Comics / Graphic Novels · Rezensionen

Rezension „V for Vendetta“ von Alan Moore & David Lloyd ★★★★★

Eine rundum gelungene Graphic Novel, die dystopischer nicht sein könnte – spannend, atmosphärisch und bedrückend.

Remember, remember the fifth of November

Set in a futurist totalitarian England, a country without freedom or faith, a mysterious man in a white porcelain mask strikes back against the oppressive overlords on behalf of the voiceless. Armed with only knives and his wits, V, as he’s called, aims to bring about change in this horrific new world. His only ally? A young woman named Evey Hammond. And she is in for much more than she ever bargained for…
A visionary graphic novel that defines sophisticated storytelling, this powerful tale detailing the loss and fight for individuality has become a cultural touchstone and an enduring allegory for current events. Master storytellers Alan Moore and David Lloyd are at the top of their craft in this terrifying portrait of totalitarianism and resistance….(Klappentext)

© Pink Anemone

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„There aren’t many cheeky, cheery charakters in ‚V FOR VENDETTA‘ either;
and it’s for people who don’t switch off the news.“
(David Lloydm Jan. 1990)

„V for Vendetta“ ist eine Dystopie, welche im London der 1990er spielt.
Nach einem Atomkrieg herrscht in England ein totalitäres und faschistisches Regime. Propaganda und Kontrolle beherrschen die Bevölkerung. Es werden nur Bücher, Musik und Nachrichten erlaubt und gesendet, welche vom „Führer“ und seinem Überwachungsstaat erlaubt werden. Die Überwachungs- und Propagandaorganisation setzt sich zusammen aus der Geheimpolizei „Finger“, dem Regierungssender „Mund“, der Videoüberwachung „Auge“, der Lauschattacke „Ohr“ und der Ermittlungsbehörde „Nase“. Keine Bücher, keine Musik, keine Individualität. Jeder der anders ist und gegen die strenge Regelungen verstößt, wird „entfernt“ (kommt einem doch irgendwie bekannt vor, oder?).
Doch es gibt einen, der sich gegen dieses Regime stellt und das im ganz großen Stil. „V“ operiert aus dem Untergrund und trägt eine Guy Fawkes-Maske. Dieser war übrigens ein katholischer Offizier aus dem 17. Jahrhundert, der am 5. November 1605 das englische Parlament sprengen und König Jakob I. töten wollte. Grund – die Verfolgung katholisch Gläubiger durch die damaligen Machthaber. Wie dieser stellt sich auch „V“ gegen das Regime und sprengt am 5. November das Parlament in die Luft. Dieser jedoch mit Erfolg, im Gegensatz zu Guy Fawkes. „V“ ist geheimnisvoll, intelligent und dadurch schwer zu schnappen, denn er scheint immer einen Schritt voraus zu sein. Mit von der Partie ist ein 16-jähriges Mädchen namens Evey, welche er vor einer Vergewaltigung rettet und derer er sich annimmt. Und zusammen wollen sie dieses Regime zu Fall bringen (persönliche Inhaltsangabe).

„>>Me? I’m the King of the twentieth century.
I’m the Bogeyman. The Villain….the black sheep of the family.<<“
(S. 13)

© Pink Anemone

Der Comic erschien erstmals 1982 und Alan Moore zeichnet hier eine Dystopie vom Feinsten, in der die Unterdrückung von Freiheit und Individualität der gesamten Gesellschaft das zentrale Thema ist.
Während die Graphic Novel ursprünglich in Fortsetzungen und in schwarz-weiß veröffentlicht wurde, hält man hier die colorierte Gesamtausgabe  in den Händen. Diese ist in 3 Teile aufgeteilt, in denen die Pläne von „V“ bezüglich der Zerstörung des Systems, sowie sein Motiv erörtert werden. Dabei wird aus mehreren Perspektiven erzählt und man erhält tiefe Einblicke in das System, sowie in die Hintergründe des geheimnisvollen Protagonisten selbst.

© Pink Anemone

Es gibt hier einige Abweichungen zum Film, welche ich jedoch sogar um einiges interessanter und stimmungsvoller finde. Aufgrund dessen gestaltet sich die Story sehr spannend. Diese besticht zusätzlich durch die Liebe zum Detail und die düsteren Zeichnungen von David Lloyd einfach nur fantastisch und fangen die Atmosphäre gekonnt ein.
Die Zitate aus diversen Litereatur- und Musikklassikern runden das Werk ab und tragen zusätzlich zu der bedrückenden Stimmung bei.

