Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen

Rezension „Erhebung“ von Stephen King ★

Der erste King, der mich wirklich enttäuscht zurück lässt.

Die Leichtigkeit des Seins einmal anders

Scott nimmt rasend schnell ab. Sein korpulentes Aussehen ändert sich trotzdem nicht. Und noch unheimlicher: Wenn er auf die Waage steigt, zeigt sie jeweils das gleiche Gewicht an, egal wie viel er momentan trägt, ob Kleidung oder gar Hanteln. Scott hat Angst, dass man ihn zum medizinischen Versuchskaninchen macht. Aber er muss es jemand erzählen. Zu Dr. Ellis hat er Vertrauen, aber auch der weiß keinen Rat….(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Stellten die Zeiger an einer Uhr und die Zahlen auf einer Badezimmerwaage nicht nur den Versuch dar,
unsichtbare Kräfte zu messen, die sichtbare Wirkungen hatten?
Die dürftige Bemühung, eine größere Wirklichkeit zu erfassen, die darüber hinausging,
was ein gewöhnlicher Mensch sich als Wirklichkeit vorstellte?“
(S. 23)

Scott ist ein Riese von einem Mann und der Ranzen hängt ordentlich über den Gürtel. Trotzdem zeigt die Waage stetigen Gewichtsverlust an – 1/2 kg täglich, Tendenz steigend. Ob nun mit oder ohne Bekleidung, oder ob er in sich hineinfrisst als gäbe es kein Morgen, die Kilos schwinden auf der Waage…NUR auf der Waage. Den Gewichtsverlust sieht man Scott keineswegs an.
Er weiht seinen Freund und ehemaligen Arzt Dr. Bob (kurzer Dschungelcamp-Aufblitzer) in diese mysteriöse Sache ein, denn langsam aber sicher bekommt er Panik.

So viel zur Story, welche durchaus interessant und nach einem typischen King klingt. Zugegeben, ich dachte beim Lesen des Klappentextes an „Thinner“, ein Stephen King-Roman aus dem Jahr 1984, doch das war es auch schon mit der Gemeinsamkeit, denn es passiert hier im Grunde rein gar nichts, zumindest bezüglich dieses mysteriösen Problems.
Man erfährt weder wieso, weshalb, warum, noch woher dieser Gewichtsverlust kommt. Auch den Protagonisten scheint es mit der Zeit nicht mehr zu interessieren. Ist ja eh wurscht, wiegt er eben irgendwann überhaupt nichts mehr. Stattdessen etnwickelt sich diese Novelle zu einem politischen Statement Kings.

„Er hatte die Messungen abgelehnt, weil Doctor Bob sicher nicht nur die Muskeldichte, sondern auch das Gewicht bestimmen wollte,
und Scott hatte eine Ahnung gehabt
– vielleicht war es auch ein tief greifendes Körperbewusstsein -,
sie sich nun als korrekt erwies.
Nach einem reichlichen Abendessen, gefolgt von einem nahrhaften Snack, wog er nur noch gut neunzig Kilo.
Der Prozess beschleunigte sich.“
(S. 64)

Die Story spielt in der Kleinstadt Castle Rock, welche normalerweise von skurrilen Figuren nur so wimmelt. Diesmal wird Castle Rock jedoch von typisch amerikanischen Kleinstädtern bevölkert – engstirnig, intolerant und verdammt christlich. Die zwei Lesbierinnen sind eine Ausnahme und werden natürlich von diesen Hinterwäldlern diskriminiert und angefeindet. Und dies ist auch das große Thema dieser Novelle.

