Rezensionen · Thriller/Krimis

Rezension „Der Fall Moriarty“ von Anthony Horowitz ★★★★★

19. Jahrhundert / Spannende Krimi-Unterhaltung im klassisch-britischen Stil – packend, viele Wendungen und die Auflösung war wirklich überraschend.

New York vs. London

Die Londoner Unterwelt ist in Aufruhr: Der gefürchtete amerikanische Gangster Clarence Devereux will seine Geschäfte nach England ausdehnen. Auch Professor Moriarty soll seine Hände im Spiel haben – aber ist er nicht, ebenso wie Sherlock Holmes, an den Reichenbachfällen in den Tod gestürzt? Und welche Rolle spielt der undurchsichtige Detektiv Chase, der plötzlich in London auftaucht? Als der Machtkampf der Giganten des Verbrechens seine Opfer fordert und eine grausam zugerichtete Leiche gefunden wird, macht sich Inspector Jones von Scotland Yard daran, die Machenschaften des Amerikaners aufzudecken. Eine blutige Spur führt von den Docks bis in die Katakomben des Smithfield Meat Market. Kann es sein, dass Moriarty noch lebt?
Ganz in der Tradition seines Sherlock-Holmes-Romans Das Geheimnis des weißen Bandes schickt Anthony Horowitz erneut die Ermittler von Scotland Yard auf Verbrecherjagd – und Athelney Jones beweist, dass er Sherlock Holmes ein würdiger Nachfolger ist…(Klappentext)

Der Fall Moriarty 3
© Pink Anemone

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„Glaubt irgendjemand wirklich, was an den Reichenbachfällen passiert ist?
Viele Berichte sind darüber geschrieben worden, aber mir scheint, dass bei allen das Wichtigste fehlt…nämlich die Wahrheit.“
(S. 11 – Anfang)

Es wird aus der Sicht von Frederick Chase erzählt, Chefermittler der New Yorker Detektiv-Argentur Pinkerton.
Seine Geschichte beginnt direkt nach dem Fall „Das letzte Problem“ an den Reichenbachfällen, von dessen Wahrheit er so gar nicht überzeugt zu sein scheint.
Hier macht er die Bekanntschaft mit Inspector Jones von Scotland Yard, der dem Können und der Scharfsinnigkeit von Sherlock Holmes in nichts nachsteht, ist er doch ein wahrer Fan des nun verstorbenen Ermittler-Genies. Dieser möchte sich vom Tod Moriartys überzeugen. Dessen Leiche wird in der Nähe der Reichenbachfälle aus dem Wasser gefischt und mit ihr eine mysteriöse Nachricht.
Frederick Chase ist davon überzeugt, dass der berüchtigte New Yorker Gangsterboss Clarence Devereux gemeinsame Sache mit Moriarty machen wollte und sich dafür nun in London aufhält. Damit dürfte er auch gar nicht so unrecht haben, denn mit dieser Nachricht scheinen New Yorker Gangsterverhältnisse in London Einzug zu halten. Morde und Hinrichtungen sind an der Tagesordnung, Blut tränkt die Straßen Londons. Die Amerikaner scheinen sich in London also sichtlich wohl zu fühlen und an Einfluß zu gewinnen. Alles scheint mit dem Gangsterboss Devereux zu tun zu haben.
Gemeinsam mit Inspector Jones und Scotland Yard macht sich Chase daran diesen amerikanischen Gangstern das Handwerk zu legen und Devereux endlich in die Finger zu kriegen…(persönliche Inhaltsangabe)

„>>Verstehen sie jetzt, warum ich Sie zu warnen versucht habe?
Die Ereignisse hier in Bladeston House sind nur der Anfang, die ersten warnenden Symptome des Gifts, das in den Blutkreislauf Ihres Landes eingedrungen ist.<<“
(S. 108)

Hier eröffnet sich dem Leser ein Krimi im klassisch-britischen Stil der sich an Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes-Romanen orientiert. Wie auch in dessen Sherlock-Romanen wird hier aus der Ich-Perspektive erzählt, jedoch nicht aus Dr. Watsons Sicht, sondern eben aus die des Privatermittlers Frederick Chase. Auch dieser richtet sich hier direkt an den Leser und blickt auf vergangene Ereignisse zurück. Schreib- und Erzählstil kommt dem Doyles ziemlich nahe, aber seien wir uns mal ehrlich – es kann nur einen Doyle geben.

Obwohl dies quasi eine Fortsetzung des Sherlock-Krimis „Das letzte Problem“ ist, kann der vorliegende Krimi auch von Sherlock-unkundigen Lesern gelesen und genossen werden. Alle wichtigen Fakten die man müssen muss, werden in die Handlung gekonnt eingebracht, inklusive Rückblick zu vergangenen Sherlock-Fällen und berühmten Zitaten. Das mag bei so manchen Sherlockians zu Langweile geführt haben, ich jedoch habe es genossen an diese erinnert und etwas nostalgisch zu werden.

Der Krimi selbst ist überaus spannend, enthält viele Wendungen und auch die typisch historische Atmosphäre wird gekonnt an den Leser transportiert. Auch an Actionszenen und Cliffhanger am Ende der Kapitel wird hier nicht gespart und mit der Auflösung konnte mich der Autor wirklich überraschen.

