Klassiker · Rezensionen

Rezension „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen ★★★★★

Diese Ausgabe ist nicht nur vom Cover her eine Augenweide, sondern auch vom Inhalt. Da zahlt sich ein Re-Read definitiv aus.

Ich lese normalerweise absolut keine Liebesromane oder Romane die nur ansatzweise in die romantische Richtung gehen. Jane Austen ist hier die große Ausnahme und das hat seinen Grund.
Sie schreibt mit äußerst spitzer Zunge, nimmt den englischen Landadel auf die Schippe, ihre Romane wimmeln nur so vor skurrilen Figuren und sprühen vor Sarkasmus. Man könnte ihre Romane durchaus als Parodie der englischen Oberschicht bezeichnen und dies ist mit Sicherheit auch ein Grund, weshalb ihre Romane schon zu ihren Lebzeiten beliebt waren.
Auch nach über 200 Jahren werden ihre Romane gelesen und das mit Begeisterung, was mitunter an dem flüssigen und frischen Schreibstil, aber auch an den oben genannten Gründen liegt. Jane Austen war demnach ihrer Zeit um einiges voraus und hat sich selbst gegen so manche Konventionen gestellt – unverheiratet, Schriftstellerin und das auch noch auf so direkte und humorvolle Art und Weise. Kein Wunder sind ihre Romane und vor allem „Stolz und Vorurteil“ ein….

Zeitloser Klassiker

Stolz und Vorurteil 2
© Pink Anemone

Nicht weniger als fünf Töchter haben die Bennets standesgemäß unter die Haube zu bringen. Kein leichtes Unterfangen für eine Familie auf dem Land, die nur über ein bescheidenes Vermögen verfügt. Ausgerechnet die intelligente Elizabeth, das Lieblingskind des Vaters, erweist sich als besonders schwieriger Fall. Zum allgemeinen Unverständnis hat sie die Stirn, den Antrag eines wohlsituierten Pfarrers auszuschlagen. Statt dem Drängen der Familie nachzugeben, folgt Elizabeth hartnäckig ihrem eigenen Urteil …(Klappentext)

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„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau. “ (S. 5 – Anfang)

So beginnt Jane Austens Roman „Stolz und Vorurteil“ und dieser Satz ist fast so berühmt wie Jane Austen und ihre Romane selbst.
„Stolz und Vorurteil“ ist einer ihrer populärsten Romane und somit spare ich mir eine Zusammenfassung des Inhalts.
Es ist ein typischer Entwicklungsroman aus Jane Austens Feder mit viel Liebe zum Detail, der typischen auktorialen Erzählweise mit den bissigen und ironischen Bemerkungen der Erzählerin aus dem „Off“ und somit ist es regelrecht erfrischend der Entwicklung der Protagonisten zu folgen.
Fast durchgehend lag mir ein Schmunzeln auf den Lippen, da Jane Austen es wirklich versteht das damalige Sittenbild aufs Korn zu nehmen.

„…<<man kann keine Frau wirklich gebildet nennen, die nicht das übliche Maß weit übertrifft. Eine Frau muss grundlegende Kenntnisse in Musik, Gesang, Zeichnen, Tanzen und moderner Sprache haben, um diese Bezeichnung zu verdienen, und außerdem das gewisse Etwas in Haltung, Gang, Tonfall, Benehmen und Sprechweise besitzen, sonst verdient sie die Bezeichnung nur zur Hälfte.>>“ (S. 62)

Jane Austen hat ein literarisches Sittengemälde erschaffen, welches vor Ironie und Sarkasmus nur so strotzt.

Ebenso spitzzüngig werden hier die skurrilsten Personen porträtiert und dem Leser so auf humorvolle Art und Weise näher gebracht. Man liebt sie, man hasst sie, man bemitleidet sie. Durch so manche bissige Beschreibung kann man das Gefühl des genervt seins der Hauptprotagonistin bezüglich mancher Bekannten und Verwandten mehr als deutlich nachempfinden:

„Sir William Lucas und seine Tochter Maria, ein gutmütiges Mädchen, aber ebenso hohlköpfig wie er, wußten nichts zu sagen. was des Zuhörens wert gewesen wäre, und Elizabeth lauschte ihnen mit etwa demselben Vergnügen wie dem Rattern der Räder.“ (S.242)

Der Roman ist aber ebenso tiefgründig wie amüsant und auch die Romantik kommt hier nicht zu kurz, enthält der Roman doch eine der größten literarischen Liebesgeschichten.

„Stolz und Vorurteil“ eignet sich daher hervorragend, um mit den Werken von Jane Austen zu beginnen und hier möchte ich Euch vor allem diese Ausgabe aus dem Penguin-Verlag  ans Herz legen.
Inzwischen kann ich 3 Ausgaben von „Stolz und Vorurteil“ mein eigen nennen und die Übersetzung von Andrea Ott ist meiner Meinung nach für Jane Austen-Beginner sehr gut geeignet. Jane Austens Schreibstil wurde hier leicht modernisiert und daher verständlicher. Trotzdem gehen hier der erfrischende Esprit und der Humor einer Jane Austen keineswegs verloren.
Zudem enthält diese Ausgabe Anmerkungen, welche einem viele Bezeichnungen oder Geschehnisse verständlicher machen, sowie ein Nachwort der Übersetzerin selbst, welches interessante Einblicke zu dem Roman besteuern.

