Comics / Graphic Novels · Rezensionen

Comic-Reihenvorstellung „Conan 1-3“ ★★★★★

Ich bin ein absoluter Conan-Fan. Ich sehe mir die Filme immer noch gerne an und gehöre wohl zu der seltenen Spezies, welche den Film von 2011 besser fand und das lag nicht nur an Jason Momoa.

Bildquelle: hollywoodreporter.com

Auch die Spiele zocke ich und habe natürlich auch die Bücher von Robert E. Howard gelesen. Nur an den Comics, und von denen gibt es ja auch schon einige Ausgaben, zeigte ich nie Interesse. Bis vor einem Jahr habe ich nicht wirklich Comics gelesen. Und dann erschien Ende 2018 beim Splitter-Verlag doch glatt eine Comic-Reihe zu Conan und dann auch noch gleich zwei Bände. Da habe ich natürlich nicht lange überlegt und mir sofort diese beiden Bände gekauft.

Nun gibt es endlich meine Reihenvorstellung dazu, denn wenn der Sommer bei uns schon wechselhaft und regnerisch ist, dann möchte ich zumindest lesetechnisch in heißere Gefilde und mit wem ginge das wohl besser als mit dem Cimmerier Conan?

Also begeben wir uns auf Reisen, in Begleitung eines ungehobelten Barbaren, der nur allzu gerne sein Schwert sprechen lässt und begleiten ihn auf seinen Abenteuern.

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Allgemeines zu Conan dem Cimmerier

Wenn man Conan kennt, weiß man was auf einem zukommt, nämlich Gemetzel und Vögelei. Conan scheint manchmal nicht die hellste Lampe im Park zu sein, aber das täuscht und trotz seines hohen Aggressionspotenzials, seines Machogehabes, welches hin und wieder zu Tage tritt und seiner ausgeprägten Libido, hat er das Herz am rechten Fleck und lebt nach Prinzipien, die durchaus Tiefe beinhalten. Er ist eben ein Barbar und lässt mal gerne seine Schwerter sprechen (man beachte hier die Doppeldeutigkeit 😉 ).

Wer die Romane von Robert E. Howard kennt, weiß, dass diese manchmal einen gewissen Sexismus beinhalten, welcher bei so manchen Feministinnen Würgereize auslösen. Hier sei jedoch erwähnt, dass dieser Sexismus bei Howard aber auch in die andere Richtung verläuft, ergo doch irgendwie wieder Gleichberechtigung. Ein starker, muskelbepackter und furchtloser Conan und starke Frauenfiguren, diese nur eben wesentlich sexier und nackter.
Auch Klischees und Flachwitze halten Einzug, aber Mann … die Storys sind einfach sowas von genial und wenn man die Storys näher betrachtet, stehen viele Frauenfiguren den Männern in nichts nach.

Robert E. Howard / Bildquelle: Splitter-Verlag

Als Robert E. Howard-Bewunderin war ich also äußerst gespannt, wie die Originalstorys in diesen Comics adaptiert wurden, ob überhaupt und ob eine eher weichgespülte Version daherkommt.

Und somit begeben wir uns nach Stygien und Khemi, in einen Dschungel und in heiße Wüstengefilde …

© Pink Anemone

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Reihenvorstellung Band 1-3

I. „Die Königin der schwarzen Küste“ von Jean-David Morvan & Pierre Alary ★★★★
© Pink Anemone

„>>Ich bin Conan, ein Cimmerier. Ich hatte so viele Ränge und Auftraggeber, dass ich mich nicht mehr an alle erinnern kann. Angeblich soll ich sogar mal König gewesen sein. Wenn das wahr ist, so habe ich es vergessen. Ich war wohl zu besoffen.<<“
(Teil I. – S. 10)

Conan muss aus Stygien flüchten, nachdem er bei Gericht einen Richter einen Kopf kürzer machte – im wahrsten Sinne. Auf der Flucht gelangt er auf ein Schiff und verdingt sich als Beschützer vor Piraten ein kleines Zubrot. So gelangt er nach Kush, ein Gebiet in dem die Königin der schwarzen Küste regiert. Sie ist die gefürchtetste Freibeuterin und sie hat das Schiff, auf dem sich Conan befindet, im Visier.
Es kam, wie es kommen musste – nun rauben und plündern sie gemeinsam und verbreiten Angst und Schrecken … und das Abenteuer beginnt.

