Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen

Rezension „Die Katakomben // Paris, Frankreich“ von Jeremy Bates ★

Horror-Thriller / Enttäuschung – flache Charaktere, lächerliche Auflösung, Klischees wohin man blickt

Sex, Drugs und Lächerlichkeiten

Paris ist als die Stadt der Lichter bekannt, eine Metropole berühmt für Romantik und Schönheit. Doch unterhalb der geschäftigen Straßen und Cafés liegen die Katakomben, ein Labyrinth aus zerfallenden Tunneln, angefüllt mit sechs Millionen Toten.
Als eine Videokamera mit mysteriösem Bildmaterial auftaucht, wagt sich eine Gruppe von Freunden in die Tunnel, um Nachforschungen anzustellen. Doch was als unbeschwertes Abenteuer beginnt, wird schnell zum Albtraum, als sie ihr Ziel erreichen – und auf das Böse stoßen, das dort lauert….(Klappentext)

© Pink Anemone

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„>>Ich will nicht so sterben, nicht hier, nicht so, nicht in einem Massengrab. Ich will nicht einfach nur ein weiterer Haufen namenloser Gebeine sein, von der Welt vergessen.
Diese Videokamera.
Diese verdammte Videokamera<<“
(S. 9)

„Die Katakomben“ gehört zu der Reihe „Die beängstigendsten Orte der Welt“ aus Jeremy Bates Feder. „Suicide Forest“ war der Auftakt dieser Reihe, man kann jedoch jedes Buch unabhängig voneinander lesen, da jede Story in sich abgeschlossen ist.

Nach dem 1. Teil dieser Reihe wollte ich diese Reihe eigentlich nicht mehr weiterverfolgen. Zu sehr war ich davon enttäuscht, vor allem vom Ende und den nervigen und blassen Charakteren. Das Setting der Pariser Katakomben hat mich jedoch zu sehr angefixt. Tja, hätte ich es wohl besser gelassen, denn „Die Katakomben“ ließ mich noch enttäuschter zurück als der japanische Selbstmordwald. Aber erstmal auf Anfang …

Die Katakomben von Paris bestehen aus dunklen Gängen, welche sich 350km wie ein Netz unterhalb von Paris schlängeln. Sie liegen ca. 20 Meter unter der Erde und werden hauptsächlich als Gebeinhaus genutzt. Nachdem 1785 mehrere Friedhöfe aufgelassen wurden, wurden tausende Schädel und Knochen in die ehemaligen Steinbrüche gebracht, in denen konstante Temperaturen von 14 Grad herrschen. Die Katakomben sind heute eine schaurige Touristenattraktion, wobei jedoch nur ein kleiner Teil für die Öffentlichkeit zugänglich ist, während der restliche Teil ein komplexes Labyrinth ist, eingebettet in tiefste Dunkelheit.

Mit Will, dem Protagonisten des Buches, begeben wir uns in einen dieser unbekannten Bereiche.
Der Amerikaner ist beruflich in Paris gelandet und hat hier Danièle kennengelernt. Sie und einer ihrer Freunde, Pascal, treiben sich öfters in den Katakomben herum, um diese unbekannten Bereiche zu erforschen. Diesmal ist es jedoch anders.
Pascal hat bei seiner letzten Tour tief in den Katakomben eine Videokamera gefunden. Diese zeigt wie eine Person hektisch und voller Angst durch die Gänge irrt, schließlich zu laufen beginnt und die Kamera schließlich vor Schreck fallen lässt. Danièle und Pascal möchten dem auf den Grund gehen und Danièle überredet Will in den finsteren Untergrund voller Gebeine hinabzusteigen. Mit von der Partie ist auch Rob, ein Kanadier und der Schwager von Danièle. Auch er will die unvergleichliche Atmosphäre der Pariser Katakomben endlich erleben. Es sei nur so viel gesagt – sie hätten es wohl besser lassen sollen.

© Pink Anemone

„>>Ich schätze mal, die Deutschen wollten nicht, dass die Frösche in ihr Versteck kamen.<<, sagte Rob.
Ich schüttelte den Kopf.
>>Es gibt nur diesen einen Eingang. Die waren dazu gedacht, die Leute DRINNEN zu halten.>>“
(S. 128)

Man liest aus verschiedenen Perspektiven, z.B. aus der von Danièle und von Pascal. Diese sind jedoch eher kurz gehalten, während Will hauptsächlich zu Wort kommt. Zwischendurch wird die Story von Zeitungsberichten unterbrochen und gewähren in bereits zurückliegende Vorfälle in den Katakomben.

