Bibliophilie

Autoren-Porträt „Henry James

Bildquelle: Wikipedia

Henry James, geboren 15. April 1843 in New York; gestorben in London als Englischer Staatsbürger am 28. Februar 1916, war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Schriftsteller im englisch-sprachigen Raum und war eine beeindruckende Persönlichkeit voller Widersprüche.

Er entstammt einer wohlhabenden und intellektuellen Familie und war der jüngere Bruder des Philosophen William James.

William James; Bildquelle: Wikipedia

Schon früh machte er Bekanntschaft mit Klassikern der britischen, amerikanischen, französischen und deutschen Literatur und bereiste schon in der Jugend mit seiner Familie Europa. Im Zuge dessen besuchte er Schulen in Genf, Bonn, London und Paris.

Sein Herz schlug schon immer für die Literatur, trotzdem begann er mit 20 Jahren ein Studium der Rechtswissenschaften an der Harvard Law School, brach dieses jedoch bereits nach einem Jahr ab, um sich vollends der Literatur zu widmen.
Bereits 1864 veröffentlich Henry James seine erste Kurzgeschichte „A Tragedy of Errors“ im Continental Monthly. Diese Veröffentlichung erfolgte jedoch noch anonym.
1865 ist er beim Atlantic Monthly, einem amerikanischen Literatur- und Kultur-Magazin, angestellt und veröffentlicht in seinem Namen die Kurzgeschichte „The Story of a Year“. Ab diesem Zeitpunkt konzentrierte sich James auf das Schreiben.

Henry James war Europa, vor allem Paris und London, immer mehr zugetan als Amerika, da er dessen moralische Maßstäbe als zu engstirnig befand, im Gegensatz zu den europäischen. 1876 siedelte er schließlich nach London und im Juli 1915 erhielt er die britische Staatsbürgerschaft.

Das Reisen war neben der Literatur seine zweite Leidenschaft und auf diesen Reisen entstanden viele seiner Werke. Daher schrieb er auch viele Reiseberichte. Doch vor allem Kurzgeschichten, Romane und zwischendurch auch Theaterstücke, mit denen James jedoch keine großen Erfolge erzielte.
Er nahm allgemein sehr rege am gesellschaftlichen Leben teil. Zu seinen Bekannten gehörten Alfred Tennyson, Iwan Turgenjew, Gustave Flaubert, Robert Louis Stevenson, Oscar Wilde, George Bernard Shaw, Constance Fenimore Woolson, Stephen Crane, Joseph Conrad, John Singer Sargent und Edith Wharton, um nur einige zu nennen. Sein Bekannten- und Freundeskreis liest sich also wie das „Who is Who“ der Schriftsteller des frühen 19. Jahrhunderts.
Diskret und zurückhaltend im Zwischenmenschlichen, offenbart sich Henry James‘ intime Kenntnis der menschlichen Psyche in seinen Werken umso mehr. Das Innenleben seiner Figuren beschreibt er so detailreich, das seine Romane bis heute modern erscheinen und immer wieder für die Bühne inszeniert und verfilmt werden.

Henry James hatte seine ganz eigene Art zu schreiben und seine Figuren entstehen zu lassen.
Er benutzte Freunde und Bekannte als Material für seine Arbeit. Er hatte wenig Skrupel, seine gesellschaftlichen Verbindungen für berufliche Zwecke einzuspannen. Nichtsdestotrotz soll er ein gutmütiger, schlagfertiger und loyaler Mensch gewesen sein, mit spitzem Humor und daher allseits beliebt und immer von Freunden umgeben.
Diese Beobachtungen zwischenmenschlicher Beziehungen, sowie mancher spezieller Charakterzüge, fanden in seine Werke. Das Innenleben seiner Figuren beschreibt er so detailreich, dass seine Romane bis heute modern erscheinen.
Des Weiteren beinhaltet so manches Werk die Grenzen verbotener Beziehungen und die Konsequenzen ihrer Überschreitung (z.B. Pädophilie in seiner Novelle „Watch and Ward“).
Henry James, ewiger Junggeselle, war für seine Zeit ein modern denkender Mann und war überzeugt, dass es nicht abwegig ist, dass Frauen und Männer emotional wie intellektuell ebenbürtig sein können und empfand die typische weibliche Rolle in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts als Absurdität. Noch ein Grund diesen Mann zu huldigen.

In seinen späteren und letzten Werken befreite er sich vom Druck, dem Lesepuplikum zu gefallen und experimentierte mit erzählerischen Techniken und wagte sich an unkonventionelle Themen – unkonventioneller als seine vorherigen Werke schon waren.
Obwohl seine Kurzgeschichten und Romane fern des damaligen Massengeschmacks waren, wurde Henry James einer der führenden Schriftsteller seiner Generation. Er hatte jedoch nie den Dreh raus, mit seinen Werken anständiges Geld zu verdienen. James war aber auch nie jemand der aufgrund des materiellen Reichtums schrieb, sondern aus Überzeugung und Liebe zur Literatur. Das alleine hebt ihn von der breiten Schriftsteller-Masse ab und macht ihn sympathisch.

Auflistung seiner Werke:

The Turn of the Screw, Erstausgabe 1898; Bildquelle: Wikipedia
  • Watch and Ward, 1871
  • Roderick Hudson, 1875
  • The American, 1875 (dt. Der Amerikaner; Gesellschafts-Roman)
  • Daisy Miller, 1878
  • The Europeans, 1878 (dt. Die Europäer)
  • Confidence, 1879 (dt. Vertrauen)
  • The Portrait of a Lady, 1881 (dt. Bildnis einer Dame)
  • Washington Square, 1881 (dt. je nach Übersetzung Die Erbin vom Washington Square oder Washington Square)
  • The Bostonians, 1886 (dt. Damen in Boston)
  • The Princess Casamassima, 1886 (dt. Die Prinzessin Casamassima)
  • The Aspern Papers, 1888, (dt. Asperns Nachlaß, auch: Die Aspern-Schriften)
  • The Reverberator, 1888
  • The Patagonia, 1888, (dt. Überfahrt mit Dame)
  • The Tragic Muse, 1890
  • Picture and Text, 1893 (dt. Bild & Text)
  • The Other House, 1896
  • The Way It Came, 1896. (dt. Wie alles kam)
  • The Spoils of Poynton, 1897 (dt. Die Kostbarkeiten von Poynton)
  • What Maisie Knew, 1897 (dt. Was Maisie wusste)
  • The Turn of the Screw, 1898 (dt. je nach Übersetzung Das Durchdrehen der Schraube, Die Unschuldsengel, Das Geheimnis von Bly oder Die Drehung der Schraube.)
  • The Awkward Age, 1899
  • The Tone of Time, 1900 (dt. Patina)
  • The Sacred Fount, 1901 (dt. Der Wunderbrunnen)
  • The Wings of the Dove, 1902 (dt. Die Flügel der Taube)
  • The Ambassadors, 1903 (dt. Die Gesandten)
  • The Golden Bowl, 1904 (dt. Die goldene Schale)
  • The Outcry, 1911

(Informationsquelle: Wikipedia, „Henry James Biografie“ von Hazel Hutchison)

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Meine Rezensionen zu Werken von Henry James:

  • Rezension „Was Maisie wusste“ (2018; dtv-Verlag)
  • Rezension „Die Drehung der Schraube“ (2010; Manesse Verlag)
  • Rezension „Henry James Biografie“ von Hazel Hutchison (2015; Parthas Verlag)

 

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