Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen

Rezension „Fabled Lands – Legenden von Harkuna / I. & II.“ von Dave Morris u. Jamie Thomson ★★★

Spannendes und witziges Spielbuch, welches mich trotzdem etwas zwiegespalten zurücklässt.

Das Wandern ist des Müllers Lust

KAMPF UM DAS KÖNIGREICH & DIE STADT AUS GOLD
Das Schicksal HARKUNAs liegt in deiner Hand! Ob als Krieger oder mächtiger Magier, ob als mysteriöser Wanderer oder als cleverer Schurke:wähle deine Gestalt, wähle deine Waffen, wähle den Schauplatz und beginn dein Abenteuer!
KAMPF UM DAS KÖNIGREICH Seit dem Tod des Königs herrscht im Reiche Sokara Krieg und Zerstörung. Werde zum Helden und hilf dem rechtmäßigen Erben den Thron zurückzuerobern!
DIE STADT AUS GOLDIm Lande Golnir liegen ungeahnte Schätze verborgen. Durchforste den Wald der Verlassenen nach Gold, reise zu den Schürfern nach Goldfall und finde unglaubliche Kostbarkeiten! Die Schätze Golnirs warten auf dich!…(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Der Aufbruch der Morgendämmerung hat den Himmel in ein milchiges Graugrün getaucht, das dich an Jade erinnert.
Das Meer gleicht einem leuchtenden Teppich aus Silber.
Du hältst das Ruder deines Segelboots fest umklammert,
während du deinen Blick auf das glitzernde Sternenbild richtest,
das man die Spinne nennt.“
(S. 33 – Anfang)

Ich bin eine Gamerin und der Wunsch Abenteuer in fantastischen Welten zu bestreiten macht auch vor Pen & Paper-Spielen nicht Halt. Dabei mag ich es komplex und wendungsreich. „Fabled Lands“ schien genau diese Art von Spielbuch zu sein.

© Pink Anemone

Diese Spielbuch-Reihe besteht aus mehreren Büchern und dies ist der erste Sammelband aus dem Mantikore-Verlag, welcher die ersten beiden Bände „Kampf um das Königreich“ und „Die Stadt aus Gold“ beinhaltet.
Seinen erstellten Charakter kann man dabei durch all diese Bände mitnehmen. Im Verlauf wird man stärker, erhält besseres Equip und feilt an seinen Fähigkeiten. Es ist also ein sehr umfangreiches Abenteuer und somit erwarteten mich stundenlanges Spielvergnügen über Tage.
Nun wollen wir aber erstmal sehen wie es mir und meinem erstellten Charakter ergangen ist.

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I. „Kampf um das Königreich“

„Du trittst durch das Tor.
Die Schriftzeichen auf dem Stein fangen augenblicklich an, vor Energie rot zu glühen.
Deine Haare stellen sich auf und dein Körper beginnt zu kribbeln.
Ein knisternder Lichtring aus blauweißer Magie umhüllt dich,
die Wolken verfinstern das Land und Blitz und Donner tanzen über den Himmel.“
(S. 131)

Bevor man sich auf eine abenteuerliche Reise begibt, erwarten einen am Anfang des Buches natürlich Regeln und allgemeine Informationen. Diese sind auch für Neueinsteiger in diese Art von Spielewelt leicht verständlich. Für Spielbuch-Profis gibt es bezüglich Regeln und Vorgehensweise nicht viel Neues, doch hier kann man auch aus mehreren Charakteren mit verschieden ausgeprägten Fähigkeiten wählen und sich sogar einen eigenen Charakter erstellen. Dies dürfte vor allem auch für die weiblichen Leser nicht uninteressant sein. Hier kann man immerhin zwischen Wanderer, Magier, Krieger, Schurken, Priester und Barden wählen.
Und nun lasset das Spiel beginnen.

