Rezensionen · Romane

Rezension „Kill ‚em All“ von John Niven ★★★★★

Der neue Niven mit dem alten Steven Stelfox ist da und wieder bin ich restlos begeistert.

Money, Money, Money IS funny in the rich man’s world

2017 – die Ära von Trump, Brexit und Fake-News. Zwanzig Jahre sind seit Steven Stelfoxs mörderischem Rundumschlag in Kill Your Friends vergangen. In Gott bewahre trat er noch einmal als unerbittlicher Juror der größten amerikanischen Casting-Show in Erscheinung.
Nun, mit siebenundvierzig Jahren genießt er ein geruhsames Jetset-Leben. Wenn er Langeweile hat, verdingt er sich als Berater in der Musikindustrie. Und löst Probleme.
Und sein alter Freund James Trellick, mittlerweile CEO der größten amerikanischen Plattenfirma, hat ein massives Problem: Sein Künstler Lucius Du Pre ist der erfolgreichste Popstar auf Erden. Nun ja, er war der erfolgreichste Popstar auf Erden. Inzwischen ist er ein hoffnungsloser Junkie und unberechenbares Sexmonster. Um die irrsinnigen Vorschüsse wieder einzuspielen, ist eine weltweite Comeback-Tour geplant. Doch dafür müsste er erst wieder in Form kommen. Und es gilt einen Erpressungsversuch abzuwenden – ein Video mit kompromittierenden Szenen, das nie an die Öffentlichkeit gelangen darf….(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Falls ihr euch in den letzten fünfzehn Jahren den Taliban angeschlossen, in einer Höhle gehaust, Nagelbomben gebaut und Bergziegen penetriert haben solltet, stelle ich mich gerne noch mal kurz vor….“
(S. 10)

Trigger: Sexismus, Rassismus, Pädophilie, Drogen- und Alkoholmissbrauch

Der Oberarsch ist wieder da! Noch geld- und machtgeiler, mit einer Arroganz, die einem regelrecht entgegen springt, mit einem ausgeprägten sexistischem Arschlochgehabe und narzisstischer als Trump. Die Rede ist von Steven Stelfox.
In den 90ern Musik-Manager der über Leichen ging („Kill your Friends“), 2003 wollte er bei einer Castingshow Jesus persönlich übern Tisch ziehen („Gott bewahre“) und nun, mit 47, genießt er sein Leben mit seinen, mehr oder weniger, hart erarbeiteten Millionen. Doch Geld kann man ja bekanntlich nie genug haben und daher verdient er sich hin und wieder ein kleines Taschengeld hinzu (unter einem sechsstelligen Betrag läuft da natürlich gar nichts). Als Problemlöser, besser gesagt als „Consultant“, wenn Deals an Land gezogen werden müssen oder jemand im Showbiz abgesägt werden soll, dann ruft man Stelfox an.

Wo Stelfox ist, ist James Trellick nicht weit – Rechtsverdreher und Geschäftsführer eines Musiklabels und dieser benötigt nun genau solche Art von Hilfe.
Sein Star ist der erfolgreichste Popstar ever, quasi „The Emperor of Pop“. Dieser hat ein massives Drogenproblem, hat abstoßende sexuelle Vorlieben und wird nun erpresst. Das alles gerade kurz vor seiner Comeback-Tour und völlig pleite ist der auch noch. Keine Frage, hier muss einer her der keine Moral kennt und keine Skrupel hat – einer wie Stelfox und dieser hat eine ganz eigene Art mit Problemen dieses Kalibers umzugehen und diese auch zu beseitigen.

© Pink Anemone

Wir lesen hier aus mehreren Perspektiven. Allen voran natürlich aus Stevens Sicht, weiters aus die des problem- und medikamenten-durchgebeutelten Popstar, der Erpresser und aus der Sicht des Anwalts der Erpresser. Man ist also immer auf dem Laufenden. Beim Popstar wird schnell klar auf wen sich Niven hier eingeschossen hat. Auch wenn klar ist, dass es sich hier nicht um Michael Jackson handelt, so entdeckt man doch sehr viele Parallelen, auch wenn diese völlig gegenteilig sind.

„Lucius hatte – das bekam er schon seit Kindheitstagen zu hören – den Gang eines Schwarzen. Er tanzte wie ein Schwarzer. Er sang wie ein Schwarzer. Unglücklicherweise und zu seiner unendlichen Frustration war er von Geburt an weiß.
In den letzten zwanzig Jahren hatte er eine Reihe kostspieliger, gewagter und – in einigen Fällen – überaus unbedachte Operationen über sich ergehen lassen, um diesen Zustand zu korrigieren.“
(S. 32)

Das Lucius Du Pre, der besagte Popstar, völlig im Eckt steht, wird ebenso schnell klar. Zu Mißbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten und minderjährigen Jungen, kommt noch ein völlig verkorkstes und vor allem pathologisches Selbstbild hinzu.

