band 2 bitte danke lesen udn rezensieren und sagen ob es alleinstehend gelesen werden kann (so ganz ohne Druck jetzt, ne?! *lach)
        Ich will schon länger mehr Bücher aus der Zeit lesen – weiß gar nicht woher dieses Interesse plötzlich kommt.

        Oh, also bei „Kühe“ muss man was aushalten können! Also wirklich aushalten können! Rezi wird folgen, wenn du dann sagst das du es nicht lesen willst, berichte ich ausführlicher was ich meine – weiß noch nicht (bin noch mittendrin) was ich dann wirklich in meiner Besprechung aufnehme …

        Dankö :-*

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        1. XDDDDD Ich habe den 2. Teil sogar schon bei mir, aber die Zeit…DIE ZEIT!!! Ich kann Dich aber verstehen. Wollte auch zuerst mit dem 2. Teil beginnen weil..weißt schon…Jack the Ripper und so XD, aber dann dachte ich mir „Nöööö, fängst mit dem 1. an, so wie es sich gehört.“ *g*

          Du machst mich mit den Kühen immer neugieriger *lach* Das Buch ist ja von einem britischen Autor oder nicht? Zumindest hätte ich es auf meiner WL. Na erstmal abwarten *g*

          Busserl

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          1. Genau das – Jack! 😀
            Hach, ich mach da gar nix was sich gehört – jede Reihe, weil erstmal ein Buch mich anspricht beginnen? Nööö 😀 Hab von poznanzki auch ein Reihenbuch hier, ist das 3.
            Meist fang ich mit dem Buch was mich anspricht an, außer eine Christin (Kaisu) kommt dazwischen und macht dickes du du du, zack hast die ersten drei hier *lach

            Wenn du „Kühe“ kaufst bin ich mega gespannt was du dazu sagst!! Bin bislang noch nicht weiter gekommen, aber schon jetzt nach 120 Seiten kann ich sagen: holy shit welch kranker scheiß!

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          2. Kranker Scheiß wäre eigentlich genau das Richtige für mich, aber ich denke ich werde mit den Kühen noch bis zu deiner Rezi warten…voraussichtlich..wahrscheinlich..vielleicht..ups, es ist in meinem einkaufskorb 😆

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          3. Pssst…bin gerade auf der Festa-Seite. Ich will ja nix sagen, aber ich denke es wird Zeit für’s Urlaubsgeld XD
            Öhm, ja, schätze mit meinem Februar-Rückblick wird’s heut nix mehr *Festagestöber..oh da sind ja die Kühe*….

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          4. Ich kringel mich – herrlich! Meine Rezi wird definitiv auch nix mehr heute! Hui, wie viele Bücher werden es denn? o.O 😀 „Bighead“ und „Dahmer ist nicht tot“ fand ich sehr reizvoll und liegen hier schon

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