Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen

Rezension „Kühe“ von Matthew Stokoe ★★★ FSK 18!

Eine Milieustudie die mich manchmal an meine Grenzen brachte. Trotzdem konnte es mich nicht gänzlich überzeugen.

Um eine aussagekräftige Rezension zu schreiben, welche andere potenzielle Leser darauf vorbereitet was sie darin erwartet, um entweder nicht blind hineinzustolpern, oder aber Liebhaber dieses Genres anzufixen, ist es notwendig ein paar Zitate aus dem Buch wiederzugeben (wobei ich mich auf die harmloseren beschränke), sowie Weniges zum Inhalt (was mich persönlich an meine Grenzen brachte) anzuführen. Dies könnte auf manche Leser verstörend wirken, daher empfehle ich Zartbesaiteten auf das Buch, wie auch auf meine Rezension zu verzichten! Danke für Euer Verständnis.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Schlachthaus-„Idylle“

Triggerwarnung: Sodomie, physische wie psychische Vergewaltigung, Tierquälerei, detailierte Beschreibung von Gewalttaten.

Steven ist 25 Jahre alt. Im Fernsehen beobachtet er all die perfekten, fröhlichen Menschen und träumt davon, selbst das normale Glück zu finden. Vielleicht mit Lucy, die eine Etage über ihm wohnt – auch wenn ihre Besessenheit für Vivisektionen echt krank ist.
Aber Stevens Mutter würde das niemals zulassen. Sie hasst ihn und will ihn zerstören: »Sie verabscheuten einander seit dem Augenblick, als sie ihn aus ihrer Fotze gedrückt hatte. In der zugemüllten Küche hatte sie ihn auf dem Tisch, an dem sie heute noch aßen, aus dem blutigen Schlamassel zwischen ihren Beinen gezogen und verflucht. Und er hatte ihr, da er spürte, dass es sein ganzes Leben lang noch schlimmer kommen würde, gleich in die Augen gepisst.«
Als Steven Arbeit in einem Schlachthaus findet, offenbart ihm der unvorstellbar perverse Vorarbeiter Cripps, wie man durch das Töten von Kühen echte Erfüllung findet. Doch die Tiere beginnen mit Steven zu reden und sie bitten um Hilfe …(Klappentext)

Kühe 2
© Pink Anemone

♦♦♦♦♦♦

Dieses Buch erschien in England bereits 1997 und wird von so manchen bereits als Horror-Klassiker bezeichnet. „Abartig“, „Verstörend“, „kranke Perversion“ – das sind alles Bezeichnungen, welche man bezüglich des vorliegenden Buches liest. Aber man findet auch ebenso Titulierungen wie: „Begnadet“, „Meisterwerk“, „genialer Schreibstil“.
Bis auf das „Meisterwerk“ kann ich das alles unterschreiben.
Ich habe mich also gewappnet etwas wirklich Verstörendes zu lesen…und doch war es zu wenig. Außerdem dachte ich, ich wäre aufgrund meiner Vorliebe zu Splatter- und Gore-Filmen doch etwas abgehärtet…falsch gedacht, denn bei gewissen Szenen stieg sogar ich aus (wobei das vermutlich ganz andere Szenen waren als bei so manch anderen Lesern). Hier muss jeder selbst entscheiden ob das Buch etwas für einen ist, oder man lieber die Hände davon lässt.

♦♦♦

„Er verzehrte sich vor Sehnsucht, sie nachzuahmen, Anteil zu haben an der Massennormalität, die wie Kathodenwellen über die toten Nächte seiner Einsamkeit rollte.“ (S. 16)

Steven lebt mit seinen 25 Jahren immer noch bei seiner Mutter, jedoch nicht weil es ihm im Hotel-Mama so gut gefällt, sondern weil ihm nichts anderes übrig bleibt und er auch gar nicht anders kann. Er ist nämlich der Sohn einer absolut gestörten Mutter, was sich schon allein dadurch offenbart, dass sie von sich in der 3. Person spricht. Wenn es nur das wäre, denn sie schenkt Steven kein warmes zu Hause voller Liebe, sondern die Hölle auf Erden in einer abgesifften Drecksbude. Sie hält ihn klein, gibt ihm rohen Schafsmagen oder ähnlich ekelhaftes Zeug zu essen und beschimpft ihn auf das Derbste.

