Rezensionen · Thriller/Krimis

Rezension „Rachewinter“ von Andreas Gruber ★★★★

2. Teil der Pulaski-Meyers-Reihe / Bis zum Ende hin ein absoluter Pageturner in Gruber-Manier. Das Ende selbst ist jedoch eher enttäuschend

Des Sohnes Rache

Mehrere Männer im besten Alter, erfolgreich und vermögend, werden grausam ermordet – und obwohl sie in verschiedenen Städten lebten, haben sich alle kurz vor ihrem Tod mit einer geheimnisvollen dunkelhaarigen Frau getroffen. Doch diese bleibt ein Phantom. Das müssen auch Kommissar Walter Pulaski in Leipzig und Anwältin Evelyn Meyers in Wien feststellen, die beide in die Fälle verwickelt werden. Anders als die Polizei lassen sie sich jedoch nicht entmutigen, erst recht nicht, als sie erkennen, dass sie die Mordserie nur gemeinsam lösen können. Allerdings ist der Täter raffinierter, als sie denken – und spielt auch mit ihnen sein gefährliches Spiel …(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Der Mann lief durch den Raum und presste sich eine Hand auf den Hals.
Aus der Halsschlagader spritzte Blut wie aus einem Überdruckventil.
Quer durch den Raum. Ans Fenster, an die Tapete und auf das Sofa.“
(S. 13)

Pulaski and Meyers are back again und auch diesmal wieder mit einem sehr ausgeklügelten und spannenden Fall, der die Grenze zwischen Deutschland und Österreich überwindet und die beiden gemeinsam ermitteln lässt.

Dies ist der 3. Teil der Polaski-Meyers-Reihe, kann jedoch ohne weiteres eigenständig gelesen werden. Ich kann die beiden ersten Teile „Rachesommer“ und „Racheherbst“ jedoch wärmstens empfehlen, um in den gesamten Lesegenuß zu kommen.

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Wien:
Da will man nichts ahnend während seiner Dachdeckerarbeit ein korpulierendes Pärchen filmen und auf einmal hat man ein grausames Mord-Video auf dem Handy. Wenigstens ist dadurch der Täter schnell ausgeforscht..sollte man meinen. Dieser steht plötzlich auf der Matte der Strafverteidigerin Evelyn Meyers und beteuert seine Unschuld. Ausgerechnet er ist auch noch der Sohn eines großen Casino-Moguls und Ostrovsky, einst Meyers Mentor und ein wahrer Pitbull im Gericht, der Oberstaatsanwalt. Für ihn ist die Sache klar – er bringt den schwulen Sohn des Moguls hinter Gitter, koste es was es wolle.
Der Vater des jungen Mannes denkt aber nicht daran das schwarze Schaf der Familie rauszuboxen, sondern möchte ihm ebenfalls im Gefängnis sitzen sehen. Die Polizei ermittelt verdächtig schlampig und dann plötzlich wird Meyers klar, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht und ihr Mandant alles andere als ehrlich zu ihr war.
Nun verbeißt sie sich erst recht in diesen Fall.

Leibzig:
Auch hier wird ein Firmenmogul tot aufgefunden und alle sind sich einig – es war ein unglücklicher Unfall der die Schere ins Hirn dieses Mannes trieb. Einzig Polaski, Ermittler beim Kriminaldauerdienst, teilt nicht deren Meinung.
Auch hier ermittelt die Polizei äußerst schleissig und der Fall wird überraschend schnell zu den Akten gelegt. Aber wenn Polaskis Spürnase erstmal Ungereimtheiten und Verdächtiges wittert, ist er nicht mehr davon abzubringen. Außerdem ist die Tochter dieses Firmenmoguls auch noch die beste Freundin seiner 17-jährigen Tochter und diese hat nicht nur den Sturkopf ihres Vaters geerbet, sondern auch die Spürnase und Verbissenheit. Ein Grund mehr diesem Fall mehr Beachtung zu schenken…und dann geschicht noch ein Mord.

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„>>Niemand hat bisher die Spuren vom Tatort mit der DNA von Michael Kotten abgeglichen<<, überlegte sie laut.
Und das, obwohl das bei Mord innerhalb nur weniger Stunden erledigt war.
Irgendwie stimmt das ganze Bild nicht!“
(S. 79)

Wie immer scheinen diese Fälle in Wien und Leibzig absolut nichts miteinander zu tun zu haben. Erst im späteren Verlauf sind Parallelen erkennbar, bis dahin dauert es etwas, was sich jedoch alles andere als langweilig gestaltet.

Bei Andreas Gruber ist ab der ersten Seite unglaubliches Tempo vorhanden, welches auch konstant bestehen bleibt. Der unglaublich flüssige und packende Schreibstil des Autors lässt einen durch das Buch fliegen und Zeit und Raum vergessen.
Auch die Charaktere sind ausgefeilt und sind ebenfalls für allerhand Überraschungen gut. Ich liebe ja den zynischen und brummigen Pulaski, der einen Batzen Sarkasmus und trockenen Humor besitzt. Dies äußert sich vor allem in den Dialogen, welche einen nicht selten schmunzeln lassen. Hier kommt also auch der Humor nicht zu kurz.

„>>Der Tote wird vom Bestatter abtransportiert, nicht von mir.<<
>>Doch nicht im auffälligen Leichenwagen?<<
>>Nein, natürlich nicht<<, knurrte Pulaski.
>>Der Wagen hat eine rosa Schleife und ein großes buntes Schild an der Seite:
WILLKOMMEN IM LEIBZIGER AUTOREST MOTEL – HIER LIEGEN SIE RICHTIG.<<
(S. 25)

Der Plot ist äußerst ausgefeilt und beinhaltet mehrere unvorhersehbare Wendungen, die mich von Anfang bis Ende miträtslen ließen.
Kurz gesagt – hier stimmt einfach alles und dadurch klebt man regelrecht an den Buchseiten….bis man zum Ende gelangt.

