Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen

Rezension „KA – Das Reich der Krähen“ von John Crowley ★★★★★

Eine wunderbare Reise durch die Geschichte, Mythen und Legenden

Bevor ich mit Euch meine Meinung zu meinem Lesehighlight im Bereich Fantasy teile, muss ich erwähnen, dass dies mein letztes Buch für die Subventurchallenge #DasSuBabc ist *woohoooo*. Ich habe alle 13 Aufgaben erfüllt, womit ich niemals nie gerechnet habe und daher bin ich schon so ein bisschen stolz auf mich. Mein SuB ist durch diese Aktion jedoch nicht wirklich kleiner geworden, aber immerhin habe ich Bücher gelesen, welche schon ewig in meinen Regalen standen. Mein SuB und ich, wir werden wohl noch einige Zeit zusammen verbringen, aber so habe ich zumindest immer genug Bücher zu lesen…falls die Apokalypse oder ähnliches ausbrechen sollte 😉

Und nun reist mit mir und der Krähe Eichling nach KA…

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Krähen sterben, aber Alte Krähe stirbt nie

Die epische Saga über das Reich der Krähen, die Welt der Menschen und die unsterbliche Kunst des Geschichtenerzählens.
Dar Eichling ist die erste Krähe der Weltgeschichte, die einen eigenen Namen bekommt. Sie erfindet eine Sprache für das Krähenvolk, fliegt in die Anderswelt und stiehlt versehentlich die Unsterblichkeit. In zahlreichen Leben freundet sie sich mit Menschen aus verschiedenen Epochen an und entdeckt an der Seite des Heiligen Brendan Amerika – immer auf der Suche nach der Wahrheit über Leben und Tod. Bis sie in einer Zeit, in der unsere Welt bereits in Trümmern liegt, einen Menschen findet, dem sie ihre Geschichte erzählen kann. Denn wahre Unsterblichkeit liegt in den Geschichten, die immer weiter erzählt werden …(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Eine Reise in die alten Wälder, zu den versteckten Höhlen der wilden Tiere, zur Tür in ein Niemandsland. Wohin Äneas Odysseus folgte und Dante Virgil.“
(S. 553)

Alles beginnt in einer dystopischen Welt in naher Zukunft, in der Krankheiten und Seuchen die Welt in eisigem Griff haben. In dieser Zeit findet ein kranker Witwer eine verletzte Krähe in seinem Garten. Anstatt sie zu töten, päppelt er die Krähe auf und diese ist niemand geringeres als Dar Eichling.
Dar Eichling ist die älteste Krähe der Welt, denn er kann nicht sterben, bzw. wird er immer wiedergeboren. Er flog durch die Epochen der Zeit, hat viel gesehen, viel erlebt und hat auch gelernt mit manchen Menschen zu kommunizieren. Nun sitzt er bei dem alten Mann und dieser schreibt als Erster Eichlings Geschichten auf – vom Anbeginn der Zeit bis hin zum heutigen Tage. Eine Geschichte über Veränderungen, Entscheidungen, die Krähen und die Menschen, aber vor allem Geschichten über das Leben und den Tod ….. und somit treten wir in die Welt der Krähen ein.

© Pink Anemone

Dar Eichling ist der gefiederte Protagonist dieser Geschichte. Er war schon als Jungkrähe aufgeweckt und neugierig, wollte Gebiete entdecken, welche noch nie zuvor von Krähen gesehen wurden und flog daher immer schon weiter als andere Krähen. Dadurch entdeckte er als erste Krähe seiner Kolonie die Menschen, gibt als erste Krähe Dingen und auch den Krähen Namen. Man ist dabei als Eichling die Sprache der Menschen lernt, wenn er Schlachten beobachtet, wir erleben, wenn er mit Schamanen auf Reisen geht, wie Krähen zu Totenvögel wurden, die zwischen den Welten reisen. Man lebt mit Eichling, man stirbt mit ihm und man wird mit ihm wiedergeboren.

