Klassiker · Rezensionen

Rezension „Northanger Abbey“ von Jane Austen ★★★★ & Buchbesprechung

Nicht der beste Roman aus Jane Austens Feder, aber definitiv der humorvollste, voller Satire und wohl auch ihr persönlichster.

Wer mich kennt weiß, dass ich Gothic Novels liebe. Genau diese werden jedoch von Jane Austen ordentlich auf die Schippe genommen. Weshalb ich trotzdem „Northanger Abbey“ gelesen habe und es mir auch gefallen hat? Ganz einfach, weil es Jane Austen ist, welche hier die Schauerromane auseinander nimmt und zwar auf so humorvolle und bissige Art und Weise wie man es von ihr gewohnt ist und es, nun ja, eben einfach von Jane Austen kommt.
Außerdem gibt es wohl kein Buch, welches mehr Tipps für Schauerromane enthält wie dieses hier und das auch noch perfekt in eine Geschichte eingewebt. Im Grunde hat Jane Austen hier ordentlich an der Werbetrommel gerührt – zumindest was mich betrifft, denn es landeten einige davon auf meiner Wunschliste.

Bevor es zu meiner Rezension geht, noch ein paar kleine geschichtliche Informationen zu „Northanger Abbey“.
Obwohl dieser Roman erst 1818 posthum erschienen ist, ist er einer ihrer frühesten abgeschlossenen Romane und sollte ursprünglich unter dem Titel „Lady Susan“ erscheinen. Jane Austen begann mit dem Roman bereits zwischen 1794 und 1805, überarbeitete ihn jedoch unzählige Male. 1803 vollendete sie diesen Roman „Lady Susan“ und verkaufte ihn an den Verlag Crosby & Son. Ihre Ankündigung diesbezüglich lautete:

„…ein gewisses Augenmerk auf diejenigen Teile des Werks zu richten ist, die nach dreizehn Jahren etwas veraltet sind. Der Leser möge also im Gedächtnis behalten, dass dreizehn Jahre seit Fertigstellung dieses Buches vergangen sind und noch viele Jahre mehr, seitdem es begonnen wurde, und dass sich während dieser zeit die Örtlichkeiten, Gebräuche, Bücher und Ansichten zum Teil erheblich gewandelt haben“

Der Verlag veröffentlichte diesen Roman jedoch nie und das ist auch ein Grund weshalb er erst posthum erschien und zwar durch Jane Austens Bruder Henry herausgegeben. Dieser hat hierbei auch gleichzeitig ihre Identität preisgegeben, da Jane Austen ihre Romane zeitlebens unter dem Anonym „By a Lady“ veröffentlichte.

Und nun begeben wir uns in die Welt der Schauerromane.

Northanger Abbey 2
© Pink Anemone

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Northanger Abbey oder Satire eines Schauerromans

Catherine Morland ist jung und tugendhaft, jedoch weder ausnehmend schön noch besonders elegant, und als Tochter eines Geistlichen keine sonderlich gute Partie. Ihre Leidenschaft gilt Büchern und deren Figuren und entsprechend naiv verhält sie sich im realen Leben. Doch als sie sich in den gebildeten, wohlerzogenen Henry Tilney verliebt, lernt sie, auf ihre Gefühle zu hören.
Eine Einladung auf den Landsitz seiner Familie scheint wie die Erfüllung eines Traums. Doch die Aura des alten Anwesens Northanger Abbey beflügelt Catherines Phantasie: Sie glaubt, einem düsteren Familiengeheimnis auf der Spur zu sein…
(Klappentext)

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„Kein Mensch, der Catherine Morland in ihrer Kindheit gekannt hatte, wäre auf die Idee gekommen, sie könnte zur Romanheldin geboren sein.“
(S. 9 – Anfang)

Obwohl dies nicht Jane Austens bester Roman ist, so ist er doch der humorvollste und voller Satire. Hier wird der Schauerroman, welcher sich damals großer Beliebtheit erfreute, ordentlich auf die Schippe genommen.

Catherine, die Hauptprotagonistin, beginnt zusehends die Realität mit einem Schauerroman zu verwechseln. Nach der Ankunft in Northanger Abbey ist Catherine zunächst mehr als nur enttäuscht, hat sie sich doch eine dunkle, furchteinflößende Abtei vorgestellt und keinen modernisierten Bau mit all dem Schnickschnack.

