Rezensionen · Thriller/Krimis

Rezension „Das Sündenhaus“ von Antonia Hodgson ★★★★

Frühes 18. Jahrhundert / Anfangs zieht sich dieser historische Thriller, aber das Durchhalten lohnt sich, denn ab dem 1. Drittel wird es dann temporeich und verdammt spannend.

Mit diesem Thriller verlassen wir das verruchte London des späten 19. Jahrhunderts und reisen weit zurück in das romantische Yorkshire des frühen 18. Jahrhunderts.
Man will bei einem Historischen Crimetime-Monat ja schließlich auch etwas erleben und auch andere Fleckchen der Britischen Insel sehen.

Dieses Buch ist ebenfalls Teil einer mir bevorzugten Reihe im Genre Historische Krimis/Thriller. In dieser Reihe begleitet man jedoch keinen Detective oder Inspector bei der Jagd nach „Jack the Ripper“ oder anderen Verbrechern, sondern einen kriminellen Gentleman, der selbst das berüchtigte Marshalsea-Gefängnis schon von innen sah.

Meine verehrten Herren, entzünden Sie Ihre Zigarren und rücken Sie Ihre Zylinder zurecht. Meine gnädigsten Damen, genehmigen Sie sich Ihr Tässchen Tee (auch gerne mit Schuß) mit abgespreizten kleinen Finger und bringen Sie Ihre Lockenpracht in Ordnung. Hier kommt Tom Hawkins, der vermutlich charmanteste und auch scharfsinnigste Kleinkriminelle Englands.

Das Sündenhaus 2
© Pink Anemone

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Die Feinde des John Aislabie

Frühjahr 1728. Auf eine »Bitte« von Englands Königin Queen Caroline reist Tom Hawkins, mit allen Wassern gewaschener Gentleman, zum Herrenhaus von John Aislabie in Yorkshire. Doch die ländliche Idylle entpuppt sich für Tom schnell als Hexenkessel: Die Queen wird von Aislabie erpresst, denn der ehemalige Schatzkanzler war mitverantwortlich für die »Südseeblase«, den größten Finanzskandal des 18. Jahrhunderts. Aislabie wiederum erhält seit einiger Zeit zunehmend blutigere Drohbriefe. Ehe Tom es sich versieht, gerät er zwischen alle Fronten und mitten hinein in einen mörderischen Racheplan.

Britischer (Galgen-)Humor, Tempo und authentische Einblicke in die Intrigen des 18. Jahrhunderts – das ist Antonia Hodgson!…(Klappentext)

Das Sündenhaus 3
© Pink Anemone

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„Hier war er.
Der Tod, den ich aus London mitgebracht hatte. Hier war er und breitete sich wie ein Mantel über das Anwesen aus. Und ich wusste, während ich die Tür aufdrückte. dass er noch nicht mit mir fertig war.“ (S. 258)

Aislabie war einst Schatzmeister der Königlichen Hoheit und kaufte Aktien der Südseegesellschaft. Die Aktien stiegen in ungeahnte Höhen, bis die Südseeblase schließlich platzte und viele Investoren ins Verderbnis führte. Aislabie wurde der Korruption für schuldig gesprochen und dafür in den Tower geworfen. Nach einer kurzen Zeit wurde ihm jedoch der Rückzug in sein Landhaus gewährt. Die Ungnade war ihm jedoch gewiss. Trotzdem bittet er die Königin um ihre Hilfe (wobei es sich eher um eine Drohung, bzw. Erpressung handelte), da er seit Wochen beängstigende Drohbriefe erhält. Diese schickt niemand Geringeren als Thomas Hawkins zu ihm. Jedoch nicht um ihm beizustehen, sondern mit einem gänzlich anderen Auftrag.

Tom Hawkins kommt zwar aus gutem Hause und hatte in jungen Jahren ein Theologiestudium begonnen, aber seine Vorliebe für Glücksspiel, Bordelle und andere Vergnügungen ließen ihn tief fallen. Er war bereits Insasse im berüchtigten Marshalsea-Gefängnis und auch zum Galgentod verurteilt.
Durch seine Gerissenheit, seinen Scharfsinn, sowie seinen Charme und vor allem durch eine große Portion Glück, konnte er seinen Kopf bisher jedoch immer rechtzeitig aus der Schlinge ziehen – im wahrsten Sinne. Nach seiner Nahtod-Erfahrung versucht Hawkins ein ehrbares und vor allem ruhiges Leben zu führen. Leider ist er jedoch seiner Königlichen Hoheit etwas schuldig und somit ist er derjenige dem das Los zufiel sich um Aislabie zu kümmern.