© Pink Anemone

„>>Sie ist lesbisch. Wahrscheinlich wäre das okay, wenn sie es für sich behalten würden
– was hinter geschlossenen Türen passiert, interessiert bekanntlich niemand -,
aber sie legt Wert drauf, die Köchin vom Frijole als ihre Ehefrau vorzustellen!…<<“
(S. 45)

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es verdammt wichtig gegen Homophobie und allgemein gegen jegliche Intoleranz einzustehen, diese Thematik auch in Romanen zu verarbeiten, aber bitte nicht wie Stephen King in dieser Novelle.
Zum einen hatte ich das Gefühl, dass es einfach nur ein lieblos hingerotztes Werk ist, welches Tiefe vermissen lässt. Gerade diese Thematik, wenn wir schon beim Stoff der Intoleranz bleiben, hat etwas besseres verdient.
Zum anderen strotzt diese Novelle von gerade einmal 143 Seiten regelrecht vor Klischees. Da hätten wir natürlich die typisch amerikanischen Vollpfosten aus der Kleinstadt, dann der Held, welcher sich gegen diese biersaufenden und Flanellhemd-tragenden Intelligenzallergiker stellt und dabei sein eigenes Problem völlig vergisst, und dann natürlich die beiden Lesbierinnen, wobei eine ein schüchternes Mäuschen ist, während die andere die Kampflesbe wie aus dem Buche verkörpert.
Natürlich wendet sich am Ende alles zum Guten und das durch eine einzig kleine Aktion seitens unseres Helden, welche innerhalb weniger Minuten die beschränkten Homophobiker und deren eingefahrenes Weltbild bekehrt. Jaaa, klar.
Bei der Klappentext-Story tut sich hingegen nichts. Der Leser bleibt diesbezüglich im Unklaren und dann ist das Buch auch schon zu Ende – Klappe zu, Affe tot.

Fazit:
Das Einzige was mir nach Beenden des Buches durch den Kopf ging war: „WTF, was für eine hingerotzte Scheiße!“ So etwas bin ich von King absolut nicht gewohnt und daher auch dementsprechend enttäuscht. Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Diese King-Novelle kann man sich also getrost sparen.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen

 

  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (12. November 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453272021
  • ISBN-13: 978-3453272026
  • Originaltitel: „Elevation“
  • Preis: 12,00€ (Stand vom 05.03.2019)
  • Auch erhätlich als: E-Book, HB und MP3-CD
© Pink Anemone

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Weitere rezensierte Werke des Autors

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Autoren-Info
© Amy Guip 2006

Stephen King wurde am 21. September 1947 in Portland, Maine, geboren. Er zählt zu den erfolgreichsten Autoren des späten 20. Jahrhunderts. Insgesamt hat der vielfach ausgezeichnete Bestsellerautor über 40 Romane, über 100 Kurzgeschichten, Novellen, Drehbücher, Gedichte, Essays, Kolumnen und Sachbücher veröffentlicht. Ende 2003 erhält Stephen King den »National Book Award« für sein Lebenswerk. Weltweit hat er 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Mit seiner Frau Tabitha lebt er in Bangor, Maine. Stephen King hat eine Tochter und zwei Söhne.

Zwischen 1966 und 1970 studiert Stephen King Englisch an der Universität von Maine, wo er Tabitha Spruce kennenlernt und ein Jahr später heiratet. Nach seinem Examen arbeitet King in der Stadt Hampton in Maine als Englischlehrer. Mit Nachtschichten als Bügler in einer Wäscherei hält er sich über Wasser. In der wenigen Freizeit schreibt er Kurzgeschichten. Obwohl es ihm hin und wieder gelingt, eine Geschichte zu verkaufen, ist er noch weit davon entfernt, sich sein Einkommen allein durch seine Arbeit als Schriftsteller sichern zu können. Er schreibt mehrere Romane, für die er aber keinen Verlag findet. Er zweifelt an seiner schriftstellerischen Begabung. Später veröffentlicht er diese Romane überarbeitet unter dem Pseudonym Richard Bachman.

