Rezensionen · Thriller/Krimis

Reihenvorstellung „Die Hexe von Fount Royal 1&2“ von Robert McCammon ★★★★★

Spätes 17. Jahrhundert / Atmosphärisch dichte historische Krimi-Reihe mit vielen überraschenden Wendungen.

Diese beiden Bände dieser Matthew Corbett-Reihe sind im Grunde ein Buch und im Original sind diese auch als solches erschienen. Daher habe ich beschlossen daraus eine Reihenvorstellung zu machen, nur den Klappentext des ersten Bandes hinzuziehen und ein allgemeines Fazit abzugeben.

Meine wehrten Damen – strafft Eure Röcke und rückt Eure Häubchen zurecht. Und Ihr, meine Herren, legt Eure Spazierstöcke beiseite und entzündet Eure Zigarren. Lauschet mir und ich werde Euch eine Geschichten über Fount Royal und dessen Hexe erzählen.

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Der Verfechter der Wahrheit

Geht eine Hexe in Carolina um? Das zumindest glauben die Bewohner der kleinen Stadt Fount Royal. Ihr Name ist Rachel Howarth, eine Fremde – wunderschön und mutig. Der fahrende Friedensrichter Isaac Woodward und sein scharfsinniger Gerichtsdiener Matthew Corbett sollen ihr den Hexenprozess machen. Aber Matthew zweifelt an den Anschuldigungen. Denn in Fount Royal gehen noch weitaus rätselhaftere Dinge vor. Und schon bald muss er sich mit Herz und Hirn dem wahrhaftigen Bösen von Fount Royal stellen … (Klappentext)

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„Es ließ sich nicht bezweifeln, dass die Siedlung von etwas Bösem befallen war, das während der verregneten Tage und finsteren Nächten wie Giftpilze aus dem Boden schoss. Das Böse hatte die Träume von Fount Royals Einwohnern infiltriert und trieb sie in den Wahnsinn.“
(Teil I. – S. 70)

Handlung
© Pink Anemone

In Fount Royal geschehen mysteriöse und grauenhafte Dinge. Die Einwohner sind sich einig, dass es dafür nur eine Schuldige geben kann und zwar Rachel Howarth. Die Leute sind ebenfalls davon überzeugt, dass sie eine Hexe und mit dem Teufel im Bunde ist und ihr daher der Prozess gemacht werden muss.
Nachdem der erste Richter auf dem Weg nach Fount Royal spurlos verschwand, machen sich der Richter Woodward und sein Gerichtsdiener Corbett auf nach Fount Royal, um diese Geschehnisse zu untersuchen und um dort endlich Recht zu sprechen. Corbetts Intuition sagt ihm, dass Rachel unschuldig ist, doch was geht in dieser Stadt wirklich vor sich? Denn das hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht ist nach wie vor Fakt. Mit dieser Meinung steht er jedoch alleine da und nicht mal sein Mentor schenkt ihm diesbezüglich Gehör, geschweige denn Glauben.
Und so macht sich Matthew alleine daran diese Dinge aufzudecken, deckt so manche Geheimnisse auf und lebt somit auf gefährlichem Fuß.

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Setting
Bildquelle: Spiegel.de

Wir befinden uns im Amerika des späten 17. Jahrhunderts, genauer gesagt in Carolina.
Dies ist eine noch sehr junge Kolonie und wird nun langsam von Engländern bevölkert. Meist von jenen, welche sich in der Neuen Welt ein besseres Leben erhoffen. Hier entstehen derzeit kleine Dörfer umgeben von einem sumpfigen Gebiet in dem es ständig zu regnen scheint und die Schwüle auf einen herabdrückt.
Im Süden von Carolina liegt Fount Royal. Diese Stadt, wenn man diese kleine Ansammlung von Häusern mit gerade einmal 100 Einwohnern so nennen möchte, ist gerade einmal paar Jahre alt. Aus dem Boden gestampft, um eines Tages ein großes Handelszentrum zu werden und um von hier aus Jagd auf die Südsee-Piraten und die Spanier zu machen. So stellt es sich zumindest das Stadtoberhaupt Mr. Robert Bidwell vor.