„Es war ein untrügliches Zeichen dafür, wie schlecht es um Mr. Aislabies Ansehen am königlichen Hof bereits bestellt war, dass er sich bei besagtem jungen Gentleman ausgerechnet um mich handelte.“ (S. 21)

Hawkins reist natürlich nicht alleine. Sam, ein 14-jähriger Junge begleitet ihn. So unschuldig dieser aussieht ist er aber bei weitem nicht. Er ist der Sohn des berüchtigsten Gangsterbosses in London, Neffe eines Auftragsmörders und hat es faustdick hinter den Ohren. Tja, Gleich und Gleich gesellt sich eben gerne.
Hawkins kann es natürlich nicht lassen trotzdem Detektiv zu spielen und gerät alsbald wieder einmal in die Bredouille. Doch diesmal bringt er dabei nicht nur sich in größte Gefahr…(persönliche Inhaltsangabe)

Das Sündenhaus 4
© Pink Anemone

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Dies ist der 3. Teil der Tom Hawkins-Reihe und schließt fast direkt an den 2. Teil an. Trotzdem kann er durchaus unabhängig und ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Da jedoch oft auf vergangene Ereignisse eingegangen wird und diese auch Einfluß auf die Charakterentwicklung haben, wäre es natürlich von Vorteil diese Serie der Reihe nach zu lesen. So kommt man in den vollständigen Genuß dieser atmosphärischen Thriller-Reihe und auch in den vorliegenden 3. Teil.

Der Schreibstil ist, wie gewohnt, flüssig und einfach gehalten und daher fliegt man direkt durch das Buch…zumindest ab des ersten Drittels, denn bis dahin kommt es diesmal zu einigen Längen, die etwas an meinen Nerven zerrten. Die Autorin schweift hier ständig in ausführliche (verdammt, und wie ausführlich diese waren) Umgebungsbeschreibungen und Nebensächlichkeiten ab.

Er sprach weiter in der ihm eigenen ernsten Manier über Zweck und Kraft, gerippte Tonnengewölbe und Lanzettenbögen, dieweil ich ernsthaft erwog, Messenger zu überreden mich doch noch zu erschießen.“ (S. 169)

Jap, ich konnte an dieser Stelle Hawkins verstehen, denn ich empfand ähnlich.
In den vorherigen beiden Teilen war diese Detailverliebtheit in genau dem richtigen Maß, um atmosphärische Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Hier hat die Autorin damit jedoch stark übertrieben und es wurde zunehmend ermüdend der Handlung zu folgen, da die Story dadurch sehr schleppend bis gar nicht in die Gänge kommt.
Ich war wirklich knapp davor das Buch zuzuklappen. Nur gut, dass ich es nicht getan habe, denn ab dem 1. Drittel nahm der Spannungs- und Tempo-Level stark zu und ich klebte regelrecht mit der Nase im Buch.
Hier waren wieder diese atmosphärischen Bilder, der packende Erzählstil und der Plot, welcher Wendungen und ein tolles Finale enthält.

„Drei junge Hirsche lagen zu einem Dreieck angeordnet in der Kutschenauffahrt.
Jemand hatte ihnen die Köpfe abgeschlagen und die Bäuche aufgeschlitzt.
Dohlen stolzierten um die Kadaver herum, krächzten laut und zerrten an dem Fleisch. Sie hatten den Hirschen bereits die Augen ausgehackt.“ (S. 141)

Ich liebe historische Krimis/Thriller, die sich auf reale historische Ereignisse stützen und/oder Charaktere beinhalten, welche wirklich einst existierten. Das ist auch bei dieser historischen Thriller-Reihe und somit auch in diesem Buch der Fall.
Am Ende der Story findet man interessante und informative Historische Anmerkungen der Autorin bezüglich des vorliegenden Thrillers und lohnt sich durchaus beachtet zu werden.