© Pink Anemone

Stelfox ist das alles egal. Ihm geht es nur darum, das Problem in den Griff zu bekommen, eine Lösung zu finden und daraus natürlich auch ordentlich Kapital zu schlagen. Doch alles läuft aus dem Ruder und die einzige Frage die er sich dann stellt ist: „Über wieviel Leichen muss ich diesmal gehen?“

„…Ich meine aber auch, dass diese Idioten genau das sind, worauf die Millionen von hirnverbrannten, inzüchtigen, hinterwäldlerischen, arschgesichtigen Yankee-Raver stehen, die Woche für Woche die Clubs von Las Vegas bevölkern, um bei den Sets von Dj Rektalkrebs und MC Kacke-ich-hab-mich-eingeschissen den Verstand zu verlieren.“
(S. 48)

Steven ist noch immer der gleiche Arsch so wie wir ihn aus „Kill your friends“ und „Gott bewahre“ kennen – ein Unsympathler und geldgeiler Wichser ohne Gewissen. Political Correctness – Fehlanzeige und aufgrund der oben genannten Triggerwarnung sind manche Szenen wirklich harter Stoff.
Zwischen mir und diesem Protagonisten besteht so etwas wie eine Hass-Liebe. Ich hasse ihn als Mensch, aber liebe ihn als Protagonisten. Vor allem liebe ich jedoch die populistische Art des Autors uns den Kapitalismus, nicht nur in der Musikindustrie, vor Augen zu halten und das auf seine unvergleichliche Art und Weise – direkt, derb, schockierend, aber auch mit verdammt viel schwarzen Humor und Sarkasmus.

© Pink Anemone

„Lucius Du Pre ist pleite. Aber nicht so pleite, wie ihr das kennt.
Ihr Idioten, die ihr nichts besseres zu tun habt, als auf eurem dämlichen Arsch zu sitzen und ein beschissenes Buch zu lesen.“
(S. 53)

Beim Lesen wechseln sich Abscheu und Entsetzen mit Lachen und Spannung mit einem unglaublichen Tempo ab. Unzählige Wendungen halten einem auf Trab, während einem die heutige Gesellschaft und deren Sucht nach Fame und Geld vor die Nase geknallt wird. Das Ende ist absolut abgefahren, lässt einem böse grinsen und gleichzeitig auf eine Fortsetzung hoffen.

Dies ist übrigens der 3. Teil der Stelfox-Reihe, wenn man so will. Jeder Band kann aber durchaus eigenständig gelesen werden. Ich empfehle jedoch zumindest „Kill your Friends“ vor dem vorliegenden Buch zu lesen, um in die Stelfox-Welt einzutauchen.

Fazit:
Und wieder lässt mich ein Niven begeistert zurück und wieder kann ich mich nur wiederholen, indem ich sage, dass dieser Autor es einfach drauf hat die Leser zu schockieren, zum Lachen zu bringen und gleichzeitig über unsere kapitalistische Gesellschaft nachzudenken.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Bloggermeinungen

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Reihenfolge der Stelfox-Reihe
  1. „Kill your Friends“ (2008)
  2. „Gott bewahre“ (2011)
  3. „Kill ‚em all“ (2019)

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit herzlichen Dank an

  • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (21. Januar 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453271572
  • ISBN-13: 978-3453271579
  • Originaltitel: „Kill em all“
  • Preis: 20,00€ (Stand vom 19.03.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book, HB, MP3-CD
© Pink Anemone

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Autoren-Info
Bildquelle: BBC-Radio

John Niven, geboren in Ayrshire im Südwesten Schottlands, spielte in den Achtzigern Gitarre bei der Indieband The Wishing Stones, studierte dann Englische Literatur in Glasgow und arbeitete schließlich in den Neunzigern als A&R-Manager einer Plattenfirma, bevor er sich 2002 dem Schreiben zuwandte.
2006 erschien sein erstes Buch, die halbfiktionale Novelle Music from Big Pink über Bob Dylan und The Band in Woodstock; 2008 landete er mit dem Roman Kill Your Friends – einer rabenschwarzen Satire auf die Musikindustrie – einen internationalen Bestseller. Es folgten die Romane Coma, Gott bewahre, Das Gebot der Rache, Straight White Male, Old School und Alte Freunde. John Niven schreibt außerdem Drehbücher.
Er lebt derzeit in Buckinghamshire, England.

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2 Kommentare zu „Rezension „Kill ‚em All“ von John Niven ★★★★★

  1. Siehste, meine Frage ob ich Kill your Friends vorher lesen sollte, hat sich jetzt erübrigt. Das ist doof. Gott bewahre habe ich nämlich gelesen, aber Kill your Friends. Dann muss ich ja zwei Bücher auf meine Merkliste setzen. Wie furchtbar 😂

    Gefällt 1 Person

    1. XDDD Jap, einfach furchtbar mit all diesen Reihenbüchern. Bei dieser Reihe ist es aber nicht unbedingt ein Muss, aber es ist doch in gewisser Weise von Vorteil. Hach, ich weiß auch nicht. Ich bin in der Hinsicht ja auch etwas eigen und MUSS immer alles der Reihe nach lesen. Das ist da ganz schlimm mit mir XD

      Gefällt 1 Person

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