Comics / Graphic Novels · Rezensionen

Rezension „Im Eisland: Band 1: Die Franklin-Expedition“ von Kristina Gehrmann ★★★

Eine historische Graphic Novel, welche mich leider nicht gänzlich überzeugen konnte.

Franklin-Expedition im Manga-Stil

Frühjahr 1845: Unter dem Kommando von Sir John Franklin brechen zwei Schiffe der Royal Navy, die HMS Erebus und die HMS Terror, in die Arktis auf. Die auf drei Jahre angelegte Mission lautet: Sie sollen als Erste die legendäre Nordwestpassage vom Atlantik in den Pazifik durchsegeln. Die gesamte Mannschaft ist davon überzeugt, dass die ambitionierteste Expedition ihrer Zeit ein großer Erfolg wird. Schon bald erschüttert der erste Todesfall den Optimismus der Besatzung. Doch auf sie wartet ein noch viel größeres Desaster in der grenzenlosen, eiskalten Hölle…(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Also sind die Gerüchte wahr!
Die Offiziere und Seeleute der Franklin-Expeditino, Stellvertreter der Royal Navy …
reduziert zum Kannibalismus!
Und was geschah mit ihren Schiffen, Erebus und Terror?
(S. 11)

So mancher hat schon von der Franklin-Expedition gehört. Die Expedition, welche tragisch endete und deren Ausgang noch immer nicht vollständig geklärt ist.
Viele Gerüchte und Mythen ranken sich um die im Frühjahr 1845 aufbrechende Polar-Forschungsreise, welche unter dem Kommando von Sir John Franklin stand. Ziel war es die Nordwestpassage erstmals vollständig zu durchsegeln, neue Wege und Inseln zu entdecken, diese kartografisch zu erfassen und gleichzeitig einen kürzeren Seeweg von Europa nach Asien zu finden.

HMS ‚Erebus‘ in the Ice, 1846 / Bildquelle: National Maritime Museum UK

Der Erfolg hätte zusätzlich auch Ruhm und Ehre für die britische Seemacht bedeutet, doch es endete trotz hervorragender Vorbereitungen in einer Katastrophe.
Trotz umfangreicher Rettungsaktionen blieben Mannschaft, wie auch die beiden Schiffe HMS Erebus und HMS Terror verschollen. Erst 2014 fand man das Wrack der HMS Erebus und die Überreste der HMS Terror wurden überhaupt erst 2016 entdeckt.

 

© Pink Anemone

Kristina Gehrmann lässt in ihrer Graphic Novel-Reihe „Im Eisland“ die Geschichte dieser Expedition lebendig werden und nimmt den Leser mit auf diese Reise, welche so tragisch endete. Im vorliegenden 1. Teil dieser Reihe steht vor allem der Aufbruch und die erste Überwinterung im arktischen Meer im Vordergrund. Man erlebt die Motivation der Mannschaft, erhält Einblick in die Ausstattung der Schiffe und deren Proviant, lernen die ein oder anderen Figuren kennen und erleben auch das erste tragische Ereignis.

„Das Meer ist voller Eisstücke, die durchs Wasser rauschen, nachdem sie mit lautem Donnern von Eisbergen gefallen sind.
Fast alle Männer sind am Ufer, sammeln Eiderenteneier, Muscheln, kuriose Pflanzen und Moose.
Le Vesconte und ich waren seit sechs Uhr morgens mit den magnetischen Messungen beschäftigt.“
(S. 54)

© Pink Anemone

Trotz interessanter Thematik, konnte mich die Autorin mit dieser Graphic Novel nicht abholen und mich somit auch nicht von der Reihe überzeugen.
Zum einen liegt es an der sprunghaften Erzählweise. Viele interessante Szenen werden nur kurz erwähnt, bzw. angerissen, während uninteressante Passagen, wie z.B. eine Theateraufführung, detailreich geschildert werden. Es wird also manches nur oberflächlich behandelt und es fehlt an Tiefe.

Sir John Franklin

Zum anderen bin ich von den Zeichnungen im Manga-Stil so gar nicht angetan. Während sich die Autorin bei den Hauptfiguren durchaus an Gemälden orientiert, bleiben alle weiteren Figuren blass und sehen sich leider auch zum Verwechseln ähnlich. Zudem bin ich prinzipiell kein Freund vom Manga-Zeichenstil, da bei diesem die Figuren eher niedlich wirklich. Dieser Stil passt daher, meiner Meinung nach, nicht zu dieser eher düsteren und tragischen historischen Geschichte. Dies mag aber durchaus an meinem persönlichen Geschmack, bzw. meiner Abneigung gegenüber Manga liegen.

© Pink Anemone

„>>…ich glaube nicht an die Theorie vom offenen Nordpolarmeer.
Ich möchte fast wetten, dort finden wir nichts als antikes Eis.<<
>>James, ich denke genau dasselbe wie Sie. Aber wir dürfen nichts unversucht lassen.
So lauten unsere Befehle.<<“
(S. 85)

Fazit:
Ich liebe es historische Romane zu lesen, welche gut recherchierte historische Ereignisse mit fiktiven Handlungen kombinieren. Umso neugieriger war ich auf diese Graphic Novel, die dies auch noch mit Illustrationen kombiniert und so einen historischen Comic bereit hält. Zudem war ich erfreut auch endlich einmal eine Graphic Novel einer weiblichen Illustratorin zu lesen, da Frauen sich in diesem Genre leider immer noch sehr schwer tun sich einen Namen zu machen, bzw. allgemein eher dünn gesät sind, vor allem im deutschsprachigen Bereich.
Leider konnte mich die Autorin und Illustratorin Kristina Gehrmann mit ihrem Graphic Novel-Debüt nicht überzeugen. Nicht nur das es hier an Tiefe fehlt, ich fand auch den Zeichenstil weder ansprechend, noch passend.
Letzteres ist jedoch auch durchaus Geschmackssache.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Reihenfolge
  1. „Im Eisland: Band 1: Die Franklin-Expedition“
  2. „Im Eisland: Band 2: Gefangen“
  3. „Im Eisland: Band 3: Verschollen“

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Weitere Bloggermeinungen
Kaisu von Life for Books

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Weitere Buchinformationen

 

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: Hinstorff; Auflage: 4. überarbeitete Aufl. (6. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3356019015
  • ISBN-13: 978-3356019018
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 – 10 Jahre / wobei ich das nicht unterschreiben kann. Ich persönlich würde es ab 12 – 13 Jahren empfehlen
  • Preis: 16,99€ (Stand vom 21.02.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book

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Autoren-Info
Bildquelle: Hinstorff-Verlag

Kristina Gehrmann wuchs in Nordrhein-Westfalen auf. Sie malt und zeichnet schon ihr ganzes Leben lang und arbeitet heute als Vollzeit-Illustratorin. Kristina Gehrmann wohnt in Hamburg und veröffentlicht ihre Werke im Advanced Photoshop, ImagineFX und The Artist’s Magazine.

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2 Kommentare zu „Rezension „Im Eisland: Band 1: Die Franklin-Expedition“ von Kristina Gehrmann ★★★

  1. Den Zeichenstil habe ich im Podcast auch kritisiert, dass er an manchen Stellen zu schlicht und kindlich wirkt – hatte grad gesehn, dass ich das in der Kritik auf dem Blog gar nicht gemacht hatte *hüst* – mich hat halt die Geschichte abgeholt und werde die Reihe daher zu Ende lesen.
    Ich kann dir gerne berichten, ob es besser wird 😀

    Gefällt 1 Person

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