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Rezension „Anatomie des Verbrechens“ von Val McDermid ★★★★★

Ein fesselndes Sachbuch über die verschiedensten forensischen Fachrichtungen, welches mich begeistert zurücklässt.

Anatomie des Verbrechens 9
© Pink Anemone

Jeder Kontakt hinterlässt Spuren – Edmond Locard

Dem, der genau hinhört, enthüllen die Toten alles: Woher sie kommen, wie sie gelebt haben, wie sie gestorben sind. Wie minimal die Spur auch sein mag, dem scharfen Blick des Forensikers entgeht nichts.
Krimiautorin Val McDermid erzählt erstmals anhand von konkreten, spektakulären Beispielen von ihrer Faszination darüber, wie die Gerichtsmediziner arbeiten und selbst die kompliziertesten Fälle lösen…
(Klappentext)

Anatomie des Verbrechens 8
© Pink Anemone

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„Die Geschichten über die oft langwierige Etappe, die zwischen Verbrechen und Gerichtssaal liegt, werden sie nicht loslassen. Sie zeigen, dass die Wirklichkeit alles, was man erfinden kann, weit hinter sich lässt.“ (S. 12)

Das oben erwähnte Zitat kann ich genau so unterschreiben!

Hier werden anhand von historischen Kriminalfällen, sowie von solchen in der Gegenwart, die Geschichte und die Arbeitsweise verschiedener forensischer Fachrichtungen näher gebracht.
Man ist von Anfang an dabei – vom Tatort selbst angefangen, über die Gerichtsmedizin, bis hin zum Gericht und der Darlegung der Beweise. Es kommen Spezialisten wie z.B. Brandermittler, Pathologen und Wissenschaftler zu Wort, welche uns so Einblick in ihre Arbeitswelt ermöglichen.

Beim Lesen erkennt man, dass die Autorin eine Thriller-Autorin ist, da dies alles auf einer sehr packende Art und Weise geschieht und auch für den interessierten Laien leicht verständlich ist.

Inhalt inkl. ein paar Beispielen:

Anatomie des Verbrechens 6
© Pink Anemone

Tatort:
– historisches Beispiel wie sich die Tatortbegehung und Spurensicherung im Laufe der Geschichte änderte.
– wie sehr uns Serien wie vor allem „CSI – Den Tätern auf der Spur“ beeinflussen, negativ wie positiv.

Spurensicherung am Brandort:
– unter welchen Bedingungen diese Ermittler arbeiten und was sie aus einem Häufchen Asche alles herauslesen könne. Hat z.B. jemand von Euch gewusst, dass ein Streichholz niemals komplett verbrennt, möge der Brand noch so groß und heiß sein? Diese Ermittler können anhand der kleinsten Rückstände sogar die Streichholzmarke bestimmen.
– der große Brand von London 1666

Entomologie, forensische Insektenkunde:
– der erste Fall der anhand von Fliegen gelöst wurde
– wie Entomologen anhand von Insekten den Todeszeitpunkt fast auf die Woche genau bestimmen können

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© Pink Anemone

Pathologie:
– die erste uns bekannte Autopsie
– was Arthur Conan Doyle mit dem Star-Rechtsmediziner Spilsbury zu schaffen hatte und was Eitelkeit bei einem Rechtsmediziner anrichten kann
– wie ein Rechtsmediziner Schritt für Schritt vorgeht, um Todeszeitpunkt, Todesart, etc. zu bestimmen und weitere Beweise sammelt

„Keine zwei Körper zersetzen sich auf die gleiche Weise und im gleichen Tempo. Man kann zwei Leichen betrachten, die buchstäblich nur 2 Meter auseinander liegen, und sie können auf vollkommen verschiedene Weise verwesen.“ (S. 109)

Toxikologie:
– die Geschichte der Giftmorde, der Gifte und deren Aufklärung
– Giftmorde durch Personal des Gesundheitswesens

Fingerabdrücke:
– Grundlage des Beweismittels Fingerabdruck und weshalb man sich nicht zu sehr darauf versteifen sollte.

Blutspuren und DNA:
– Geschichte des DNA Profils und Interpretation von Blutflecken
– Das erste Verbrechen, welches mittels eines DNA-Profils aufgeklärt wurde

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© Pink Anemone

Anthropologie:

„Blutige Kriege und Naturkatastrophen sind ihr Einsatzgebiet; die Toten nach Hause zu bringen ist ihr Beruf.“ (S. 211)

-Wie Anthropologen z.B. in ehemaligen Kriegsgebieten, nach Naturkatastrophen eingesetzt werden und wie sie arbeiten.
– was man alles anhand eines Skeletts herausfinden kann und das dafür manchmal nur ein 4mm kleines Stück Knochen benötigt wird.

Gesichtskonstruktionen:
– Wie den Skelettüberresten von Toten das Gesicht zurückgegeben wird, angefangen bei ägyptischen Mumien bis hin zu Vermisstenfällen.