© Pink Anemone

„Denn es war eine Schlacht, und die Krähen selbst waren in dieser Schlacht und Gegenstand dieser Schlacht – ein Wort, das sie erst später lernen würden, ein Wort, das sie später oft erwähnten, manchmal begeistert, manchmal ehrfürchtig (oder so nahe Krähen diesen Gefühlen überhaupt kommen), denn es war eine Veränderung, die nie wieder rückgängig gemacht werden konnte, nicht über tausend Jahre, und die sie reich und viele und gefürchtet und geehrt machen würde. An diesem Tag koppelten sich die Krähen dieser Gegend an die Geschichte der Menschen an, und damit begann auch ihre eigene Geschichte.“
(S. 70)

Wer einen actiongeladenen High-Fantasy erwartet, wird enttäuscht sein, denn es handelt sich hier um eine ruhige, melancholische und auch sehr tiefsinnige Geschichte, ähnlich einer Sage.
Für diejenigen, die den Golkonda-Verlag bereits kennen, ist das vermutlich keine Überraschung, denn dieser ist für seine literarisch anspruchsvollen Bücher im Bereich Fantasy, SciFi und Phantastik bekannt. Das vorliegende Buch ist also nicht nur Fantasy, sondern enthält unglaubliche Sprachgewalt mit Tiefe, die einem mitreißt und in die Geschichte zieht aus der man nicht mehr auftauchen möchte. Dies liegt vor allem an John Crowleys Schreibstil – anspruchsvoll aber dennoch klar und flüssig, während der Erzählstil atmosphärisch und packend und die Story herrlich anders ist. Man spürt beim Lesen den Wind in den Flügeln und sieht die Landschaft unter sich vorbei gleiten, während man zwischen den Welten wandert.

Hier begibt man sich auf ein wahres Krähen-Abenteuer, blickt dabei durch den Nebel von Mythen und Legenden. Man reist mit Eichling durch die Zeiten, ist dabei als all diese Mythen und Sagen entstehen, welche sich heute noch erzählt werden. Doch eines wird niemals erzählt – es war immer eine Krähe dabei und diese Krähe war Dar Eichling.

© Pink Anemone

„In keiner dieser Geschichten wird allerdings erwähnt, dass eine Krähe auf dem Rahsegel oder dem Bug hockte, hin und wieder die Flügel spreizte, um das Gleichgewicht zu halten, den Kopf hierhin und dorthin wandte, aber fest und unverwandt in Richtung Westen blickte, und sein Bericht – wie zumindest er den Ozeanfluss zur anderen Seite schaffte -, ja, das war nie Bestandteil jener Geschichten.“
(S. 315)

Es ranken sich viele Mythen und Legenden um die schwarz gefiederten Vögel und sie spielten schon jeher eine wichtige Rolle in verschiedenen Sagen, Märchen und vor allem im Volksglauben.
In der nordischen Mythologie symbolisieren sie Weisheit, Odin war immer umgeben von seinen Raben Hugin und Munin, die ihm berichteten was auf der Welt vorging. Die keltische Göttin Morrígan wird von Krähen begleitet, wenn sie ein Schlachtfeld betritt und kann sich ebenso in eine verwandeln. Raben und Krähen wurden verehrt und erst durch die Christianisierung erhielten sie ihr schlechtes Image als Unglücksvogel und als dämonischer Begleiter.
Doch wie war es wirklich – die Geschichte der Welt, der Krähen und der Menschen? Mit diesem Fantasy-Epos erschuf der Autor eine weitere Sage von und über Krähen und wer weiß .. vielleicht steckt darin sogar ein Fünkchen Wahrheit 😉

„Das ist also die Geschichte, wie Eichling, der an einen Ort wollte, wo es keine Krähen gab, von allen Krähen zu einem wahren Reisenden wurde und, ohne weit zu fliegen, von einem Reich in ein anderes überwechselte, ein Reich, das so fern war, dass Leben und Tod dort anders waren, und zurückkehrte, um davon zu erzählen, falls es ein Zurück überhaupt gab.“
(S. 128)

Fazit:
Dies war für mich eines der wenigen Bücher, welches ich nicht zu Ende lesen wollte und zwar aus dem einzigen Grund – weil die Geschichte von Dar Eichling dann zu Ende ist, ich daraus auftauchen muss und nicht mehr mit der Krähe reise.
Obwohl dies ein sehr ruhiger Fantasy ist, konnte er mich vollends einfangen und mit sich reißen. Literarisch anspruchsvoll, mit einer dichten Atmosphäre voller Tiefe und einem unvergleichlichen gefiederten Protagonisten.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen

 

  • Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
  • Verlag: Golkonda Verlag; Auflage: 1. (9. Oktober 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3946503454
  • ISBN-13: 978-3946503453
  • Originaltitel: „Ka: Dar Oakley in the Ruin of Ymr“
  • Preis: 24,90€ (Stand vom 22.03.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book
© Pink Anemone

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Autoren-Info
Bildquelle: Wikipedia

John Crowley ist Science-Fiction- und Fantasy-Autor, Produzent und Drehbuchautor für Dokumentarfilme, sowie Dozent an der Yale University. Er studierte an der Indiana University. Sein bekanntestes Werk ist der Roman »Little, Big oder das Parlament der Feen.« 2006 erhielt er für sein Lebenswerk den World Fantasy Award.

