Rezensionen · Rezept zum Buch · Thriller/Krimis

Rezension „Der letzte Spargel“ von Alexa Rudolph ★★★

Ein locker-leichter Frühlingskrimi mit einem holprigem Einstieg, noch etwas unausgereiftem Schreibstil und langem Ende.

Am Ende befindet sich ein Rezept zum Buch -> Spargel-Topfen-Mousse

Spargelsaison mal anders

Kommissar Poensgens wohlverdienter Urlaub nimmt ein jähes Ende, als seine ehemalige Vermieterin tot in ihrer Freiburger Wohnung aufgefunden wird – ermordet während der Zubereitung eines Spargelgerichts. Der charismatische Ermittler mit körperlichem Handicap begibt sich zwischen Rebenlandschaften und den Spargelfeldern des Kaiserstuhls auf die Suche nach dem Täter – bis er sich auf einmal selbst im Kreis der Verdächtigen wiederfindet…(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Sie sieht und hört schlecht, trotzdem weiß sie, dass plötzlich jemand hinter ihr steht, dass gleich etwas Furchtbares passieren wird. Sie riecht die Gegenwart des Ungeheuers. Eine Brühe aus kaltem Schweiß, warmem Atem und süßlichen Aftershafe schlägt ihr entgegen.“
(S. 9)

Kommissar Poensgen scheint Mord un Totschlag regelrecht anzuziehen, selbst in seiner Freizeit. Da will er nach Jahrzehnten mit einem Freund seinen Geburtstag in Wien feiern und schon liegt da ein erschossener Würstelverkäufer vor seinen Füßen. Doch auch zu Hause gab es einen Mord. Henriette von Schubert, eine wohlhabende Witwe von stattlichen 85 Jahren, wurde in ihrer Wohnung erschlagen. Da sie Poensgens ehemalige Vermieterin ist, trifft ihn das besonders.
Vorbei ist es mit Entspannung an seinen freien Tagen, Poensgen muss so schnell wie möglich zurück nach Freiburg, um den Fall selbst aufzuklären. Bei der Tatortbegutachtung begegnet er einem sprechenden Papagei und einem Dandy-Opa. Wer das schon für skurril hält, wird überrascht sein was sich noch so alles in diesem Krimi tummelt. Und während man schmunzelt und einem hin und wieder das Wasser im Mund zusammenläuft, begibt man sich auf die Suche nach dem Täter.

Hier begegnet einem ein ganz besonders Exemplar eines Kommissars. Poensgen ist 46, einer der besten Ermittler und ein kleiner Grießkram. Trockener Humor und Sarkasmus gehören zu seinem Grundwortschatz und er hat ein Handicap. Nein, diesmal kein Alkoholiker oder drogenabhängiger Kommissar, er hat wirklich ein Handicap. Er sitzt seit einem mißglückten Polizeieinsatz im Rollstuhl – hüftabwärts gelähmt. Wer nun denkt einen vor Selbstmitleid triefenden Ermittler anzutreffen irrt gewaltig. Poensgen lässt sich nämlich nicht durch so eine „Lapalie“ wie einen Rollstuhl aufhalten.

© Pink Anemone

„>>Gott sei Dank, der Schädel ist okay, der scheint zu funktionieren. Der Kopf ist der wichtigste Körperteil. Auf Beine kann ich verzichten<<, denkt Poensgen und spürt das Beißen seines Zynismus auf der Zunge wie zuvor den sauren Schleim.“ (S. 62)

Der Krimi besticht durch einen einfachen und flüssigen Schreibstil, doch der Erzählstil ist leider etwas ausschweifend, als ob die Autorin nicht wüsste wohin mit ihren vielen Ideen und Schmähs. Dadurch kommt es zu der ein oder anderen Länge. Auch mit dem eigenwilligen Deutsch der Autorin hatte ich manchmal zu kämpfen, hier ein paar Beispiele:

„Er hat noch nie mit einem Messer Spargeln geschält,…“ (S. 73

„Maria zieht ihre graugrüne Parka aus…“ (S. 179)

„Als er sicher sitzt, zieht er seine Sonnenbrille auf,…“ (S. 194), etc.

Hauptsächlich störte mich das ständig auftretende Wort „Spargeln“, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das ev. eine landesspezifische Pluralbezeichnung für Spargel ist. Ich als Österreicherin habe es jedenfalls noch nie gehört. Das Lektorat scheint hier jedenfalls auch nur huschwusch drübergelesen zu haben.
Durch diese Kombinationen wirkt alles etwas unausgereift.

Der Krimi strotzt nur so vor skurrilen Figuren, was anfangs durchaus amüsant ist, dem Krimi aber auch etwas das Genick bricht. Immerzu witzige Sprüche, die manchmal etwas aufgesetzt wirken und es wieder auf Kosten der Spannung geht, denn diese will sich leider so gar nicht einstellen. Zudem wirken die Protagonisten dadurch, und vor allem die Kollegen von Poensgen, als hätten sie alle zusammen einen IQ eines Styroporkugerls. Wirklich ernst nehmen kann man außer Poensgen niemanden.