Als Schurkin schlug ich erstmal den Weg nach Marlockstadt ein. Habe nämlich gehört, dass dort nach einer Schurkin verlangt wird.
Es gibt allein in den Städten wahnsinnig viel zu erkunden und es dauert bis etwas Aufregendes passiert. Bis dahin reiste ich hierhin und dorthin und musste viele, viele Entscheidungen treffen. Dabei war mir auch mein Würfelglück alles andere als hold. Ich hatte also noch keinen einzigen Kampf bestritten und verlor schon Geld, Lebenspunkte und Equip. Das war etwas frustrierend, da man mit Stufe 1 prinzipiell nicht viel hat. Hier kann man nämlich keine Schatztruhen entdecken, um sich eventuell mit Equip zu pimpen, sondern erhält Waffen, Rüstung und Gegenstände ausschließlich durch Quests oder kauft diese um viel Geld auf dem Markt.

© Pink Anemone

Ich stand also bereits kurz nach Spielbeginn nackt und ohne Geld in Sokara. Natürlich hätte ich cheaten können, aber so würde es ehrlich gesagt keinen Spaß machen und wo wäre dann die Herausforderung?
Nun ja, leider endete es dann damit, dass meine Schurkin von einem Meeresdrachen verschlungen wurde. Das Ärgerliche dabei war, dass nicht ein Kampf, sondern einfach nur ein Würfel über mein Ende entschied. Ich war also bereits tot ohne etwas erlebt, geschweige denn gekämpft zu haben. Das war nun wirklich mehr als ärgerlich und ich kurz davor das Buch in die Ecke zu pfeffern. Die ganzen Wege…ach, diese verdammt vielen Wege…und Entscheidungen umsonst. Dies alles mit einem neuen Charakter nochmals? Nö, auf das hatte ich nun absolut keine Lust, denn dafür war es bis dahin zu langweilig und die zu treffenden Entscheidungen zu unwichtig…und ebenfalls zu langweilig.

Die Story und das Gaming kommen also nur schwer in die Gänge und es war alles andere als spannend. Trotzdem wollte ich dem Buch noch eine Chance geben, denn es muss doch einen Grund für diese Lobhudelei zu dieser Spielbuch-Reihe geben.
Ich entschied mich nun also doch zu cheaten, was normalerweise absolut nicht meine Art ist. Für mich ging daher ein paar Schritte zurück, um mit meiner Schurkin eventuell doch noch paar Abenteuer zu erleben. Dies hat sich dann doch durchaus gelohnt, denn es wurde sogar richtig witzig.

© Pink Anemone

Ich trat einer kannibalistischen Sekte bei, meuchelte in Schurkenmanier den Rattenkönig, mein teuer erstandenes Stadthaus wurde während eines Aufstandes vollständig geplündert und ich wurde nach einem misslungenen Attentat in die Sklaverei verkauft, um die wichtigsten Abenteuer zu nennen.
Auch wenn dieser Teil viele Wanderwege und allgemeine Längen beinhaltete, war es dann doch stellenweise amüsant und spannend.

Dies war der 1. Teil und es gab noch mächtig Luft nach oben und so las ich auch gleich beim 2. Teil weiter und meine Schurkin begab sich nach Golnir.

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II. „Die Stadt aus Gold“

„Das Innere des Grabmals wird von einem gräulichen Leuchten erhellt.
Ein Leichnam in uraltem Ritterornat liegt auf einer Steinplatte.
Als du dich ihm näherst, erwacht er und setzt sich auf.
Spinnweben verschleiern seine Augenhöhlen und seine Haut sieht aus wie die Rinde eines alten Baums.
Er streckt Dir einen anklagenden Finger entgegen.“
(S. 489)