In einem gemieteten Wohnwagen beginnt King seinen Roman Carrie zu schreiben. Wie King später verrät, hielt er das Carrie-Manuskript beim Durchlesen für schlecht und beförderte es in den Müll. Seine Frau fischte es heraus und spornte King dazu an, das Buch zu vollenden. 1973 kauft der Verlag Doubleday den Roman. Die Veröffentlichung seines Debüts im Jahr 1974 und dessen erfolgreiche Verfilmung machen Stephen King schlagartig berühmt. Er entschließt sich, den Lehrerberuf aufzugeben und sich ganz dem Schreiben zu widmen. Wenig später erscheint sein zweiter Roman The Shining – sein erster Roman, der auf der Bestsellerliste erscheint. Mit ebenfalls großem Erfolg veröffentlicht King in den folgenden Jahren weitere Romane und Kurzgeschichtensammlungen. Viele seiner Romane wurden fürs Kino oder das Fernsehen verfilmt; im Jahr 2017 werden gleich zwei große Projekte auf die Leinwand kommen: Der Dunkle Turm und eine Neuverfilmung von ES.

Im Mittelpunkt von Stephen Kings Gesamtwerk steht der siebenbändige Fantasy-Zyklus Der Dunkle Turm um den Revolvermann Roland. King selbst bezeichnet den Dunklen Turm – eine Fusion aus verschiedensten Zeiten, Orten und Geschichten – als sein wichtigstes Werk.

»Die Leute denken, ich sei ein sehr merkwürdiger Mensch. Das ist aber nicht korrekt. Ich habe das Herz eines kleinen Jungen. Es steht in einem Glas auf meinem Schreibtisch.« Stephen King über Stephen King….(Quelle: Heyne-Verlag)

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3 Kommentare zu „Rezension „Erhebung“ von Stephen King ★

  1. Sorry, aber ich musste echt lachen – du sagst die Dinge immer so herrlich heraus! 😀

    Hier sind wir sehr unterschiedlicher Meinung, wobei ich denke das ich das Print – zwar nicht ganz so crazz wie du – aber auch als enttäuschend empfunden hätte. Die Hörbuch-Variante jedoch ist wundervoll, David Nathan haucht der Geschichte Leben ein und Emotionen, dieses Format konnte mich abholen und am Ende wirklich berühren! Aber das habe ich oft: Hörbuch begeistert, als Print enttäuschend. Ich habe bei diesem King nur das Hörbuch gehört,a ber als Print wäre es mir denke ich zu emotionslos und nicht aussagekräftig genug gewesen – aber das werden wir nie erfahren. „Gwendys Wunschkasten“ wird die einzige Geschichte bleiben, die ich von King gelesen und gehört habe.

    Mukkelige Grüße :-*

    Gefällt 1 Person

    1. Das habe ich nun auch schon öfters gehört – das HB’s oft besser als die Printversionen sind, da die Sprecher die Story in gewisser Weise rausreißen.
      Aber Du weißt ja wie das mit den Hörbüchern und mir ist. Ich hab’s ja probiert einmal neben dem Putzen zu hören….und dann stand ich mit dem Staubsauger mitten im Raum und anstatt zu saugen hörte ich ganz gespannt auf die Story. Jap, multitasking kann ich XD
      „Gwendys Wunschkasten“ ist ja auch eine Kurzgeschichte oder? Die lege ich mir auch noch irgendwann zu. Immerhin sammle ich doch alle Ersterscheinungen des Meisters 😉

      Knuddelige Grüße

      Gefällt 1 Person

      1. Gwendy ist sogar etwas zu kurz, aber im Gesamten fein zu hören und zu lesen, wie ich finde! Das mit den Sprecher*innen kann ich nur unterschreiben, aber auch verstehen, das dieses Format nicht allen liegt – bei Kurzgeschichten vielleicht zum einschlafen? (Ja, irgendwie versuch ich dich anscheinend anzuckern zu wollen *lach)

        Dicker Knuddler zurück ❤

        Gefällt 1 Person

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