Bibliophilie · Comics / Graphic Novels · Rezensionen

Reihen-Vorstellung: Comic-Reihe „Doom Metal Kit No. 1 & 2“ von Michael Liberatore ★★★★★

Ich möchte Euch nun eine ganz besondere Comic-Reihe vorstellen, eine Comic-Reihe in der Musik eine ganz besondere Rolle spielt. Spätestens jetzt solltet Ihr das obige Musik-Video doch anschmeißen. Keine Sorge – auch Nicht-Metal-Fans werden das Lied lieben und vermutlich sogar kennen.

Also holt Euch ein Getränk, schmeißt die Musik an, lehnt Euch zurück und tretet ein in die Comic-Welt von Doom Metal Kit.

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Diese Comic-Reihe ist der Beweis, dass sich österreichische Illustratoren und Comic-Autoren keineswegs hinter den international Bekannten wie Alan Moore, Christophe Bec oder Mark Millar zu verstecken brauchen. Im Gegenteil! Die Illustrationen sind atemberaubender Wahnsinn und die Story fern des Mainstreams. Marvel hat hiermit also durchaus eine kleine Konkurrenz aus Österreich zu befürchten.

In „Doom Metal Kit“ spielt, wie schon erwähnt, Musik eine sehr wichtige Rolle. Der Comic-Autor und Illustrator aus dessen Stift diese Comic-Reihe stammt, war so nett und hat mir auf meine Bitte hin eine Musikliste zukommen lassen. Aus dieser habe ich dann eine Playlist für die beiden Teile erstellt. Jeder Comic wird also mit einem entsprechenden YouTube-Video eingeleitet. Muss man sich natürlich nicht zwingend anhören, aber man sollte es sich durchaus gönnen. Vor allem während des Lesens der Comics.

Bevor ich hier jedoch weiter meine Tastatur voll sabbere und mit meinem Kopf zur Musik nicke, möchte ich Euch die ersten zwei Teile dieser Reihe vorstellen.

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Doom Metal Kit is coming!

Wie würde es euch gehen, wenn ihr als Baby von einem unheimlichen Mann mit Büffelhörnern als Opfergabe geraubt und von einem anderen geheimnisvollen Kaputzenmann gerettet und in eine unterirdische Erziehungsanstalt gebracht worden wärt?
Das ist aber noch eines der kleineren Probleme, mit denen sich Kit, ja, unser Titelheld „Doom Metal Kit“, täglich herumschlagen muss.
Kit kann einem ehrlich leid tun: Er muss nach einem magischen Krieg ungeahnten Ausmaßes, der das Schicksal unserer Spezies fast besiegelt hätte, als Außendienst-Techniker  für okkulte Maschinen im unwirtlichen Ödland Dienst tun. Zur Hand gehen ihm dabei Kilian, der Lehrling und Max, sein Partner mit Hang zu psychoaktiven Substanzen aller Art. Da Kit ein sogenannter „Bey Zsaarbo“ ist, ein Mensch mit besonderen Kräften oder auch genau übersetzt einfach ein „Kind des dunklen Schicksals“, vermag er mit einer besonderen Gitarre bösen Zauber zu bannen….(Klappentext)

No. 1 – „Der Turm 1“
© Pink Anemone

Dies ist nicht nur der Auftakt der „Doom Metal Kit“-Reihe, sondern auch zugleich der 1. Teil der Miniserie „Der Turm“.

„Mein Name ist Kit 47.
Wie mich die Leute nennen, ist eine andere Sache.
Ich repariere und warte Anlagen und Maschinen,
die für gängige magische Rituale und Praktiken gebaut und verwendet werden.“

Hier lernen wir Doom Metal Kit kennen – einen okkulten Mechaniker, eine Mischung aus Magier und Cowboy, der durch eine dystopische Welt streift, um als Außendienstmitarbeiter für die Bruderschaft zu arbeiten….und er hasst seinen Job.
Tja, leider kann er nichts anderes und somit streifen wir mit ihm durch die Prärie, begegnen Zombies und Dämonen mit einem Metal-Song im Ohr.

Und damit treten wir ein in die abgefahrene Welt von Doom Metal Kit.

Dieser Comic beinhaltet ein Vorwort von Doc Nachtstrom, FM4-Moderator und Herausgeber des Visionarium.
Am Ende wirft man einen Blick hinter die Kulissen der Illustratoren, inklusive einer verworfenen Szene.

