Rezensionen · Thriller/Krimis

Rezension „Die Todesfee der Grindlay Street“ von Oscar de Muriel ★★★★★

Historische Krimis in denen Fiktion und historische Ereignisse verwoben werden und in denen berühmte historische Persönlichkeiten vorkommen, haben für mich einen ganz besonderen Reiz. Ich liebe es vor allem in das viktorianische Zeitalter einzutauchen, da mich diese Epoche schon seit jeher interessiert und ich diesbezüglich bereits auch viele Sachbücher gelesen habe und immer wieder gerne lese.
Auch Literaturklassiker, welche aus dieser Zeit stammen lese ich am liebsten und daher habe ich einige Werke von Charles Dickens, Oscar Wilde, William Makepeace Thackeray, Sir Arthur Conan Doyle und natürlich Bram Stoker in meinen Regalen stehen.

Was das jetzt mit dem vorliegenden Buch zu tun hat? Ganz einfach – diese Krimi-Reihe von Oscar de Muriel spielt im viktorianischen Zeitalter und in diesem Band haben gleich drei berühmte Persönlichkeiten von damals hier ihren Auftritt, welche ich Euch kurz vorstellen möchte. Wem das eher weniger interessiert einfach nach unten scrollen, um zur Rezension zu gelangen.

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Bram Stoker

So ziemlich jeder kennt Bram Stoker, aus dessen Feder die Gothic Novel „Dracula“ stammt.
Abraham „Bram“ Stoker (* 8. November 1847 in Marino Crescent in Clontarf bei Dublin; † 20. April 1912 in London) war ein irischer Schriftsteller.
Er war bis zu seinem siebten Lebensjahr schwer krank und konnte alleine weder stehen noch gehen. Diese traumatische Erfahrung spiegelt sich in seiner literarischen Arbeit wider. Ewiger Schlaf und die Wiederauferstehung der Toten, das zentrale Thema von Dracula, waren deshalb von großer Bedeutung für ihn. Stoker hegte allgemein für das Übernatürliche großes Interesse.
Er war leidenschaftlicher Sportler, arbeitete als Journalist und Theaterkritiker. Sein Interesse am Theater führte zu einer lebenslangen Freundschaft mit dem Schauspieler Henry Irving.
Stoker heiratete 1878 Florence Balcombe, eine Nachbarin aus Clontarf, die auch von Oscar Wilde umworben wurde. Er zog mit ihr in den Londoner Stadtteil Chelsea, wo er als Manager von Irvings Lyceum Theatre arbeitete. Durch die Arbeit für Irving wurde er in die Londoner „High Society“ eingeführt, wo er unter anderem auf James McNeill Whistler und Sir Arthur Conan Doyle traf.
Bram Stoker erlebte den großen Erfolg seines Romans Dracula nicht mehr. Er starb nach mehreren Schlaganfällen in finanziell bescheidenen Verhältnissen 1912 in London.

Zu Ehren des Autors verleiht die Vereinigung der US-amerikanischen Horrorschriftsteller seit 1987 jährlich in verschiedenen Kategorien den Bram Stoker Award. (Wikipedia)

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Henry Irving

Sir Henry Irving (geb. 6. Februar 1838; † 13. Oktober 1905) war ein britischer Theaterschauspieler. Er war der wichtigste Theatermacher und Shakespeare-Darsteller der viktorianischen Zeit. Sein Bühnendebüt gab er mit 18 Jahren am Lyceum Theatre in Sunderland. Nach Spielzeiten in London, Edinburgh, Liverpool, Dublin und Manchester ließ er sich 1866 in London nieder. In den Stücken des Dramatikers William Gorman Wills spielte er häufig die männliche Hauptrolle, so z. B. in Charles I. 1872. Von 1878 bis 1902 leitete er das Lyceum Theatre in London.
Sir Henry war auch der erste Schauspieler, der von der Königin geadelt wurde (1895). Er war Mitglied im berühmten Garrick Club und mit dem Schriftsteller Bram Stoker befreundet, der auch sein Theateragent war. Stoker trat an Irving mit der Bitte heran, die Rolle seiner Romanfigur Dracula auf der Bühne zu übernehmen, doch Irving lehnte mit dem Argument ab, der Stoff sei für seine Bühne zu trivial, woraufhin Stoker darauf verzichtete, sein eigenes Werk für das Theater zu adaptieren.
Am 15. Juli 1869 heiratete er Florence O’Callaghan, mit der er zwei Söhne hatte. Um seine vielen Affären ranken sich immer noch Gerüchte, vor allem die mit seiner Schauspielkollegin Ellen Terry. (Wikipedia)

 

