Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen

Rezension „Am Fuß des Leuchtturms ist es dunkel“ von Erik R. Andara ★★★★★

Weird Fiction like Lovecraft aus Österreich – düster, atmosphärisch und mit literarischen Zügen

Nichts ist, wie es scheint

Drei Geschichten über die dunklen Abgründe, die uns unvermutet hinter den Fassaden erwarten können, derer wir uns zu sicher wähnen, und die sich so selbstsicher Realität schimpfen. Das Debut des Nighttrain-Imprints (Whitetrain-Verlag) setzt mit Erik Andara einen Fuß in die Nachtlande der Weird Fiction…(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Ich erwache in einem Zimmer, das ich nie wieder sehen wollte.
In einer Wohnung, die mir mit all ihren Regeln und Verboten schon früh zur Hölle geworden ist.“
(S. 7 – Raumflucht)

Dieses Buch beinhaltet drei Novellen:

„Raumflucht“
Eben erst erwacht, versucht ein Mann den brutalen Besuch seines Nachbarn zu überleben und sich dabei nicht selbst zu verlieren…(Klappentext)

„Am Fuß des Leuchtturms ist es dunkel“
Ein anderer junger Mann lebt bereits seit Jahren eingeschlossen in seinem Zimmer, nur um sich eines Tages über das Social Network mit seinen schlimmsten Ängsten konfrontiert zu sehen – ein Rachegeist sucht ihn heim…(Klappentext)

„Nachtzug nach Carcosa“
Im Copy-Shop findet ein Mitarbeiter einen Kettenbrief, der den Tod für seine ohnedies bereits zerrüttete Beziehung bedeuten kann. Der König in Gelb trägt höchstpersönlich Sorge dafür…(Klappentext)

© Pink Anemone

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Drei Geschichten aus Wien und drei Geschichten, in denen nichts ist, wie es scheint.
Alle Stories beginnen völlig harmlos, doch mit jeder Seite steigert sich das Grauen bis es sich zu einem wahren Horrortrip entwickelt und völlig irre endet. Dabei wird man als Leser in dieses Grauen hinab gezogen und völlig darin gefesselt. Bei jeder Story war ich froh, als sie zu Ende war und das ist keineswegs negative Kritik – im Gegenteil! Viel mehr schafft es der Autor die Gefühle und Emotionen der jeweiligen Protagonisten auf den Leser zu übertragen, sodass man, wie die Charaktere selbst auch, aus diesem Alptraum erwachen möchte.

Dies erfolgt in einem flüssigen und packenden Schreib- und Erzählstil, welcher zugleich auch literarische Züge aufweist.
Zudem wird die Atmosphäre gekonnt eingefangen und diese ist durchgehend düster und beklemmend – umhüllt einen regelrecht und zieht einen mit sich in den Abgrund.

„Genug von der Schuld. Genug von der Erlösung. Genug vom rechten Weg.
Wenn es nach ihm ging, waren alle seine Wege gegangen.
Er war in der Endstation eingelaufen.“
(S 31 – Am Fuss des Leuchtturms ist es dunkel)

© Pink Anemone

Wie die großen Schriftsteller H.P. Lovecraft, E.A. Poe oder Stephen King, lässt Erik R. Andara die Grenzen zwischen Wahn und Realität verschwimmen. Bei einer Story hat man sogar das Gefühl mit dem Protagonisten in ein irres und unheimliches Paralleluniversum katapultiert zu werden.

„Über der Tür hing eine Karte des U-Bahn-Netzes.
Irgendetwas daran wirkte bereits auf den ersten Blick genauso falsch, wie der Rest der U-Bahn-Garnitur selbst,
die ihn nun ratternd durch die Nacht trug.“
(S 92 – Nachtzug nach Carcosa)

Die Novellen haben alle ein offenes und auch unklares Ende. Normalerweise bin ich kein Freund von Kurzgeschichten und schon gar nicht von unklaren Enden. Doch hier würde nichts anderes passen, denn genau dies ist der Grund, welcher das Grauen zum Schluß hin noch viel grauenvoller, bzw. unheimlicher erscheinen lässt.

Fazit:
Die Stories sind allesamt seltsam, verrückt, düster, beklemmend und fern des Mainstreams. Weird Fiction at its best oder einfach gesagt – absolut geiler Scheiß (die ersten Worte, die mir dazu einfielen).
Liebhaber dieses Sub-Genres werden begeistert sein.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Weitere Buchinformationen
  • Taschenbuch: 126 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (10. Februar 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1985218070
  • ISBN-13: 978-1985218079
  • Preis: 10,01€ (Stand vom 25.09.2018)
  • Auch erhältlich als: E-Book

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Weitere Rezensierte Werke des Autors

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Autoren-Interview
© pixabay & Pink Anemone

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Autoren-Info
© by Heidi Breuer
Erik R. Andara wurde 1977 in der Nähe des Dunkelsteinerwalds in Österreich geboren und wuchs dort zurückgezogen in einer kleinen Klause am Waldrand auf. Er widmete sich unmittelbar nach seiner Ankunft auf der Erde dem Lesen und Erzählen von Geschichten. Als er überrascht feststellen musste, dass diese Realität auch nach dem Übertritt ins neue Jahrtausend fortbestehen sollte, ging er nach Wien, um von dort aus seine Suche auszuweiten und aus allen Ecken und Enden des Multiversums weiteres Material für seine Geschichten zusammenzutragen. Heutzutage widmet er sich vor allem dunkler Phantastik.
Zuletzt erschienen seine Geschichten und Illustrationen in Ausgaben des Visionariums und des IF- Zeitschrift für angewandte Fantastik. Seine erste Geschichtensammlung erschien im Februar 2018 unter dem Titel „Am Fuß des Leuchtturms ist es dunkel“ und im Herbst 2018 seine Novelle „Hinaus durch die zweite Tür“, beides im Whitetrain-Verlag. Sein Debütroman „Im Garten Numen“ erschien im Mai 2019.

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2 Kommentare zu „Rezension „Am Fuß des Leuchtturms ist es dunkel“ von Erik R. Andara ★★★★★

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