Fantasy / Horror / Sci-Fi

Rezension „Tief im Wald“ von Peternelle van Arsdale ★★★★★

Ein Schauermärchen der besonderen Art – melancholisch, ruhig und trotzdem düster und fesselnd.

Hör wie sie kratzt an deiner Tür

Alys ist sieben, als die Seelenesser eines nachts in ihr Dorf kommen. Am Morgen danach sind alle Erwachsenen tot. Alys und die anderen Kinder müssen fortan in einem Nachbardorf leben, wo die Menschen gläubig sind und das Biest fürchten, das tief im Wald lebt. Doch das Biest ist nicht das, was es zu sein scheint – ebenso wenig wie Alys. Das Mädchen spürt, dass es in seinem Inneren mit den Seelenessern verbunden ist. Als Alys älter und ihre geheime Gabe stärker wird, sehnt sie sich immer mehr nach der Freiheit jenseits des Dorfes. Da schlägt das Schicksal erneut zu, und Alys macht sich auf die gefährliche Reise in den dunkelsten Teil des Waldes … (Klappentext)

© Pink Anemone

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„Sie waren zu etwas anderem geworden und merkten, dass sie kaum noch ein Bedürfnis nach Essen oder Wasser hatten. Es gab so viele furchtsame, verunsicherte Seelen auf der Welt, die nur darauf warteten, gegessen zu werden. Alles, was die Schwestern tun mussten war, sie einzuatmen.“
(S. 22)

Alys ist ein siebenjähriges Mädchen, welches mit seinen Eltern in einem Dorf namens Weizheim lebt. Schon immer wusste sie, dass sie anders war als die anderen Kinder. Sie verspürte keine Angst, weder vor den Wölfen, noch vor den Seelenesserinnen und der Bestie, welche sich im Wald herumtreiben. Einzig vor der Nacht fürchtet sich Alys, denn sie konnte nicht schlafen … niemals.
Eines Nachts beschloss sie nicht mehr einfach still und wach in ihrem Bett auf den Morgen zu warten. Sie schlüpfte leise aus dem Bett und ihre kleinen Füße trugen sie wie von selbst auf das große Feld neben dem Wald. Plötzlich standen zwei Frauen vor ihr, die äußerst seltsam aussahen. Sie solle schlafen, sagten sie zu ihr und das erste Mal überkam Alys Müdigkeit und sie fiel in einen tiefen Schlaf, mitten auf dem Feld.
In dieser Nacht starben in Weizheim alle Erwachsenen, während die Kinder in einen tiefen Schlaf verfielen. Die Bewohner des Dorfes Schafsdorf nahmen sich der Kinder an. Es waren strenggläubige Menschen, die zum Hirten beteten, die Bestie und deren Seelenesserinnen fürchteten und den Wald mieden.
Doch seit dieser Nacht fühlte sich Alys dem Wald und dessen Kreaturen nah und verbunden, während sie sich in diesem Dorf immer fremder fühlte. Gehört sie etwa zu den Bösen? Ist sie verflucht? Und was hat es mit der Bestie und den Seelenesserinnen wirklich auf sich?

© Pink Anemone

„Wäre sie nämlich nicht so ungehorsam gewesen, dann gliche sie allen anderen Kindern in Weizheim. Sie wäre zwar immer noch eine Waise, aber wenigstens nicht böse.
‚Wenn etwas Besonderes an mir ist‘, überlegte sie, ‚dann, dass etwas mit mir nicht stimmt‘.
(S. 70)

Hier eröffnet sich einem eine wunderbare und düstere Geschichte zugleich. Eine Geschichte über ein Mädchen, welches sich nirgends zugehörig fühlt, nicht weiß, ob es gut oder böse ist und welches versucht Antworten zu finden. Es ist auch eine Geschichte über das Gute und das Böse, das Schönheit hässlich sein kann und das Gut und Böse nicht immer dort zu finden sind, wo man sie vermutet. Dies in einem Erzählstil, der an die ursprünglichen Grimms Märchen erinnert und einen ganz eigenen Sog entwickelt.
Es ist kein Fantasy- und kein Horror-Roman, sondern ein Märchen, welches eher ruhig daherkommt, durchzogen mit Passagen, die an einen Schauerroman erinnern, begleitet von Spannungsmomenten, Melancholie und zwischen den Zeilen eine wunderbare Message beinhaltet.

© Pink Anemone

„Es war der Wald, von dem Mütter und Väter ihre Kinder fernhielten. Von ihm handelten all die Geschichten, es war der Ort, an dem Albträume geboren wurden.
‚Es ist ein Wald wie jeder andere‘, sagte sich Alys. Und doch schien er ihr dunkler als alle, in denen sie bisher gewesen war.“
(S. 239)

Es wird aus der Sicht von Alys erzählt, hin und wieder unterbrochen von Passagen, welche den Leser in die Perspektive der Seelenesserinnen blicken lässt.
Während man Alys von Anfang an ins Herz schließt, mit ihr leidet, mitfiebert und ebenso wie sie die Antworten finden möchte, weiß man nicht so recht was man von den Seelenesserinnen halten soll. Man empfindet für sie Mitleid, findet sie faszinierend und zugleich auch abstoßend. Ebenso verhält es sich mit der Bestie, welche in den Wäldern lauert und immer wieder die Nähe von Alys sucht, bzw. fühlt sich Alys zu der dunklen Gestalt hingezogen.

