Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen

Rezension „Wolfsthron: Under the Northern Sky 1“ von Leo Carew ★★★

Trotz kleiner Mankos ein toller Auftakt einer Fantasy-Reihe, in die ich nur allzu gerne abtauchte.

North vs. South

In Albion zerbricht der jahrhundertealte Frieden, als die Heerscharen des Südens im rauen Reich des Nordens einfallen. Der junge Roper, Sohn des Hauses Silberner Wolf und Thronerbe des Nordens, steht vor seiner ersten Schlacht – und sieht sich schon bald von Feinden umzingelt. Denn nicht nur will die Königin des Südens sein Volk auslöschen, auch mächtige Feinde im Inneren greifen nach dem Thron. Ropers einzige Chance ist eine Allianz mit der schönen Keturah, Tochter des mächtigen Hauses Vidarr. Doch seine Gegner planen bereits den nächsten Schachzug – mit nur einem Ziel: Das Heulen des Silbernen Wolfes soll für immer verklingen … (Klappentext)

© Pink Anemone

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„Die Wälder des Schwarzen Königreiches raschelten nicht im Wind, sie schienen zu frösteln.
Und sie knarrten nicht im Sturm, sie stöhnten.“
(S. 548)

Das Gleichgewicht in Albion ist im Begriff zu kippen. Es herrscht Krieg und als Leser steht man hier wahrlich zwischen den Fronten dieser zweier Streitmächte und somit auch zweier Völker.
Zum einen haben wir hier die Armee aus dem Süddal, welche sich aus angelsächsischen und fränkischen Soldaten, sowie Söldnern aus Samnia und Iberia zusammensetzen. Hierbei steht Bellamus im Focus – Liebhaber der Königin des Süddals und eine wichtige Schachfigur dieser, um ihr Reich zu vergrößern. Er ist ein Emporkömmling ohne Titel oder Rang und trotzdem befehligt er einen Teil der Armee. Bellamus ist ein geschickter Taktiker, der seinen Feind genauestens studiert. Auch mit den Anakim hat er sich intensiv beschäftigt. Er kennt ihre Schwächen und Stärken und er hat den Mut diesem primitiven Volk, bestehend aus Barbaren, entgegenzutreten.

© Pink Anemone

„Jeden Tag verloren sie mindestens ein Dutzend Soldaten auf der Suche nach Proviant an Rudel von erschreckend wilden Wölfen oder gigantischen Bären.
Diese Bestien benahmen sich nicht wie die wilden Tiere südlich des Abus.
Es war Bellamus nicht klar, was seine Männer falsch machten oder warum sie den Zorn dieser Raubtiere erregten,
die andererseits die Anakim so friedlich zu dulden schienen.“
(S. 208)

Und somit wären wir bei den Nordländern, den Anakim, deren unwirtliches und karges Land im Begriff ist an die Südländer zu fallen. Die Bewohner des Schwarzen Königreiches unterscheiden sich vor allem durch deren Größe von den kleinen Menschen im Süddal. Sie sind wahre Riesen, beherrschen keine Schrift, dafür eine Sprache, welche wie Donnergrollen klingt und sie weisen eine weitere körperliche Besonderheit auf – unter ihrer Haut befindet sich eine sogenannte Knochenrüstung, ein innerer Panzer sozusagen und dadurch sind sie nahezu unverwundbar.
In diesem Handlungsstrang begleiten wir Roper. Nach einer fürchterlichen Schlacht bei der sein Vater, der Schwarze Lord, fiel, sitzt nun er auf dem Thron und ist Lord des Schwarzen Königreiches. Er ist gerade mal 19 Jahre alt, unerfahren und überfordert, doch er hat keine Zeit sich mit der Situation langsam auseinanderzusetzen, denn es wird bereits nach seinem Leben getrachtet. Der Feind ist jedoch nicht nur die Armee aus dem Süden, welche wie Heuschrecken über das Schwarze Königreich herfallen…der wahre Feind sitzt neben ihm im Ratssaal und diesen gilt es zuerst auszuschalten.
Roper mag jung sein und in der Schlacht ungeübt, doch was ihm an Erfahrung fehlt, macht er mit seinem Köpfchen und seinem Mut wett. Er ist Bellamus also nicht unähnlich und beide sind durchaus sympathisch. Es ist daher schwierig sich hierfür für eine Seite zu entscheiden….lassen wir die Schwerter sprechen.