„Nobody you’d have heard of a German gentleman named Dr. John Faust.
He made a deal, too.“
(S. 44)

Schon vor der Story selbst erhält man Informationen von Alan Moore und David Lloyd bezüglich der Entstehung der Graphic Novel. Am Ende lässt uns Alan Moore noch einen Blick hinter die Kulissen werfen und es sind auch noch zwei Kurzgeschichten mit unserem mysteriösen „V“ enthalten.

© Pink Anemone

Fazit:
Eine rundum gelungene Graphic Novel die dystopischer nicht sein könnte – spannend, atmosphärisch, bedrückend und von der Thematik her aktueller denn je.
Trotzdem ich den Film kenne, und von dem ich auch weiterhin schwer begeistert bin, empfand ich die Story als spannend, da sie wesentlich mehr in die Tiefe geht.
Dies war mein erster Comic von Alan Moore und definitiv nicht mein letzter.

© Pink Anemone

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Weitere Buchinformationen:

 

  • Taschenbuch: 296 Seiten
  • Verlag: Vertigo; Auflage: Trade Paperback (24. Oktober 2008)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 140120841X
  • ISBN-13: 978-140120841
  • Preis: 13,99€ (Stand vom 06.08.2018)
  • Auch erhältlich als: E-Book, HC, HB
Bildquelle: Amazon inkl. Link

 

© Pink Anemone

 

 

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Autoren-Info:

Bildquelle: Wikipedia

Alan Moore, geboren Nov. 1953 in Northampton, ist ein britischer Roman- und Comicautor.
Moore stammt aus der britischen Arbeiterklasse und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. In der Freizeit widmete er sich hingegen der Literatur zu und las unzählige Comics.
Ende der 1960er veröffentlichte Moore erstmals eigene Texte und selbst illustrierte Strips in verschiedenen Fanzines, während er seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs sicherte. Von konventioneller Arbeit desillusioniert, beschloss Moore schließlich, sich hauptberuflich als Autor zu versuchen.
Bis 1986 lebte Moore vor allem von selbst geschriebenen und illustrierten Strips, die er an Zeitschriften verkaufte. Dabei schrieb er unter den Pseudonymen Jill de Ray und Curt Vile.
Ab den späten 1980ern gab er das Zeichnen auf und konzentrierte sich auf das reine Skripten von Comics. Erste Erfolge feierte er auf diese Weise als Autor der Serie Tharg’s Future Shocks. Mitte der 1990er wandte sich Moore privat dem Gnostizismus zu. Seine späteren Werke spiegeln sein neu entstandenes Interesse am Bewusstsein des Mystizismus und der Magie wider. Unter anderem vollführt er mit dem Moon and Serpent Grand Egyptian Theatre of Marvels Auftritte und öffentliche Rituale.
Die Biografie Alan Moore – Portrait of an Extraordinary Gentleman erschien in seinem fünfzigsten Lebensjahr. Alle Einnahmen aus dem Verkauf kamen wohltätigen Zwecken zu.
Für sein Lebenswerk wurde Moore 2008 mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet.
Ein Auge und ein Ohr des Autors sind geschädigt, vermutlich als Folge seiner Arbeit in einer Gerberei während der Jugendjahre.
Moore ist Anarchist und hat nur einmal in seinem Leben gewählt.
Der Fernsehsender Arte widmete Moores Weltanschauung 2017 die achtteilige Sendung Alan Moore – Beim Barte des Propheten, in der er zu politischen, sozioökonomischen und religiösen Themen Stellung bezieht und unter anderem Populismus und den Brexit deutlich kritisiert. (Quelle: Wikipedia)

Kleine Einsicht in Werke von Alan Moore:

  • „Watchmen“ (2008)
    Watchmen zählt zu den bedeutendsten Werken in der Comickunst und hat alle Comicschaffenden nachhaltig beeinflusst. Schöpfer Alan Moore heimste mit dem Epos sämtliche Preise der Comicbranche ein und erlangte als Autor absoluten Kultstatus. Nach langem Tauziehen um die Rechte wird Watchmen nun 2009 unter der Regie von Zack Snyder, der bereits Frank Millers 300 zu einem unvergesslichen, cineastischen Ereignis werden ließ, in den Kinos starten
Bildquelle: Amazon , inkl. Link
  • „Providence“-Reihe (ab 2015)
    Alan Moore ist der profilierteste Comic-Autor aller Zeiten. Seine neue Serie PROVIDENCE, die das Werk von H. P. Lovecraft dekonstruiert und neu interpretiert, wird als WATCHMEN des Horrors gefeiert. Und so, wie From Hell eine Meditation über Jack the Ripper war, ist PROVIDENCE eine intensive Geschichte über Lovecrafts Kosmos und die Welt in den Schatten.
Bildquelle: Amazon, inkl. Link
  • „Lost Girls“ 3 Bänder im Schuber (2008)
    Lost Girls ist eine anspruchsvolle, fantasievolle, erotische Graphic Novel, die die sexuellen Abenteuer von drei der bekanntesten weiblichen Figuren des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts beschreibt: Alice aus Alice im Wunderland, Dorothy Gale aus dem Zauberer von Oz und Wendy Darling aus Peter Pan. Sie treffen sich als Erwachsene 1913 in einem österreichischen Hotel und erzählen sich ihre erotischen Abenteuer und Träume. Historische Ereignisse wie das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand werden ebenso in die Erzählung eingewoben wie pornografische Literatur und Kunst dieser Zeit. Jedes Kapitel wird in dem Stil eines anderen Künstlers der Epoche präsentiert, darunter Oscar Wilde, Aubrey Beardsley, Alfons Mucha und Egon Schiele.
Bildquelle: Amazon, inkl. Link

 

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David Lloyd, geboren 1950 in Enfield, ist ein britischer Comiczeichner.
Er zeichnet seit 1977 Comics, zuerst Adaptionen von Filmen und Fernsehserien. Seine erste Fortsetzungsserie hieß Night Raven, und er hat auch eine Reihe von Stories um Dr. Who illustriert. Nach V WIE VENDETTA hat Lloyd Kurzgeschichten für Eclipse und Crisis-Storys für Fleetway gezeichnet. Zu seinen beliebtesten Werken gehören Slaine, Aliens: Glass Corridor, Weird War Tales, Gangland, The Horrorist, Marlowe: The Graphic Novel, Hellblazer: Rare Cuts, zwei Storys für War Story und sein erstes Werk als Autor und Zeichner Kickback.
Unter anderem lehrt Lloyd das Zeichnen von Comics an Englands einziger derartiger Schule, dem London Cartoon Center.
David Lloyd lebt in Brighton, England und arbeitet hart am Erfolg seines online-Comicprojekt Aces Weekly. (Quelle: Wikipedia, Amazon)

Kleine Einsicht in Werke von David Lloyd:

  • Kickback“ (2007)
    Detective Joe Canelli ist ein korrupter Polizist in einem korrupten Polizeipräsidium. Canelli arbeitet in einer Stadt, in der sich Gesetzeshüter und organisierte Kriminalität längst arrangiert haben. Als es zu einer Zahl von Übergriffen auf Polizeibeamte kommt und Uniformierte eine Bande von Drogendealern ermorden ist der Frieden in Gefahr. Als Canellis Partner Opfer der neuen Feindseligkeiten und ermordet wird, beginnt er, sein Leben umzukrempeln und macht sich auf die Suche nach den Unruhestiftern. Mit der Hilfe eines Kollegen, dem er vertraut und einer nach Schlagzeilen dürstenden Reporterin, beginnt er aufzuräumen. Kickback ist eine düstere und atmosphärische Krimi-Ballade, die in eindringlichen Bildern den Kampf eines kleinen Mannes gegen ein übermächtiges Syndikat erzählt.
Bildquelle: Amazon, inkl. Link
  • „Sláine 4 – Die Gruft des Schreckens“ (2018)
    Sláine, sein Zwerg und Chronist Ukko, die Jungmagierin Nest Sprenkelhaut und ein paar andere überlebensgroße Krieger versuchen, unter mehr oder weniger verlässlicher Anleitung Myrddins, die Zerstörung der Erde abzuwenden. Der Auftrag klingt simpel: „Geht rein … tötet alles, was sich bewegt … und kommt wieder raus!“ Doch nichts ist simpel im monumentalen Grabmal Grímnismáls, in der Gruft des Schreckens. Denn der Abschluss von „Der Zeitenkiller“ ist als klassisches Pen-&-Paper-Rollenspiel konzipiert – mit dem Leser in der Rolle Sláines! Das ist manchmal angstschweißtreibend, manchmal igelhaarsträubend, manchmal zum totlachen (im wahrsten Wortsinn) – aber immer ein spannendes Vergnügen.
Bildquelle: Amazon, inkl. Link

 

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Ein Kommentar zu „Rezension „V for Vendetta“ von Alan Moore & David Lloyd ★★★★★

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