Rezensionen · Thriller/Krimis

Rezension „Drecksspiel“ von Martin Krist ★★★★

Dreckig – Dreckiger – Martin Krist. Dieser Thriller hat es wirklich in sich und 08/15 sucht man hier vergebens.

Diesen Thriller habe ich zusammen mit Sandra von Booknapping und Ariane von Nerd mit Nadel in einer gemeinsamen LR auf Twitter gelesen. Es sollte eigentlich eine gemütliche und langsame LR werden, da die beiden während des Pendelns lesen…tja, ich war jedoch innerhalb kürzerster Zeit fertig. Einmal angefangen, konnte ich trotzdem nicht mehr aufhören. Falls Ihr unseren Twitter-Plausch verfolgen wollt, dann guckt einfach unter #drecksspiel.

Es ist immer von Vorteil die Bücher bei Autoren direkt zu bestellen, denn da bekommt man diese auch gleich signiert und eventuell sind dann auch ein paar kleine Goodies dabei. Des Weiteren bekommt dann wirklich der-/diejenige das Geld, welche/r Blut und Wasser beim Entstehen des Werkes geschwitzt hat. *g*

© Pink Anemone

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Manchmal nimmt das Leben einen seltsamen Verlauf

David Gross, ehemaliger Polizist und nun als Problemlöser für einen Anwalt tätig, ermittelt im Fall einer entführten Tochter aus gutem Hause. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn Berlin wartet mit finsteren Ecken, zwielichtigen Typen, bösen Gedanken und blutigen Taten….(Klappentext)

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„Caro sieht dem Tod in die Augen.
Der Anblick ist kaum zu ertragen,
doch kräftige Hände umfangen ihren Kopf wie ein Schraubstock
und zwingen ihren Blick direkt in die Augen der verzweifelten Frau,
aus deren aufgeschlitzter Kehle das Blut spritzt.“
(S. 2 – Anfang)

Dies ist der Auftakt der David Gross-Reihe, der es wirklich in sich hat.

Der Autor fackelt hier nicht lange. Bereits auf der ersten Seite spritzt das Blut und ab diesem Zeitpunkt befindet man sich in einem Thriller der sich gewaschen hat.
Man begleitet abwechselnd verschiedene Figuren und Handlungsstränge, welche scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

David Gross: Privatdetektiv für einen Anwalt, der die ganz Großen vertritt. Sein derzeitiger Auftrag ist die Tochter eines großen Firmenmoguls zu finden, welche spurlos verschwunden ist

Hannah: welche mit ihrem Mann und ihrem gemeinsamen Baby endlich mal wieder in einem Ferienhaus entspannen will, findet sich in diesem gefesselt auf einem Stuhl wieder

Toni: Ermittler bei der Mordkommission, bei dem die Kacke ordentlich am dampfen ist. Koks, Nutten und Geschäfte mit dem Paten von Berlin sind sein Alltag. Seine Stammprostituierte wird nach einem gemeinsamen Streit abgeschlachtet im Bordell aufgefunden. Nun muss Toni zusehen, wie er sich aus dieser Misere herauswinden kann und vor allem den Täter finden, bevor seine Kollegen Spuren finden, die zu ihm führen könnten.

Im Verlauf kommen vereinzelt noch weitere Handlungsstränge und Perspektiven hinzu.

© Pink Anemone

Langweilig wird es hier also definitiv nicht und mit jeder Seite steigt die Spannung und die Frage, wie das alles zusammenhängen könnte und wie der Autor dies stimmig miteinander verweben will.
Im Zuge der Story nähern sich diese Handlungsstränge langsam aneinander an, beginnen sich teils zu überschneiden, um sich am Ende zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden.
Die Auflösung selbst ist durchaus überraschend, mich konnte jedoch vor allem das Ende begeistern, welches kein Happy End im eigentlichen Sinne beinhaltet, sondern genauso rau und direkt wie die Story selbst ist. Dafür endet es mit einem verdammt fiesen Cliffhanger *g*.