© Pink Anemone

„Er hatte noch nie ernsthaft darüber nachgedacht, warum er eigentlich regieren wollte.
Blickte er zurück, dann vermutete er, dass es daran lag,
dass er sein ganzes Leben darauf vorbereitet worden war
und dass die Alternative der Tod war.“
(S. 356)

Hierbei handelt es sich um einen Fantasy mit historischen Zügen. Vieles erinnert an die Schlachten zwischen Schotten und Engländern und auch das Reich Albion sieht auf der Karte Großbritannien nicht unähnlich.

© Pink Anemone

Der flüssige und leichte Schreibstil, sowie der packende Plot, ließen mich schnell durch die knapp 600 Seiten huschen.
Die Atmosphäre wurde von dem jungen Autor gut eingefangen und somit konnten mich vor allem die Schlachtszenen und die Beschreibungen des Settings vom Schwarzen Königreich begeistern.
Auch die Art die verschiedenen Settings kennenzulernen war fantastisch. Hier  werden das Reich oder gewisse Orte nicht einfach nur beschrieben, man lernt diese durch Charaktere kennen, wie z.B. einen berittenen Boten der durch das Hindrunn reitet. So verfährt der Autor auch bei den verschiedenen Figuren. Weiters erhält man Einblick in beide Seiten und dies ohne, dass die Spannung dadurch verloren geht.

© Pink Anemone

„Denn jetzt zeigten sie ihre wahre Stärke: die in ihren großen Eschenbögen lag.
Sie machten sie bereit, nockten ihre Pfeile auf die Sehnen und feuerten auf die Schwarzfelsen.
Die gefiederten Pfeile zischten durch die Luft.
Es war ein Geräusch, als flöge ein ganzer Himmel voller Sperlinge auf die Legionäre zu.“
(S. 35)

Doch es gibt auch etwas zu bemängeln.
So gut gezeichnet die Charaktere auch sind, fehlt ihnen doch die Tiefe und gerade die beiden Protagonisten, Roper und Bellamus, konnten mich nicht gänzlich überzeugen. Beide sind ZU perfekt. Sie scheinen keinerlei Schwächen zu haben und wenn, dann wissen sie davon und diese werden zu ihren Stärken umgewandelt – ergo, doch keine Schwächen.
Vor allem Roper schien mir zu perfekt und allwissend. Der junge Bursch von gerade mal 19 Jahren, hat eine einzige Schlacht miterlebt und diese endete in einer Katastrophe, in der nächsten Schlacht agiert er, als wäre er ein erfahrener Feldherr und scheint mehr Ahnung von Kriegsführung zu haben, als Kommandanten, welche schon fünfzig Schlachten hinter sich haben. Und natürlich gehen diese Taktiken auch immer auf.
Des Weiteren ist so manche Dialogführung zwischen Kommandanten, egal ob Süddal oder Schwarzes Königreich betreffend, kaum auszuhalten. Jeder scheint hier jeden Zucker in den Arsch zu blasen, indem sie sich gegenseitig versichern wie toll und besonders der Andere ist. Dies lässt mich dann doch gezwungenermaßen an Klein-Mädchen-Dialoge denken -> „Du bist toll“ – „Nein, Du bist toll.“ – „Aber du bist viel toller!“. Ich mag das nun etwas überspitzt darstellen, aber ich konnte mich dieses Gedanken nicht ganz verwehren. Zum Glück kommen solche Dialoge nur äußerst selten vor, haben sich jedoch in mein Hirn eingebrannt.