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Ellen Terry

Lady Ellen Alice Terry GBE (* 27. Februar 1847 in Coventry; † 21. Juli 1928 in Smallhythe bei Tenterden, Kent) war eine britische Bühnenschauspielerin und galt als beste Shakespeare-Interpretin ihrer Zeit.
Ellen Alice Terry stammte aus einer renommierten Schauspielerfamilie.
Am 20. Februar 1864 heiratete sie den Maler George Frederic Watts. Ihr erster Sohn, Edward Gordon Craig, den sie 1872 zur Welt brachte, war jedoch das Resultat einer Beziehung zu Edward William Godwin, einem progressiven Architekten. Während dieser Zeit spielte sie kaum Theater. Diese Verbindung wurde 1874 beendet.
Danach wurde sie die bekannteste Darstellerin in Shakespeares Bühnenstücken in London. Zusammen mit ihrem Partner Henry Irving hatte sie auch in den USA Erfolge.
1876 heiratete sie Charles Kelly. 1903 verließ sie ihn wieder und gründete zusammen mit ihrem Sohn eine Theatermanagementgesellschaft. Sie lernte George Bernard Shaw kennen und schloss Freundschaft mit ihm. 1907 heiratete sie den amerikanischen Schauspieler James Carew. Von 1916 bis 1922 trat sie in einigen Filmen auf, darunter 1918 in zwei anti-deutschen Propagandafilmen von Herbert Brenon. Für ihr Lebenswerk wurde ihr 1925 der Dame Commander of the British Empire verliehen.

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Rezension

Spätes 19. Jahrhundert / 3. Teil der Frey & McGray-Reihe / Genialer viktorianischer Krimi mit viel Humor, noch mehr Spannung und berühmter historischer Persönlichkeiten.

© Pink Anemone
Vier Fäuste gegen die Todesfee

London 1889. Nach der Aufführung von »Macbeth« wird eine mit Blut geschriebene Botschaft aufgefunden: In Edinburgh, der nächsten Station der berühmten Theatertruppe, soll jemand grausam zu Tode kommen. Der Fall ruft die Inspectors Ian Frey und Adolphus McGray auf den Plan. Während der vernünftige Engländer Frey die düstere Ankündigung für reine Publicity hält, ist McGray von einem übernatürlichen Phänomen überzeugt, da Besucher eine »Todesfee« vor dem Theater gesehen haben wollen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn was auch immer dahintersteckt – in der Premierennacht in der Grindlay Street soll der Tod die Hauptrolle spielen …(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Heil Dir! Macbeth, bald findest du den Tod.
Heil Dir! Und Schottlands Bühne färbt sich rot.“ (S. 22)

Bram Stoker (ja, genau DIESER Bram Stoker) ist Theaterintendant des Lyceum Theatre in London und das Stück Macbeth ist derzeit der Renner.

Bis eine mysteriöse und vor allem blutige Nachricht nach einer Aufführung ganz London erschüttert. Nun heißt es dieses Stück wäre verflucht. Die Londoner Polizei nimmt dies natürlich nicht ernst, schon gar nicht, dass eine Todesfee geheult haben soll als diese Nachricht hinterlassen wurde. Der Fall war für sie abgeschlossen, doch nicht für Stoker und seine Theater-Crew.
Macbeth wird nun auch in Edinburgh aufgeführt und genau hier soll es angeblich zu einem Todesfall kommen, so die Prophezeiung. Stoker hat einen Tipp erhalten, dass er sich dort an Inspector McGray wenden soll, denn dieser ist genau der Richtige für SO EINEN Fall …. und somit beginnt die Jagd nach der mysteriösen Todesfee, denn diese lässt sich auch in Edinburgh blicken.

Royal Lyceum Theatre Edinburgh

Dies ist der 3. Teil der Frey & McGray-Reihe und auch diesmal bin ich wieder begeistert.

Hier nimmt Bram Stoker eine sehr wichtige Rolle ein. Diejenigen, welche mit der Biografie des irischen Schriftstellers, aus dessen Feder „Dracula“ stammt, vertraut sind wissen, dass er einen Hang zum Mystizismus hegte. Und diejenigen, welche diese viktorianische Krimi-Reihe bereits kennen wissen ebenso, dass sich auch Inspector McGray mit dem Paranormalen beschäftigt und sogar eine spezielle Polizeieinheit gründete – „Kommission zur Aufklärung ungelöster Fälle mit mutmaßlichem Bezug zu Sonderbarem und Geisterhaftem“.
Sein Kollege Frey hält von dem ganzen Humbug hingegen so gar nichts und tut das natürlich auch immer laut kund. Ihr könnt Euch also vorstellen was sich hier abspielt. Angespannte Atmosphäre mit vielen Wortwechseln zwischen den Protagonisten und somit ein amüsantes Lesevergnügen für uns Leser.
Doch dieses Buch lässt den Leser nicht nur schmunzeln, sondern auch gespannt jede Seite umblättern. Dieser Fall ist nämlich wirklich äußerst verzwickt.

