Rezensionen · Rezept zum Buch · Romane

Rezension „Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger ★★★★★

Eines jener Bücher in das man ein- und nie wieder auftauchen möchte und einem lange in Erinnerung bleibt. Eine wahre Wohlfühl-Dystopie.

Im Anschluß gibt es einen Link zum „Rezept zum Buch“: Gebratenes Lachsfilet mit Knoblauch-Pilzen in Weißweinsauce

Schmetterlingseffekt

Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.
John Ironmonger erzählt eine mitreißende Geschichte über das, was uns als Menschheit zusammenhält. Und stellt die wichtigen Fragen: Wissen wir genug über die Welt, in der wir leben? Was brauchen wir, um uns aufgehoben zu fühlen? Und was würdest du tun, wenn alles auf dem Spiel steht? … (Klappentext)

© Pink Anemone

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„Am blassgrauen Himmel über Piran Head flogen an diesem Tag keine Flugzeuge. Auf dem Wasser waren keine großen Schiffe zu sehen. Keine Wanderer kamen über die Klippenwege. Kein Fahrzeug fuhr auf der Straße. Kein Strom floss durch die Kabel, kein Wasser durch die Leitungen. Die Radiosender sendeten keine Musik. Als die Dorfbewohner an diesem trüben Oktobertag erwachten, hörten sie nur das Schreien der Möwen, das Pfeifen des kalten Nordwindes und das Läuten zweier Kirchenglocken.“
(S. 347)

Was war zuerst da – der Wal oder der angspülte nackte Mann?
In dem kleinen Fischerdorf St. Piran an der Küste Cornwalls geschahen zwei besondere Ereignisse an einem Tag und innerhalb weniger Minuten. Es wurde ein Wal ganz nah an der Küste gesichtet und es wurde ein Mann an den Strand gespült. Zwei Ereignisse und beide führten dazu, dass in diesem kleinen Dorf ab diesem Zeitpunkt nichts mehr ist wie es einmal war.

Wie Joe wird man in St. Piran angespült. Es ist ein malerisches Dörfchen, von der Außenwelt nahezu abgeschnitten und mit gerade mal 300 Einwohnern. St. Piran wimmelt nur so von skurrilen aber äußerst liebevollen Figuren und jeden einzelnen schließt man sofort ins Herz. Jeder hat seine Eigenheiten, jeder seine kleine Geschichte und jeder seinen Grund in diesem kleinen Fischerdörfchen zu bleiben, anstatt in eine der größeren Städte zu ziehen. Dann ist da nun auch Joe, der ihnen im wahrsten Sinne vor die Füße gespült wurde und das kleine Dörchen somit in Aufruhr versetzt.
Joe ist, bzw. war, Börsenanalytiker einer Bank und sorgte mit seiner letzten Analyse in seiner Abteilung für einen Supergau. Er flüchtete und gelangte so auf sehr spektakuläre Weise nach St. Piran.
Im Verlauf erfahren wir, in Form von Rückblenden, was sich ereignete, was für ein Typ Joe vorher war und erhalten auch Einblicke was passiert, wenn nur ein Zähnchen im großen Zahnrad des Systems abbricht und somit unweigerlich zum Kollaps führt – ein wahrer Schmetterlingseffekt, der zu Krieg, Hunger, Pandemien und so zum Ende der Zivilisation und somit auch der Menschlichkeit führt. Doch dies scheint diesmal nicht nur bloße Theorie zu sein und im Verlauf spitzt sich die Lage zu und macht auch vor dem abgelegenem Dörfchen St. Piran nicht Halt.

© Pink Anemone

„Ein Mann in Irland klagte: >>Das schwarze Zeug ist alle.<<
>>Das Öl?<<, fragte Peter.
>> Kein Öl, du Pfeife. Guinness!<<“
(S. 338)

Es ist schwer dieses Buch in ein Genre einzuordnen. Es ist nicht nur ein Roman und nicht nur eine Dystopie.
In den mir bekannten Dystopien liegt die Welt bereits in Trümmern – hier ist man jedoch dabei wie alles seinen Anfang nimmt.
In den anderen Dystopien kämpft jeder gegen jeden, jeder konzentriert sich auf sein eigenes Überleben – hier sieht man wie es laufen könnte, wenn man sich die Menschlichkeit bewahrt und zusammenhält.
Und in anderen Dystopien läuft man durch ein Setting aus zerstörten Gebäuden mit beklemmender Atmosphäre, doch hier befindet man sich in einem malerischen Fischerdörfchen, mit weichem Sand unter den Füßen, weiß getünchten Häusern im Rücken und blickt auf das tiefblaue Meer.
Und dann ist da natürlich der Wal, der sich nah an der Küste aufhält und seine Fontäne in den regenverhangenen Himmel bläst. Dieser hat seine ganz eigene Aufgabe in diesem Roman.

Der Schreibstil ist klar und flüssig, mit ruhigen Tönen, wunderschönen Naturbeschreibungen und Wohlfühlatmosphäre. Das mag nun etwas kurios klingen, da es sich hier um ein beginnendes Endzeitszenario handelt, doch in diesem dystopischen Roman sind vor allem Zusammenhalt, Hoffnung und der Erhalt der Menschlichkeit die großen Themen. Hier entwickeln sich die Charaktere, ohne sich selbst zu verlieren.

