Rezensionen · Romane

Rezension „Wie man die Zeit anhält“ von Matt Haig ★★★★★

Eine Geschichte voller Gefühl, melancholischer Klänge und wunderbarer Weisheiten. Ein Buch zum Träumen, Nachdenken und sich darin Verlieren.

Die Perspektive der Zeit

Wenn Liebe die Zeit besiegt.

Keiner lehrt Geschichte so lebendig wie er ‒ und das hat einen guten Grund: Tom Hazard, Geschichtslehrer und verschrobener Einzelgänger, sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Er hat die Elisabethanische Ära in England, die Expeditionen von Captain Cook in der Südsee, die Literaten und Jazzmusiker der Roaring Twenties in Paris erlebt und alle acht Jahre eine neue Identität angenommen. Eines war er über die Jahrhunderte hinweg immer: einsam. Denn die Nähe zu anderen Menschen wäre höchst gefährlich gewesen. Jetzt aber tritt Camille in sein Leben. Und damit verändert sich alles…(Klappentext)

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© Pink Anemone

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„>>Wenn wir nur einen Weg fänden, die Zeit anzuhalten<<, sagte ihr Mann.
>>Daran müssen wir arbeiten. Für den kurzen Moment, wenn das Glück vorbeiflattert. Dann schwingen wir unser Netz und fangen es ein wie einen Schmetterling und bewahren den Moment für immer.<<
(S. 212)

Tom Hazard ist alt, sehr alt. Genauer gesagt ist er 439 Jahre alt. Menschen wie er, gehören der Albatros-Gesellschaft an und sie nennen sich selbst „Albas“. Ja, es gibt mehrere von ihnen und sie haben sich den Regeln dieser Gesellschaft zu fügen.
Alle 8 Jahre muss ein Alba ein neues Leben beginnen, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein neues Leben mit einer neuen Identität an einem neuen Ort. Die wichtigste Regel jedoch ist: sich niemals zu verlieben, geschweige denn irgendeine Bildung zu anderen Menschen einzugehen.
Doch was ist ein Leben ohne Liebe und Freundschaft?

Panorama_of_London1616 - wikipedia
Bildquelle: Wikipedia

Man reist mit Tom Hazard durch sein Leben und somit gleichzeitig auch durch die Jahrhunderte und die Geschichte.
Man begegnet Shakespeare und tritt mit den Lord Chamberlain’s Men im London des 16. Jahrhunderts auf.
Mit Captain Cook begibt man sich auf Südseereise, reist im Jahr 1890 nach New York und sieht die Freiheitsstatue wie sie einst war.

Broadway from Fulton Street, 1890. - humanities,
Bildquelle: Humanities; © Photo collection Alexander Alland, Sr. / Corbis

Man trinkt 1928 in Paris mit Scott Fitzgerald und Zelda an der Bar eine Bloody Mary und erlebt die „Roaring Twenties“.

 

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© Pink Anemone

Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge, sondern je nachdem wie die Erinnerungen auf Tom einstürmen und von diesen gibt es viele.
Sein ständiger Begleiter – die Einsamkeit. Seine ständige Angst – die Zeit. Seine Mission – die Suche nach Freiheit und seiner Tochter.

„Ich war Menschen, die ich gehasst habe, und Menschen die ich bewundert habe.
Ich war aufregend und langweilig und glücklich und unendlich traurig.
Ich war auf der richtigen und ich war auf der falschen Seite der Geschichte.“

Diesem Buch mit einer Rezension gerecht zu werden fällt mir schwer.
Ich könnte so viel daraus erzählen und zitieren, so viel von der Weisheit weitergeben, die ich für mich entdeckte. Doch jeder wird aus diesem Buch unterschiedliche Dinge für sich mitnehmen, jeder wird es anders empfinden und für jeden bedeutet auch Zeit etwas anderes.

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© Pink Anemone

Matt Haig thematisiert in diesem Roman die vielen Facetten des Lebens, erzählt von Einsamkeit und Ängsten, von Freiheit und Mut und natürlich von der Liebe, Gedanken über die Menschlichkeit und das Mensch-Sein, über die Zeit und die Angst davor, die Beschleunigung, welche Bedeutung und Stellung die Zeit für uns einnimmt. Die Zeit im Wandel der Zeit.
Dies alles verpackt in einer wunderschönen Geschichte mit melancholischen Klängen, die wie ein Echo nachhallen und sich in einem verankern.
Während des Lesens erkennt man Nichtigkeiten, die einem wichtig erschienen und die es doch nicht sind und, dass das wirklich Wichtige die ganze Zeit vor einem war und man selbst dem einfach nur blind gegenüber stand.