Das Sündenhaus 5
© Pink Anemone

Fazit:
Obwohl dieser historische Thriller knapp davor war in der Ecke zu landen, hat er nochmal die Kurve gekriegt und zwar sowas von. So gelangweilt ich war und gegen Ende des ersten Drittels war ich sogar regelrecht genervt, so sehr konnte mich der Rest packen und begeistern. Ich konnte und wollte nicht mehr aufhören zu lesen und somit hat die Autorin ein weiteres Mal alles richtig gemacht, um mich ins frühe 18. Jahrhundert zu ziehen und mich für paar Stunden toll zu unterhalten.

© Pink Anemone

Das Sündenhaus 6
© Pink Anemone

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Leseprobe: (von Verlagsgruppe Droemer Knaur zur Verfügung gestellt) Das Sündenhaus

Autoren-Info:

Antonia Hodgson
© Charlie Hopkinson

Antonia Hodgson stammt aus Derby und studierte Englische Literatur in Leeds. Ihr Debüt „Das Teufelsloch“ gewann 2014 den CWA Historical Dagger, den wichtigsten britischen Preis für historische Kriminalromane, und wurde in den USA unter die zehn besten Spannungsromane des Jahres gewählt. Antonia Hodgson lebt in London und arbeitet in der Verlagsbranche..(Klappentext)

Weitere Buchinformationen:

Unabhängiger und selbständiger Kauf des Buches!

 

  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: Knaur HC (21. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426654407
  • ISBN-13: 978-3426654408
  • Originaltitel: „A Death at Fountains Abbey“
  • Preis: 19,99€ (Stand vom 17.05.2018)
  • Auch erhältlich als E-Book und HB

 

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12 Kommentare zu „Rezension „Das Sündenhaus“ von Antonia Hodgson ★★★★

  1. Folgende Worte von dir würden schon reichen, um das Buch zu kaufen: „Meine verehrten Herren, entzünden Sie Ihre Zigarren und rücken Sie Ihre Zylinder zurecht. Meine gnädigsten Damen, genehmigen Sie sich Ihr Tässchen Tee (auch gerne mit Schuß) mit abgespreizten kleinen Finger und bringen Sie Ihre Lockenpracht in Ordnung. Hier kommt Tom Hawkins, der vermutlich charmanteste und auch scharfsinnigste Kleinkriminelle Englands“ Love it! Und sehr fein das man diesen Teil unabhängig der anderen lesen könnte, werde aber mal stöbern gehen … wobei … Reihen sind feinst, aber besonders diese schaden dem SuB *lach

    Gefällt 1 Person

    1. Na wem sagst Du das und es kommen immer wieder neue Reihen hinzu. Ich glaube ich brauche mal eine gesamte Wandseite voller Regale für meine Reihen XD.
      Und vielen, vielen Dank für das Kompliment. Da ist es mit mir wieder mal durchgegangen *lach*.

      Gefällt mir

    1. Hallo Tina,
      freut mich, dass Du auf meinem Blog vorbeigehüpft bist.
      Ja, das Durchhalten hat sich definitiv gelohnt. Ich hätte am allerwenigsten gedacht, dass dieses Buch noch die Kurve bekommt und am Ende war ich so begeistert davon.
      Falls Du es lesen solltest würde ich mich freuen, wenn Du mir kurz berichten könntest.
      Liebe Grüße
      Conny

      Gefällt 1 Person

  2. Ein Schlitzohr als Ermittler und ein jugendlicher Assistent, der noch krimineller ist als er? Hach, das gefällt mir. Weil ich aber Reihen ungern mittendrin starte, muss ich mir wohl erst mal den Band 1 auf die Leseliste schreiben.
    LG Gabi

    Gefällt 1 Person

    1. Der jugendliche Assistent kommt aber erst im Laufe der Reihe hinzu, aber ein Schlitzohr ist der Gentleman Tom Hawkins gleich von Beginn an und es ist auch wirklich witzig zu lesen und interessant welche Entwicklung er im Laufe der Reihe durchmacht. Es zahlt sich also auf jeden Fall aus mit der Reihe zu beginnen.
      Liebe Grüße
      Conny

      Gefällt 1 Person

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