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Rezension „Werwölfe in Aremsrath“ von Tanja Hanika ★★

Ein Buch was viel verspricht aber leider nicht hält

Schauerroman ohne Schauer

1873 – Nachdem seine Familie von einem Werwolf getötet wurde, zieht es Paul zu seinem Onkel nach Aremsrath in die Eifel, wo er seine eigene Apotheke eröffnen möchte. Dort hilft er der Bürgerwehr im Kampf und Doktor Moriensius bei der Suche nach einem Heilmittel gegen die Werwolfplage. Minna ist ihm im Kampf gegen die Werwölfe eine besondere Hilfe und ein Lichtblick, während das Misstrauen der Menschen untereinander wächst. Ein Schauerroman, in dem die menschlichen Abgründe nicht weniger Gefahr verheißen, als die Werwölfe selbst…(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Schrecken. Verderben. Angst. Welches Wort ich wähle, spielt keine Rolle. Für mich fühlt es sich wie ein undefinierbares Unheil an, ein leises Grauen im Inneren, das wir Menschen gerne ignorieren und als Unsinn abtun, sobald wir den Kinderschuhen entwachsen sind.“
(S. 7)

Im Jahre 1873 gehen die Werwölfe um und das nicht in London oder Amerika, sondern in der Eifel. Doch hier ist es anders.
In den meisten Werwolf-Romanen tauchen diese Bestien plötzlich und überraschend auf, scheinbar aus dem Nichts. Bei Tanja Hanika weiß man um diese Gefahr, ziehen diese Ungeheuer immerhin schon seit Jahrzehnten durchs Land und zerfleischen unvorsichtige Leute und Reisende, welche sich in Vollmondnächten nach draußen oder in die Wälder wagen. Nun scheint sich jedoch etwas verändert zu haben. Die Werwölfe treiben nicht mehr nur in den Vollmondnächten ihr Unwesen und sie bleiben nicht mehr nur im Wald. Sie fallen in Dörfer ein, sprengen Feste und scheinen nun auch gezielt anzugreifen. Ist es möglich, dass diese blutrünstigen Bestien nicht nur animalisch und ihrem Trieb folgend agieren? Dass sie zu taktischem Denken fähig sind? Und wieso ist das Dorf Aremsrath ihr bevorzugtes Ziel?

Diese Fragen stellt sich vor allem Paul Landenberg, ein junger Apotheker, welcher erst vor kurzem zu seinem Onkel in dieses besagte Dorf gezogen ist. Doch er will nicht nur diese Fragen beantwortet haben, sondern diese Bestien ausrotten. Er hat nämlich noch eine Rechnung mit ihnen offen, nachdem ein Werwolf seine Familie getötet hatte. Gemeinsam mit Minna, Tochter des Hauses Vaermarstein, und den anderen Dorfbewohnern will er dieser Werwolfsplage endlich Herr werden. Doch die Werwölfe scheinen nicht das einzige Problem zu sein. Die Furcht der Dorfbewohner wandelt sich in Misstrauen gegenüber jeden. Jeder von ihnen könnte ein Werwolf sein.

© Pink Anemone

„Das Abendkleid der ersten von der Bestie angefallenen Frau hing ihr in Fetzen von ihrem toten Leib. Die Haut von der Kehle hinab bis zu ihrem Schoß war aufgerissen. Die Dunkelheit hüllte sie nicht ausreichend ein, um die angefressenen Gedärme zu verstecken, die aus ihrer offenen Bauchhöhle heraushingen.“
(S. 31)

Ich liebe Schauerromane von jeher. „Dr. Jekyll und Mr. Hide“, „Dracula“, „Frankenstein“, etc., können mich immer noch begeistern. dAher ging ich voller Freude und Erwartungen an dieses Buch. Doch im Gegensatz zu „Der Angstfresser“ konnte mich die Autorin diesmal nicht vom Hocker reißen. Waren meine Erwartungen zu hoch?
Dass zeitgenössische Autoren nicht mit den Klassikern mithalten könnten ist mir durchaus bewusst und daher schraubte ich zumindest diesbezüglich meine Erwartungen runter und trotzdem stellten sich weder Spannung, Atmosphäre, noch der wohlige Schauer ein.