© Pink Anemone

Im Verlauf der Geschichte kann man beobachten, wie sich Alys entwickelt und mit ihr entwickelt sich die Story, wird erwachsener, düsterer und auch spannender. Und so huscht man an der Seite dieses Mädchens durch das Buch und kann erst mit dem Lesen aufhören, wenn man die Antworten kennt und am Ende angelangt ist.

„Ihr Haar war lang und schwarz und wild, voller Blätter und Zweige. Ihre Kleider schienen ebenfalls aus Blättern und Zweigen zu bestehen … oder aus Erde, falls man aus Erde Kleider fertigen konnte.“
(S. 118)

Fazit:
Kaum zu glauben, dass dies ein Debüt einer jungen Autorin ist, denn der Schreibstil konnte mich von Anfang an begeistern und entführte mich in eine ganz besondere Welt eines Schauermärchens.
Schaurig, düster, ruhig und fesselnd zugleich und eine Geschichte, welche sich mit der Protagonistin weiterentwickelt und wächst.
Kurz – es bescherte mir herrliche Lesestunden und wurde für mich zu einem kleinen Lesehighlight.

„Die Bestie ist bös
Flüstert nachts in dein Ohr
Schlüpft in deine Träume
Hat noch was mit dir vor.

Du glaubst, in deinem Bett bist du sicher
Dich wird sie nicht fressen
Hat deine Mama nicht g’rad deine Wange geküsst?
O nein, die Bestie war’s … sie freut sich auf’s Essen!“
(S. 328)

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit Dank an Heyne-Verlag und Randomhouse-Bloggerportal

 

  • Broschiert: 384 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (13. Mai 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • Originaltitel: „The Beast is an Animal“
  • ISBN-10: 3453319915
  • ISBN-13: 978-3453319912
  • Preis: 14,99€ (Stand vom 13.07.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book
© Pink Anemone

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Autoren-Info
© Elena Seibert

Peternelle van Arsdale arbeitet als Lektorin, und hätte nie gedacht, dass sie selbst ein Buch schreiben würde – bis sie eines Tages eine Idee hatte … Tief im Wald ist ihr erster Roman. Sie lebt in New York City.

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6 Kommentare zu „Rezension „Tief im Wald“ von Peternelle van Arsdale ★★★★★

  1. Hallo du,

    uiuiui das springt direkt auf meine „Will ich Lesen … SOFORT!“ Liste. Ich liebe das Cover sehr und auch deine Besprechung lässt mich an der ein oder anderen Stelle gruseln – genau das richtige für mich! Horror oder Grusel lese ich im Sommer fast noch lieber als im Winter, denn eigentlich steckt ein kleiner Angsthase in mir und wenn es draußen schon dunkel ist, wenn ich solche Geschichten lese, muss Jürgen eben mit aus Klo gehen … 😀

    Ich warte ja immer noch sehnsüchtig auf ein neues Buch von dem Autor von „Hex“ aus dem Heyne Verlag … argh, aber dann kommt diese Rezension vielleicht gerade richtig und es kann mich über das Warte-Tief hinweg hieven.

    Lieben Dank für die spannende Rezi, fühl dich gedrückt!
    Antonie

    Gefällt 1 Person

    1. Uii siehst. HEX habe ich auch hier und wollte ich schon ewig lesen. Das kommt dann wohl nach „Nussschale“ *g*. Wollte das Buch nicht noch irgendwer aus unserer Truppe lesen?
      Es ist ja nicht wirklich gruselig, eher schaurig-gruselig, also ein Schauermärchen, aber irrsinnig atmosphärisch. Ich denke das Buch werde ich in der kalten Jahreszeit nochmals lesen (und ich lese selten ein Buch so knapp nochmals).

      Liebe Grüße aus Wien
      Conny

      Liken

  2. Hallo,
    ich war ja total neugierig, denn meistens wenn du ein Buch sehr gut besprichst, dann ist es auch was für mich.
    Leider muss ich sagen, dass mich Tief im Wald nicht direkt anspricht. Es klingt ja schon sehr interessant, aber nicht so, dass ich es direkt auf meine WuLi setzen würde. Was nicht an deiner Rezi liegt, die ist wieder toll. :-*
    Vielleicht muss ich ne Nacht drüber schlafen. 😉
    Liebe Grüße
    Diana

    Gefällt 1 Person

    1. Ach Diana, manchmal gehen die Geschmäcker eben auseinander. Wäre ja sonst gar arg langweilig und wir hätten nur noch die gleichen Bücher im Regal stehen *g*. Ich steh auf leicht melancholische Schauermärchen, Mythologie und so Krimskrams 😉

      Gefällt 1 Person

  3. Das Buch ist komplett an mir vorbeigegangen. Aber klingt gut und zeitgleich nach einem Buch, auf dessen Stil ich Lust haben muss. Mal schauen, ob es bei mir einzieht 😀

    Gefällt 1 Person

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