Rezensionen · Thriller/Krimis

Rezension „Totenfang“ von Simon Beckett ★★★★★

Nach enttäuschendem 4. Teil wieder ein typischer Hunter – spannend, wendungsreich und atmosphärisch

Die Backwaters spucken Tote aus

Hunter is back!
Sein fünfter Fall führt Dr. David Hunter in die Backwaters, ein unwirtliches Mündungsgebiet in Essex, wo die Grenzen zwischen Land und Wasser verschwimmen. Aber die wahren Gefahren lauern nicht in der Tiefe, sondern dort, wo er sie am wenigsten erwartet.
Seit über einem Monat ist der 31-jährige Leo Villiers spurlos verschwunden. Als an einer Flussmündung zwischen Seetang und Schlamm eine stark verweste Männerleiche gefunden wird, geht die Polizei davon aus, Leo gefunden zu haben. Der Spross der einflussreichsten Familie der Gegend soll eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt haben, die ebenfalls als vermisst gilt: Leo steht im Verdacht, Emma Darby und schließlich sich selbst umgebracht zu haben. Doch David Hunter kommen Zweifel an der Identität des Toten. Denn tags darauf treibt ein einzelner Fuß im Wasser, und der gehört definitiv zu einer anderen Leiche.
Für die Zeit seines Aufenthalts kommt David Hunter in einem abgeschiedenen Bootshaus unter. Es gehört Andrew Trask, dessen Familie ihm mit unverholener Feindseligkeit begegnet. Aber sie scheinen nicht die einzigen im Ort zu sein, die etwas zu verbergen haben. Und noch ehe der forensische Anthropologe das Rätsel um den unbekannten Toten lösen kann, fordert die erbarmungslose Wasserlandschaft erneut ihren Tribut… (Klappentext)

© Pink Anemone

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„Doch das Wasser treibt noch eine weitere Transformation voran. Die Weichteile zersetzen sich, die Fettschicht unter der Haut zerfällt und ummantelt den einst lebenden Körper mit einer dicken fettigen Hülle. Diese Substanz nennt man Adipocire oder Leichenwachs, sie ist aber auch unter einem weniger makabren Namen bekannt. Seife.“
(S. 8)

Für all diejenigen, die David Hunter nicht kennen:
Er ist freiberuflicher Anthropologe; er spricht die Sprache von Knochen, Fäulnis und Verwesung fließend. Hunter genoss bis vor kurzem einen hervorragenden Ruf auf diesem Gebiet und wurde nur zu gerne zu polizeilichen Ermittlungen hinzugerufen. Seit seinem letzten Fall steht er jedoch auf der Abschussliste und genießt bei der Polizei nun eher den Ruf einer Persona non grata. Er ist ein eher ruhiger Typ, kann aber auch ordentlich auf den Putz hauen, was so manche Narbe beweist. Er besitzt ein breitgefächertes fachliches Wissen, vertraut aber auch seinem Instinkt. David Hunter ist definitiv einer der coolsten Socken unter den vielen Ermittler-Protagonisten.
Dies ist der 5. Band der David-Hunter-Reihe. Die Bände können jedoch eigenständig gelesen werden.

© Pink Anemone

Seit Monaten erhielt David Hunter keine Aufträge mehr,ist nur noch an der Fakultät tätig und nun steht auch dieser Job auf der Kippe. Dies kratzt an seinem Gemüt, denn ohne Leichen ausbuddeln zu dürfen, um hinter das Geheimnis ihres Todes zu kommen, ist ihm langweilig. Doch das ändert sich rascher als gedacht und anders als erwünscht.
Hunter bekommt einen überraschenden Anruf eines DI aus Essex bezüglich Bergung einer Wasserleiche. Er fragt sich während des Telefonats, weshalb dieser so herumtruxt, nimmt den Auftrag aber nur zu gerne an. Und so begibt sich Hunter in die Backwaters, eine Sumpflandschaft im Süden Englands.

