Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen

Rezension „Rumors Fährte“ von Tobias Reckermann ★★★★

 

Wenn Philosophie und literarische Sprachgewalt auf Schwarze Fantastik treffen – atmosphärisch, düster und schön zugleich

Den uralten Weg gehen

Dark Fantasy – Horror – Weird Fiction – Auf Rumors Fährte übertreten Menschen uralte Grenzen und gelangen an Orte jenseits ihrer Vorstellung. Schwarze Fantastik, 16 Erzählungen…(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Folge der Fährte, die Rumor vor dich legt.
Folge ihr bis an dein Lebensende und setzte die, die nach dir kommen, ebenso auf seine Spur.
Licht, Finsternis, Feuer oder eis, welchem Herrn du auch gehorchest,
auf welcher Seite der Mauer du am Ende des Tages oder am Beginn des neuen Morgens stehst,
vergewissere dich, dass du immer der Fährte Rumors folgst.“
(„Rumors Fährte“ – S. 27)

In dieser Anthologie lässt uns der Autor an seinen vielschichtigen literarischen Facetten teilhaben und entführt uns in 16 Erzählungen hinter den Nebel und in die Anderswelt.

Man ist dabei wenn Freunde einen der ihren auf seinem letzten Weg begleiten. In ein Land, welches nicht für die Lebenden bestimmt ist.
In den Erzählungen „Der Abgrund“, „Auf Rumors Fährte“, „Winterjagd“, „Morituri“ und „Sieben Fährten“ begibt man sich in eine Welt des Alten Glaubens und in eisige Welten. Hier bewegt man sich entlang der Grenze zur Anderswelt und dies sind mit Abstand meine liebsten Stories in diesem Buch.
In anderen Erzählungen begegnet man Alchemisten, einem unsterblichen Kult, begleitet einen Friedhofsgärtner und Jugendliche mit Liebe zum Death Metal, dem Unterbewusstsein selbst und noch vielem mehr.

© Pink Anemone

Hierbei ist der Schreib- und Erzählstil ebenso facettenreich und vielschichtig wie die Stories selbst.
Manche sind philosophisch und werden von melancholischen Klängen begleitet, andere entführen den Leser in Welten, in denen man an die alten Götter glaubt. Manche Stories sind heftig und blutig, düster und unheimlich und andere sind eine Kombination aus allem.
Zwei Dinge haben jedoch alle Stories gemein: 1. sie ziehen den Leser mit einem Sog in die Geschichte und lassen einem nicht mehr los und 2. die literarische Sprachgewalt ist allgegenwärtig.

„Niemand hat je wirkliches Schwarz gesehen,
es sei denn im Himmel bei Nacht, im Traum oder der Vorstellung.
Wie sonderbar, dass wir Schwarz im Innern des Auges finden.
Ein Glanz liegt auf diesem, doch darunter mag die Dunkelheit wohnen,
die in die Tiefen der Seele führt.
(„Schwarz“ – S. 105)

Zugegeben, nicht allen Erzählungen konnte ich etwas abgewinnen, wie es eben so ist bei Anthologien. Ein paar wenige driften schon zu sehr in das Philosophische ab, sodass ich dem Autor und seinen Gedankengängen nicht mehr folgen konnte. Es scheint als würde er aufgrund philosophischer Abschweifungen den roten Faden nicht mehr finden und plötzlich ist die Story auch schon wieder zu Ende. Dies möge aber Geschmackssache sein.

© Pink Anemone

Im Großen und Ganzen bin ich von dieser Anthologie jedoch begeistert. Jede Erzählung befasst sich mit dem Tod und der Anderswelt und somit betritt man auf unterschiedliche Weise Rumors Fährte. Rumors Fährte ist ein Weg voller Hoffnung, aber auch voller Blut und Leid. Es ist ein Weg umgeben von Nebel und zwischen den Welten, welcher gegangen werden muss.

„Kein Tag vergeht ohne Hunger,
wenn der Wind den Atem vor dem Mund gefrieren lässt und die Geister von Schnee und Eis das Land beherrschen.
Meterdick liegt das gefrorene Weiß vor den Hütten, hüllt sie in Stille, die endlos erscheint,
als wäre sie selbst der letzte Gedanke, das allerletzte Empfinden.“
(„Winterjagd“ – S. 37)

Als Leser geht man ebenso den Weg wie die Charaktere in diesen Erzählungen, ob in der Gegenwart oder in schon weit zurückliegender Vergangenheit. Man wandelt auf Rumors Fährte, um im Verlauf all dieser Erzählungen im Nebel den roten Faden zu finden und Klarheit zu erlangen.

© Pink Anemone

Fazit:
Eine Sammlung aus Erzählungen in denen Philosophie und literarische Sprachgewalt auf Schwarze Fantastik treffen und mit dieser Hand in Hand gehen – atmosphärisch, düster und schön zugleich. Stories über vergangene Völker und Menschen in der Gegenwart, über alte Riten und noch ältere Götter, über die Schwelle im Nebel und den Tod. Eine wahre Edda der Schwarzen Fantastik.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Weitere Buchinformationen

 

  • Taschenbuch: 263 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (31. Dezember 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1729613640
  • ISBN-13: 978-1729613641
  • Preis: 12,99€ (Stand vom 04.02-2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book
© Pink Anemone

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Autoren-Info

Tobias Reckermann, Jahrgang 1979, lebt und schreibt in Darmstadt und arbeitet als Maschinist bei Whitetrain. Er ist Redakteur und Herausgeber des IF Magazin für angewandte Fantastik. Als Schriftsteller widmet er sich neben anderen Zweigen der Fantastik im Besonderen der Weird Fiction und chinesischer Wuxia-Literatur. Bisher erschienen sind seine Romande „Das schlafende Gleis“, „Langfaust“ und „Die zwei Schneiden des Glücks“, außerdem die Erzählbände „Venom & Claw“ und „Graund“, sowie mehrere Beiträge in Magazinen und Anthologien.
Wenn Ihr bezüglich des Autors immer auf dem Laufenden sein wollt, dann besucht seine Facebook-Seite HIER.

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