„Wer sollte dich denn lieben, Steven? Ich habe da draußen gelebt, bevor du meine Fotze infiziert hast. Ich weiß, was die mögen und lieben. Dich ganz sicher nicht. Hast du gehört du kleiner Pisser? Dich ganz sicher nicht.“ (S. 68)

Er selbst wünscht sich nichts sehnlicher als ein normales Leben zu führen. Ein Leben wie die Menschen in den Filmen, in die er sich flüchtet…ein Leben wie alle Menschen dort draußen. Sie hasst ihn genauso wie er sie hasst. Ein abartiges Abhängigkeitsverhältnis schweißt Steven und seine Mutter auf kranke Weise zusammen. Bis Steven eine Anstellung im Schlachthaus bekommt und ihn Cripps, ein perverses Schwein von Vorarbeiter, unter seine Fittiche nimmt und ihm lernt wie man im Töten von Kühen Erfüllung findet, sexuell wie auch emotional.
Das Macht- und Abhängigkeitsverhältnis zwischen Steven und seiner Mutter  beginnt zu kippen….und dann beginnen auch noch die Kühe mit ihm zu sprechen. Auch sie begehren auf, verlangen nach Freiheit und auch sie wollen eine Verschiebung der Machtverhältnisse und dafür brauchen sie Stevens Hilfe.

Kühe 1
© Pink Anemone

Der Roman greift Themen auf wie Einsamkeit, zerstörende Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse und physischen wie auch psychischen Mißbrauch und das auf sehr unkonventionelle Art und Weise in der sich Ekelszenen und blutige Gewalt fast ohne Punkt und Komma aneinanderreihen.

„Die Klingen der Schere glitten mit einem leisen Knirschen zusammen und schnitten den Muskel des Rektums durch. Gummy schrie und übergab sich, Blut spritzte aus seinem durchgeschnittenen Arsch.“ (S. 127)

Hier werden Sodomie und das Essen von Exkrementen (die zwei Dinge an denen ich besonders zu knabbern hatte) genauso detailliert und bildhaft beschrieben wie auch die Gewaltszenen, aber auch der Seelenschmerz von Steven.
Trotzdem ist es fast schon so etwas wie provozierende literarische Kunst, denn hier trifft intelligente Tiefsinnigkeit auf abartiges Szenario und derbe Gossensprache.

„Das Muttertier. Die lieblose Hurenfotze stand über dem Gasherd mit seinen zwei Flammen und rührte ranziges Schweinefleisch in einer Pfanne um. Die Küche roch nach Gas, Öl und dem Gestank toter Fische zwischen ihren Beinen.“ (S. 11)

Wenn man es schafft in all den Abartigkeiten zwischen den Zeilen zu lesen, ist es mehr als nur blosse Aneinanderreihung von Ekelszenen. Es ist eine Milieustudie aus der Unterschicht Englands, die ein Leben ohne Perspektive, jedoch mit umso mehr psychischer und physischer Verwahrlosung, aufzeigt. Man erlebt die Entwicklung eines verstörten, traumatisierten und schüchternen jungen Mannes zu einem GEstörten, kaltblütigen Individuum, wie es seine Mutter ist, der im Grunde nichts anderes wollte als ein normales Leben führen und keine Illusion von dessen, in der man nur so tut als ob.

Dies alles eröffnet sich dem Leser bis zur Mitte des Buches. Da scheint dem Autor dann jedoch die Puste ausgegangen zu sein. Die Ansammlungen von Abartigkeiten und Ekelszenen hören abrupt auf und treten ab hier nur noch vereinzelt auf – als hätte der Autor all sein Pulver an kranker Phantasie komplett verschossen.
Auch die Storyline selbst bricht in gewisser Weise in sich zusammen.
Damit begann dann für mich die große Langeweile mit der Frage: „Wohin will mich der Autor nun führen?“
Am Ende des Buches erfolgte die Antwort an mich selbst – „Niergends hin.“, denn das Ende war in meinen Augen einfach nur bescheuert und lässt mich verdattert und unzufrieden zurück.

Ein Lob gebührt jedoch dem Festa-Verlag.
Die Umschlaggestaltung und die Qualität sind einfach eine Wucht. Eins der wenigen Male, bei denen mir das Cover der deutschen Ausgabe besser gefällt als das des Originals. Dadurch wurden 2 Sterne auf 3 aufgerundet.

