Rezensionen · Thriller/Krimis

Rezension „Bleiche Knochen“ von Graham Masterton ★★★★★

Ein fantastischer Thriller bei dem sich einem die Nackenhaare aufstellen und der einem die Luft anhalten lässt.

Krähentage

Die Skelette von elf Frauen werden bei Bauarbeiten auf einer Farm im ländlichen Irland gefunden, grausam verstümmelt und bei lebendigem Leib gehäutet. Die Ermittlerin Katie Maguire erfährt nach den ersten Untersuchungen, dass die Toten schon seit vielen Jahrzehnten unter der Erde liegen. Ihr Vorgesetzter will den Fall bereits zu den Akten legen, da taucht ein frisches Opfer auf.
Welche Verbindung besteht zwischen dem Killer der Gegenwart und den Toten aus der Vergangenheit? Und warum sind merkwürdige Stoffpuppen an die Oberschenkelknochen sämtlicher Leichen gebunden?
Katie Maguire stößt auf ein uraltes Ritual und muss den Mörder stoppen, bevor er erneut zuschlägt…(Klappentext)

© Pink Anemone

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„John hatte noch nie so viele Nebelkrähen über der Farm kreisen sehen wie an diesem nassen Novembermorgen.
Sein Vater hatte immer gesagt, wenn sich mehr als sieben Nebelkrähen versammelten, dann waren sie gekommen,
um sich an einer menschlichen Tragödie zu ergötzen.“
(S. 7 – Anfang)

Katie Maguire ist in einer ländlichen Stadt Irlands namens Cork der erste und einzige weibliche Detective Superintendent. Sie ist eine starke Frau mit Hirn und durch nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen…bis bei einer Farm ein Grab mit menschlichen Knochen von 11 Frauen gefunden wurde. Diese wurden augenscheinlich gefoltert, zerstückelt und das Fleisch sorgfältigst von den Knochen geschabt. Das wirklich Seltsame daran sind jedoch die Stoffpuppen, welche an den Oberschenkelknochen der Toten angebracht wurden.
Laut dem Pathologen weisen die Spuren auf ein rituelles Massaker hin, dieses liegt jedoch schon ein Dreivierteljahrhundert zurück. Es ist daher unmöglich, dass der Täter noch lebt. Aufgrund dessen soll der Fall zu den Akten gelegt werden. Kurz darauf wird auf dieser Farm wieder eine Leiche entdeckt. Diesmal sind die Knochen jedoch keine 80 Jahre alt, weisen aber trotzdem die gleichen Merkmale auf. Es scheint als ob jemand dieses alte Ritual wiederholen möchte…und die Zeit läuft und die Krähen kommen. (Persönliche Inhaltsangabe)

Nicht nur beruflich geht es bei Katie hoch her. Privat ist bei ihr nämlich auch ordentlich die Kacke am dampfen.
Normalerweise habe ich wirklich schon genug von privat durchgebeutelten Ermittlern, bei Katie jedoch war dieser Teil fast genauso interessant und packend. Diese privaten Probleme sind nämlich,  überraschenderweise, ebenso fern von 08/15 wie der eigentliche Fall selbst. Also nichts mit Ermittler-Alki, Scheidung oder sonst irgendwelchen Thriller-/Krimi-Klischees, die einem schon bei den Ohren rauskommen.

Der Schreibstil ist klar und flüssig und die Erzählweise packend und äußerst plastisch. Für schwache Nerven und sensible Mägen ist dieser Thriller daher definitiv nichts. Das liegt auch daran, da hier nicht nur aus Katies Sicht erzählt wird, sondern man auch Einblicke in die Perspektive von Opfer und Täter erhält. Das ist nicht ganz ohne, denn hier geht es äußerst brutal, morbid und blutig zur Sache.