© Pink Anemone

„>>Also, nun mal ehrlich, es ist doch so, Tragödien beginnen mit der großen Liebe und enden erst dann, wenn alle umgebracht sind…<<“
(S. 49)

Ab der Mitte des Buches bessert sich das jedoch. Es kommt Spannung auf und es werden auch ernstere Töne angeschlagen. Weiters steckt der Krimi trotzdem voller überraschender Wendungen und ich huschte dann nur so durch die Seiten. Leider wurde mir persönlich das Ende wieder zu sehr in die Länge gezogen – über knapp 50 Seiten.

Im Anschluß hält die Autorin noch ein Rezept für ein Spargel-Mousse bereit. Eines, welches die alte Dame nicht mehr genießen konnte.

Fazit:
Der Anfang gestaltete sich für mich etwas holprig und auch nervig, denn diese ewiglangen und sinnbefreiten Aus- und Abschweifungen, sowie der Überfluss an gestelzt wirkenden Schmähs, zerrten doch etwas an meiner Geduld. Zudem wirken Schreib- und Erzählstil noch etwas unbeholfen und unausgereift. Das änderte sich ab der Hälfte schlagartig und die Autorin scheint ihren Flow gefunden zu haben. Während ich an der ersten Hälfte zwei Tage las, verschlang ich die 2. Hälfte in einem Rutsch. Nur das Ende war wieder eine etwas langwierige Geschichte.
Im Großen und Gnazen ist es jedoch ein locker-leichter Frühlingskrimi, der mich vor allem durch den unkonventionellen Ermittler begeistern konnte.
Falls sich die Autorin entschließen sollte einen  zweiten Teil zu schreiben, würd eich ihn sofort lesen…vorausgesetzt sie verwendet das Wort „Spargeln“ nicht mehr 😉

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit herzlichem Dank an den emons-Verlag

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag (22. Februar 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783740802769
  • ISBN-13: 978-3740802769
  • Preis: 11,90€ (Stand vom 11.05.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book
© Pink Anemone

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Autoren-Info
Bildquelle: Emons-Verlag

Alexa Rudolph, geboren und aufgewachsen am Fuße des wildromantischen Wehratals im Schwarzwald, war zwanzig Jahre als freischaffende Malerin tätig. Seit 2006 schreibt und publiziert sie. Sie hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Mann in Freiburg. (Quelle: Emons-Verlag)

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Rezept zum Buch

Spargel-Topfen-Mousse

© Pink Anemone

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4 Kommentare zu „Rezension „Der letzte Spargel“ von Alexa Rudolph ★★★

  1. Hallo Conny,

    das klingt nach einem Debüt, dessen Autorin noch etwas Schreibpraxis fehlt. Wenn man das Buch ein bisschen mehr aufpoliert hätte, dann wäre es wirklich interessant gewesen.
    Ich mag es auch nicht, wenn zu viel bemühter Humor enthalten ist. Besser weniger Gags, aber dafür wirklich zündende. Wobei Humor und Witz ja absolut individuell sind und es auch sehr schwer ist, meinen speziellen Humor zu treffen.
    „Spargeln“ habe ich auch noch nie gehört. Vielleicht als Verb? Sie spargelten so vor sich hin??? *lach*. Nee im Ernst, das kenne ich gar nicht.

    Liebe Grüße
    Gabi

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Gabi,
      also ich hab vorhin nachgesehen. Die Autorin hat schon paar Bücher auf dem Markt, aber vielleicht muss sie noch ihren Stil finden.
      Also ich habe auch gerne Humor und Witz in einem Thriller/Roman, aber vermutlich finde ich nur bissigen und bösen Humor lustig XD. Es sollte meiner Meinung nach einfach nicht übertrieben sein und vor allem noch etwas Handlung zwischen den Gags.
      *lach* sie spargelten. Ich denke Du hast soeben ein neues Wort erfunden XD Sie gebrauchte es aber wirklich als Plural. Vielleicht ist es ja eher im Norden Deutschlands gebräuchlich, wobei die Autorin aus Freiburg kommt. Ich sollte mal gucken wo genau Freiburg liegt *g*.
      Wenn dies eine Reihe wird, dann werde ich mit Sicherheit auch den 2. Teil lesen. Ich mag den Protagonisten *g*

      Liebe Grüße
      Conny

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    1. Hihi, jap, schade um den Spargel, aber vielleicht wird’s ja noch was mit der Autorin. Immerhin hat sie ab der Hälfte ja noch die Kurve gekriegt und man sah durchaus Potenzial…ohne dem übertriebenen Schmäh 😉

      Liebe Grüße aus Wien
      Conny

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