Fazit:
Dieses Buch brachte selbst mich an ein paar Stellen an meine Grenzen, wobei es weniger die blutigen und abartigen Gewaltszenen waren, sondern eher die Sodomie-Szenen und die Stellen in denen Exkremente gegessen wurden (Mahlzeit!).
Trotzdem fand ich das Buch bis zur Mitte hin relativ gut und auf kranke Weise fesselnd. Doch dann fiel alles in sich zusammen, die Ekelszenen genauso wie der gesamte Plot und das Ende. Genauso gut hätte ich ab der Mitte aufhören können zu lesen.
Schade, denn das Buch hatte einen guten Anfang und durchaus Potenzial. Als „Horror-Klassiker“ würde ich es also nicht bezeichnen und schon gar nicht als „Meisterwerk“.

© Pink Anemone

Kühe 4
© Pink Anemone

Leseprobe

Weitere Rezensionen:

Kejas- Blogbuch
© KeJas-Blobbuch

Autoren-Info:

Matthew stokoe
© amazon.com

Matthew Stokoe wurde 1963 in England geboren. Nach Aufenthalten in den USA und Neuseeland lebt er heute in Australien. Er studierte Wirtschaftslehre, spielte als Gitarrist in unterschiedlichen Bands und arbeitete für die englische Staatsanwaltschaft. 1998 erschien sein Debüt-Roman „Cows“, der ihn schlagartig berühmt machte…

Weitere Produktinformationen:

Unabhängiger und selbständiger Kauf des Buches!

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Festa Verlag; Auflage: 1. (17. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3865525288
  • ISBN-13: 978-3865525284
  • Originaltitel: „COWS“
  • Preis: 22,80€
  • Erhältlich auch als E-Book

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15 Kommentare zu „Rezension „Kühe“ von Matthew Stokoe ★★★ FSK 18!

  1. Tolle Rezi ☺
    Ich dachte mir schon, dass die Story so in etwa verläuft.😉
    Ich lese viele Festa Bücher, meide aber die Extrem-Reihe.
    Ich will keine Türen aufstoßen, die man nachher nicht mehr schließen kann (an meinen Vergleichen merkt man überhaupt nicht, dass ich in einer Schreinerei arbeite 🤣).
    Zurück zur Rezi: sehr gut durchargumentiert.
    Ich hatte die Leseprobe gelesen und dachte: Nee, lieber nicht. 😁 Ich steh zwar auf Horror, aber dann doch eher klassisch,kein Ekel-Horror. Meines Erachtens macht das die Story nicht unbedingt besser. ☺

    Liebe Grüße
    Jenny

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    1. Naja, dieses Buch gehört gar nicht zu „Festa Extrem“, was mich doch etwas stutzig machte, aber ich schätze jeder hat so seine eigenen Grenzen und bei mir sind es eindeutig Tierquälerei und Scheiße fressen (im wahrsten Sinne) *brrrruäähhh*. Ansonsten schüttelt es mich zwar beim Lesen ordentlich durch, aber genau deswegen liest man ja solche Bücher *g*. Das heißt – solange Menschen (keine Kinder) gemeuchelt, aufgespießt, zerteilt und gefressen werden, ist es mir egal…oder so gut wie XD
      Liebe Grüße
      Conny

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  2. Liebe Pink Anemone,

    eine tolle Rezi hast du da geschrieben. Ich habe beim lesen gedacht : „Hey, hört sich echt gut an“, dann folgte ein „Omg, das ist schon sehr krank“ und die Frage : „Würde ich das Buch lesen, könnte ich danach noch Rindfleisch essen ?“. Am ende hast du mich danach aber wieder doch, sehr neugierig gemacht. Ich bin hin und her gerissen.

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    1. *lach* Mir sind beim Lesen ähnliche Gedanken durch den Kopf gerauscht und ich schätze Rindschnitzel wird es jetzt länger nicht bei mir geben XD Vielen Dank für das Kompliment, denn beim Rezi-Schreiben war ich ebenso hin- und hergerissen *g*.

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  3. Doof. Also die Sache mit dem Ende. Das ist für mich ein Grund so ein Buch doch nicht zu lesen. Das finde ich bei „Ein Blick in die Hölle“ so gut, man hat sein Ende. Seinen Grund, den man sogar nachvollziehen kann.
    Dann les ich solche Bücher auch gerne, da sie einfach unterhalten und anders sind!

    Das einzige Gebiet, was mich in dem Genre so gar nicht reizt. Eher abtörnt und ich schlichtweg nix damit anfangen kann (klingt komisch, ist aber so): Sex verbunden mit sinnloser Gewalt und Unterdrückung. Wenn jmd klein bei gibt und sich unterdrücken lässt. Da frag ich mich nur WHY?!