„Er griff nach einem kleinen Ausbeinmesser und begann vorsichtig das Fleisch vom Oberschenkelknochen abzutrennen.
Fiona lag nun vollkommen still da, ihr Gesicht ganz grau, während sie sich mit den Händen am Kopfteil des Bettes festklammerte, der Körper völlig steif und schweißglänzend.
Abgesehen vom Knarren der Bettfedern war alles, was sie hören konnte, das Geräusch des nassen Fleisches.
Es klang, als ob sich jemand leise, aber ununterbrochen die Lippen leckte.“
(S. 108)

Die Charakterzeichnungen sind ausgereift und authentisch. Bei diesen gibt es nicht nur Gut oder nur Böse. Alle Charaktere bewegen sich hier im Graubereich.
Auch die Nebencharaktere spielen hier eine wichtige Rolle. Mit Detective Inspector Liam Fennessy, einem Kollegen von Katie, hat der Autor z. B. eine Nebenfigur erschaffen, welche mit äußerst morbiden und sarkastischem Humor so manche Szenerie auflockert und einen schmunzeln lässt – sofernt man, wie ich, dieser Art von Humor etwas abgewinnen kann.

© Pink Anemone

„>>Bei diesen abgelegten Farmen muss ich irgendwie immer an ‚Texas Chainsaw Massacre‘ denken.
Der Regen, der Matsch und niemand, bei dem man sich seinen Kummer von der Seele reden könnte, nur die Schweine und die Kühe.
Es ist gar nicht gut für die geistige Gesundheit eines Menschen, wenn er den ganzen Tag nur Schweinisch und Viehisch redet.<<“
(S. 26)

Obwohl es kein Mystery-Thriller ist, wird die Story von einem gewissen mystischen Touch begleitet. Jeder, der sich mit nordischer Mythologie etwas auskennt weiß was es mit Krähen auf sich hat. Dadurch wird diesem Thriller das gewisse Etwas verliehen, ohne dabei jedoch ins Unglaubwürdige abzudriften.

Ab dem letzten Drittel hatte ich bezüglich des Täters schon so eine gewisse Vorahnung, die sich auch bestätigte. Trotzdem verlief es anders als gedacht und der Autor konnte mich mit dem Ende noch gehörig überraschen.

Fazit:
„Bleiche Knochen“ ist ein wahrer Pageturner der einem ekelhaft-tolles Kopfkino beschert und sich einem dadurch die Nackenhaare aufstellen und man bei gewissen Szenarien vergisst zu atmen. So muss das und daher ist dieser Thriller ein fantastischer Auftakt einer Thriller-Reihe, welcher ich mit Sicherheit weiter folgen werde.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe (Quelle: Festa-Verlag)

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Reihenfolge:

  1. „Bleiche Knochen“
  2. „Gequälte Engel“

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Weitere Buchinformationen:

Unabhängiger und selbständiger Kauf des Buches!

 

  • Taschenbuch: 448 Seiten
  • Verlag: Festa Verlag (26. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 386552558X
  • ISBN-13: 978-3865525581
  • Originaltitel: „White Bones“
  • Preis: 13,99€ (Stand vom 26.06.2018)
  • Auch erhältlich als: E-Book

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Weitere rezensierte Werke des Autors

Horror-Romane:

© Pink Anemone

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Autoren-Info

Bildquelle: Festa-Verlag

Graham Masterton ist einer der erfolgreichsten Autoren moderner Spannungsromane. Er schreibt Thriller, Horrorromane und erotische Ratgeber. 1975 erschien mit Der Manitou sein erster unheimlicher Roman, der sofort zum Bestseller wurde und mit Tony Curtis and Susan Strasberg in den Hauptrollen verfilmt wurde. Inzwischen sind etwa 50 Horrorromane erschienen, deren verkaufte Auflage bei über 20 Millionen liegt. Seine Website: www.grahammasterton.co.uk

»Leute zu erschrecken, hat mir schon als kleiner Junge Spaß gemacht«, erklärt er vergnügt. »Als ich 11 war, schrieb ich eine Story über einen Mann ohne Kopf, der aber immer noch singen konnte und der ständig Tiptoe through the tulips (Auf Zehenspitzen durch die Tulpen) trällerte. Vor kurzem traf ich einen Schulfreund, der sich immer noch sehr gut an diese Geschichte erinnert. Er gestand mir, dass ihm heute noch, sobald er einen Topf mit Tulpen sieht, ein Schauder über den Rücken läuft.« (Quelle: Festa-Verlag)

© Pink Anemone

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3 Kommentare zu „Rezension „Bleiche Knochen“ von Graham Masterton ★★★★★

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