Rezensionen · Sachbücher/Biographien

Rezension „How to be a Victorian“ von Ruth Goodman ★★★★★

Viktorianisches Zeitalter / Ein Highlight unter den Geschichtsbüchern. Faszinierend, packend, humorvoll und vor allem informativ. Ein Buch, welches man immer wieder lesen kann.

Dieses Sachbuch ist auch eines meiner absoluten Lesehighlight. Zuerst hat mich das Cover in seinen Bann gezogen und danach hat mich der Inhalt regelrecht gefesselt und an das Buch gekettet. Daher gebührt diesem Buch eine ganz besonders ausführliche Besprechung.

Im Anschluß an die Autoren-Info findet Ihr dann noch zwei YouTube-Beiträge mit der Autorin Ruth Goodman.
Also holt Euch etwas zu trinken und zu knabbern. Wir reisen nun in das Viktorianische London.

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Ein Tag im Leben der Viktorianer

We know what life was like for Victoria and Albert. But what was it like for a commoner like you or me? How did it feel to cook with coal and wash with tea leaves? Drink beer for breakfast and clean your teeth with cuttlefish? Dress in whalebone and feed opium to the baby? Surviving everyday life came down to the gritty details, the small necessities and tricks of living.
Drawing on Ruth’s unique first-hand experience, gained from living on a Victorian farm for a year, this book will teach you everything you need to know about 19th century living…(Klappentext)

© Pink Anemone

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Wer sich für das Viktorianische Zeitalter interessiert, kommt an Ruth Goodman, der Autorin dieses Buches, nicht vorbei.
Die Britin ist freiberufliche Historikerin und auf das oben genannte Zeitalter spezialisiert. Ich habe schon einige BBC-Dokumentationen zu diesem Thema gesehen, die meisten von und mit Ruth Goodman und auch auf YouTube tummelt sich die Dame. Sie hat auf einer Viktorianischen Farm gelebt, ohne Annehmlichkeiten des heutigen Zeitalters, hat gekocht, genäht und sich in enge Korsetts gezwängt und dies nicht nur für eine Woche, sondern für ein ganzes Jahr.

Genauso fesselnd und faszinierend wie diese Dokumentationen, liest sich dieses Buch, in dem man in alle Aspekte dieser Epoche Einblick erhält – in Tagesablauf, Kleidung, Arbeit, Essen, etc., und das nicht nur der gut betuchten Gesellschaft, sondern ebenso der hart arbeitenden und ärmlichen Bevölkerung – vom Tagesanbruch an, bis hin zur Schlafenszeit.

Dieses Buch verdient eine ausführliche Vorstellung, also Ladies, schnallt Eure Korsetts fester, Gentlemen, richtet Eure Bowlers, denn hier taucht man in das wahre viktorianische Zeitalter ein.

„As the 1850s slipped into the 1860s, the pressure to show oneself possessed of a small waist continued to build.
The old home-made corsets began to dwindle away as more people turned to professionally made equivalents that could enable them to attain a more fashinoable shape.
This was the age of the corset horror story.“
(S. 67)

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Kapiteleinteilung

1) Getting Up
Der Tag beginnt und man erwacht im viktorianischen Zeitalter.
Man erhält Einblick in die Morgenroutine der verschiedenen Gesellschaftsschichten, in die Benutzung verschiedener Alltagsgegenstände, in Hygiene und dem Wissensstand bezüglich dieser in der damaligen Zeit und sogar in die Damenhygiene für die gewissen Tage.

2) Getting Dressed
Kleider machen Leute und in diesem Fall die viktorianischen Männer, Frauen und Kinder, die Armen und die Reichen.
Von der Unterwäsche angefangen, über die unzähligen Schichten, Dresscodes, die Kleidungspflege, bis hin zu Hüten, Schuhen und die rasch wechselnde Mode.
Habt IHr z.B. gewusst, dass auch Männer Korsetts trugen als die schmale Taille auch für die Männer angesagt war?

© Pink Anemone

3) A Trip to the Privy
Auch der morgendliche Gang zur Toilette wird nicht vergessen.
Über die verschiedenen Arten von Toiletten, die Jakesmen und den großen Gestank von 1858, etc.

