Comics / Graphic Novels · Rezensionen

Rezension „Pride & Prejudice“ von Jane Austen, adaptiert von Nancy Butler, illustriert von Hugo Petrus ★

Eine Enttäuschung für Jane Austen-Fans, aber ev. etwas für Teenies, die in diesen Klassiker reinschnuppern wollen.

Wenn illustrierte Klassiker-Adaptionen in die Hose gehen

Tailored from the adored Jane Austen classic, Marvel Comics is proud to present PRIDE AND PREJUDICE! Two-time Rita Award-Winner Nancy Butler and fan-favorite Hugo Petrus fathfully adapt the whimsical tale ofLizzy Bennet and her loveable-if-eccentric family, as they navigate through tricky British social circles. Will Lizzy’s father manage to marry off his five daughters, despite his wife’s incessant nagging? And will Lizzy’s beautiful sister Jane marry the handsome, wealthy Mr. Bingley, or will his brooding friend Mr. Darcy stand between their happiness?… (Klappentext)

© Pink Anemone

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In der Einführung erklärt die Autorin, dass sie diesen Klassiker aufgrund dessen im Comic-Format adaptiert hat, da nur Jungs und Männer in Comicläden fündig werden und deswegen fast keine Mädchen diese Läden betreten. Alle Comics wären fast ausschließlich für das männliche Geschlecht geeignet.

„‚Treasur Island‘ and ‚Man in the Iron Mask‘ are great books, but they are boy books.“

Also bei diesem Satz zog sich meine rechte Augenbraue ganz von selbst in die Höhe und in Gedanken warf ich noch ein „Das habe ich jetzt nicht wirklich gelesen“ hinterher. Nancy Butler konzentrierte sich dabei zwar nur auf die Klassik-Adaptionen von Marvel, aber Mädchen, bzw. Frauen, lesen trotzdem nicht nur Comics, wenn darin eine kitschige Liebesgeschichte oder Glitter furzende Einhörner darin vorkommen. Wir Frauen lesen, welch Überraschung, ebenso „Boy Books“, genauso wie auch das männliche Geschlecht gefühlsbetonte „Girl Books“ lesen. Ebenso kann ich ihr nicht beipflichten, dass sich nur Jungs in Comicläden rumtreiben und schon gar nicht aus dem Grund weil in diesen nur „Boy Books“ angeboten werden.
Aufgrund dieser geschlechtsspezifischen Differenzierung hatte ich von der Autorin dann natürlich eine gewisse persönliche Meinung, die ich jetzt lieber nicht näher erörtern möchte. Bevor ich mich dann dem Comic selbst widmete also paar Mal tief durchgeatmet und den etwas herben Beigeschmack verdrängt, denn als Liebhaberin der Jane Austen-Romane, habe ich mich auf diese ungewöhnliche Adaption schon sehr gefreut.

© Pink Anemone

Tja, leider wurde diese Vorfreude relativ rasch im Keim erstickt, denn dieser Comic ist wirklich, wie soll ich sagen…, teeniehaft. Natürlich wurde der Klassiker drastisch gekürzt, etwas anderes habe ich mir bei 120 Seiten auch gar nicht erwartet, aber leider wurde an den falschen Stellen gekürzt, sodass der typische Flair des Jane Austen-Romans gänzlich verloren ging. Lizzy ist hier nicht die junge Frau mit frechem Mundwerk und schwarzen Humor, sondern wirkt hier eher wie eine unsympathische, arrogante Bit** (sorry für die Wortwahl, aber anders kann man sie hier nicht beschreiben). Auch die weiteren Charaktere haben nicht das, was sie im Roman von Jane Austen haben.

Es sind durchaus Zitate aus dem Roman enthalten, die Sprache selbst wurde jedoch stark modernisiert. Was mich jedoch am meisten störte (neben der Bitch Lizzy), waren die Zeichnungen. Diese erinnerten mich stark an die „Wendy“-Comics (ich glaube so hießen diese Pferde-Comics?) und konnten somit auch in der Hinsicht nicht die gewünschte Atmosphäre einfangen. Des Weiteren sahen alle Charaktere irgendwie gleich aus, wenn sie nicht unterschiedliche Frisuren gehabt hätten.
Ich hatte also permanent das Gefühl einen Teenie-Comic zu lesen und nicht die Adaption eines Klassikers aus dem frühen 19. Jahrhundert. Meine Erwartungen waren für diesen Comic mit Sicherheit viel  zu hoch geschraubt, dementsprechend tief fielen diese dann.

