Rezensionen · Sachbücher/Biographien

Rezension „To Marry an English Lord – Tales of Wealth and Marriage, Sex and Snobbery“ von Gail MacColl & Carol McD. Wallace ★★★★★

Viktorianische und Edwardische Epoche / Ein Sachbuch, welches nicht nur mit packenden und amüsanten historischen Informationen punktet

Die amerikanische High Society und der britische Adel

From the Gilded Age until 1914, more than 100 American heiresses invaded Britannia and swapped dollars for titles–just like Cora Crawley, Countess of Grantham, the first of the Downton Abbey characters Julian Fellowes was inspired to create after readingTo Marry An English Lord. Filled with vivid personalities, gossipy anecdotes, grand houses, and a wealth of period details–plus photographs, illustrations, quotes, and the finer points of Victorian and Edwardian etiquette–To Marry An English Lord is social history at its liveliest and most accessible…. (Klappentext)

© Pink Anemone

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„A fortune of only million is respectable poverty.“
(Ward McAllister – S. 10)

Gegen Ende des viktorianischen Zeitalters schossen in Amerika die Neureichen nur so aus dem Boden. In Übersee wuchs dadurch eine neue High-Society-Generation heran. Millionenschwere Geschäftsmänner, ihre Frauen und deren Töchter und Söhne. Das Einzige was ihnen fehlte, um in manchen Kreisen voll anerkannt zu werden, war blaues Blut und ein Adelstitel. Gegen ersteres konnte man nichts unternehmen, doch nicht so beim Adelstitel. Für was hat man denn schöne Töchter in die Welt gesetzt und Millionen gescheffelt?

© Pink Anemone

Und wo findet man am besten Blaublütler? Genau, in England. Dort wimmelt es ja nur so von Dukes, Earls, ganz zu schweigen von Prinzen und Prinzessinnen. Es wurde also begonnen die Töchter nicht nur in die hohe Gesellschaft Amerikas einzuführen, sondern man hat sie nun auch in England debütieren lassen.
Da im Vereinigten Königreich der Landadel zu verarmen drohte und die Neureichen aus Übersee mehr Geld hatten als sie ausgeben konnten, wurden dadurch die ein oder anderen Arrangements geschlossen.

In diesem Buch erfahren wir wie das ein oder andere Arrangement zustande kam, lernen dabei berühmte Personen und wichtige Familien kennen, erhalten Einblick in die unterschiedlichen Lebensweisen und in die Etikette der damaligen Zeit. Was bedeutete dies für die Töchter, was mussten sie über sich ergehen lassen und wie sehr musste Daddy dafür in die Tasche greifen? Es begegnen einem aber auch starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen, angefangen bei Queen Viktoria.

© Pink Anemone

Man blickt hinter die Kulissen des britischen Königshauses, verschiedenen Adelshäusern und auch in die der amerikanischen Aristokratie und Wallstreet. Man erfährt viel über die Mode, die damaligen Schönheitsideale, Klatsch und Tratsch und auch über das ein oder andere delikate Detail, aber auch über Architektur und die richtige Einrichtung und Dekoration. Man besucht Bälle, Parties, Modenschauen und natürlich Hochzeiten, aber auch Scheidung ist ein Thema. Dies und noch so viel mehr historische Informationen sind in diesem Buch enthalten.

© Pink Anemone

„Gentlemen do not smoke in a lady’s presence unless invited to do so. A gentleman who is smoking while out for a walk must instantly jettison his cigar if he meets a lady along the way.“
(S. 239)

Mit viel Witz und auch einer Spur von Ironie, werden einem hier auf packende Weise Teile der Geschichte näher gebracht, welche man in keinem Geschichtsbuch findet. Manchmal hatte ich meine Schwierigkeiten den vielen Informationen zu folgen, was jedoch an meinen eher spärlichen Englischkenntnissen liegt, aber für was gibt es Google-Translate 😉

© Pink Anemone

„Ladies and gentlemen both wore gloves on the dance floor; flesh never touched flesh. Kid gloves were supposed to fit so tightly that the outline of the fingernails was visible; the lasted for only one wearing. Fans were essential for more than flirtation, as crowded ballrooms often got very hot.“
(S. 93)

Doch dieses Sachbuch kann nicht nur mit Inhalt punkten, sondern auch mit der Aufmachung. Wenn Ihr schon das Cover wunderschön findet, dann werdet ihr von der Gestaltung des Inneren begeistert sein, denn auch hier lebt der Vintagestil weiter. Zudem beinhaltet dieses Buch unglaublich viele Abbildungen und Auszüge aus damaligen Zeitungen und Zeitschriften. Diese Kombination aus interessanten und fesselnden Informationen, reicher Bebilderung und Vintagestil, lässt einem regelrecht in die damalige Zeit eintauchen und mit viel zusätzlichen Wissen wieder daraus auftauchen.

© Pink Anemone

Fazit:
Obwohl ich mir, aufgrund meiner miesen Englischkenntnisse, zeitweise etwas schwer getan habe der geballten Ladung an Information zu folgen (kurioserweise hatte ich jedoch keinerlei Probleme den Humor und die Ironie zu verstehen), bin ich von diesem Sachbuch absolut begeistert. Hier erhält man Einblick in die Geschichte die sonst nicht oder nur gering behandelt werden, aber auch Einblick in eine ganz andere Welt – in die Welt der Aristokraten, Lord’s und Snobs.
Die Aufmachung ist noch zusätzlich ein Traum und daher ist dies ein wahres Schmuckstück unter den Sachbüchern, in dem man nur zu gerne mehrmals schmökert. Somit wurde dieses Buch nur zu Recht eines meiner Lesehighlights.
Tja, und ich werde mir wohl doch keinen englischen Lord angeln, um in einem englischen Herrenhaus mein Dasein zu fristen. Das gesamte Procedere ist mir eindeutig zu anstrengend, abgesehen davon, dass meiner Familie die Millionen fehlen 😉

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Weitere Buchinformationen

 

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Workman Publishing; Auflage: Reprint (1. August 2012)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 9780761171959
  • ISBN-13: 978-0761171959
  • Preis: 13,62€ (Stand vom 28.04.2019
  • Auch erhältlich als: E-Book, HB und Audio-CD
© Pink Anemone

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Autoren-Info
Gail MacColl

Cail MacColl ist eine Ehe-Therapeutin, die mit ihrer Familie in London lebt.

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Carol McD. Wallace
Bildquelle: Amazon

Carol McD. Wallace ist Autor und Co-Autor von mehr als zwanzig Büchern, zuletzt des historischen Romans „Leaving Van Gogh„. Sie lebt mit ihrer Familie in New York City.

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2 Kommentare zu „Rezension „To Marry an English Lord – Tales of Wealth and Marriage, Sex and Snobbery“ von Gail MacColl & Carol McD. Wallace ★★★★★

    1. Bitte gerne. Der Regisseur von Downton Abbey hat die beiden Autorinnen sogar als Hilfe hinzugezogen und angeblich selbst das Buch gelesen. Ich liebe solche historischen Sachbücher, welche einen in ganz andere Bereiche blicken lassen. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.

      Gefällt 1 Person

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