© Pink Anemone

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No. 2 – „Der Turm 2“
© Pink Anemone

Hier lernen wir die wahre Geschichte über die Entstehung der Erde kennen, wie der schrecklichste aller magischen Kriege wirklich begann und erfahren mehr über Kits Vergangenheit.
Schon als Junge hatte er weder Bock Magier, und schon gar nicht magischer Mechaniker zu werden. Nun sind auch noch Dämonen und Monster nur noch sein geringstes Problem, denn er muss die Magie und die Welt retten…wenn er nur nicht die Hosen vor Angst so voll hätte.

„Einen Tag zuvor hockte ich noch depressiv am Tresen…
Und nun hielt mich dieses gefürchtete Abschaumwesen mit eisernem Schreckensgriff in seiner Gewalt.
In einer Spirale des Wahnsinns.
Einem psychedelischen Szenario der Extraklasse.“

Mit diesem Teil ist die Miniserie „Der Turm“ abgeschlossen. Hier sind ein Vorwort von Michael Hafner (Schriftsteller und Verleger) und ein Nachwort von Michael Liberatore enthalten.

No. 2 / © Pink Anemone

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In „Doom Metal Kit“ erwartet Euch eine Mischung aus Steampunk-Dystopie, Mythologie und Lovecraft-Hommage.
Eine Comic-Reihe in der ein okkulter Mechaniker seinem Job nachgeht, den er übrigens alles andere als gerne ausübt und der nicht nur eine Hass-Liebe für magische Maschinen hegt, sondern auch eine Vorliebe für Doom-Metal hat. Während Metal-Heads spätestens jetzt hellhörig werden, brauchen all die anderen jedoch nicht zu befürchten, dass einem hier nur Metal-Songtexte um die Ohren geschmissen werden. Kapitel tragen Titel von Songs, die Protagonisten summen oder singen auf ihrem Ritt durch die dystopische Welt und mit seiner Gitarre und dem richtigen Gitarrenriff bezwingt Kit Dämonen und Monster.
Diese musikalischen Details unterstützen aber durchaus die Atmosphäre und es begleiten einem während des Lesens tolle Ohrwürmer von Metal- und Rock-Songs.

Die Story selbst ist fern des Mainstreams und fesselte mich von Anfang an und auch die Charaktere sind alles andere als 08/15.
Doom Metal Kit ist ein Anti-Held par excellance, der den ein oder anderen coolen Spruch fallen lässt, aber meist vor Angst die Hosen voll hat.
Sein Assistent Max ist immer etwas von der Rolle. Kein Wunder, zieht er sich doch ganz gerne mal paar psychoaktive Drogen rein. Dabei hat er mehr Glück als alles andere – schon blöd, wenn man anstatt eines äußerst realen Zombies, sich eine fesche Schnitte halluziniert und knapp davor ist ihr „näher“ zu kommen. Max sorgt also für mehrere Lacher während des Lesens. Kilhan ist der Schützling von Kit und noch ein Kind. Angst scheint er trotzdem vor nichts und niemanden zu haben und boxt die beiden Herren schon mal aus der Patsche.
Weiters begegnen uns indianische Gottheiten, Dämonen, Zombies und weitere mythologische Wesen und skurrile Figuren. Dies alles ist eingebettet in eine absolut phantastische und dichte Atmosphäre.

No. 1 / © Pink Anemone

Der Erzählstil ist überaus packend. Wenn man mit Kit unterwegs ist, richtet sich dieser manchmal direkt an den Leser. Dadurch hat man das Gefühl mit ihm an einem nächtlichen Lagerfeuer in der Prärie zu sitzen und seinen Geschichten zu lauschen – düsteren und abgefahrenen Geschichten.

Die Illustrationen sind ein wahrer Hochgenuss. Diese sind farbenprächtig und düster zugleich. Dadurch wird man noch zusätzlich in die Story hinein gesogen und wird von der Atmosphäre regelrecht umschlungen.
Die Liebe zum Detail sprüht einem auf jeder Seite, jeder einzelnen Zeichnung entgegen. Man kann hier nicht anders, als das man diese länger betrachtet und genießt.
Hierbei werden der Old-School-Stil mit verschiedenen Techniken, wie z.B. Airbrush, kombiniert. Einfach nur Wahnsinn!

No. 2 / © Pink Anemone

Es gibt sogar eine tolle Auswahl an verschiedenen Cover-Varianten, wobei die Entscheidung verdammt schwer fällt.