Sea-Forts / Bildquelle: Wikipedia

Die schließlich geborgene Wasserleiche soll der Sohn einer wohlhabenden Familie gewesen sein. Er war ein Weiberheld, trank gerne über den Durst, fiel schon in den Schulen unangenehm auf und wurde mehrmals wegen schwerer Körperverletzung angezeigt. Doch Leo Villiers war nicht bloss das schwarze Schaf der Familie, er wurde auch verdächtigt seine Geliebte, eine verheiratete Frau umgebracht zu haben, deren Leiche jedoch nie gefunden wurde.
Was Hunter dann auch noch zufällig im Wasser treibend findet ist ein Turnschuh. An und für sich nichts besonderes, wenn nicht noch der Fuß darin stecken würde. Hunter beschleicht ein ungutes Gefühl, sein Instinkt regt sich und er nimmt Witterung auf. Hier in diesem Ort geht etwas nicht mit rechten Dingen zu, die Bewohner sind äußerst auffällig und die Backwaters spucken noch eine weitere Leiche aus.

© Pink Anemone

„Die im Stacheldraht verfangene Leiche stieg langsam aus dem Wasser, Arme und Beine hingen wie die einer kaputten Marionette herunter. Als Fays Schrei ertönte, drehte der bleiche Schädel seine leeren Augenhöhlen dem Himmel entgegen. Dann, als würde er sich im Tageslicht zurückziehen wollen, versank der Körper wieder im Wasser und verschwand.“
(S. 200)

Endlich ist der „alte“ David Hunter zurück. Nach dem eher enttäuschenden 4. Teil, hatte ich schon die Befürchtung, dass dem Autor die Luft ausgegangen sei. Nach dem Schließen des Buchdeckels des vorliegenden Buches kann ich jedoch erleichtert behaupten, dass diese Befürchtung völlig unbegründet war.

Hier muss man als Leser wieder sehr achtsam sein, denn nichts ist so wie es scheint und wenn doch, entwickelt sich daraus etwas gänzlich anderes. Der Autor hat also wieder unzählige Wendungen eingebaut, die einem immer wieder überrascht ein „Ohh!!“ oder „Nein!!! Gibt’s doch nicht!!“ ausrufen lassen.

Die Verdächtigen kommen und gehen und wenn man eine Vermutung bezüglich des Täters hat, kann man diese nach ein paar Seiten wieder verwerfen. Man jagt also mit einem unglaublichen Tempo durch die Story, in der es permanent spannend bleibt. Am Ende führt Beckett alle Fäden zusammen und konnte mich auch mit der Auflösung nochmals überraschen.

„Der Wind trug die klagenden Schreie der Möwen heran, vermischt mit dem Geruch verrottenden Tangs und dem erdigen Aroma von Schlick. Das Mündungsgebiet sah bei Ebbe aus, als hätte ein Riese hier eine große Handvoll Erde weggenommen und nur Schlaff und Pfützen hinterlassen. DerAnblick erinnerte an eine Mondlandschaft, doch die nächste Flut war bereits im Kommen…“
(S. 23)

Simon Beckett ist ein Autor, der die Atmosphäre des Settings auf unglaubliche Weise einfangen und an den Leser transportieren kann, so auch hier. Obwohl man sich während des Lesens unter die Decke kuschelt hört man den Wind um die Ohren pfeifen, spürt den Regen und das Salzwasser im Gesicht, fühlt sich, als ob man ständig nasse Füße hätte und sieht die drückend grauen Wolken über sich…und die Leichen, welche aus den Backwaters an die Oberfläche kommen.
Hier hat der Autor also wieder alles richtig gemacht.

Fazit:
Ich dachte schon das war es mit meiner Lieblingsreihe, nachdem ich vom 4. Gand eher enttäuscht war. Doch nun bin ich wieder im Hunter-Fieber und kann es nicht erwarten den 6. Band zu lesen. Ich bin dann also mal Buch kaufen….

