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Rezension „Serienmörder des Dritten Reiches“ von Wolfgang Krüger ★★★★★

Erschütternd, sachl. informativ, gut recherchiert und das in einem fesselnden Schreibstil

Ein dunkles Kapitel der Geschichte wird noch dunkler

Auch in der vermeintlich fast lückenlos überwachten Diktatur des Dritten Reiches konnten Serienmörder ihr Unwesen treiben. Nach umfangreichen Recherchen legt Wolfgang Krüger nun einen weiteren Band zu Mordfällen aus der Zeit des Dritten Reiches vor. Diesmal begibt er sich auf die Spur unheimlicher Serienmörder. Er beschreibt detailliert die Verbrechen des berüchtigten Münchner Triebtäters Eichhorn und des Berliner S-Bahn-Mörders Ogorzow. Er zeichnet aber auch die Vorgehensweise der Dortmunder „Raubmord-GmbH“ nach, die Untaten eines Serienmörders am Rande des Schwarzwaldes, die erschütternden Morde eines Melkers, der 1940 innerhalb von drei Wochen die Mark Brandenburg, Magdeburg und das sudetendeutsche Eger heimsuchte, indem er vier kleine Mädchen an sich lockte, sie mißbrauchte und tötete. Schließlich wird der polnische Serienmörder Wignaniec geschildert, der als Fremdarbeiter im westfälischen Osnabrück drei seiner Landsleute ermordete und beraubte…(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Am späten Nachmittag des 24. Mai 1940 spielte auf dem Marktplatz des beschaulichen Städtchens Aken an der Elbe, wenige Kilometer von Dessau gelegen, eine klein Schar von Kindern.
Da trat ein Mann auf die fröhlich herumtollenden Kleinen zu und sprach gezielt ein kleines Mädchen an, nämlich die neunjährige Anni Hellwig.“
(S. 165)

Die Zeit des Dritten Reiches ist wahrlich ein schwarzes Kapitel in der Geschichte. Als ob diese Zeit nicht schon grausam genug gewesen wäre, als ob da nicht schon genug Morde im Namen des Führers verübt wurden, gab es trotzdem noch Mörder, welche in dieser Zeit noch zusätzlich für Schrecken sorgten. Serienmörder die ihren krankem Treiben nachgaben und in dem sich rühmenden Überwachungsstaat trotzdem lange Zeit unentdeckt blieben. Manche nutzten die Kriegssituation regelrecht aus und manche kamen aus den eigenen Reihen der SS.

© Pink Anemone

Hier werden sechs Serienmörder vorgestellt, welche von 1933-1945 ihr Unwesen trieben – ihre Taten, die Ermittlungen, sowie das Strafverfahren:

  • Johann Eichborn, der Frauenmörder von München
  • August Scheer und August Schulte – Die Dortmunder Raubmord-GmbH
  • Josef Schäfer – Der Serienmörder aus dem Schwarzwald
  • Rudolf Zimmermann – der Mädchenmörder der Mark Brandenburg
  • Paul Ogorzow – Der unheimliche S-Bahn-Mörder von Berlin
  • Antonin Wignaniec – Der polnische Serienmörder von Osnabrück
© Pink Anemone

In einem für Laien leicht verständlichen und äußerst plastischen Erzählstil, werden Biographie von Täter und Opfer aufgeführt und schließlich die Taten. Man erhält einen äußerst tiefen Einblick in die Ermittlungsarbeit und wie sich diese trotz Entbehrungen und Schwierigkeiten des Krieges gestalteten und am Ende natürlich das Strafverfahren.

„Deutschland befand sich im Kriegszustand, da konnte man sich langwierige Prozeßverfahren nicht mehr leisten. Aus diesem Grunde waren mit Ausbruch des Krieges auch Schwurgerichte abgeschafft worden.
Aburteilungen von Gewaltverbrechen hatten von nun an in der Regel vor einem Sondergericht zu erfolgen.“
(S. 58)

Diese Vorstellung von Serienmördern lesen sich aufgrund des flüssigen Schreibstils wie Thriller. Der Autor hat also durchaus Schreibqualitäten eines Krimi-Autors, wenn er sich auch hin und wieder wiederholt und bei den Beschreibungen des Ortes zu sehr ins Detail geht. Doch vor allem wurden diese Kriminalfälle von Anfang bis Ende gut recherchiert. Man erhält auch Einblick in Ermittlungsakten, Verhöre und Zeugenaussagen.

© Pink Anemone

Für schwache Gemüter und sensible Mägen ist dieses Sachbuch jedoch nur bedingt zu empfehlen.
Die Taten werden ebenso detailiert und bildhaft beschrieben , wie auch der Zustand der Leiche. Die Bilder, welche die Fälle begleiten, beinhalten nicht nur Zeitungsausschnitte, Tatort- oder Fahndungsfotos, sondern auch Bilder der Opferleichen bei der Entdeckung, darunter auch die von kleinen Mädchen. Während jetzt manche sicherlich diesbezüglich empört aufschreien und sich fragen, ob das in einem Sachbuch wirklich notwendig ist, habe ich eine andere Sichtweise und frage mich nur wie damals Ermittler mit solch grobkörnigen Bildern arbeiten, bzw. etwas sehen/finden konnten. Man sollte diese Bilder, so erschütternd diese auch sind, also vom forensischen Standpunkt aus betrachten.

© Pink Anemone

„Die Jahre gingen is Land.
Das Saarland kam 1935 wieder ans Deutsche Reich, die Hitler-Diktatur ewann 1936 durch geschickte Propaganda an internationalem Ansehen, als sie die Olympischen Sommer- und Winterspiele ausrichtete, das faschistische Italien überfiel Abessinien, in Spanien brach ein verheerender Bürgerkrieg aus.
In München und Umgebung dagegen setzte sich die Serie der Überfälle auf junge Frauen fort, doch alle Ermittlungen verliefen im Sande.“
(S. 26)

Am Ende des Buches befindet sich noch ein Literatur- und Quellenverzeichnis, wobei mich natürlich eher die Bücher interessieren.
Dieses Buch ist ebenso wie das bereits von mir vorgestellte Buch „Historische Serienmörder“ aus dem Hause Kirchschlager. Es ist der 2. band der Reihe „Kriminalfälle aus der Zeit des Dritten REiches“, kann jedoch, wie alle anderen Bände, eigenständig gelesen werden. Das Verlagshaus Kirchschlager ist allgemein zu Büchern mit dieser Thematik zu empfehlen.

Fazit:
Dieses Buch konnte mich trotz der Thematik fesseln. Es ist gut recherchiert, sachlich informativ, keineswegs reißerisch und lässt den Leser in die dunkle Aera des Dritten Reiches eintauchen und Tätern, wie auch Ermittlern gleichermaßen über die Schultern blicken.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Weitere Buchinformationen

 

  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: Kirchschlager, M; Auflage: 1 (1. November 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3934277551
  • ISBN-13: 978-3934277557
  • Preis: 18,95€ (Stand vom 13.03.2019)
© Pink Anemone

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Ihr wollt noch länger bei True Crime und Serienmördern verweilen? Dann stöbert Euch doch durch unser Special „Wahre Verbrechen – Ein Blick hinter die Fassade“. Der nächste Beitrag erscheint übrigens am Sonntag bei Christin. Verlinkung erfolgt im Beitrag.

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