Dieser Teil gestaltete sich leider noch etwas langweiliger, was eindeutig auch an meinem nicht vorhandenen Würfelglück lag. Immerzu „Ereignislose Reise“ und selbst bei einem Glücksspiel, bei dem ich alles auf eine Karte setzte, hieß es „Weder Verlust, noch Gewinn“.
Ich wanderte also gelangweilt durch Golnir, sammelte Gerüchte und Aufträge, um eventuell doch noch irgendetwas zu erleben. Vielleicht einem Kampfgegner zu begegnen, der nicht nach dem 1. Schlag tot umfällt ohne das mein Schwert und ich auch nur einen kleinen Kratzer abbekommen oder um vielleicht endlich auf ein Rätsel zu stoßen.
Dann packte mich das Goldfieber und so verlor ich all mein Geld. Es passierte dann also doch etwas und selbst für diesen herben Verlust war ich froh. Ab diesem Zeitpunkt wurde es dann auch endlich wieder etwas spannender und stellenweise auch amüsant. Ich habe z.B. einen Zuchtstier „versehentlich“ getötet, konnte dem Bauer diesen Verlust jedoch nicht entsprechend bezahlen, hatte ich doch nichts mehr. Dann habe ich eine hässliche Maid geküsst und verlor durch einen Kampf nicht nur mein ansprechendes Aussehen, sondern auch all mein Hab und Gut. Somit musste ich mich abermals nackt und pleite auf Wanderschaft begeben. Doch genau das empfand ich erfrischend und als eine Herausforderung.

© Pink Anemone

Hier schien jedoch auch manches nicht bedacht worden zu sein, was vor allem Levelaufstieg und Auswahl an Gerüchten/Aufträgen betrifft. Die Level kann man sich nämlich teilweise auswürfeln. Man erkämpft sich also nicht den Stufenaufstieg oder verdient ihn sich durch eine knifflige Quest, sondern würfelt einfach. So auch bei Gerüchten, welche man teilweise nicht mehr auswählen kann, sondern ebenso erwürfelt. Würfelt man also 5x (mir passiert) eine gewisse Anzahl von Punkten, hört man immerzu nur dieses eine Gerücht/erhält diesen einen Auftrag. So kann man nicht weiterkommen.

Es hatte also auch der 2. Teil viel Luft nach oben.

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Die meiste Zeit wanderte ich also umher und würfelte mir einen Wolf ohne wirklich vorwärts zu kommen, Kämpfe gab es nur selten und wenn, waren diese vom Aufbau und Verlauf her sehr simpel, Rätsel kommen hier überhaupt nicht vor und wenn dann sind diese ebenso einfach gestrickt und die Suche nach Quests gestaltet sich auch eher mühsam.
Der Schreib- und Erzählstil konnten mich auch nicht immer mitreißen. Manches wird zwar sehr bildhaft beschrieben, wie z .B. Settings, doch es bleibt alles irgendwie oberflächlich.

Wie bei allen anderen Spielbüchern kann man sich Aktionsblätter und Karten ausdrucken, um nicht in das Buch selbst kritzeln zu müssen. Leider bleibt einem dies in diesem Buch nicht erspart, da man ansonsten wirklich den Überblick verlieren würde. Diese Ausdrucke sind aber sehr schön gestaltet.

© Pink Anemone

Trotzdem fühlte ich mich stellenweise durchaus gut unterhalten, verbrachte auch ein paar Stunden mit tollen Abenteuern, habe gelacht und geflucht. Der Umfang ist atemberaubend und man kann viel unternehmen, wie z.B. per Schiff reisen oder sich gar ein eigenes Schiff, inklusive Mannschaft, kaufen, sich in den Städten Häuser zulegen, Bankgeschäfte tätigen und Ware ein- und verkaufen. Dies alles bücherübergreifend. Man erhält auch Quests für die man in die anderen Teile der Reihe reisen muss und vieles mehr…., wenn nur diese ewige Hatscherei nicht gewesen wäre.

Fazit:
Diese Reihe hat durchaus Potenzial und viele gute Ansätze. Vor allem der Umfang dieser Reihe ist gewaltig und hat etwas. Leider langweilte ich mich auch häufig und diese Wanderei war nicht nur für meine Schurkin ermüdend.
Möglich, dass ich in Bezug auf Spielbücher schon etwas verwöhnt bin und meine Erwartungen zu hoch geschraubt waren, oder es einfach nur an den Würfeln und meinen Entscheidungen lag.
Ich bin also hin- und her gerissen, ob ich die „Fabled Lands“-Reihe weiter verfolge.