Wir betreten eine Zeit, in der man mit „Rothäuten“ entweder Handel betreibt oder Gefahr läuft von ihnen ermordet zu werden. Befinden uns in einer Zeit, in der die Hexenprozesse von Salem gerade einmal 7 Jahre zurück liegen und einem der tiefe christliche Glaube an diese Hexen glauben lässt. Und in einer Zeit, in der die gut situierte Bevölkerung afrikanische Sklaven hält und die Engländer mit den Spaniern im Kolonialskonflikt stehen.
Umbruch, Erneuerung und die Kolonialisierung Amerikas ist in vollem Gange. Eine spannende, wie auch harte und grausame Zeit.

„Plötzlich verstand er, warum Menschen das Bedürfnis hatten, Dörfer und Städte zu bauen und sie mit Palisaden zu umringen. Es war nicht nur, um sich vor den Indianern und wilden Tieren zu schützen, sondern auch, um sich die Illusion von Kontrolle in einer Welt zu erhalten, die zu groß war, um gezähmt zu werden.“
(Teil II. – S. 11)

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Protagonisten
© Pink Anemone

Isaac Woodward – Friedensrichter und schon ein älterer Herr, der dem Londoner Leben etwas nachweint. Er ist ein umsichtiger und ruhiger Mann, welcher eine gewisse Autorität ausstrahlt und trotz seines Alters auch etwas eitel ist. Doch er wird von Alpträumen aus seiner Vergangenheit geplagt und auch er hatte Grund in der Neuen Welt neu anzufangen.

Matthew Corbett – Anfang 20 und Woodwards Gerichtsdiener. Er kam auf einer Schifffahrt nach Amerika zur Welt und war ein Waisenkind, bis er mit 15 Jahren von Woodward aufgenommen wurde. Dieser war ab diesem Zeitpunkt sein Vormund und gleichzeitig erhielt er bei ihm die Ausbildung zum Gerichtsdiener.
Trotz seiner jungen Jahre besitzt er eine gewissen Menschenkenntnis und Intuition. Er ist ein scharfsinniger junger Mann mit einer großen Portion Neugierde und diese führt ihn nicht selten in Bedrängnis, führt aber auch dazu, dass er nicht aufgibt ehe er Antworten bekommt.

© Pink Anemone

„Doch obwohl der ältere Mann eine Nase hatte, die der eines Bluthundes glich, war es der Jüngere, der den Bluthundinstinkt besaß. Selbst die leiseste Andeutung eines Rätsels ließ ihn noch lange, nachdem der Ältere sich zurückgezogen hatte und in der Kammer schnarchte, grübelnd neben der niederbrennenden Kerze sitzenbleiben.“
(Teil I. – S. 13)

Rachel Howarth – Obwohl sie eher eine Nebenfigur ist, muss sie hier erwähnt werden, denn um sie dreht sich schließlich die Story.
Sie ist Mitte 20, die Tochter einer Portugiesin und eines Iren und daher von exotischer Schöhnheit. Ihr wird nachgesagt den Pfarrer und ihren eigenen Mann auf bestialische Weise getötet zu haben. Das schwerwiegendste Verbrechen, dessen sie beschuldigt wird, sind jedoch nicht die Morde, sondern das sie mit dem Teufel im Bunde steht, mit ihm perverse Handlungen praktiziert und Fount Royal verflucht hat. Vor allem auf die Männer scheint sie es abgesehen zu haben. So lauten zumindest die Gerüchte und jeder Bewohner der Stadt möchte sie endlich brennen sehen.
Seit drei Monaten sitzt sie bereits im Gefängnis und wartet auf ihre Verurteilung. Doch sie ist mutig, ließ sich nicht brechen und sie selbst behauptet unschuldig zu sein.