© Pink Anemone

Die Aufmachung selbst ist durchaus hochwertig und ohne den Schutzumschlag gefällt mir dieses HC fast besser. Lederoptik mit eingestanzten Lettern in Grün-Metallic. Das hat schon was.

© Pink Anemone

Fazit:
Jane Austen-Liebhaber kann ich von dieser Comic-Adaption nur abraten. Junge Mädchen/Jungs könnten diesem Comic aber durchaus etwas abgewinnen. Vor allem, wenn sie kurz in diesen Klassiker reinschnuppern wollen. Für mehr eignet sich dieser leider nicht und mehr will ich dazu auch nicht sagen.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Weitere Produktinformationen

 

  • Gebundene Ausgabe: 120 Seiten
  • Verlag: Marvel; Auflage: 01 (28. Oktober 2009)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 078513915X
  • ISBN-13: 978-0785139157
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 13 Jahren (das könnte einiges erklären)
  • Preis: 22,00€ (Stand vom 25.07.2018) im gebrauchten Zustand gekauft
  • Auch erhältlich als: TB und E-Book
Bildquelle: Amazon & Link

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Rezensionen von Jane Austen-Romanen & Adaptionen

„Stolz und Vorurteil“:

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Weitere Romane:

 

 

Autoren-Info
Bildquelle: Wikipedia

Jane Austen (1775-1817) wurde in Steventon, Hampshire, geboren und wuchs im elterlichen Pfarrhaus auf. Nach Meinung ihres Bruders führte sie „ein ereignisloses Leben“. Sie heiratete nie. Einen Heiratsantrag des um sechs Jahre jüngeren Harrison Bigg Wither hatte sie im Jahr 1802 abgelehnt. Als etablierte Romanautorin lebte sie in relativer Zurückgezogenheit und wurde schließlich im Alter von 40 Jahren schwer krank. Sie starb am 18. Juli 1817 in Winchester.
Ihre literarische Welt war die des englischen Landadels, deren wohl kaschierte Abgründe sie mit feiner Ironie und Satire entlarvte. Psychologisches Feingefühl und eine lebendige Sprache machen ihre scheinbar konventionellen Liebesgeschichten zu einer spannenden Lektüre.

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Nancy Butler ist der Künstlername für Nancy J. Hajeski, einer amerikanischen Schriftstellerin mit einer ausgeprägten Angliophilie. Sie gewann 1998 den Golden Leaf Award für den besten ersten Roman. Sie hat fast ein Dutzend Regency-Romane geschrieben, meist mit britischen Themen.

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Hugo Petrus ist ein spanischer Künstler und machte sein amerikanisches Debüt, indem er Zeichnungen für einen Comic lieferte, der mit einer Doctor Strange DVD verpackt wurde. Dann begann er mit Marvel zusammenzuarbeiten, vor allem bei illustrierten Klassikern wie „Der Mann mit der eisernen Maske“ und „Die drei Musketiere“.
In seinem Land illustriert er für einen wöchentlichen Online-Comic „La Muse“ und hat ebenso „Raise the Dead“ für Dynamite Entertainment illustriert.

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2 Kommentare zu „Rezension „Pride & Prejudice“ von Jane Austen, adaptiert von Nancy Butler, illustriert von Hugo Petrus ★

  1. Oh weh! Schade, daß diese Adaption so in die Hose gegangen ist. Das Cover finde ich absolut gelungen und cool, aber die Illustrationen der Geschichte finde ich zu 08/15. Ich finde gerade bei Klassikeradaptionen sollte es etwas einzigartiges, künstlerisches sein und nicht der typische generische Airbrushstil. 🤔
    Und ja… Der Kommentar mit den „Boy Books“ ist ziemlich unglücklich formuliert und hinterlässt bei mir den Eindruck, daß die Autorin selbst in der Regency Zeit festsitzt. 😂

    Gefällt 1 Person

    1. XDDD oh ja. Was mich ärgert ist, wie die Autorin die Geschlechter in vorgefertigte Schubladen steckt. Wenns nach ihr geht, finden wir Frauen nur Kitsch und Drama toll. Urrrghh.
      Ich habe mir bezüglich der Zeichnungen auch mehr erwartet oder zumindest im Stil wie auf dem Cover gezeigt. Der Inhalt weicht hier total vom Äußeren ab.
      Naja, haben wir wieder etwas über missglückte Adaptionen gelernt XD.

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