Beginnen wir gleich mal mit dem Klappentext. Dieser verspricht mehr als der Inhalt hergibt – wesentlich mehr.
Ich freute mich darauf mit den Protagonisten in einem dunklen Labor zu stehen, um ein Gegenmittel gegen diese Wolfsplage zu erfinden. Tatsächlich ist von einem Gegenmittel aber erst auf den letzten 20 Seiten zu lesen und am Ende bekommt man nur über einen Brief erzählt, dass welches hergestellt wird. Ergo – nichts von einem kerzenbeschienenen und düsteren Labor in dem die Protagonisten tüfteln.

Dann hatte ich das Gefühl regelrecht durch die Geschichte gepeitscht zu werden. Alles zog so schnell an mir vorüber, sodass es mir fast unmöglich war mich auf die Geschichte und die Protagonisten einzulassen. Stellenweise war es durchaus spannend, doch diese Momente waren auch ziemlich schnell vorbei *peitsch*.
Zudem störte auch so mancher Logikschnitzer mein Lesevergnügen und am Ende blieben noch viele Fragen offen. Ich war jedoch allgemein mit dem Ende sehr unzufrieden und konnte hierbei leider nur mit dem Kopf schütteln.

Aufgrund dieses Tempos und das hier vermutlich zu viel in dieses 200-Seiten-Buch gepackt wurde, ging auch die Atmosphäre flöten. Die Autorin kann durchaus Atmosphäre erzeugen, das hat sie bei ihrem vorherigen Buch bewiesen, doch hier stellte sich diese nur mäßig bis gar nicht ein. Wenn nicht gerade Kutschen in diesem Roman vorkommen würden, hätte dieser Schauerroman in jeder x-beliebigen Zeit spielen können. Ich vermisste die Atmosphäre des späten 19. Jahrhunderts, daran dürften aber auch zum Teil die Protagonisten Schuld sein.

Und somit wären wir bei den Protagonisten.
Es fing an, dass Paul seinen Onkel immer nur mit dem Vornamen ansprach, als wären sie dicke Kumpels und hörte bei Minna, Tochter eines Adeligen auf, deren Jargon ebenfalls nicht der damaligen Zeit entsprach oder nur ansatzweise nahe kam. Die Figuren blieben alle bis zum Ende hin zusätzlich blass und eindimensional.

© Pink Anemone

Um nicht nur zu motzen und pingelig zu erscheinen, möchte ich nun auch etwas Positives von mir geben.
Das Positive an diesem Roman ist der einfache, flüssige Schreibstil der Autorin der mich, trotz der oben genannten Mankos, davon abhielt das Buch zur Seite zu legen. Des Weiteren schreibt sie äußerst plastisch, vor allem wenn es sich um blutige Szenen handelt. Hier hatte ich dann definitiv Bilder im Kopf.
Auch der Erzählstil ist packend und kann mit einem neuen Ansatz bezüglich Werwolf-Lektüre aufwarten. Hier liest man nämlich nicht nur aus der Perspektive von Paul und Minna, sondern auch aus der eines Werwolfs. Wohl nicht immer ganz überzeugend, aber dennoch spannend einmal durch gelbe Werwolfaugen zu blicken.

„Ein wohliges Kribbeln breitet sich in meinem Körper aus, das Gefühl in meinem Mund, das Fressen, es ist unbeschreiblich. Blut bedeckt meine Brust, meine Lefzen, meine gesamte Schnauze und sogar meine Vorderpfoten. Das, was da vor mir auf der Erde liegt, ähnelt keinem Menschen mehr. Es sind lediglich Überreste aus Knochen, Blut und Gedärm.“
(S. 57)