„Sie kämpfte gegen den Schmerz und die Panik, die sie zu überwältigen drohte.
Schnaufend atmete sie durch, schluckte noch einmal. Und noch einmal.
Immer wieder, bis sie gleichmäßig durch die Nase Luft holen konnte.
Sie blinzelte den Schweiß aus den Augen.
Eine Gestalt schob sich in ihr Blickfeld.“
(S. 41)

Ich habe aber bezüglich der verschiedenen Handlungsstränge auch etwas zu bemängeln. Diese sind gleichzeitig die Stärke, aber leider auch die Schwäche dieses Thrillers.
Die Schwäche liegt, für mich persönlich, am sehr raschen Wechsel zwischen der verschiedenen Perspektiven und Handlungen. Jeder Strang dauert gerade mal zwei kurze Seiten, oder weniger. Kaum ist man im Geschehen, wird man schon wieder in ein anderes geschleudert. Aufgrund dessen konnte ich mich nie vollends auf einen Charakter einlassen, in keine Handlung so richtig eintauchen.
Gegen Ende, als sich die verschiedenen Handlungen beginnen zu überschneiden, fand ich diesen rasanten Wechsel wiederum durchaus angebracht und gelungen, da dadurch zusätzlich Spannung und Tempo erzeugt wurden. Ich hatte das Gefühl, wie in einem Actionfilm, von einer Szene zur nächsten zu springen, bis die Story mit einem Showdown endete. Diese rasanten Sprünge den ganzen Thriller hindurch fand ich jedoch etwas störend und manchmal sogar nervig. Das Positive an den vielen Szenarien ist aber, dass es keineswegs verwirrend ist und jeder Handlungsstrang mit einem genialen Cliffhanger endet. Außerdem wurden dadurch, wie schon erwähnt, permanent Spannung und Tempo erzeugt, welche während der ganzen Story beibehalten wurden. Paar Seiten mehr wären jedoch nicht ganz verkehrt gewesen und hätten den selben Effekt erzielt.

Der Thriller ist nur bedingt für schwache Nerven und sensible Mägen geeignet, denn hier spritzt das Blut und es wird gefoltert und gesäbelt. Der flüssige und äußerst bildhafte Schreibstil sorgt zusätzlich für blutiges Kopfkino und das Setting wird ebenso atmosphärisch eingefangen.
Auch die Charaktere agieren für ihre Verhältnisse authentisch. Man muss bei Martin Krist aber darauf achten in keine Falle zu tappen, denn hier sind die bösen Buben zwar durchwegs böse, jedoch nicht nur und nicht jeder Gute nur gut. Hier spielt wirklich jeder sein eigenen Drecksspiel und das fern von 08/15.

„David verbarg sich in der Menschenmenge, die wie eine Welle dem Ausgang entgegenschwappte.
Ein zahnloser Zottelbart bettelte um gültige Tickets.
Draußen auf der Straße brodelte der Verkehr.
Benzingeruch hin in der heißen Luft.
(S. 158)

Fazit:
Bis auf das rasche Herumspringen zwischen den Handlungssträngen wie ein Jo-Jo, ist das ein 1A Thriller, der sich fern von 08/15 bewegt und es herrlich blutig und brutal zugeht.
Spannung und Tempo sind permanent vorhanden und man schafft es nicht, diesen Thriller vor Ende aus der Hand zu legen. Dieser Thriller hat es also definitiv in sich und ließ mein Thrillerherz höher schlagen.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe: Drecksspiel

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Personenregister

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Steckbrief:
David Cross

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Reihenfolge:

1. „Drecksspiel“
2. „Brandstifter“

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Weitere Rezensionen:

© KeJas-Blogbuch
© Mademoiselle Facettenreich
© Seehase
© Leseblick

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Weiter Buchinformationen:

 

  • Taschenbuch: 348 Seiten
  • Verlag: epubli; Auflage: 16 (1. März 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 374670426X
  • ISBN-13: 978-3746704265
  • Preis: 10,99€ (Stand vom 07.08.2018)
  • Auch erhältlich als: E-Book
© Pink Anemone

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Autoren-Info:

Bildquelle: Martin Krist / © Bianca Krause, Fotosinfonie

Martin Krist, geboren 1971, lebt als Schriftsteller in Berlin. Er arbeitete viele Jahre als leitender Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Seit 1997 ist er als Schriftsteller tätig. Nach mehr als 30 Sachbüchern, darunter Biografien über die Hamburger Kiez-Ikone Tattoo-Theo, die Punk-Dive Nina Hagen, den Rap-Rüpel Sido, die Grunge-Ikone Kurt Cobain und den gewaltlosen Rebell Mahatma Gandhi, schreit er seit 2005 Krimis und Thriller. Weiters lohnt es sich immer wieder auch den Blog des Autors zu besuchen. Zu diesem gelangt Ihr HIER.