© Pink Anemone

Zugegeben das Rad wird hier auch nicht neu erfunden – alles schon mal gelesen oder gesehen und doch war die Story durchwegs unterhaltsam, spannend und weist nur wenige Längen auf. Wenn Längen auftreten, dann durch den etwas zu melodramatischen inneren Monolog, den Roper immer wieder führt.
Ansonsten erwarten einem Intrigen, das Spiel um Macht, Schlachtengetümmel und auch die Pest erlebt man hautnah und authentisch mit. Dies alles in einem tollen atmosphärischen Setting.

Diese Ausgabe beinhaltet eine Karte von Albion und im Anhang einen Glossar der Häuser und Hauptcharaktere des Schwarzen Königreiches.

© Pink Anemone

Fazit:
Trotz der oben angeführten Mankos, fühlte ich mich herrlich unterhalten. Ich liebe das Setting des Schwarzen Königreiches mit seiner rauen Landschaft, seinen ebenso rauen Bewohnern. Ich tauchte nur allzu gerne in die Story ab und in die Wälder mit heulenden Wölfen ein und stürzte mich, wie die Anakim, begeistert in die Schlacht.
Es ist also durchaus ein toller Auftakt einer Fantasy-Reihe aus der ich nur ungern in die Realität wieder auftauchte, wenn auch mit kleinen Schwächen. Ich für meinen Teil, bin auf jeden Fall auf die Fortsetzung gespannt.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe: Wolfsthron

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Buchtrailer

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Weitere Buchinformationen

Rezensionexemplar mit herzlichen Dank an Goldmann-Verlag und Randomhouse-Bloggerportal!

 

  • Broschiert: 576 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (17. September 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442487358
  • ISBN-13: 978-3442487356
  • Originaltitel: „The Wolf“
  • Preis: 14,00€ (Stand vom 15.11.2018)
  • Auch erhältlich als: E-Book, HB und MP3-CD
© Pink Anemone

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Autoren-Info

© Caitlin Gracie

Leo Carew, geboren 1991, studierte in Cambridge Biologische Anthropologie und spezialisiert sich aktuell auf Polarmedizin. Neben dem Schreiben gilt seine Leidenschaft Expeditionen. So verbrachte er ein Jahr in der Arktis, wo er sich zum Polar-Guide ausbilden ließ. »Wolfsthron« ist sein Debüt.

 

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Rezept zum Buch

Wolfsbrot des Schwarzen Königreiches

© Pink Anemone

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8 Kommentare zu „Rezension „Wolfsthron: Under the Northern Sky 1“ von Leo Carew ★★★

  1. Ich verirre mich ja nur selten in eine Fantasy-Welt, aber ab und zu wage ich es doch mal. Dabei kann mich die Aussicht auf epische Schlachten und ausführliches Kampfgetümmel aber eher nicht so locken.
    Und so ein 19jähriger Super-Feldherr ohne Mängel? Ich glaube, der würde sich hier schwer tun, mich zu überzeugen, dass ich das Buch unbedingt lesen muss. Aber dafür nehme ich mal nen Bissen vom Wolfsbrot 🙂
    LG Gabi

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    1. Hallo Gabi, meine Schaukel-Kameradin *g*
      Mich konnte hier vor allem die Atmosphäre überzeugen. Fantasy lebt ja von dieser, aber auch leider von den Charakteren. Da dies ein Debüt ist, gebe ich dem jungen Autor noch eine Chance, denn Potenzial ist definitiv da.
      Ich mag ja Charaktere mit Ecken und Kanten viel lieber, als diese Superheros und Allwissenden. Dies ist auf jeden Fall authentischer.
      Na mal gucken wie es mit dieser Reihe weitergeht.