© Pink Anemone

„>>Es gibt ein paar Dinge, auf die wir uns immer verlassen können, Joe.
Die Sonne wird morgen aufgehen. Wir sind alle sterblich. Und es wird immer Gesetze geben, die es zu befolgen gilt.<<“
(S. 299)

Man fühlt sich in diesem Roman/in dieser Dystopie so unheimlich wohl, spürt jedoch auch gleichzeitig die drohende Gefahr, welche in immer größer werdenden Schritten auf einen zukommt … und trotzdem würde man nicht weg wollen, genau so wie die Bewohner von St. Piran auch.

© Pink Anemone

Fazit:
Dieser dystopische Roman ist bedrückend, regt zum Nachdenken an und ist zugleich wunderschön und voller Hoffnung – quasi eine Wohlfühl-Dystopie.
Ich habe gelacht, ich habe auch das ein oder andere Tränchen verdrückt, habe mich nur zu gerne in diesem Fischerdörfchen aufgehalten und selbst ich Misanthropin, habe so ein kleines bisschen den  Glauben an die Menschheit gewonnen.
Es ist eines jener Bücher, in das man ein- und nie wieder auftauchen möchte und welches einem lange in Erinnerung bleibt. Ein Lesehighlight sondergleichen!

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit herzlichen Dank an S.Fischer-Verlag

 

  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
  • Verlag: S. FISCHER; Auflage: 3. (27. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3103974272
  • ISBN-13: 978-3103974270
  • Originaltitel: „Not Forgetting The Whale“
  • Preis: 22,00€ (Stand vom 15.05.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book, HB und Audio-CD
© Pink Anemone

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Autoren-Info
© Andrew Richardson / Bildquelle: S.Fischer-Verlag

John Ironmonger kennt Cornwall und die ganze Welt. Er wuchs in Nairobi auf und zog im Alter von 17 Jahren mit seinen Eltern in den kleinen englischen Küstenort, aus dem seine Mutter stammte. John promovierte in Zoologie; nach Lehraufträgen wechselte er in die internationale IT-Branche. Schon immer hat er geschrieben; seine Romane wurden in viele Sprachen übersetzt. Inspiriert zu »Der Wal und das Ende der Welt« haben ihn unter anderem die biblische Geschichte von Jonas und dem Walfisch, das Werk des Gesellschaftsphilosophen Thomas Hobbes, Jared Diamonds Sachbuch »Kollaps« und viele andere Quellen der Phantasie und des Zeitgeschehens. John Ironmonger lebt heute in einem kleinen Ort in Cheshire, nicht weit von der Küste. Er ist mit der Zoologin Sue Newnes verheiratet; das Paar hat zwei erwachsene Kinder und zwei kleine Enkel. John Ironmongers Leidenschaft ist die Literatur – und das Reisen auf alle Kontinente.

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Rezept zum Buch

Gebratenes Lachsfilet mit Knoblauch-Pilzen in Weißweinsauce

© Pink Anemone

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7 Kommentare zu „Rezension „Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger ★★★★★

  1. Och Conny, was soll denn das? *TitelAufWunschlisteNachObenSchiebenGeräusch, aber ich hatte es ja schon befürchtete! Deine ausgewählten Zitate und wundervolle Beschreibung der Geschichte verführen wirklich zum Lesen-wollen ❤
    Nur bei deinem Rezept passe ich diesmal – weder mag ich Lachs, noch Pilze …

    Mukkelige Grüße :-*

    Gefällt 1 Person

    1. Whaaat? Du bist ja wie eine Kombination aus meiner Mum und meiner Sis. Die eine mag keinen Fisch und die andere keine Pilze XD.
      Na vielleicht ist bei meinen nächsten Rezepten etwas für Dich dabei 😉
      Ich werde auf jeden Fall Deine Bärengrütze probieren. Ich esse derzeit sehr viele Beeren, da diese gute Radikalfänger .. usw. sind.
      Deine Grütze ist sicher auch ein tolles Topping für ein Porridge. (Wie sich das anhört „Deine Grütze XDDDD)

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      1. 😀 😀 Bin halt krüsch!

        Oh, die Grütze schmeckt echt super lecker! Bestimmt, dient auch super als Brotaufstrich und ist ja (sozusagen) ein Topping aka Soße für den Kuchen, passt also auch bei Milchreis, Porridge & Co. (=

        Gefällt 1 Person

  2. Auf die Rezension habe ich gewartet Conny, da ich das Hörbuch schon im Auge habe. Dystopie ‚im schön‘, da bin ich doch sehr gespannt. So wie du es beschreibst kann es mir ja nur gefallen.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    Gefällt 1 Person

    1. Es enthält zumindest keine Zombies XDD
      Ich bin mir sicher, dass es Dir gefallen wird. Bedrückend und doch so wunderschön zugleich. Also wenn die Apokalypse naht, dann ab nach Cornwall *g*
      Bin schon auf Deine Meinung gespannt.

      Liebe Grüße
      Conny

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