© Pink Anemone

Bei Andreas Gruber weiß man meist schon aber der Mitte wer der Täter ist. Einzig das Motiv bleibt unklar und der Autor schüttelt gegen Ende noch eine verdammt überraschende Wendung aus dem Ärmel, welche einem den Atem anhalten lässt. Diese fehlte hier leider gänzlich und auch das Motiv war in gewisser Weise von Anfang an klar und äußerst banal.
Ich hatte das unbestimmte Gefühl, als hätte der Autor selbst keinen Plan wohin er jetzt will, selbst kein stimmiges Ende in Sicht und dann den Thriller einfach schnell zu Ende brachte.

Fazit:
So sehr ich diesen Thriller innerhalb von paar Stunden verschlang und mich von Seite zu Seite mit Wendungen überraschen konnte, so enttäuscht war ich vom Ende und der „Auflösung“.
Ich bin ein absoluter Gruber-Fan, vor allem aufgrund seines packenden und mitreißenden Schreibstils, der meine Nase regelrecht im Buch kleben lässt und eben auch aufgrund des BUMMS am Ende, der nochmal alles rumreißt. Doch gerade bei Letzterem hat er diesmal gemurkst.
Herr Gruber, das können Sie definitiv besser.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe (über Thalia)

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Reihenfolge:

  1. „Rachesommer“
  2. „Racheherbst“
  3. „Rachewinter“

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Weitere Buchinformationen:

Rezensionsexemplar mit großen Dank an:

Mit Link zur Buchseite

 

  • Taschenbuch: 592 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (17. September 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442486556
  • ISBN-13: 978-3442486557
  • Preis: 9,99€ (Stand vom 09.10.2018)
  • Auch erhältlich als: E-Book, HB

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Weitere Lesermeinungen:

© Krimisofa

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Laberladen

 

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Autoren-Info:

Andreas Gruber, geboren 1968 in Wien, studierte an der dortigen Wirtschaftsuniversität und lebt als freier Autor mit seiner Familie und vier Katzen in Grillenberg in Niederösterreich. Mittlerweile erschienen seine Kurzgeschichten in über hundert Anthologien, liegen als Hörspiel vor oder wurden als Theaterstück adaptiert. Seine Romane erschienen als Übersetzung in Frankreich, Türkei, Brasilien, Japan und Korea. Dreifacher Gewinner des Vincent Preises und dreifacher Gewinner des Deutschen Phantastik Preises. Arbeitsstipendium Literatur 2006, 2008, 2009, 2010, 2012, 2013 und 2014, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. Gruber spielt leidenschaftlich gern Schlagzeug und wartet bis heute auf einen Anruf der Rolling Stones.

Weitere rezensierte Werke des Autors:

Anthologien:

Thriller:

Maarten S. Sneijder & Sabine Nemetz-Reihe:

  1. „Todesfrist“
  2. „Todesurteil“
  3. „Todesmärchen“
  4. „Todesreigen“

Pulaski & Meyers-Reihe:

  1. „Rachesommer“
  2. „Racheherbst“
  3. „Rachewinter“

 

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4 Kommentare zu „Rezension „Rachewinter“ von Andreas Gruber ★★★★

  1. Huhu!

    Auf das Buch freue ich mich auch schon sehr. Habe gerade erste Rachesommer beendet und werde Racheherbst und Rachewinter gleich anschließen. Mir gefallen auch die Neuauflagen sehr. 🙂 Gut, dass ich mir die Bücher erst jetzte gekauft habe.

    Liebe Grüße,
    Jenny

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Jenny,
      Manchmal ist es wirklich besser zu warten. Vor allem weil es bei Verlagen wohl derzeit en vogue ist, alle 2 Jahre die Covers von Reihen völlig umzukrempeln. Mich persönlich nervt das ja schon so nen bissl, da ich in der Hinsicht so nen kleiner Cover-Reihen-Monk bin, aber es kommt ja bei Büchern ja doch eher auf den Inhalt an ;-).
      Bei Andreas Gruber kann ich einfach nicht warten XD

      Liebe Grüße und vielen Dank für Deinen Besuch,
      Conny

      Gefällt mir

  2. Ein banales Motiv … ganz genau. Zuerst dachte ich ja, ich hätte was überlesen und das eigentliche Motiv nicht kapiert. Aber leider gab es keines, was über das „ist halt so“ hinaus geht. Und das trifft auch für das kriminelle Verhalten der Familie zu. Da hätte ich mir etwas Raffinierteres gewünscht.
    Aber genau wie Dich hat mich der Schreibstil wieder gleich von Anfang an gepackt und ich hab das Buch in kürzester Zeit ausgelesen. Das kann Andreas Gruber wirklich perfekt. Und deshalb ist auch bei mir das Buch unterm Strich gut weggekommen.
    LG Gabi

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Gabi,
      na da bin ich froh mit meiner Meinung nicht alleine dazustehen. Auch Leseratz fand das Ende schwach, hat aber mit der Meinung gewartet, bis ich es zu Ende gelesen habe, um mich nicht zu beeinflusse XD.
      Wir als Grubies sind es eben gewohnt, dass am Ende von seinen Thrillern noch irgendein überraschendes BÄM kommt und man alles zuvor Vermutete auf den Misthaufen schmeißen kann. Tja, vermutlich sind wir einfach nur verwöhnte Gruber-Leser 😉

      Liebe Grüße,
      Conny

      Gefällt mir

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