„Reiter der Schwarzen Sonne“ von Swen Harder und die „Destiny Quest“-Reihe von Michael J. Ward, beides ebenfalls aus dem Mantikore-Verlag, sind also weiterhin meine absoluten Favoriten unter den Spielbüchern.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Reihenfolge der Sammelbände

  1. „Fabled Lands 1 & 2 – Die Legenden von Harkuna: Kampf um das Königreich & Die Stadt aus Gold“
  2. „Fabled Lands 3 & 4 – Die Legenden von Harkuna: Das Meer des Schreckens & Die Täler der Finsternis“
  3. „Fabled Lands 5 & 6 – Die Legenden von Harkuna: Das Reich der Masken & Herren der aufgehenden Sonne“

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Weitere Buchinformationen

 

  • Taschenbuch: 740 Seiten
  • Verlag: Mantikore-Verlag; Auflage: 1 (30. September 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783945493236
  • ISBN-13: 978-3945493236
  • ASIN: 3945493234
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
  • Preis: 19,95€ (Stand vom 05.12.2018)
© Pink Anemone

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Autoren-Info

Dave Morris

Dave Morris / Bildquelle: Mantikore-Verlag

Dave Morris (geboren 1957) ist ein englischer Spieleentwickler und Autor. Morris ist Autor einer Vielzehl von Spielbüchern und Rollenspielen. Seine größte Bekanntheit hat er als Fantasy-Spielbuch Autor. Er hat eine große Zahl von verschiedenen Spielbuchserien geschrieben (u.a. Blood Sword, Golden Dragon, Fabled Lands) zumeist in Zusammenarbeit mit anderen Autoren wie Jamie Thomson und Oliver Johnson. In Deutschland wurde vor allem seine Spielbuchreihe Fabled Lands bekannt, die in der Erstauflage SAGALAND hieß. Zwischenzeitlich wurde die Serie als LEGENDEN VON HARKUNA betitelt.

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Jamie Thomson

Jamie Thomson / Bildquelle: Mantikore-Verlag

Jamie Thomson (geboren 1958) ist ein englischer Autor von Kinderbüchern und Spielbüchern. Viele Spielbuchreihen hat er in Zusammenarbeit mit anderen Autoren wie Dave Morris (Fabled Lands) und Mark Smith (Way of the Tiger, Duel Master, Falcon) veröffentlicht. In Deutschland wurde vor allem seine Spielbuchreihe Fabled Lands bekannt, die in der Erstauflage SAGALAND hieß. Zwischenzeitlich wurde die Serie als LEGENDEN VON HARKUNA betitelt.

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3 Kommentare zu „Rezension „Fabled Lands – Legenden von Harkuna / I. & II.“ von Dave Morris u. Jamie Thomson ★★★

  1. Liebe Conny
    Das Prinzip solcher Bücher war für ich völlig unbekannt. Doch ich muss zugeben, dass du mich damit jetzt total angesteckt hast. Ich werde mich definitiv bald einmal darauf einlassen und freue mich jetzt schon ungemein darauf, dieses Spiel kennenzulernen. 😀
    Liebe Grüsse Lina

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Lina,
      Spielbücher sind einmal eine ganz neue Art zu „lesen“. Interaktiv das Geschehen zu beeinflussen und dabei in einen Charakter zu schlüpfen finde ich einfach toll.
      Ich kann Dir hierbei den Mantikore-Verlag empfehlen…wenn ich ehrlich bin, kenne ich überhaupt keinen anderen Verlag XD.
      Falls Du wirklich einmal ein Spielbuch versuchen solltest, sag‘ Bescheid wie es Dir gefallen hat.

      Liebe Grüße
      Conny

      Gefällt mir

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