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Bloggermeinungen
Gabi von und zu Laberladen

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Reihenfolge
  1. „Die Chemie des Todes“ (2006)
  2. „Kalte Asche“ (2007)
  3. „Leichenblässe“ (2009)
  4. „Verwesung“ (2012)
  5. „Totenfang“ (2016)
  6. „Die ewigen Toten“ (2019)

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Weitere Buchinformationen

 

  • Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
  • Verlag: Wunderlich; Auflage: 4. (14. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783805250016
  • ISBN-13: 978-3805250016
  • Originaltitel: „The Restless Dead“
  • Preis: 22,95€ (Stand vom 20.03.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book, HB, TB und Audio-CD
© Pink Anemone

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Autoren-Info
Bildquelle: Amazon

Die Chemie des Thrillers: Simon Beckett zählt zu den weltweit erfolgreichen britischen Kriminalautoren. Geboren und aufgewachsen ist Beckett in Sheffield in England, in einer Stadt, die zur damaligen Zeit von der Stahlindustrie geprägt war. Viele Jahre lang arbeitete er als freier Journalist. Bei seinen Recherchen begleitete er unter anderem Polizeieinheiten bei Razzien. Der Besuch der „Body Farm“ in Tennessee, eines Freiluftlabors, welches der Erforschung postmortaler Veränderungen dient, inspirierte Beckett zu seiner Krimi-Serie um den Forensiker David Hunter. Diese in 29 Sprachen übersetzte, millionenfach verkaufte Serie entwickelte sich zu einem durchschlagenden Erfolg. Alle Bücher der Reihe „The Chemistry of Death“ von 2006 (deutsch „Die Chemie des Todes“, 2006), „Written in Bone“ von 2007 (deutsch „Kalte Asche“, 2007), „Whispers of the Dead“ von 2009 (deutsch „Leichenblässe“, 2009), „The Calling of the Grave“ von 2010 (deutsch „Verwesung“, 2011) und „The Restless Dead“ von 2016 (deutsch „Totenfang“, 2016) eroberten die Spitze der Bestseller-Listen. Zu den weiteren erfolgreichen Romanen Becketts außerhalb der Hunter-Reihe gehören „Animals“ von 1995 (deutsch „Tiere“, 2011) und „Stone Bruises“ von 2014 (deutsch „Der Hof“, 2014). Simon Beckett lebt mit seiner Frau in seiner Heimatstadt Sheffield (Quelle: Lovelybooks)

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13 Kommentare zu „Rezension „Totenfang“ von Simon Beckett ★★★★★

  1. Das klingt so super und ich bin total froh, dass der neue „Hunter“ so genial ist! Ich fiebere ja auch immer von Teil zu Teil und werde mir diesen hier als Hörbuch gönnen. Das kann ich in meine Leseplanung zwischenrein schieben. Denn ich mag nicht mehr länger warten, bis ich die Geschichte lesen kann! Es hat ja eh zu lange gedauert, bis es nach Teil 3 endlich weiter ging! Danke für diese tolle Buchbesprechung!
    GlG, monerl

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    1. Hallo Monerl,
      Eigentlich wollte ich mir ja heute noch den neuen Hunter kaufen, aber nun geht es für mich morgen erst auf Buchshoppingtour. Ich bin ja auch froh, dass die Reihe un wieder besser wird und ich hoffe es werden noch viele, viele Teile folgen…und hoffentlich nicht mit allzu großen Abständen XD

      Liken

  2. Hallo Conny,
    da bin ich aber froh, dass dieser Beckett wieder besser ist. Hatte Verwesung gar nicht erst gelesen, nachdem ich gehört hatte, dass dieser so schlecht sein sollte oder zumindest nicht so gut wie die anderen Bände. Aber vielleicht überspringe ich den dann einfach und lese direkt Totenfang, weil der 6. Band klingt auch wieder sehr gut. 😀
    Auch nochmal ein Kompliment an deine Art diese Rezension zu gestalten, das mit den Bildern zwischendrin gefällt mir ausgesprochen gut. Ich stöbere auf und lese deinen Blog einfach immer wieder gerne. :-*
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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    1. Hallo Diana,
      also meiner Meinung nach kannst Du „Verwesung“ getrost überspringen, da versäumst Du rein gar nichts. Ich bin in der Hinsicht nur etwas spleenig und MUSS immer alle Bände einer Reihe lesen. Das ist dann wie ein innerer Zwang, weil – man könnte ja etwas Wichtiges versäumen. Bei dem hier ist es aber definitiv nicht so.
      Ich werde mir morgen den neuesten Band holen, denn auf den bin ich wirklich schon neugierig. Der soll ja noch eine Nummer besser sein als seine Vorgänger.