„…was immer Geld und Geschmack leisten konnten, um einem Raum Eleganz und Komfort zu verleihen, war hier geleistet worden, und da sie in den letzten fünf Jahren ein gerichtet worden waren, hatten sie alles, was gemeinhin Gefallen erregen musste, und nichts was Catherine gefiel.“
(S. 204)

Catherine ist jedoch davon überzeugt, dass sich hier ein Geheimnis verbergen MUSS. Es wird daher gestöbert, spekuliert und als nichts etwas hergab musste der Hausherr, General Tilney, herhalten. Bereits nach kurzer Zeit sieht sie in ihm einen wahren Schurken wie aus „Udolphos Geheimnisse“ und solche Schurken hüten ja immer ein allzu fürchterliches Geheimnis, wie jeder weiß.

Bis man als Leser mit der Romanheldin nach Northanger Abbey reisen darf, muss man sich jedoch gedulden, denn diese Reise tritt Catherine erst in der 2. Hälfte des Buches an. Bis dahin erwartet einem ein Sittenporträt in bissigem Ton und in der typischen Jane Austen-Manier, obwohl…nein, stimmt nicht. Hier ist Jane Austen weitaus bissiger, sarkastischer und vor allem humorvoller, wie folgender Satz beweist:

„Seinen beiden jüngeren Schwestern ließ er sodann ihr verdientes Maß an brüderlicher Zärtlichkeit angedeihen, indem er sie beide fragte, wie es ihnen gehe, und feststellte, dass sie beide sehr häßlich aussehen.“
(S. 52)

Die Beschreibung der Charaktere ist ebenso spitzzüngig wie auch amüsant. Doch man bekommt auch einen tiefen Einblick in Austens Gedankenwelt, da sie hier die Stellung des Romans verteidigt, welcher dazumal eher einen bescheidenen Ruf hatte. Dies führte sie mit einem ordentlichen Seitenhieb gegenüber Presse und männlicher Autoren durch.

„Und während tausend Federn das Verdienst des Mannes besingen, der als Neunhundertster eine ‚Geschichte Englands‘ kompiliert oder in einem Bändchen ein paar Dutzend Zeilen von Milton, Pose und Prior versammelt und sie mit einem Artikel aus dem ‚Spectator‘ und einem Kapitel von Sterne herausgibt, scheinen sich nahezu alle einig in dem Wunsch, die Fähigkeiten des Romanschreibens in Abrede zu stellen, seine Leistungen unterzubewerten und generell jene Werke geringzuschätzen, die sich durch nichts hervortun als durch Talent, Geist und Geschmack.“
(S. 37)

Die vorliegende Ausgabe aus dem dtv-Verlag ist von der Übersetzung her top und enthält am Ende Anmerkungen zu den Fußzeilen, sowie „Daten zu Leben und Werk“. Beides ist äußerst interessant zu lesen.

Fazit:
Auch wenn Jane Austen hier meine geliebten Gothic Novels auf die Schippe nimmt, musste ich mehrmals schmunzeln und lachen.
Die erste Hälfte ist zwar durchaus interessant zu lesen, enthält aber doch ein paar langatmige Stellen. Der Roman selbst gewinnt im Grunde erst ab der 2. Hälfte an Tempo. Daher ist es nicht mein absoluter Favorit unter den Jane Austen-Romanen, aber dennoch lesenswert, da man hier auch in die Persönlichkeit von Jane Austen blicken kann und das auf sehr humorvolle, sowie auch scharfsinnige Art und Weise.

© Pink Anemone

Northanger Abbey 5
© Pink Anemone

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Weitere Buchinformationen

Unabhängiger und selbständiger Kauf des Buches!

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (14. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423145307
  • ISBN-13: 978-3423145305
  • Preis: 12,00€ (Stand vom 29.03.2018)
  • Auch erhältlich als E-Book und TB

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Rezensionen von Jane Austen-Romanen & Adaptionen

„Stolz und Vorurteil“:

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Autoren-Info
Jane_Austen_1870_cropped
Stich von 1869, nach einer Skizze von Cassandra Austen, National Portrait Gallery, London

Jane Austen (1775-1817) wurde in Steventon, Hampshire, geboren und wuchs im elterlichen Pfarrhaus auf. Nach Meinung ihres Bruders führte sie „ein ereignisloses Leben“. Sie heiratete nie. Einen Heiratsantrag des um sechs Jahre jüngeren Harrison Bigg Wither hatte sie im Jahr 1802 abgelehnt. Als etablierte Romanautorin lebte sie in relativer Zurückgezogenheit und wurde schließlich im Alter von 40 Jahren schwer krank. Sie starb am 18. Juli 1817 in Winchester.
Ihre literarische Welt war die des englischen Landadels, deren wohl kaschierte Abgründe sie mit feiner Ironie und Satire entlarvte. Psychologisches Feingefühl und eine lebendige Sprache machen ihre scheinbar konventionellen Liebesgeschichten zu einer spannenden Lektüre.

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3 Kommentare zu „Rezension „Northanger Abbey“ von Jane Austen ★★★★ & Buchbesprechung

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