„Dann blinzelte sie, und ihr war, als weiche alles Leben aus ihr,
bis sie nur noch eisige Kälte in ihrer Brust spürte.
Fussie hatte an blutgetränktem Hirn rumgekaut.
Und genau in dem Moment, als Ellen Terry zu schreien anhob,
war der Schrei der Todesfee zu vernehmen.“
(S. 18)

© Pink Anemone

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und klar und auch die Erzählweise wie immer packend. Als Leser hat man das Gefühl den Polizeibericht von Inspector Frey zu diesem Fall zu lesen und das auf sehr amüsante und vor allem packende Art und Weise. Dieser beinhaltet niedergeschriebene und gesammelte Dokumente von Inspector Frey, sowie Randnotizen und Tagebucheinträge von Bram Stoker leiten die Kapitel ein.
Es wird dabei auch auf die vergangenen Geschehnisse eingegangen, um sich wieder in der Welt von Frey & McGray zurechtzufinden und so manches aufzufrischen. Man muss also diese Reihe nicht zwingend der Reihe nach lesen, wobei es doch von Vorteil wäre, um in den vollen Lesegenuß zu kommen.

Oscar de Muriel schafft es bekannte historische Fakten, bezüglich der Biographie so mancher vorkommenden Charaktere, mit einer fiktiven Story zu verweben und so einen interessanten, wie auch spannenden viktorianischen Krimi mit viel Atmosphäre entstehen zu lassen.

© Pink Anemone

Dieser Krimi beinhaltet auch unglaublich viele Wendungen, sodass es niemals langweilig wird, Man hat hier wirklich keine Ahnung was einem auf den nächsten Seiten erwartet.
Der Humor kommt auch hier wieder nicht zu kurz und vor allem der verbale Schlagabtausch zwischen Frey und McGray ließen mich öfters laut auflachen. Diese beiden schenken sich wirklich nichts und erinnern mich in gewisser Weise an die Filme mit Bud Spencer und Terence Hill, wenn Terence Hill ein versnobter Engländer wäre.

„Ich lachte lauthals auf.
>>Und das aus dem Mund von Nine-Nails McPorridge.<<
>>Och, halten sie den Schnabel, Sie Mädchen mit Haaren im Gesicht.<<“
(S. 86)

Am Ende des Krimis befinden isch noch „Historische Anmerkungen“ und „Anmerkungen des Verfassers“, welche man isch ebenfalls nicht entgehen lassen sollte.

Fazit:
Ich bin ja von Beginn an Fan dieser viktorianischen Krimi-Reihe und bisher konnte mich wirklich jeder Band begeistern. Im vorliegenden 3. Teil legt der Autor sogar noch ein Schäuflein nach. Dies kam natürlich auch daran liegen, dass ich ein Fan von Bram Stoker und vor allem auch vom Werk „Macbeth“ bin. Tja, und nun kann ich es ein weiteres Mal nicht mehr erwarten bis der nächste Teil auf Deutsch erscheint.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Reihenfolge
  1. „Die Schatten von Edinburgh“
  2. „Der Fluch von Pendle Hill“
  3. „Die Todesfee der Grindlay Street“

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Weitere Bloggermeinungen
Jenny „Ein echter Lese-Genuss, für Fans von Krimis/ historischen Krimis“

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit herzlichen Dank an die Verlagsgruppe Random-House, den Goldmann-Verlag und das Bloggerportal!

 

  • Taschenbuch: 576 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (17. Dezember 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442488648
  • ISBN-13: 978-3442488643
  • Originaltitel: „A Mask of Shadows“
  • Preis: 10,00€ (Stand vom 27.01.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book
© Pink Anemone

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Autoren-Info
Oscar de Muriel
© Goodreads

Oscar de Muriel wurde in Mexico City geboren und zog nach England, um seinen Doktor zu machen. Er ist Chemiker, Übersetzer und Violinist und lebt heute in Cheshire. Mit seiner viktorianischen Krimireihe um das brillante Ermittlerduo Frey und McGray feiert er in seiner neuen Heimat große Erfolge.

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9 Kommentare zu „Rezension „Die Todesfee der Grindlay Street“ von Oscar de Muriel ★★★★★

  1. Oh, Oh, Oh!
    Das klingt ja nach was ganz tollem für mich. Die Reihe kannte ich leider noch überhaupt nicht. Da muss ich mir die Tage unbedingt den ersten Teil zulegen ❤
    Deine Fotos dazu sind wirklich toll geworden. Vielen Dank für die Buchvorstellung.

    Beste Grüße
    Chrissi

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Chrissi,
      manche haben die Reihe nicht in der Reihenfolge gelesen und fanden die einzelnen Bände trotzdem toll und konnten der Handlung folgen. Ich bin da ja eher spleenig und sobald es auch eine Storie zu den privaten Hintergründen gibt, ist es meiner Meinung nach besser die Reihenfolge einzuhalten.
      Bin gespannt wie Du sie findest. Falls Du das ein oder andere Buch dazu rezensierst und ich Deine Rezi verlinken darf, dann sag bitte Bescheid 😉

      Liebe Grüße aus Wien
      Conny

      Gefällt 1 Person

      1. Das kenne ich. Wenn das nämlich der Fall ist, habe ich oft nicht mal Lust eine Reihe zu beginnen *g*.
        Im Englischen ist übrigens voriges Jahr schon der 4. Teil erschienen und der 5. ist in Arbeit. Da finde ich die Cover auch irgendwie viel ansprechender, wobei das eh nix Neues ist XD
        Leider ist mein Englisch nicht gut genug, aber für Dich wär das etwas.

        Gefällt 1 Person

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