    Worauf ich eigtl hinaus will XD
    Ich hätte Kühe lesen wollen! Da ich eben viel bei Festa unterwegs bin und weiß, was mich ungefähr erwartet. Aber wenn alles quasi zu einem banalen Ende führt und der Stil nicht konsequent durchgezogen wird 😦

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    1. Der Autor hätte sich die Ekelszenen, meiner Meinung nach, besser einteilen sollen. So sieht es aus als hätte er „das Beste“ in der ersten Hälfte schon verschossen und danach wusste er nicht mehr wohin er mit der Geschichte eigentlich wollte. Das empfindet aber sicher jeder anders. Trotz Horror und Ekelszenen sollte ein Buch doch so etwas wie eine Handlung aufweisen und zu einem stimmigen Ende führen. Wenn das dann mehr oder weniger logisch ausfällt ist egal, solange es zum Rest passt.
      Das mit Sex verbunden mit sinnloser Gewalt unterschreibe ich, kann aber sicherlich auch gut umgesetzt sein. Schätze das kommt ganz auf den Autor und wiederum auf die Handlung an. 🤔

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      1. @Sexszenen
        Ja, mit Sicherheit. Ich hatte *such* *wühl* „400 Tage der Erniedrigung“ gelesen von White und musste feststellen, dass da der Sex so gar nicht meins war. Mir haben die Szenen nichts gegeben, ich fand sie nur abartig und unnötig mit der Zeit.
        Ja, es geht um Erniedrigung, ich wusste ungefähr was mich erwartet, aber in der Form umgesetzt, bin ich nicht happy geworden. Da hatte ich eher stirnrunzelndes Mitleid für so viel Elend und wollte die Szenen nur noch überspringen…

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  4. Lieben Dank fürs verlinken :-* Wir haben ja sogar das gleiche Zitat in unseren Rezis 😀 (das erste von dir)

    Schade das es dich im gesamten dann nicht so überzeugen konnte. Wobei ich jetzt eine SPOILER WARNUNG geben muss, da es sich auf das Ende bezieht:

    Ich verstehe deine Kritik bezüglich dieses Wechsels, wobei es ja nicht minder brutal oder Grenzüberscreitend ist. Die Kühe töten Menschen, Steven geht ein Verhältnis mit einer Kuh ein – der Blickwinkel wechselt und das finde ich besonders gut. Sein Traum platzt. Das Ende an sich, das Steven einsam ist und sich in der Herde niederlässt finde ich nicht stimmig zu dem was der Autor mit dieser Geschichte aussagen will. Ansonsten jedoch sehr gelungen, auch die zweite Hälfte.

    SPOILER ENDE

    Das der Autor solch ein Extrem für seine Thematik wählt – heftig, kranker Scheiß und gerade deswegen sticht es in seinem Genre heraus. Was man nun davon hält sei dahingestellt, denn vom mögen im klassischen Sinne kann kaum die Rede sein – ich denke du weißt wie ich das meine?!

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    1. Ich weiß durchaus was Du meinst, immerhin liest man solche Bücher ja gerade aus dem Grund, um geschockt zu werden und um die Gänsehaut rauf- und runterlaufen zu lassen. Das hat der Autor auch durchaus geschafft. Meiner Meinung in der ersten Hälfte des Buches durchgehend, danach jedoch nur noch stellenweise (aber nicht weniger schockierend und ekelerregend, wie Du schon erwähnt hast). Und mich konnte „nur“ die zweite Hälfte nicht überzeugen und leider ist es eben gerade das, was einem dann in Erinnerung bleibt.
      Liebe Grüße und ich danke für die Erlaubnis Dich zu verlinken *g*

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      1. 😀 Die Erlaubnis haste immer, musst gar nicht fragen – find dieser Vernetzung immer fein.

        Das verstehe ich total! Bei mir das sich der Anfang gerne ziehen, aber wenn die zweite Hälfte oder das Ende meh sind, nimmt das einen größeren Einfluss auf mein Leseerlebnis im Gesamten. Ich weiß auch was du meinst, der Wechsel ist stark, wobei es dennoch nicht minder brutal ist. Ich fand es jedoch stimmig – aber man kann nun nicht immer einer Meinung sein, zumal sich bei Meinungsverschiedenheit der Austausch nochmal intensiver ergibt finde ich (=

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