Auch die Nebenfiguren sind hier nicht zu verachten. Man begegnet Figuren, die man am liebsten quer durch die Seiten schnalzen möchte, wie z.B. den Gründer und Bürgermeister der Stadt Mr. Bidwell oder den Wanderprediger, der sich selbst Exodus Jerusalem nennt. Dann gibt es noch die guten Seelen, wie z.B. den Sklaven Goode und natürlich Figuren, bei denen man nicht so genau weiß woran man ist.
So mancher trägt ein Geheimnis mit sich rum und andere sind hier nicht diejenigen als die sie sich ausgeben. Dies sorgt zusätzlich für überraschende Wendungen.

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Schreibstil und Allgemeines
© Pink Anemone

Der Schreibstil war es, der mich von Seite zu Seite huschen ließ, denn dieser ist flüssig und steckt voller literarischer Sprachgewalt und Atmosphäre.
Der Autor schafft es ein unglaubliches Kopfkino zu erzeugen, sei es in Bezug auf das Setting oder bezüglich der Charaktere. Als Leser fühlte ich mich nahezu in diese Zeit hineinkatapultiert – spürte die drückende Schwüle in meine Poren dringen, sah Fount Royal mit seinen einfachen Häusern und Straßen vor mir und roch das Aroma der Sümpfe und der dichten Vegetation. Man taucht also mit Haut und Haaren in dieses Setting ein, während man durch die Geschichte fliegt.

„Die Blätter uralter Eichen und Ulmen, und auch die Nadeln der hohen Kiefern, waren finster statt grün, und die mächtigen Stämme von Moos und braunen Klumpen eines Pilzes gefleckt. Zu sagen, dass sich unter diesen Ästen eine Straße befand, war eine freizügige Verwendung des Wortes. Es handelte sich um ein fäulnisfarbenes matschiges Loch, das dem Nebel entstieg und auch wieder im Nebel verschwand.“
(Teil I. – S. 9)

Diese Geschichte wird auktorial mit Blick auf Matthew Corbett erzählt, welcher aufgrund seiner Neugierde in so manches Fettnäpfchen tritt, dadurch aber auch so einige Geheimnisse der Einwohner aufdeckt und somit der Lösung des Falls langsam aber stetig näher kommt. Für überraschende Wendungen ist hier also gesorgt, Verdächtige gibt es zur Genüge und ich musste auch das ein oder andere Mal schmunzeln.

Buchbeginn des zweiten Band / © Pink Anemone

Der 1. Band endet mit einem unglaublichen Cliffhanger, daher empfehle ich, sich sofort den 2. Band zuzulegen, sobald man während des Lesens des ersten Teils erkennt, dass einem die Geschichte liegt.

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Aufmachung
© Pink Anemone

Es ist selten, dass ich etwas über die Umgschlaggestaltung oder allgemein etwas über die Aufmachung von Büchern von mir gebe, doch hier muss es einfach sein.
Diese Reihe punktet nämlich nicht nur mit dem Inhalt, welcher mich schon restlos begeistern konnte, die Gestaltung ist hier ebenfalls nicht zu verachten.

Die Bücher sind von guter Qualität, mit Lesebändchen ausgestattet und sehen nicht nur mit Umschlag schön aus. Wenn man diesen entfernt, versteckt sich darunter ein Buch in Leinenoptik im klassischen Stil. Diese Reihe ist also auch eine wahre Augenweide und die Bücher sind kleine Buchregal-Schmuckstücke.

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Fazit
© Pink Anemone

Diese Reihe wird als historischer Thriller bezeichnet, ich finde jedoch, dass sie eher dem Genre Krimi zuzuordnen ist. Für mich hätte es nämlich ruhig etwas nervenaufreibender und blutiger sein können, doch das ist Meckern auf äußerst hohem Niveau. Diese historische Thriller/Krimi-Reihe lebt auf jeden Fall von seiner unglaublichen Atmosphäre und den Charakteren, welche immer für eine Überraschung gut sind.
Diese Reihe rund um Matthew Corbett wird von mir garantiert fortgesetzt werden und ich wage zu behaupten, dass es nicht lange dauern wird, bis die nächsten Bände auf meinem Nachttisch liegen, um mich in das noch junge Amerika zu entführen und mit dem neugierigen Corbett komplexe Fälle zu lösen.