      Tipp für das Wolfsbrot. Es ist von der Konsistenz her so wie eben Semmelknödel sind, daher ist das Formen von Figuren etwas..ja..sagen wir wie es ist..blöd. Einfache Laibchen formen ist da natürlich viel einfacher. Aber weißt ja wie ich bin, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe – wenn ich Wölfe will, dann will ich verdammt noch mal Wölfe…selbst wenn die aussehen wie..ja keine Ahnung wie was XD

      Liebe Grüße,
      Conny (wartend von der Schaukel gesendet)

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  2. Ich dagegen muss sagen, dass mich deine Rezension echt gepackt hat und ich das Buch auf meine Liste gesetzt habe. Bin schon gespannt. Im Advent werden die Wölfe heulen.
    Gruß
    Andreas

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Andreas,
      das find ich toll. Man muss bedenken, dass dies ein Debüt eines sehr jungen Autors ist. Da drücke ich gerne ein Auge zu, wenn nicht bei der Sternvergabe, so zumindest beim Weiterlesen der Reihe. Vielleicht bekommt er ja noch die Kurve und die Charaktere entwickeln sich besser.
      Die Atmosphäre ist auf jeden Fall Wahnsinn und richtig passend für den Winter.
      Sag‘ mir dann Bescheid wie Du es fandest und falls Du es rezensieren solltest, würde ich Dich gerne verlinken, wenn ich darf.

      Liebe Grüße aus Wien,
      Conny

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  3. Bislang findet man Fantasy ja eher mäßig bei mir, aber das genre hat absolut seinen Reiz (ebenso Sci-Fi). Doch da muss mich das richtige Buch wie „Willkommen in Night vale“ erst finden – die Welt(en) müssen überzeugen. Ich liebe ja Game of thrones – aber eben als Serie, die Bücher wären leider nix für mich. Fängt bei der Vielzahl der Protas schon an *lach

    Bei deinem besprochenem Buch klingt dies ähnlich, also die Welt meine ich und so gerne ich deine Rezi gelesen habe (Bilderbetrachtung eh), ich glaube es wäre nichts für mich … Wobei das schwarze Königreich schon interessant klingt und raue Bewohner*innen mag ich ja eh. Aber Schlachten gucke ich eben lieber, als sie zu lesen …

    Hab einen mukkeligen Samstag – Nachtdienst heute?

    Gefällt 1 Person

    1. Wär ja gar gurselig, wenn wir zwei wirklich alles an Geschmack teilen würden XD.
      Ich liebe Fantasy und Weird Fiction. Beides lebt von der Atmosphäre, wobei bei Fantasy vor allem das Worldbuilding passen muss. Beides sind eher sehr komplexe Genres – Fantasy in Bezug auf die vielen Charaktere und Weird Fiction literarisch.
      Derzeit bin ich im Fantasy- und Weird Fiction-Fieber, waren das ja im Grunde meine ersten bevorzugten Genre *g*. Bei mir ist es also irgendwie Back to the Roots *g*

      Nix Nachtdienst heute, erst morgen wieder. Aber ich verkrieche mich zu Hause und genieße es keine Menschenseele zu sehen XD.
      Auch Dir ein schönes und vor allem erholsames Wochenende. Nächste Woche geht ja die Scheiße weiter bei uns beiden, gell.

      Bussi
      Conny

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      1. 😀 😀 😀
        Ich denke da sind deine Lieblinge mit Schlachten und Co einfach nicht meines. Mal ja, aber dann in magische Richtung (hab vor kurzem „Splitter der Nacht“ von Katrin Ils gelesen, das hatte schon was. – Aber das Augenmerk lag doch etwas anders als auf Kampf). Wenn dann schon so abgedrehter Kram wie „Willkommen in Night Vale“ und eigentlich wollte mir der Verlag den zweiten Band schicken, kam aber nix an 😦

        Na dann mukkel fein – du hast es verdient. ich muss erst Dienstag los und hoffe das wir endlich mal wieder vollständig sind (haha, und der Wunsch in der Herbst- Winterzeit), aber zu mindestens wurde mir diesmal der Urlaub net gestrichen!

        Gefällt 1 Person

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