Schon mit den Charakteren hatte ich so meine Probleme. Diese bleiben bis zum Ende hin eher blass und zudem nervten sie mich unheimlich. Das Mimimi von Pascal und Will ist fast nicht zu ertragen, Danièle ist eine manipulative und unsensible Tusse, einzig Rob sorgte bei mir hin und wieder für Schmunzeln. Trotzdem wollte ich jeden einzelnen von ihnen tot sehen und sehnte eine dementsprechende Handlung herbei.

Womit wir bei der Handlung wären.
Abgesehen davon, dass im Prolog schon viel zu viel verraten wird, entwickelt sich die Story leider in eine gänzlich andere Richtung als von mir erwartet und erhofft. Die Auflösung erfolgt übrigens schon in der Mitte des Buches und ich habe selten so einen Schwachsinn gelesen, der im Verlauf nicht wirklich besser wurde. Das Ende kostete mir daher nur einen müden Lacher. Im Grunde war der Rest einfach nur Blabla.
Apropos Blabla, auch hier schweift der Protagonist ständig in seine Vergangenheit ab, dies konnte zwar die Spannung nicht zusammenfallen lassen, da sowieso keine vorhanden war, aber es stört trotzdem. Vor allem da dies absolut keine Relevanz für die Handlung hat.
Dies habe ich schon bei „Suicide Forrest“ bemängelt und auch bezüglich der Dialoge scheint sich der Autor nicht weiterentwickelt zu haben.Zudem ist die Story vollgepumpt mit Klischees und Logikfehlern. Es wird sich trotz Schutzhelm der Kopf an einem Felsen blutig geschlagen (beim Gehen daran angestoßen), im ersten Absatz sind die Hände einer Person gefesselt, im nächsten doch wieder nicht, um im übernächsten plötzlich doch wieder gefesselt zu sein, etc.

© Pink Anemone

Während ich bei „Suicide Forrest“ von der Settingbeschreibung und der damit einhergehenden Atmosphäre begeistert war, ist dies hier leicht in die Hose gegangen. Der Autor schafft es nicht die drückende und unheimliche Stimmung der Katakomben einzufangen. Einmal, nur ganz kurz, sah ich sie vor Augen und es kam Gruselstimmung auf, doch das war’s dann auch schon.
In so manchen Dokumentationen und Reiseberichten werden die Pariser Katakomben besser und unheimlicher beschrieben als in diesem Buch.

„Ein weiteres Klicken. Fast wie das Geräusch, das man macht, wenn man mit der Zunge gegen den Gaumen schnalzt. Pascal erstarrte. Alles in ihm erstarrte.
Wer macht dieses Geräusch?
Was macht dieses Geräusch?
‚VERSCHWINDE VON HIER! GEH! JETZT!‘ er wirbelte zur Flucht herum.
Und schrie.“
(S. 180)

Der Schreibstil ist einfach gehalten und das Buch lässt sich dadurch sehr flüssig lesen. das war es aber auch schon mit dem Lob.

Fazit:
Ich habe das Buch zwar in einem Rutsch gelesen, ich wollte jedoch eigentlich nur, dass es so schnell wie möglich endet. Selten so einen Schwachsinn gelesen, angefangen über die flachen und nervenden Charaktere, über die lächerliche und blödsinnige Auflösung, welche einem schon in der Mitte vor die Füße geknallt wird, bis hin zu einer sinnbefreiten Handlung ohne Spannung.
Ich gebe Autoren gerne eine 2. Chance, diese hatte Jeremy Bates mit diesem Buch und hat es in meinen Augen völlig versemmelt.
Ob Jeremy Bates und ich diesbezüglich jemals Freunde werden, wage ich zu bezweifeln und ich würde nun gerne von mir behaupten diese Reihe nie wieder anrühren zu wollen … doch in Bezug auf die folgenden Teile, die noch folgen werden, kann ich für nichts garantieren: Helltown in Ohio – ein verlassene Indianersiedlung und Isla de las Muñecas – Insel der Puppen in Mexiko, auf der Hunderte verstümmelte Spielzeugpuppen in den Bäumen aufgehängt sind. Und wer kann bei so einem Setting schon widerstehen? So wie es aussieht wird der Autor von mir also noch eine 3. Chance bekommen.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Dieses Buch wurde in einer LR bei Christin von Life4Books gelesen. Wer sich spoilern lassen will, kann gerne unsere Eindrücke während des Lesens lesen.