 

Falls in der Schule dieser Roman gelesen und besprochen werden soll, dann ist diese Ausgabe auch in dieser Hinsicht ans Herz zu legen.

Fazit:
Ich weiß nicht wie oft ich schon „Stolz und Vorurteil“ gelesen habe, aber dieser Roman begeistert mich immer wieder aufs Neue und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Mittlerweile besitze ich schon drei Ausgaben von „Stolz und Vorurteil“ und die vorliegende Ausgabe ist nicht nur vom Cover her eine Augenweide, sondern auch vom Inhalt. Diese eignet sich aufgrund des leicht modernisierten Schreibstils hervorragend, um mit Jane Austens Romanen einzusteigen.
Von mir gibt es daher eine absolute Leseempfehlung und hoffe, dass noch weitere Jane Austen-Romane in diesem „Kleid“ im Penguin-Verlag erscheinen werden.

© Pink Anemone

Stolz und Vorurteil 5
© Pink Anemone

Leseprobe: Stolz und Vorurteil

Autoren-Info:

Jane_Austen_1870_cropped
Stich von 1869, nach einer Skizze von Cassandra Austen, National Portrait Gallery, London

Jane Austen (1775-1817) wurde in Steventon, Hampshire, geboren und wuchs im elterlichen Pfarrhaus auf. Nach Meinung ihres Bruders führte sie „ein ereignisloses Leben“. Sie heiratete nie. Einen Heiratsantrag des um sechs Jahre jüngeren Harrison Bigg Wither hatte sie im Jahr 1802 abgelehnt. Als etablierte Romanautorin lebte sie in relativer Zurückgezogenheit und wurde schließlich im Alter von 40 Jahren schwer krank. Sie starb am 18. Juli 1817 in Winchester.
Ihre literarische Welt war die des englischen Landadels, deren wohl kaschierte Abgründe sie mit feiner Ironie und Satire entlarvte. Psychologisches Feingefühl und eine lebendige Sprache machen ihre scheinbar konventionellen Liebesgeschichten zu einer spannenden Lektüre.

Weitere Produktinformationen:

Unabhängiger und selbständiger Kauf des Buches!

  • Taschenbuch: 640 Seiten
  • Verlag: Penguin Verlag (9. Mai 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3328101667
  • ISBN-13: 978-3328101666
  • Originaltitel: „Pride and Prejudice“
  • Preis: 10,00€
  • Dieser Roman ist auch als E-Book, HC, Audio-CD etc. erhältlich

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7 Kommentare zu „Rezension „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen ★★★★★

  1. Hallo 🙂
    eine sehr gelungene Rezension. Ich muss zugeben das ich „Stolz & Vorurteil“ nie zu Ende gelesen habe. Ich hab es immer mal wieder versucht aber irgendwie ist das Buch nichts für mich. Ich mag dafür die verfilmung mit Keira Knightley sehr *pfeiff*.
    Das Buch ist wirklich sehr schick gemacht!

    LG

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo liebe Conny,

    eine tolle Rezension und eine wunderschöne Ausgabe des Buches!
    Ich habe „Stolz und Vorurteil“ vor längerer Zeit gelesen und es hat mich auch sehr begeistert. Ich hatte mir immer vorgenommen, weitere Bücher von Jane Austen zu lesen. Das werde ich irgendwann auch noch tun. Jedenfalls hast du recht: Es ist ein zeitloser Klassiker. 🙂

    Liebe Grüße
    Nicole

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen lieben Dank! Ich kann Dir dann noch „Verstand und Gefühl“ empfehlen. „Northanger Abbey“ habe ich soeben ausgelesen. Auch nicht schlecht und auch durchaus witzig zu lesen, aber eben nicht ihr bestes Buch 😉

      Gefällt mir

  3. Servus!

    Krieg ich jetzt Schimpfe, wenn ich mich oute, noch nie von der Autorin was gelesen zu haben? Obwohl sie ja diesen Klassiker-Status hat, ist sie bei uns in der Schule in Englisch komplett an mir vorbeigezogen … Und selbst war ich nie motiviert genug, mich damit zu beschäftigen.

    Ich habe als Teenager zwar schon einiges aus dem 19. Jahrhundert gelesen, aber ich war eher auf der abenteuerlichen und detektivischen Seite unterwegs (Sherlock Holmes bzw. Die drei Musketiere). Das reine Liebeszeug – mit dem hatte ich immer schon so meine Probleme, weil es mich einfach nicht fesselt, so einer Geschichte zu folgen, wenn ich eh schon am Anfang weiß, dass sie sich kriegen werden (okay, Ausnahmen gibt es natürlich, aber ich schätze, du weißt, was ich meine 😀 ).

    Trotzdem sieht diese Ausgabe wirklich sehr hübsch aus und ich kann verstehen, warum sie dir gefällt. In meinem Regal wäre sie der absolute Exot, bei mir gibt’s kein einziges Buch mit Blumen drauf 😀 .

    Liebe Grüße
    Ascari

    Gefällt 1 Person

    1. Ach was, es gibt genügend die noch nie Jane Austen gelesen haben und Du weißt, ich bin ja auch nicht gerade ein Freund von Liebesromanen. Wie gesagt ist Jane Austen da eine große Ausnahme, aber auch nur weil sie so herrlich bissig und voller Ironie und Sarkasmus schreibt *g*.
      Liebe Grüße
      Conny

      Gefällt 1 Person

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