„Du hast keine Wahl, wo du geboren wirst, du kannst dir nicht aussuchen, wer bei dir bleibt, du kannst über vieles nicht entscheiden.
Das Leben folgt bestimmten Gezeiten, wie die Menschheitsgeschichte auch.
Aber trotzdem gibt es Raum für Entscheidungen. Dinge, bei denen du die Wahl hast.“
(S. 181)

Fazit:
Es ist ein Roman voller Gefühl und wunderbarer Zitate, die einem ein Lächeln in das Gesicht zaubern. Darin zu lesen ist ein wachgerüttelt werden und ein sich darin Verlieren gleichzeitig. Es ist ein Buch zum Träumen, Nachdenken und immer wieder Lesen, sowie ein Buch für Suchende und Finder.
Matt Haig hat es geschafft, dass ich die Karten meiner Prioritäten neu mischte und die Augen auf das Schöne und Wichtige öffnete.

© Pink Anemone

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© Pink Anemone

Leseprobe: wie man die zeit anhält

 

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© KeJas-Blogbuch

 

Autoren-Info:

matt haig - dtv , Susanne Schleyer
Bildquelle: dtv-Verlag; © Susanne Schleyer

Matt Haig wurde 1975 in Sheffield geboren und hat bereits eine Reihe von Romanen und Kinderbüchern veröffentlicht, die mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet und in über 30 Sprachen übersetzt wurden.
In Deutschland bekannt wurde er mit dem Bestseller ›Ich und die Menschen‹.
Mehr unter: www.matthaig.com

Weitere Buchinformation:

Enthält Werbung!

Rezensionsexemplar mit herzlichen Dank an den dtv-Verlag!

dtv
© https://www.dtv.de/

 

  • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (20. April 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423281677
  • ISBN-13: 978-3423281676
  • Originaltitel: „How To Stop Time“
  • Preis: 20,00€ (Stand vom 29.05.2018)
  • Auch erhältlich als E-Book, HB und MP3-CD
wie man die zeit anhält 1
© Pink Anemone

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13 Kommentare zu „Rezension „Wie man die Zeit anhält“ von Matt Haig ★★★★★

  1. Ich lese es auch gerade. Nach „Ich und die Menschen“ war schon klar, dass ich großer Matt Haig Fan werde. Und „How to stop time“ bestätigt das bisher sehr gut. Gefühlt jede dritte Seite hat einen Knick, weil dort eine großartige Textstelle ist. Da weiß ich bei meiner Rezension später wieder überhaupt nicht, welche Zitate ich wählen soll.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja mein Buch war auch mit Markierungen überseht und ich konnte mich ewig lang nicht entscheiden, welche Zitate ich nun nehmen soll. Wenn Du rezensierst sag‘ Bescheid, dann verlinke ich Deine Rezi unter meiner, wenn das ok ist? Bin schon auf Deine Meinung gespannt!!
      Liebe Grüße
      Conny

      Gefällt mir

  2. HACHZ!
    1. Deine Bilder
    2. deine Rezi
    3. die Verlinkung meiner rezi

    Ich war auch ganz begeistert von der Vielfalt an Themen ohne zu überladen und so wundervoll nebenbei! Ein wirklich schöner roman, dem es aber etwas am flair der einzelnen Jahre fehlt – sonst wären es bei mir auch 5 Sterne geworden!

    Gefällt 1 Person

  3. Ich folge Matt Haig schon länger auf Twitter und schätze seine Tweets sehr. Natürlich stehen seine Bücher ganz oben auf meiner Leseliste, aber da ich leider keine 439 Jahre Zeit habe, mussten sie bisher noch warten. Direkt ganz oben liegt „Ich und die Menschen“ und weil Du die Atmosphäre und die Wirkung von „Wie man die Zeit anhält“ so wunderbar beschreibst, freue ich mich gleich noch viel mehr auf „Ich und die Menschen“. Ich bin sehr gespannt.
    LG Gabi

    Gefällt mir

  4. Huhu!
    Ich muss das jetzt einfach loswerden, ich mag die Fotos, die du machst total! Ich finde, sie passen so gut zur Geschichte und zum Cover des Buches. Toll!
    Grüessli, Daniela

    Gefällt 1 Person

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