Rezensionen · Romane

Rezension „Lisa“ von Thomas Glavinic ★

Eine Story ohne Story und einem hanebüchenem Ende. WTF!

Paranoia unter Alkohol und Drogen

Lisa, eine Schwerkriminelle, begeht auf der ganzen Welt rätselhafte Verbrechen. Die Zeichen mehren sich, dass ein Mann ihr nächstes Opfer wird: Sie ist bereits in seine Wohnung eingebrochen. Doch sie bleibt unsichtbar, außer ihrer DNA gibt es keine einzige Spur. Verschanzt in einem verlassenen Landhaus, mit reichlich Whiskey und Koks, spricht der Mann jeden Abend per Internet-Radio zu einem virtuellen Publikum….(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Es ist, als ob mir nichts passieren könnte, solange ich hier sitze und rede, rede, rede.
Alles ist gut, solange ich durch dieses Gerät mit einem kleinen Ausschnitt der Welt kommuniziere.
Zu dem du, mein Zuhörer, gehörst.
Ich rede also um mein Leben.“
(S. 116)

Ich bin an und für sich ein Fan des Autors Glavinic, „Das größere Wunder“ und „Die Arbeit der Nacht“ (was ich wieder einmal lesen und auch rezensieren sollte), sind hierbei meine absoluten Favoriten. Glavinic versteht es Tiefsinnigkeit und literarische Sprachgewalt in Stories zu packen, in denen nie alles so ist wie es scheint. Doch was er mit „Lisa“ fabrizierte hat, ist meines Erachtens, einfach nur Mist.

Man ist gewohnt, dass in Romanen des Autors die Sprache auch einmal derb und direkt ist, dass darin gesoffen, gekokst und rumgehurt wird und, dass er es mit der Political Correctness nicht so ernst nimmt. Doch meist würde überhaupt nichts anderes zu der Story passen, da diese selbst schräg und abgefahren ist.

In dem vorliegenden Buch gibt es jedoch irgendwie keine Story.
Ein Vater hat sich mit seinem Sohn in einem Haus in der Pampa verschanzt. Nachdem bei ihm eingebrochen wurde und dies zur Anzeige gebracht wurde, stellte sich heraus, dass es sich bei der Täterin um eine international operierende Kriminelle handelt, welche auch vor Folter und Mord nicht zurückschreckt. Daraufhin bekommt der Vater Panik und versteckt sich.
Das Internet-Radio ist sein einziger Kontakt zur Außenwelt, welcher er seine Geschichte erzählt. Dabei fließt reichlich Alkohol und das Koks wird sich reingezogen, als gäbe es kein Morgen.
Tja, das war es auch schon. Das ist die ganze Story.

© Pink Anemone

„Jeden Abend schreibe ich meinen Namen mit Kokain auf den freien Schreibtisch, saublöde Angewohnheit, ich weiß,
und jeden Abend ist schon um Mitternacht nichts mehr davon übrig,
obwohl ich einen langen Namen habe und die Buchstaben sehr groß sind.“
(S. 9)

Schnell ist klar, dass sich Glavinic hierbei eines bekannten Kriminalfalls bedient, welcher überhaupt keiner war. Dies war bereits nach nur wenigen Seiten ersichtlich. Trotzdem habe ich mich durch dieses Büchlein gequält, da ich es gewohnt bin von dem Autor, die Enden betreffend, immer wieder überrascht zu werden. Doch hier war einfach nichts.
Und wenn ich sage nichts, dann meine ich nichts. Die Story war einfach zu Ende. Als würde jemand während des Erzählens Luft holen, man wartet was derjenige noch zu sagen hat und dieser dreht sich einfach um, geht und war nie mehr gesehen.

„DNA-Spuren dieser Frau sind im Lauf vieler Jahre nahezu bei allen denkbaren Verbrechen gefunden worden. […..]
In Ungarn hat sie eine junge Frau entführt, gequält und mit ihren eigenen Haaren erwürgt,
in Prag gab es diese Giftserie, bei der sie sicher sind, sie wars,
in der Nähe von Warschau hat sie drei junge englische Adelige aufgehängt,
in Genua einem Obdachlosen die Nieren herausgeschnitten und in München einen Journalisten die Eier,…..“
(S. 24)

Was erwartet einem also auf diesen 200 Seiten, wenn es keine Story gibt? Das ich Euch sagen. Nämlich Früher-war-alles-besser-Mimimi, dann war es doch wieder nicht so toll. Erzwungene und aufgesetzte Komik, inklusive Möchte-gern-cool-rüberkommen-Sprüche. Der Protagonist mag diese Leute nicht und er mag jene nicht, alle doof außer ich und Sexgeschichten bis zum Erbrechen. Dabei zieht er sich Koks, Benzos und Alkohol rein, wie andere ihr tägliches Essen. Und dies von Anfang bis Ende…wobei es ja irgendwie kein Ende gibt. Da ist dem Autor wohl, wie dem Protagonisten auch, der Stoff ausgegangen.
Kurz gesagt – to much of nothing.