      Vielen Dank für das Kompliment. Ich bin ja so eine Leser-Googlerin, um mir das Setting vorstellen zu können. Vor allem, wenn es sich um England handelt. Wenn ich dann tolle Bilder sehe, möchte ich sie mit Euch teilen. Ich finde sowas nämlich irrsinnig interessant und daher freue ich mich, dass es Dir gefällt.

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      1. Ach, ich bin da nicht so, ich kann gut auch mal einen Band überspringen. 😉

        Ich google ganz selten mal was, meistens wenn Klamotten oder andere Dinge genannt werden, die mir gar nichts sagen und ich mir einfach nur vorstellen möchte, wie denn die Figur aussieht.

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        1. Also mir sind da wieder die Klamotten sowas von Latte. Ich bin da immer eher an der Umgebung, ergo am Setting interessiert.
          Wobei man bei Beckett nicht wirklich ein Bild dazu benötigt, da er wirklich sehr atmosphärisch und bildlich schreibt. Auch ohne die Bilder konnte ich mir die Backwaters herrlich vorstellen, sogar um einiges düsterer und nasser *g*

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  3. Jap, ganz genau so hab ich das Buch auch gesehen (und genossen). Deine Rezensnion trifft’s wie immer perfekt.
    Und ganz besonders hab ich mich über Dein Foto von den Sea-Forts gefreut, denn genau so hatte ich sie mir vorgestellt. Was für ein Schauplatz!
    LG Gabi

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    1. Wie ich zu Diana schon sagte, im Grunde bräuchte man bei Beckett keine Bilder, da er so fabelhaft bildlich schreiben kann. Ich bin aber so eine typisch Lesegooglerin, zumindest was das Setting betrifft *g*
      Der neue Hunter liegt schon bereit *lechz*sabber*

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  4. Ich kann mich nur wiederholen: Ich LIEBE deine Fotos!!

    Wenn du „Totenfang“ gut fandest, wirst du „Die ewigen Toten“ lieben – ich fand Band 6 weitaus besser als Band 5 (= Aber du fandest den vierten ja enttäuschend, ich eher den fünften – weil sehr ruhig. HOLY was ist bei uns los, entfernen wir uns buchig o.O *ManStelleSichDenSchreiendenSmileyVor!! Aber das Foto von/mit Louis de Funès ist feinst!

    Mukkelige Grüße,
    Janna

    PS: „Gabi von und zu Laberladen“ herrlich 😀

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    1. Jap, es scheint so als würden wir uns bibliophil entfremden. OMG…unsere Beziehung steht auf der Kippe *kreisch* hier stelle man sich den Entsetz-Smiley vor*

      Den 6. Band habe ich mir unlängst gekauft (und noch 3 andere Bücher *hust*) und ich bin schon so neugierig darauf. Der Klappentext alleine klingt schon abgefahren und wie für mich gemacht *muahahaha*

      Knusserl

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        1. Naja, nach der Enttäuschung von Teil 4 wohl auch kein Wunder XD Huii, was freue ich mich auf den 6. Teil, aber erstmal warten da noch andere Bücher.

          Ich habe mir noch „Der Mann, der Sherlock Holmes tötete“ von Graham Moore und zwei Bücher aus dem Golkonda-Verlag gekauft.
          Tja, so ist das, wenn ich eigentlich nur ein Buch kaufen möchte. Ich komme immer mit mind. 3 nach Hause XD.

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