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8 Kommentare zu „Rezension „KA – Das Reich der Krähen“ von John Crowley ★★★★★

  1. Es hat immer etwas besonders Bewegendes, wenn sich große alte Schriftsteller mit dem Tod beschäftigen, noch dazu, wenn es sich dabei um so einen geschichtengewaltige Autoren wie John Crowley handelt. Wollen wir hoffen, dass dieses Buch nicht seinen Schwanengesang darstellt, ist es doch eine Geschichte, bei der man sich vorstellen kann, dass sie nach dem vergehen der Menschheit ausgegraben und einer nachfolgenden Rasse als heiliges Buch dienen könnte – als Genesis, nicht als Apokalypse. Jede Seite daraus vibriert förmlich vor Mythenträchtigkeit.

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    1. Hier gibt es nichts hinzuzufügen, außer *hach und zustimmend nicken* Ach ne, natürlich fällt mir da doch etwas dazu ein nämlich – wenn wir Menschen uns wenigsten nur selbst dezimieren und ausrotten würden, doch wir reißen alles mit in den Abgrund – die Natur und vor allem die Tiere. Was mich jedoch wieder beruhigt ist, dass sich die Natur alles wieder rückerobern wird und es irgendwann auch wieder Tiere geben wird…

      Das war mein erster Crowley, wird aber mit Sicherheit nicht mein letzer sein. Des Weiteren bin ich wieder auf diesen Verlag aufmerksam geworden. Einer der wenigen Verlage, welche sich auch der Phantastik widmen und das auf einem doch anspruchsvollen Niveau….obwohl…Phantastik gehört für mich prinzipiell schon mal zu anspruchsvoller Literatur, mögen andere sagen was sie wollen, solange sie es nicht mit Fantasy verwechseln ^^

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      1. Golkonda ist ein Schmuckstück von einem Verlag, jawohl! Beinahe das gesamte Programm ist lesenswert! Wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre das neben Septime auch mein Lieblingsverlag um veröffentlichen zu dürfen. Und all die anderen Crowleys sind ja auch superfein. Ist halt trotzdem doch alles schwere Kost.

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        1. Wer weiß, vielleicht klopft eines Tages Golkonda bei Dir an…ev. mit Deinem geplanten Fantasy-Epos? 😉
          Ich war ja Samstags Buch kaufen…ja ok, es wurde mehr als ein Buch, aber das war vorauszusehen ^^ Ich habe mir gleich 3 Bücher aus dem Golkonda-Verlag gegönnt. Dieser Verlag war länger Zeit weg von meinem Radar.
          Und jetzt muss ich Septime googlen. Du machst mich noch fertig mit deinen Tipps….und arm XD

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      2. Und ja, die Welt wird uns abschütteln wie lästige Fliegen, wenn es erst einmal soweit ist und wir es übertreiben. Es ist reine Überheblichkeit, zu glauben, wir könnten ihr Untergang sein mit unseren kurzen Leben, während der Planet in Milliarden von Jahren denkt, auch das findet sich schön in der Geschichte wieder…

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    1. Dieses Buch ist wirklich ein Traum. Man darf sich nur nicht einen Fantasy im eigentlichen Sinn vorstellen, sondern eher so etwas wie eine Sage… ev. eine, die sich die Krähen heute noch erzählen 😉
      Ich liebe dieses Buch und es wird sicher noch einige Male von mir gelesen werden.

      Ich bin ja immer eher still und leise bei Euch unterwegs, was daran liegt, dass ich meist mit dem Handy bei Euch rumhopse, damit das Kommentieren aber eher schwierig ist. Leider kann man bei Euch auch kein Like hinterlassen.
      Also nicht vergessen, ich treibe mich immer irgendwo auf Eurem Blog herum XD

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