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17 Kommentare zu „Rezension „Drecksspiel“ von Martin Krist ★★★★

  1. Man schafft es wirklich nicht, dieses Buch aus der Hand zu legen. Wie viele Abende habe ich über meine Schlafenszeit hinaus gelesen, weil „nur noch ein Kapitel … nur noch eins … ach eins noch fix“. Dabei störten mich die Sprünge aber gar nicht. Gerade das mochte ich sehr bzw. mag ich sehr bei Krist. Das macht er ja öfter mal.
    Und mit Widmung, wie toll! ❤

    Gefällt 1 Person

    1. Am Ende fand ich diese Sprünge auch toll. Da wird das Finale noch mal ordentlich gepusht. Bei mir liegt noch „Böses Kind“ auf dem SuB. Mal gucken wann ich dazukomme es zu lesen. Ich freue mich aber jetzt schon darauf 😊

      Gefällt mir

  2. Deine Einleitung ist schon feinst! 😀 Und liebsten Dank fürs Verlinken ❤

    Ich kann deine gesamte Rezension genau so unterschreiben! Ich fand den Thriller sehr gelungen und die rasanten Szenen sehr stimmig, bin da ja eine kritische Leserin. Und ja, man muss sich in den schnellen Wechsel und der Vielzahl der Handlungsstränge erstmal reinlesen, aber dann rockt das Buch! "Brandstifter" liegt schon bei mir bereit nach DEM Cliffhanger, aber leider kam ich noch nicht zum lesen.

    Feine Rezi die das Buch gelungen auf den Punkt bringt (=

    Liebe Grüße :-*

    Gefällt 1 Person

    1. Ich verlinke Deine und Kerstins Rezi immer wieder gerne. Ihr formuliert um so einiges bedachter und schöner, daher sollte die jeder lesen.
      „Böses Kind“ habe ich hier auch noch auf dem SuB und „Brandstifter“ wird wohl auch bald einziehen. Der Autor schreibt eindeutig schneller als ich lesen kann XD
      Jedenfalls gehört Martin Krist nun, trotz der Kritik, nach nur diesem einen Buch zu meinen Lieblingsautoren im Genre Thriller und das ganz knapp hinter Andreas Gruber…das will bei mir was heißen *g*.

      Liebe Grüße und Bussal

      Gefällt 1 Person

      1. Aaaawww *-* und QUATSCH! Du schreibst auch wundervolle Rezensionen!

        Ich hab auch noch einige von ihm hier liegen! Und ja, Tempo hat und kann der Krist. Eigentlich gerne mal ein Kritikpunkt bei mir, aber bei ihm ist es wirklich stimmig (=

        Gefällt 1 Person

  3. Hallo Conny,
    Drecksspiel habe ich mal vor Jahren gelesen und ich fand es einfach klasse. Jetzt steht Böses Kind deshalb ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Kann deine tollen Worte zu dem Buch nur verstehen.
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Diana,
      „Böses Kind“ liegt auch noch auf meinem SuB und vielleicht komme ich im Urlaub sogar dazu es zu lesen. Ich habe ja immer schon einen riesigen Stapel an Büchern auf dem Nachtkästchen, die ich alle demnächst lesen will. Das nimmt einfach kein Ende XD
      Liebe Grüße aus Wien und danke fürs Vorbeischauen,
      Conny

      Gefällt 1 Person

    1. Jööö, wer schneit denn da herein. Das ist ja fein *freu*.
      „Böses Kind“ habe ich auch noch hier. Wenn der nur halb so rasant und toll ist wie „Drecksspiel“, dann hat mich Krist mit seinen Büchern um den Finger gewickelt *g*
      Hast Du auch eine Rezi, die ich verlinken kann/darf/soll/muss? 😉

      Gefällt 1 Person

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