Klassiker · Rezensionen

Rezension „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen – Illustrierte Ausgabe ★★ & Infos zur Entstehung dieses Klassikers

Eine wunderschöne Ausgabe des Klassikers, welcher durch die Neuüberarbeitung nahezu zerstört wurde.

Ein wahres Schmuckstück für das Auge, für das Janiete-Herz ein Graus

Im England des ausgehenden 18. Jahrhunderts steht die junge und schöne Elisabeth Bennet vor einer großen Lebensentscheidung: der Wahl eines geeigneten Heiratskandidaten. Ihr allzu stolzes Wesen jedoch vernebelt ihr ein ums andere Mal den Blick, bis sie nach vielen Verwicklungen schließlich doch die Liebe ihres Lebens findet. Jane Austens Roman ‚Stolz und Vorurteil‘ krönt die erste Schaffensphase der englischen Autorin und sichert ihr einen Platz in den Annalen der Weltliteratur. Diese Ausgabe ist reich illustriert mit den berühmten Illustrationen von Hugh Thomson…(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit,
dass ein Junggeselle von ansehnlichem Vermögen zwingend auf der Suche nach einer Ehefrau ist.“
(S. 7 – Der berühmte erste Satz)

Zum Inhalt dieses Klassikers muss wohl nicht mehr viel gesagt werden, daher beschränke ich mich auf ein paar allgemeine Informationen bezüglich der Entstehung dieses Klassikers und insbesondere zu dieser Ausgabe aus dem Anaconda-Verlag.

Jane Austen hat „Stolz und Vorurteil“ bereits 1796 begonnen. Zu diesem Zeitpunkt war Austen im selben Alter wie ihre Protagonistin Elizabeth Bennet. Der Roman selbst erschien jedoch erst 1813.
Der ursprüngliche Titel sollte „Erste Eindrücke“ lauten, dieser war jedoch 1813 bereits vergeben und so entschied sich Jane Austen dann für „Stolz und Vorurteil“.

Erstausgabe von 1813 / Quelle: Wikipedia

Beide Titel beschreiben den Inhalt äußerst treffend. Mr. Darcy verkörpert den Stolz, während Elizabeth Voreingenommenheit inne hat. Diese beiden Charaktereigenschaften verhindern natürlich das Zusammenfinden der beiden Figuren, doch beide sind aufgrund dessen gezwungen an sich zu arbeiten und sich mit ihren Schwächen auseinanderzusetzen. Die Protagonisten machen im Verlauf der Geschichte eine große Entwicklung durch, wachsen daran und finden so auch schließlich zusammen.

Nichtsdestotrotz ist „Stolz und Vorurteil“ eine typische Jane Austen-Sittenkomödie, welche vor allem die tiefsitzenden Moralvorstellungen von damals behandelt. MIt herrlich spitzer Zunge, viel Ironie und noch mehr Sarkasmus, macht sich Austen über diese Moral lustig und prangert gleichzeitig die damalige Stellung der Frau an.
Der Roman enthält also durchaus Romantik, ist aber auch äußerst amüsant zu lesen.

 

© Pink Anemone

„>>Ich bitte dich, liebe Tante, kannst du mir sagen,
worin der Unterschied zwischen einer Geld- und einer Vernunftheirat besteht?
Wo hört die Vernunft auf, und wo fängt die Habgier an?<<“
(S. 180)

Die Ausgabe selbst ist von der Optik her wunderschön und von guter Qualität. Das Cover ist ein absoluter Traum im klassischen Stil mit Silberprägung und mit Lesebändchen ausgestattet.
Die Geschichte wird von Illustrationen von Hugh Thomson begleitet.
Hugh Thomson (1860-1920) war ein irischer Zeichner und Illustrator, welcher damals nicht nur „Stolz und Vorurteil“ illustrierte. Bekannt wurde er tatsächlich durch seine Illustrationen zu Werken von Charles Dickens.
Er steuerte jedoch nicht nur Zeichnungen zu „Stolz und Vorurteil“ bei, sondern weiters auch für „Emma“, „Verstand und Gefühl“, „Mansfield Park“, „Northanger Abbey“ und „Überredung“.

© Pink Anemone

Nun jedoch zu meiner Kritik und diese betrifft die Übersetzung, bzw. die Neuüberarbeitung. Diese erfolgte durch Isabelle Fuchs und ich muss leider anmerken, dass dies alles andere als behutsam geschah. Meiner Meinung nach wurde hier zu viel modernisiert und es wurde wohl versucht dem Klassiker den eigenen Stempel aufzudrücken. Die oft ausufernden Schachtelsätze wurden gekürzt und manches wurde gänzlich entfernt, sodass dieser Klassiker als billiger Groschenroman durchgehen könnte.

Ich habe schon viele Ausgaben von „Stolz und Vorurteil“ gelesen, ich bewundere Jane Austen und ihre Werke und daher tut einer bekennenden Janiete wie mir, diese Art von flapsiger Neuüberarbeitung im Herzen weh.
Von einem Klassiker der Weltliteratur erwarte ich mir eine behutsame und originalgetreue Übersetzung und keine, in der der literarisch anspruchsvolle Text stark vereinfacht überarbeitet wird, sodass man meinen könnte einen Groschenroman in den Händen zu halten.

© Pink Anemone

Fazit:
Von der Optik her ist diese Ausgabe von „Stolz und Vorurteil“ ein wahres Schmuckstück, doch die Neuüberarbeitung macht dies alles zunichte. Ich habe mich schon lange nicht mehr so über eine Überarbeitung ärgern müssen. Ein Literaturklassiker wurde hier zu einem einfach gestrickten Groschenroman verunstaltet.
Immerhin gibt es zwei Sterne für die Aufmachung.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe (über Anaconda-Verlag)

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit herzlichen Dank an den Anaconda-Verlag.

© Anaconda Verlag
  • Gebundene Ausgabe:448 Seiten
  • Verlag:Anaconda Verlag (30. September 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10:9783730606490
  • ISBN-13:978-3730606490
  • Originaltitel:Pride and Prejudice“
  • Preis: 9,95€ (Stand vom 12.11.2018)
© Pink Anemone

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Rezensionen von Jane Austen-Romanen & Adaptionen

„Stolz und Vorurteil“:

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Weitere Romane:

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Autoren-Info
Bildquelle: Wikipedia

Jane Austen (1775-1817) wurde in Steventon, Hampshire, geboren und wuchs im elterlichen Pfarrhaus auf. Nach Meinung ihres Bruders führte sie „ein ereignisloses Leben“. Sie heiratete nie. Einen Heiratsantrag des um sechs Jahre jüngeren Harrison Bigg Wither hatte sie im Jahr 1802 abgelehnt. Als etablierte Romanautorin lebte sie in relativer Zurückgezogenheit und wurde schließlich im Alter von 40 Jahren schwer krank. Sie starb am 18. Juli 1817 in Winchester.
Ihre literarische Welt war die des englischen Landadels, deren wohl kaschierte Abgründe sie mit feiner Ironie und Satire entlarvte. Psychologisches Feingefühl und eine lebendige Sprache machen ihre scheinbar konventionellen Liebesgeschichten zu einer spannenden Lektüre.

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