4) Personal Grooming
Hier wird gecremt, geschminkt, gefärbt, frisiert und Bleaching war auch damals schon der letzte Schrei. Bart- und Frisurentrends, welche im Laufe dieses Zeitalters sehr rasch wechselten, werden hier ebenfalls thematisiert und noch vieles mehr.
Wenn man damals als Lady gelten wollte, mussten sogar die Fingernägel ein ganz bestimmtes Aussehen haben (inkl. des weißen Halbmondes).

„Bonnets were so last year; hats were hot!“
(S. 114)

5) Morning Exercice
Die Lieglingssportarten der Viktorianer, wobei natürlich ein massiver Unterschied zwischen der Sportarten von Männer und Frauen bestand.

6) Breakfast
Wer wann was wo frühstückte, wie es sich für Mann, Frau, Ober-, Mittel- und Unter-Schicht gestaltete, sowohl in Nord-, als auch in Süd-England, Anfang, mitte und Ende dieser Aera. Hier gab es reichlich Unterschiede.
Man erfährt auch interessante Fakten über die Handhabung eines Kohleofens, aber auch über die große Hungersnot in Irland in den 1840ern und die Entstehung der Suppenküchen.

© Pink Anemone

7) The Main Business of the Day
Hier erhält man Einblick in die hart arbeitende Bevölkerungsschicht.
Vom Weg in die Arbeit, die öffentlichen Transportmittel, über die Gefahr am Arbeitsplatz, Kinderarbeit und allgemein über das neblige London.

8) Back at the House
Von Nachttöpfen, Babypflege und Kinderkleidung. Ja, selbst für Babys gab es bezüglich der Kleidung einen Dresscode.
Hier werden auch wieder die Unterschiede zwischen der gut situierten und ärmlichen Bevölkerung thematisiert und so mancher Glaube bezüglich der Babypflege stellt einem die Nackenhaare auf.

„With no time […] and few resources, they resorted to laying a piece of oilcloth in a cradle
next to a handful straw or another easily disposable absorbent.
The bare-bottomed baby was then laid straight into the cradle.“
(S. 215)

9) The Midday Meal
Was kam bei den Viktorianern auf den Mittagstisch, falls überhaupt etwas auf den Tisch kam und was aßen die Arbeiter in der Mittagspause?

10) The Day’s Work Resumes
Hier wird Wäsche gewaschen, was dazumal fast eine eigene Wissenschaft war. Man erhält Einblick in die häusliche Krankenpflege und somit erfährt man auch vieles über die gefährlichen Krankheiten, wie z.B. Cholera. Auch die damals so verbreitete „weibliche Hysterie“ ist ein Thema.

11) Meanwhile, for the Young, There was School
Während die Männer in Fabriken und die Frauen zu Hause schufteten, mussten die Kinder die Schulbank drücken..zumindest manche.
Wie sah so ein Unterricht aus, wer durfte unterrichten, wie entwickelte sich das Schulsystem im 19. Jahrhundert und was hatte die Menstruation mit der Schulbildung zu tun?
Dies und noch viel mehr erfährt man in diesem Kapitel.

12) A Few Snatched Hours of Leisure
Mit dem Industriezeitalter kam auch für viele Arbeiter die Freizeit.
Hier liest man wie Männer und Frauen diese gestalteten – Sportarten, Picknicks, Kinderspiele und wie Frauen es schafften in voller Montur baden zu gehen, etc.

© Pink Anemone

13) The Evening Meal
In diesem Kapitel bewegt man sich vom Anfang bis zum Ende des viktorianischen Zeitalters. Dabei erhält man Einblick in die Kochtöpfe der verschiedenen Gesellschaftsschichten und sieht daran wie groß die Unterschiede und Möglichkeiten waren.
Ernährungslehre und Diäten waren auch damals schon en vogue.

14) A Bath before Bed
Damit sind nicht nur hygienische Bäder nach der Arbeit gemeint, sondern vor allem Gesundheitsbäder. Diesbezüglich waren die Viktorianer äußerst erfindungsreich – Hauptsache es war teuer.
Die Hydrotherapie nahm hier ihren Anfang.

15) Behind the Bedroom Door
Hier wird es schlüpfrig.
Thematisiert werden die Sexualität von Männern und Frauen, Masturbation, Homosexualität, Verhütungsmittel, Prostitution, Moral und sexuelles Verlangen und so mancher irre Aberglaube.
Das es Frauen schwer hatten war mir bekannt, doch auch die Männer hatten es damals nicht immer ganz leicht.