Fazit:
Möglich, dass ich nun kleinlich erscheine, vor allem bezüglich der anderen jubelschreienden Rezensionen, und möglich, dass meine Erwartungen zu hoch waren, doch mich konnte dieser Schauerroman leider nicht begeistern.
Ich denke, wenn der Roman ein paar (100) Seiten mehr hätte, dann hätte dies eine durchaus gute Gothic Novel werden können. Ein Roman mit mehr Atmosphäre, in dem man sich Zeit lässt diese entstehen zu lassen, in dem man sich Zeit für die Protagonisten nimmt und vor allem Zeit nimmt, um die Story zu kreieren, welche auf dem Klappentext steht.
Da ich jedoch weiss, dass die Autorin auch anders kann, wird dies trotzdem nicht mein letztes Buch von Tanja Hanika sein.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Von Janna

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Weitere Buchinformationen

 

  • Taschenbuch: 186 Seiten
  • Verlag: Independently published (20. November 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1729452272
  • ISBN-13: 978-1729452271
  • Preis: 11,99€ (Stand vom 21.04.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book
© Pink Anemone

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Autoren-Info
tanja hanika
(Foto: D. Pfingstmann)

Tanja Hanika wurde 1988 in Speyer geboren. An der Universität Trier studierte sie Germanistik und Philosophie. Nun lebt sie mit Mann, Sohn und zwei Katzen in der schönen Eifel.
Als sie mit ungefähr acht Jahren eine Kinderversion von Bram Stokers „Dracula“ in die Hände bekam, entdeckte sie nicht nur ihre Liebe zum Lesen, sondern wollte ebenfalls solche Geschichten erzählen. Auf einer alten Schreibmaschine entstanden erste Kurzgeschichten, die sie bis heute gut in einer Schublade versteckt hält.
Weitere Informationen zur Autorin und ihren Texten: www.tanja-hanika.de

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5 Kommentare zu „Rezension „Werwölfe in Aremsrath“ von Tanja Hanika ★★

  1. Hui, dich konnte es noch weniger abholen als mich, wobei du auch mehr im 19. Jahrhundert unterwegs bist. Ich hatte mir auch mehr erhofft, aber es darf unter ihren Büchern auch mal einen Ausreißer geben 😉 „Scream Run Die“ könnte ich dir empfehlen, unterhaltsamer Trash! „Zwielicht“ wartet hier noch auf mich.

    Ich verlink dich die Tage mal frech bei mir :-*

    Gefällt 1 Person

    1. Oh, ich dachte Du hättest es noch gar nicht rezensiert. Da muss ich natürlich sofort luschern gehen und werde Dich dann natürlich auch verlinken.
      Ja, bei historischen Romanen bin ich pingelig. Ich denke mir, wenn man schon einen Roman in der Vergangenheit ansiedelt, dann sollte es auch authentisch und „spürbar“ sein. Die Atmosphäre muss stimmen, ebenso die Figuren dementsprechend agieren und ev. auch die Sprache etwas anpassen, wobei mir klar ist, dass man sich diesbezüglich in der heutigen Zeit schwer tut. Aber ich gerade DAS liebe ich eben dann an gelungenen historischen Romanen/Thrillern/Horror. Hier hat mir das gänzlich gefehlt….und das nicht das enthalten war, was im Klappentext stand.
      Beide Bücher von Tanja sind schon auf meiner WL. Auf den Hexenhorror freue ich mich aber schon besonders, bin ich doch so eine kleine Heidin 😉

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  2. Ich muss das Buch lesen. Hab total durchwachsene Meinungen gesehn und ich fand ja Angstfresser nicht so gut, nun hab ich Angst, dass ich das hier noch weniger mag ;__; aber ich will mir erst ne eigne Meinung bilden *schiebt Buch vom SUB auf die Couch* So!

    Gefällt 1 Person

    1. Also bisher habe ich nur positive Rezensionen dazu gelesen. Ich springe da natürlich schon wieder aus der Reihe, aber ich bin eben eine sehr kritische Leserin.
      „Angstfresser“ fand ich persönlich wieder genial, vor allem weil da die Atmosphäre einfach gepasst hat.
      Bin gespannt was Du dazu sagst.
      Und eigene Meinung bilden ist immer besser 😉

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