Und somit lasse ich diese Reihenvorstellung mit einem weiteren Zitat enden:

„…>>Ich merkte, dass die Neue Welt sich nicht so sehr von der Alten unterschied. Es wurde auf die gleiche Art gesündigt, und es gab die selben Schurken. Nur dass es hier so ungleich MEHR Möglichkeiten gibt, zu sündigen und so viel mehr Platz dazu. Nur Gott weiß, was das nächste Jahrtausend mit sich bringen wird.<<“
(Teil I. – S. 488)

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe Band I.

XXL-Leseprobe über Luzifer-Verlag

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Reihenfolge
  1. „Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal“ -Band 1 & 2 (2017)
  2. „Matthew Corbett und die Königin der Verdammten“ – Band 1 & 2 (2018)
  3. „Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter“ (2019)

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Weitere Buchinformationen
Band I
© Pink Anemone

 

  • Gebundene Ausgabe: 516 Seiten
  • Verlag: Luzifer-Verlag (23. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Originaltitel: „Speaks the Nightbird“
  • ISBN-10: 3958351972
  • ISBN-13: 978-3958351974
  • Preis: 19,95€ (Stand vom 09.08.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book

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Band II
© Pink Anemone

 

  • Gebundene Ausgabe: 500 Seiten
  • Verlag: Luzifer-Verlag (31. Oktober 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958352308
  • ISBN-13: 978-3958352308
  • Preis: 19,95€ (Stand vom 09.08.2019)
  • Erhältlich auch als: E-Book

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Andere Bloggermeinungen
Bei Kristin findet man die Rezension zu Band 1 & 2

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Band I

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Rezension zu Band I

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Autoren-Info
Bildquelle: Luzifer-Verlag

Robert McCammon gilt als einer der prägendsten Autoren der Hochzeit der US-amerikanischen Horrorliteratur der 1980er Jahre. Nachdem sein Debütroman Baal die Verkaufsränge gestürmt hatte, avancierte McCammon zum Bestseller-Autor und wurde lange Zeit in einem Atemzug mit Stephen King genannt. Nach mehreren Ausflügen in die Welt des Horrors wollte sich McCammon jedoch auch in anderen Genres ausprobieren – eine folgenschwere Entscheidung, die zum Zerwürfnis mit seinem damaligen Verleger und einer zehnjährigen Schaffenspause McCammons führte. 2002 aber meldete er sich mit »Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal« (Speaks the Nightbird) wieder zurück – einer auf neun Bände ausgelegten historischen Krimireihe, angesiedelt im 17. Jahrhundert der neugegründeten amerikanischen Kolonien. Robert McCammon lebt in Birmingham, Alabama. (Quelle: Luzifer-Verlag)

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2 Kommentare zu „Reihenvorstellung „Die Hexe von Fount Royal 1&2“ von Robert McCammon ★★★★★

  1. *wedelt mit der Wunschliste*
    habs schon drauf stehen, aber ich weiß noch nicht wann ich dazu komme.
    Deine Vorstellung ist sehr gelungen und mir gefallen deine Bilder wieder super gut.

    Liebe Grüße
    Chrissi

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Chrissi,
      oh ja, das wär eine Reihe für Dich. Sind aber schon so kleine Wälzer XD. Ich wollte eigentlich gar nicht beide Teile hintereinander lesen, aber ich war dann so in der Story drin und wollte unbedingt wissen wie es weitergeht *g*.
      Vielen Dank für das Kompliment. Ich freue mich immer wieder, wenn jemandem meine (Handy-)Bilder gefallen :-*

      Liebe Grüße aus Wien
      Conny

      Liken

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