Fazit:
Verschwendete Lesezeit, mehr gibt es von mir diesbezüglich nicht zu sagen.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen

 

  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. Oktober 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783423142519
  • ISBN-13: 978-3423142519
  • Preis: 9,90€ (Stand vom 24.02.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book, HC, HB und Audio-CD

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Weitere rezensierte Bücher des Autors

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Autoren-Info
© pertramer.at

Thomas Glavinic wurde 1972 in Graz geboren und arbeitet seit 1991 als freier Schriftsteller. 1998 erschien sein viel beachtetes Debüt ›Carl Haffners Liebe zum Unentschieden‹, das vom ›Daily Telegraph‹ zum Buch des Jahres gewählt wurde. 2001 folgte der Roman ›Der Kameramörder‹, für den Glavinic mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. Weitere Romane folgten. Thomas Glavinics Werke sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien ›Unterwegs im Namen des Herrn‹. Er lebt in Wien.

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10 Kommentare zu „Rezension „Lisa“ von Thomas Glavinic ★

  1. Autsch, für dich also ganz klar #Buchshit – hätte ich mit dem Kauf wohl doch bis zu deiner Rezi warten sollen! Aber hab die Hörbuch-Fassung, da erträgt sich eine schlechte Story besser ;P Nein, ehrlich, wenn es mich bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht abgeholt haben, werde ich es abbrechen – aber neugierig auf das ende bin ich ja jetzt schon. Dein bildliches Beispiel dafür finde ich grandios 😀

    Mukkelige Grüße :-*

    Gefällt 1 Person

    1. Wer weiß, vielleicht kommst Du wirklich mit einer 5-Sterne-Rezension an. Manchmal scheinen Hörbücher wirklich besser wegzukommen als die Bücher selbst. Ist ja auch bei einem anderen Leseflop von mir „Winterkartoffelknödel“ auch so. Viele sagen das HB sei Wahnsinn und das Buch, ich sag es wie es ist, scheiße. Tja, bei mir landet dieses Buch auf jeden Fall in der Stations-Bibliothek. Dann können sich die Patienten über etwas anderes aufregen als das Essen XD.
      Bin schon gespannt auf Deine Meinung, selbst wenn sie kurz ausfallen sollte :-*

      Gefällt 1 Person

      1. Wohl wahr! Bei einigen Hörbüchern hab ich mir schon gedacht, dass sie mich als Print nicht so abgeholt hätten oder ich sie gar abgebrochen hätte. Ich höre im Verlauf des Tages und gebe auf jeden Fall Rückmeldung – das ich Konter-Programm fahre hättest du ja jetzt eigentlich verdient! *lach :-*
        Und ist doch fein, wenn du damit deine Patient*inne unterhältst xD

        Gefällt 2 Personen

  2. Ich komme mit dem Autor gar nicht klar. Ich war schon bei einer Lesung von ihm und fand sein Buch äußerst wirr. Außderm finde ich es komisch, dass in seinen Büchern jeder Protagonist Jonas heißt 😉 Nach der Lesung wusste ich einfach, dass seine Bücher nichts für mich sind. geschmäcker sind eben verschieden – Gott sei Dank!
    Liebe Grüße
    Martina

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Martina,
      ihn selbst finde ich jetzt auch nicht unbedingt sympathisch XD, aber seine Bücher finde ich eigentlich toll. Sie bewegen sich zwischen Roman und Weird Fiction. Diese Kombo ist nicht für jeden und hängt ganz vom Lesegeschmack ab und wie Du schon sagst, GsD ist der nicht bei allen gleich. Wär ja sonst wirklich a fade Gschicht ;-).
      Welche Bücher hast Du von ihm schon gelesen?

      Liebe Grüße aus Wien
      Conny

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  3. Hmmm „Antwort“-Button nicht da, kriegst halt so noch ein Kommi reingeschoben 😀

    Ohja, so viele Eindrücke teilen wir, deswegen hätte ich gedacht das … aber … okay, ich heule noch etwas und dann ist auch gut, mehr Luc für mich ;P

    Mal sehen wann ich für „Lisa“ Zeit finde, habe gerade „Odinskind“ auf den Ohren und das sind ca. 23 Hörstunden (MP3) und da ich Glavinic auch als CD habe, höre ich es nicht über die App – aber allein um zu sehen wie ich es wahrnehme, im anderen Format, wird es wohl keinen Staub ansetzen 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Meine Antwort-Buttons scheinen ja nach Lust und Laune zu verschwinden. Aber wir wissen uns ja eh zu helfen *g*

      Jap, Luc kannst Dir behalten XD Ich habe ja auch gedacht, dass…aber…hmpf…leider nicht.

      Nur keinen Stress mit „Lisa“. Ich denke die wird nicht schlecht XD.

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      1. Hat WP gerne mal, hatten das auch immer mal, bevor wir nun ein Kommi-Plugin nutzen.

        Zum heulen ist das mit Luc, aber wie gesagt, bleibt mehr für mich – irgendwann musste der Tag ja kommen, an dem unsere Meinung auseinander gehen ;P

        Laut deiner Meinung ise ja eh schon schlecht *lach

        Gefällt 1 Person

        1. Plugin kann ich keine nutzen, da ich nicht selbst hoste. Vielleicht werde ich das mal ändern, aber ich kenn mich da technikmässig nicht wirklich aus..weißt schon, technisches Nackerpatzl *g*

          XDD So gesehen, sehr viel schlechter kann’s nimma werden *lach*

          Gefällt 1 Person

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