„A long interval between the wedding day and the first pregnancy
was therefore interpreted as the result of too much sex in the first,
passionate phase of marriage,
which overstretched the man’s ability to produce high-quality sperm.“
(S. 409)

© Pink Anemone

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In diesen Kapiteln erhält man des Öfteren Einblick in verschiedene Rezepte, inklusive Zusammenstellung und die Autorin berichtet von ihren Erlebnissen und Erfahrungen in all diesen verschiedenen Bereichen.

Dies alles erfolgt in einem flüssigen Schreibstil und einer fesselnden Erzählweise, bei der die Autorin auch ihren Humor einfließen lässt.

© Pink Anemone

Fazit:
Dieses Buch ist für mich eines meiner Lesehighlights.
Ich war während des Lesens regelrecht gefesselt und wollte am liebsten nie mehr daraus auftauchen. Das passiert schon mal bei Romanen, aber eher selten bei Sachbüchern. Hier blickt man nämlich in das wirkliche Leben der Viktorianer und eben auch in sehr private und intime Bereiche.
Für jeden Interessierten der viktorianischen Epoche, ist dieses Buch ein absolutely Must-Have und Ihr werdet es nicht bereuen.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Weitere Buchfinformationen:

 

  • Taschenbuch: 464 Seiten
  • Verlag: Viking (6. März 2014)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 067092136X
  • ISBN-13: 978-0670921362
  • Preis: 12,00€
  • Auch erhältlich als: HC, E-Book u. HB

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Autoren-Info

© Ruth Goodman

Ruth Ellen Goodman (geboren 5. Oktober 1963) ist eine britische freiberufliche Historikerin der frühen Neuzeit, die sich auf die Beratung von Museen und Sehenswürdigkeiten spezialisiert hat.
Sie ist Spezialistin für britische Sozialgeschichte und Moderatorin der BBC-Dokumentationsserien „Victorian Farm“, „Victorian Pharmacy“, „Edwardian Farm“, „Tudor Monastery Farm“ und „Wartime Farm“.
Sie war Beraterin im Victoria & Albert Museum und für den Film „Shakespeare in Love“. Sie ist Mitglied der Tudor Group, einer Re-Enactment-Organisation der Tudor-Zeit.

Als Ergebnis ihrer sozialhistorischen Forschung hat sie aufgehört Waschmittel in ihrer Waschmaschine zu verwenden, isst nie industriell gezüchtete Nahrung und kocht manchmal auf einem offenen Holzfeuer.

Ruth ist mit Tudor Re-Enactor und Musiker Mark Goodman verheiratet. Sie haben zwei Töchter: Eva und Catherine. Eve ist regelmäßig mit ihrer Mutter im Fernsehen aufgetreten, und Catherine ist auf der „Victorian Farm“ aufgetreten. Sie leben in Quainton, Buckinghamshire, dem ehemaligen Bahnhof der Quainton Road. (Quelle: Wikipedia)

Es lohnt sich auf ihrer Webseite zu stöbern und zu dieser gelangt Ihr HIER.

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6 Kommentare zu „Rezension „How to be a Victorian“ von Ruth Goodman ★★★★★

  1. Das habe ich ja ganz übersehen! Was für ein irrer Beitrag zu einem anscheinend echt tollen Buch. Ich muss da später nochmal genauer hingucken und mir auch die Videos ansehen – gerade ist die Zeit leider etwas knapp. Mich hast du neugierig gemacht. Vermutlich könntest du mir mit deinen tollen Beiträgen sowieso ALLES verkaufen 😀
    Liebe Grüße,
    Sandra

    Gefällt 1 Person

  2. Das Buch klingt echt spannend und deckt wirklich alle Lebensbereiche ab. Habe mich mit dem viktorianischen England noch gar nicht so sehr beschäftigt, ist aber auch eine Epoche die mich interessiert. Dass die Autorin ein Jahr lang so gelebt hat, das nenen ich mal Leidenschaft für den Beruf und die Geschichte. Das könnte ich nicht :D.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich auch nicht. Bei mir würde es ja schon bei der fehlenden Dusche am Morgen, bzw. nur zu allen heiligen Zeiten hapern. Ist aber wirklich verdammt interessant. Die Videos von ihr auf Youtube sind auch toll, falls Du das Buch nicht lesen willst 😉

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