Digitale Forensik:
– die Cyber-Ermittler vor denen nichts verborgen bleibt.
– der Fall McAfee (Gründer der Antiviren-Software)

Forensische Psychologie:
– gibt es das „Psychopathen-Gen“? Laut dem Neurowissenschaftler James Fallon ja. Dies konnte er durch Gehirnscans und DNA an sich selbst beweisen.
– Beispiele anhand von Fällen wie „Der Vampir von Düsseldorf“ und „Jack the Ripper“.
– Die Geschichte des Profilings

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© Pink Anemone

Vor Gericht:
– über die Arbeit der Vertreter der Anklage, sowie die der Verteidigung
– der Weg von Beweismitteln vom Tatort bis zum Gericht
– Der Prozess – der ultimative Test forensischen Beweismaterials

„Und wenn sie im Gericht ihren Zweck verfehlen, sind alle Anstrengungen der forensischen Wissenschaftler – Computerspezialisten, Rechtsmediziner, Insektenkundler, Experten für Fingerabdrücke, Toxikologen, etc. – umsonst gewesen.“ (S. 333)

Dabei wird der Leser auf jeder Seite von einer täuschend echten Fliege begleitet, die ich nicht nur einmal versuchte wegzuwischen.

Anatomie des Verbrechens 7
© Pink Anemone

Hier wühlen also Brandermittler stundenlang durch stinkende und schmutzige Trümmer, Maden werden von verwesenden Leichen gesammelt und zertrümmerte Schädel konstruiert.
Man blickt hinter die Kulissen der verschiedensten Experten, welche den Kampf um Gerechtigkeit auf ihre Weise bestreiten und dabei dem Tod und was dieser übrig lässt, direkt ins Gesicht blicken.
Sie sind mehr als nur Ermittler, Wissenschaftler, Forscher oder Psychologen. Es sind Menschen, die für die Gerechtigkeit in Abgründe blicken und es werden immer neuere Techniken und Ideen geboren, welche ein perfektes Verbrechen nahezu unmöglich machen.

Fazit:
Ein fesselndes Sachbuch über die verschiedensten forensischen Fachrichtungen, welches mich begeistert zurücklässt. Packend und leicht verständlich und daher kaum aus der Hand zu legen. Ich habe es regelrecht verschlungen, als hätte ich einen Thriller in der Hand.
Von Val McDermid habe ich bisher noch keinen Thriller gelesen, doch dies wird sich nun definitiv ändern. Denn wenn ihre Thriller nur halb so spannend und packend sind, hat sie bei mir schon gewonnen.

© Pink Anemone

Anatomie des Verbrechens 2
© Pink Anemone

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Leseprobe: Anatomie des Verbrechens

Autoren-Info:

Val-McDermid
© https://www.telegraph.co.uk

Val McDermid wurde 1955 in Kirkcaldy im schottischen Fife geboren und wuchs dort in einer Bergarbeiterfamilie auf. Nach der Schulzeit studierte sie Englisch in Oxford und 1991 zog sie sich aus dem Journalistengeschäft zurück und betätigt sich seither hauptberuflich als Autorin. Sie war knapp 10 Jahre in der britischen Gewerkschaft aktiv, was sich in ihrem Krimi „Der Aufsteiger“ widerspiegelt. Neben den erfolgreichen Krimis mit der lesbischen Heldin Lindsay Gordon erscheint inzwischen auch die zweite Erfolgsserie der Autorin mit Detektivin Kate Brannigan aus Manchester und eine dritte Reihe um den Profiler Tony Hill und DI Carol Jordan die auch die Vorlage zur Fernsehserie Hautnah – Die Methode Hill bildet.
Die Autorin veröffentlichte auch Hörspiele und zwei Theaterstücke. Die Schriftstellerin zählt weltweit zu den größten Namen der Spannungsliteratur. Ihre Krimis und Thriller wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt.
Für ihr Lebenswerk erhielt sie den „Diamond Dagger“, die höchste Auszeichnung für Kriminalliteratur in Großbritannien.

Weitere Produktinformationen:

Unabhängiger und selbständiger Kauf des Buches!

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Albrecht Knaus Verlag (29. Februar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 381350722X
  • ISBN-13: 978-3813507225
  • Originaltitel:Forensics – The Anatomy of Crime“
  • Preis: 14,99€ (Stand vom 19.04.2018)
  • Auch erhältlich als E-Book

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8 Kommentare zu „Rezension „Anatomie des Verbrechens“ von Val McDermid ★★★★★

  1. Wieso hab ich den Beitrag noch nicht kommentiert und WIESO ist das Buch noch nicht bei mir?! Du darfst mir SOLCHE Bücher nicht vorstellen! Das ist gefährlich!
    *merkliste öffne*
    *klick klapper klick*
    Wenn das in den nächste Tag bei mir einzieht, bist Duhuuuuuuu schuld!

    *kichernd weghüpf*

    Gefällt 1 Person

  2. Ich hatte ja das Vergnügen, Val McDermid live bei einer Krimilesung zu erleben (zum Thriller „Der Sinn des Todes“) und schon da hat sie vieles über Ermittlungsmethoden erzählt, wie sie tatsächlich in Großbritannien angewandt werden und was sie in ihren Romanen davon übernommen hat. Da merkte man schon, dass sie großes Fachwissen hat, was sie alles andere als trocken, sondern mit Begeisterung und höchst unterhaltsam rüberbringt. Deshalb kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man beim Lesen dieses Sachbuch auch richtig gefesselt ist und nebenbei viele Informationen mitnimmt!
    LG Gabi

    Gefällt 1 Person

    1. Ohhh, jetzt bin ich richtig neidisch. Ich finde es immer toll, wenn Thriller-/Krimi-Autoren wissen von was sie sprechen und sich für Forensik und dergleichen interessieren. Da gibt’s dann nicht viele Zufalls-Beweise, sondern hat alles Hand und Fuß.

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