© Pink Anemone

Die reguläre Ausgabe, sowie die Variante 1 wurden mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, doch ich konnte nicht anders und kaufte mir das Abo für Variante 2 selbst. Jap, ich bin dieser Comic-Reihe restlos verfallen und musste sie alle haben.
(Nähere Information zu den Varianten im Anschluß)

Ein weiterer Pluspunkt ist die Qualität der Hefte. Kein dünnblättriges, glänzendes Billig-Papier, sondern das Gegenteil ist der Fall. Festeres Material in matter Optik, welches die Wirkung der Illustrationen noch verstärkt, da diese dadurch plastischer erscheinen. Die Macher haben sich also bei der Verarbeitung nicht lumpen lassen und das obwohl nicht mal sicher ist, ob die Reihe weitergeführt wird.

Diese Entscheidung hängt nämlich alleine von den Verkaufszahlen und der Resonanz der Leser ab. Ich hoffe ja inständig, dass es nicht bei diesen zwei Teilen bleibt. In dieser Comic-Reihe steckt nämlich verdammt viel Potenzial und vor allem eine Story fern von 08/15, welche noch zusätzlich eine Hommage an H.P. Lovecraft enthält und diese in eine noch nie dagewesene Sphäre erhebt.

Also an alle Comic-Liebhaber, die auf der Suche nach etwas Neuem sind, nach einer abgefahrenen Story mit skurrilen Charakteren in einer dystopischen Steampunk-Welt und absolut traumhaft-düsteren Illustrationen – gönnt Euch Doom Metal Kit und am besten mit entsprechender Beschallung auf Eure Ohren.

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Varianten von No. 1
  1. Reguläre Variante von Hannes Kiengraber
  2. Variante 1 von Michael Hacker
  3. Variante 2 von Peter Kramar
Varianten von No. 2
  1. Reguläre Variante von Hannes Kiengraber
  2. Variante 1 von Thomas Aigelsreiter
  3. Variante 2 von Michael Liberatore

Die Varianten-Cover sind auf 100 Stück limitiert und nur im Abo erhältlich. Aufgrund dessen haben sie natürlich auch ihren Preis. Dafür bekommt man jedoch den 1. und den 2. Teil der Comic-Reihe in der ausgewählten Variante, ergo hält man dann zwei limitierte Comic-Ausgaben in den Händen.

© Pink Anemone

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Weitere Informationen:

Reguläre Ausgabe & Variante 1 als Rezensionsexemplar von Michael Liberatore erhalten. Vielen herzlichen Dank!!

  • Heft-Ausgabe: je 36 Seiten
  • Verlag: Indiekator
  • Erhältlich: HIER

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Information zu Autor und Illustratoren:

Michael Liberatore

Bildquelle: Indiekator

Geboren in Wien. Ausbildung zum Schilderhersteller.
Graphische Lehr- und Versuchsanstalt Wien XIV Graphik Design, Meisterklasse Kommunikationsdesign.
Arbeitet als Karikaturist, Illustrator und Maler.
Seit kurzem wieder vermehrte Beschäftigung mit dem Medium Comic und druckgraphischen Techniken wie Siebdruck und Holzschnitt.
Auf seine Webseite kommt Ihr hier: www.liberatore.at

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Hannes Kiengraber

Bildquelle: Indiekator

Nach seiner Ausbildung zum Graphik-Designer (1988 – 1995 in Wien) widmet sich Kiengraber vermehrt der Illustration, der Malerei und dem Medium Cartoon.
Danach folgen sieben Jahre (1996 – 2003) in denen Kiengraber zahlreiche Illustrationen veröffentlichte und über 600 Projekte, in seiner Tätigkeit als selbständiger Grafik-Designer, Illustrator, Cartoonist und Maler abgewickelt hat.
Letztendlich führt ihn seine Erfahrung mit dem Comic zum unabhängigen Autorenfilm, in dem er nach wie vor tätig ist. Derzeit lebt und arbeitet Kiengraber als bildender Künstler und Videokünstler in Wien.
Auf seine Webseite kommt Ihr hier: www.kiengraber.com

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Andi Paar

Bildquelle: Indiekator

1986 geboren und aufgewachsen in Poysdorf, absolvierte Andreas Paar das BORG Mistelbach und anschließend das Kolleg für Grafik Design an der Höheren Graphischen Lehranstalt.
Seit 2008 lebt und arbeitet er als selbstständiger Illustrator und Comiczeichner in Wien. Neben Storyboards, Charakterdesigns, Buchillustrationen und gelegentlichen Karikaturen zeichnet er Comics für „Topic“ und „ASH – Austrian Superheroes“.

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