© Christin von Life4Books

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Leseprobe

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Reihenfolge
  1. „Suicide Forest // Aokigahara, Japan“ (2017)
  2. „Die Katakomben // Paris, Frankreich (2019)
  3. „Helltown // Ohio (??)
  4. „Isla de las Muñecas // Mexico“ (??)

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit herzlichen Dank an den Luzifer-Verlag!

 

  • Taschenbuch: 450 Seiten
  • Verlag: Luzifer-Verlag (31. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958353851
  • ISBN-13: 978-3958353855
  • Originaltitel: „The Catacombs“
  • Preis: 13,95€ (Stand vom 05.05.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book

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Autoren-Info
Bildquelle: Amazon

Jeremy Bates ist ein kanadischer / australischer Autor. Er schreibt Spannung und Horrorfiktion, die typischerweise die dunklen Seiten der menschlichen Natur erforscht. Seine Arbeit ist reich an Atmosphäre und sensorischen Details. Die Romane in seiner „World’s Scariest Places“ -Reihe sind alle an realen Orten wie Aokigahara in Japan, Die Katakomben in Paris, Helltown in Ohio und Insel der Puppen in Mexiko angesiedelt. Sie wurden in mehrere Sprachen übersetzt, darunter Russisch, Tschechisch und Deutsch. (Quelle: Wikipedia)

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7 Kommentare zu „Rezension „Die Katakomben // Paris, Frankreich“ von Jeremy Bates ★

  1. Mich ärgert es bei Büchern ebenso wie bei Serien und Filmen immer fundamental, wenn eine sagenhaft toll klingende Idee verhunzt wird. Hier scheint das ja absolut der Fall zu sein. Die Beschreibungen klingen so vielversprechend. Was könnte man aus dem Plot alles machen?! Und dann sowas! Schade, schade, schade!

    Gefällt 1 Person

    1. Alleine aus dem Setting hätte man so viel machen und es in eine unheimliche Atmosphäre tauchen können. Die Katakomben selbst sind ja schon gruselig. Daraus ein Horror-Setting inkl. Horror-Plot zu erschaffen dürfte also nicht allzu schwierig sein.
      Wie Nicole in der LR so treffend sagte – der Autor versucht vieles gruselig und mysteriös erscheinen zu lassen, um dann alles rational zu erklären. War ja auch bei „Suicide Forrest“ so. Aber diese Auflösung war nun wirklich sehr schwach. Leider.

      Gefällt 1 Person

  2. Ehm, nö. Also wenn ich ihr da noch eine LR zu machen wollt, zum dritten Band, dann bin ich da raus – will mir nicht noch ein tolles Thema versauen lassen 😛

    Und oh, Gott, der HELM! nach der Szene hätte ich eigentlich das Buch zuklappen sollen, aber Neeeiiihn, dieser Gruppenzwang immer- ts!
    Ich nicke alles ab, weiß du ja auch 😛 und hoffe wir sehn uns in einer besseren LR mal wieder!

    „Die Brut“ ist noch fällig! Das schreit schon nach mir!

    Gefällt 1 Person

    1. Uiii ja, die Brut!!! Ich habe die komplette Reihe hier. Das wird für mich wohl eine wahre gruselige Geschichte. Habe eine leichte Arachnophobie *g*

      Jaaa, der Helm XD Vor allem, man schlägt sich ja nicht mal ohne Helm gleich den Kopf blutig wenn man bei einem Felsen anstößt..außer man hat einen ordentlichen Zahn drauf. Aber die sind ja nur gemütlich herum marschiert.
      Psst…ich muss noch immer über meine Vorstellung am Ende des Buches lachen (du weißt welche ich meine) XDDDD Nachts im Museum *hust*
      In einer LR werde ich eines seiner Bücher auch nicht mehr lesen, oder vielleicht doch? Ach, keine Ahnung, ich weiß ja nicht einmal, ob ich weiterlese oder nicht. Zumindest wüsste ich nun worauf ich mich einlasse.
      Bist Du auch diesen Monat bei der LR „Spuk in Hill House“ bei Nicole dabei?

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, Ende des Monats war die ja. Werd das Buch allerdings auf Englisch lesen 😉
        Wenn du bereit für die Brut bist, sag Bescheid, ich hab die ersten beiden Bände hier liegen 😀

        und jaaa, deine Endzeitversion bleibt mir für immer im Gedächtnis XD

        Gefällt 1 Person

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