Fazit:
Ich habe den 1. und 2. Teil dieser Reihe nicht gelesen und kann daher keine Vergleiche ziehen wie manche anderen Rezensenten. Viele sind enttäuscht da dieser Krimi wie ein Sherlock-Krimi sein will, es aber nicht schafft. Tja Leute, es schreibt eben kein Sir Arthur Conan Doyle, sondern ein Anthony Horowitz. Als Sherlockian muss man dies also schon etwas differenzierter betrachten.
Ich persönlich finde, dass Horowitz es verdammt gut hinbekommen hat. Es war für mich ein Vergnügen in einen Sherlock-Holmes-ähnlichen Krimi einzutauchen und werde mir auch noch die anderen Teile dieser Reihe zulegen.

© Pink Anemone

Der Fall Moriarty 2
© Pink Anemone

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Leseprobe (von Suhrkamp-Insel-Verlag)

Reihenfolge der Sherlock Holmes-Reihe:

  1. „Das Geheimnis des weißen Bandes“
  2. „Die drei Königinnen“
  3. „Der Fall Moriarty“

Autoren-Info:

Anthony Horowitz - adam scourfield
Bildquelle: SV-Verlag / © Adam Scourfield

Anthony Horowitz, geboren 1956 in Stanmore, gehört zu den erfolgreichsten Autoren der englischsprachigen Welt.
Das Leben – ein Abenteuer: Für den halbwüchsigen Anthony Horowitz sieht es zunächst eher düster aus. Obwohl er in einer wohlhabenden Familie aufwächst, ist seine Kindheit alles andere als glücklich. Komplizierte Verhältnisse zu Hause, schreckliche Erlebnisse in der Internatsschule – Anthony erfindet Geschichten, die ihn der lieblosen Enge entkommen lassen, und macht dies später zum Beruf. Mit 23 veröffentlicht der 1956 in Stanmore, Middlesex, geborene Horowitz sein erstes Buch. Seitdem produziert er geradezu manisch, z. B. neue Episoden seiner Serienhelden. Mittlerweile sind der junge Agent Alex Rider oder Matt aus der Reihe „Die fünf Tore“ weltbekannt. Neben Abenteuerromanen verfasst Horowitz Drehbücher und Theaterstücke. Er lebt mit Frau, Kindern und Hund im Norden von London. (Amazon)

Weitere Buchinformationen:

Unabhängiger und selbständiger Kauf des Buches!

 

  • Gebundene Ausgabe: 341 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag; Auflage: 1 (28. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458176128
  • ISBN-13: 978-3458176121
  • Originaltitel: „Moriarty“
  • Preis: 5,65€ (Stand vom 25.05.2018)
  • Auch erhältlich als E-Book, TB, HB und Audio-CD

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10 Kommentare zu „Rezension „Der Fall Moriarty“ von Anthony Horowitz ★★★★★

  1. Hey 🙂

    „Der Fall Moriarty“ war mein erstes Buch, das ich frisch bei Lovelybooks angemeldet für eine Leserunde gewonnen habe … Hach!

    Irgendwann werde ich wahrscheinlich beide – „Das Geheimnis des weißen Bandes“ und „Der Fall Moriarty“ – nochmal lesen müssen, „Die drei Königinnen“ ist ja nur eine Novelle, die es, soweit ich weiß, nur als E-Book gibt (Ja, ja, du und die E-Books ;)),

    Freut mich aber auf jeden Fall, dass dir das Buch gefallen hat, auch wenn es eigentlich kein typischer Pastiche ist.

    Liebe Grüße aus dem regennassen Süden!
    Ascari

    Gefällt 1 Person

    1. Oh, ja….öhm…E-Book. Ich denke ich werde dann wohl diese Novelle nicht lesen, wie Du Dir sicher schon beim Tippen gedacht haben wirst *g*.

      Ich fand es toll, und „Das Geheimnis des weissen Bandes“ werde ich sicher lesen…ist ja auch kein E-Book XD

      Liebe Grüße aus dem ebenso regennassen Norden

      Gefällt 1 Person

  2. Danke für die Rezension! Seitdem ich „Die Morde von Pye Hall“ von Horowitz gelesen habe, will ich unbedingt mehr nach ihm lesen, und deine Rezension bestätigt mich noch mal darin. Ich finde es außerdem genial, dass man kein Vorwissen braucht, um die Bücher lesen zu können (obwohl ich mir endlich mal ein paar originale Holmes-Geschichten zu Gemüte führen will).

    Alles Liebe
    Isabella

    Gefällt 1 Person

  3. Ich fand den Roman super, habe ihn damals als Hörbuch genossen.
    Und jener EINE Handlungstwist hat mich völlig unvorbereitet getroffen und sehr begeistert.
    Das war großes Tennis von Horowitz.

    Kennst du auch seine „Alex Rider“-Romane, eine Art Junior Bond?
    Die sind auch sehr unterhaltsam, ebenso wie die Verfilmung von Teil 1 -> „Stormbreaker“.

    Buchige Grüße
    Christina

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Christina,
      jaaaa, die Wendung war der Wahnsinn. Mich kann man nur noch selten überraschend, aber das hat mich wirklich vom Hocker geschmissen.
      Dies war mein erster Horowitz und daher bedanke ich mich für den Tipp. Ich bin ja seit kurzem auch auf der Suche nach guten Kinder- und Jugendbüchern und da kommt mir Dein Tipp gerade recht. „Alex Rider“ ist also notiert *g*.
      Liebe Grüße
      Conny

      P.S.: Hast Du eine Rezension zu „Der Fall Moriarty“? Falls ja, dürfte ich diese verlinken?

      Gefällt mir

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