Ich muss gestehen, dass ich vom Zeichenstil anfangs eher enttäuscht war. Kennt Ihr die Bösewichte aus den frühen Zeichentrickserien, wie z.B. „Captain Future“? So in etwa sieht Conan aus, dabei guckt er ständig, als wäre er mit Drogen vollgepumpt und würde sich auf einem Trip oder einem psychotischen Schub befinden. Da hatte ich noch keine Ahnung, wer hier für die Illustrationen zuständig ist und musste mich vorher näher darüber informieren. Aha, der Franzose Pierre Alary. Das erklärte mir dann auch so einiges, denn die Franzosen haben doch einen ganz eigenen Zeichenstil, wie ich finde. Tja, selber schuld, wenn man sich das vor dem Kauf nicht näher ansieht.

© Pink Anemone

Nun wollte ich aber trotzdem wissen, wie die Story hier umgesetzt wurde und ich muss sagen – ich bin immer noch begeistert. Conan wie er leibt und lebt, wenn man so sagen will. Gemetzel, Erotik und Abenteuer, gewürzt mit coolen Sprüchen und Atmosphäre. Es wird schmalzig, blutig und spannend und auch der wohlbekannte melancholische und nachdenkliche Ton schwingt zwischendurch mit.

© Pink Anemone

Schnell war die Enttäuschung bezüglich der Illustrationen vergessen und ich gewöhnte mich sogar daran. Dies lag dann nicht nur an der Story selbst, sondern auch an der passenden Colorierung, welche diese typische Conan-Atmosphäre hervorzurufen weiß. Keine Spur von einem weichgespülten und modernisierten Conan. Die Macher stützen sich auf die ursprünglichen Roman Howards und das liest und spürt man.

Am Ende erhält man noch Informationen zur Entstehung der Original-Shortstory des historischen Fantasy von Robert E. Howard und auch speziell zur Story „Die Königin der schwarzen Küste“.

© Pink Anemone

„>>Ich überlasse es den Gelehrten, den Priestern und Philosophen, über die Frage von Realität und Illusion zu meditieren. Ich weiss nur eins … Das Leben ist ein Hirngespinst, also bin auch ich eines. Folglich ist die Illusion meine Realität. Ich lebe, ich brenne in der Hitze des Lebens, ich liebe, ich töte und das ist gut genug für mich.<<“
(Teil I. – S. 24)

Weitere Buchinformationen
© Pink Anemone

 

  • Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
  • Verlag: Splitter-Verlag; Auflage: 1., (20. November 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • Originaltitel: „Conan le Cimmérien-La Reine de la côte noire“
  • ISBN-10: 3962192026
  • ISBN-13: 978-3962192020
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Preis: 15,80€ (Stand vom 12.08.2019)

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II. „Natohk, der Zauberer“ von Vincent Brugeas & Ronan Toulhoat ★★★★
© Pink Anemone

„>>Ich wurde auf dem Schlachtfeld geboren! Das Klirren der Schwerter und die Schreie der Massakrierten waren mein Wiegenlied.<<“
(Teil II. – S. 19)

Düster und roh geht es mit diesem Band der Comic-Adaption von Conan aus dem Splitter-Verlag weiter.
Conan ist derzeit Söldnergeneral von Amalric und in Khoraja stationiert. Er langweilt sich zu Tode, denn seit Monaten hängen sie hier fest – ohne Kampf, ohne Gemetzel. Das macht den Cimmerier ganz unrund, denn er hasst nichts mehr als Untätigkeit und Langeweile.
Dem Saufen und Herumhuren überdrüssig geworden, macht er einen Spaziergang und wird dabei von einer Dame gebeten sie zu begleiten. Einer Frau in Not muss natürlich geholfen werden und so erfüllt er ihr die Bitte. Es stellt sich heraus, dass es sich bei der Dame um niemand Geringeres als die Prinzessin Yesmela des Königreiches Koth handelt. Ihr wurde vom Gott Mitra prophezeit, dass Conan der Richtige für den Kampf gegen den dunklen Zauberer Natohk sei. Dieser hat ein Auge auf Khoraja und die umliegenden Länder geworfen und ist dafür bekannt nicht lange zu fackeln.
Wie schon erwähnt erfüllt man die Bitte von liebreizenden Frauen und erst recht die einer Prinzessin, ob nun Barbare oder nicht. Und so zieht Conan in eine alles entscheidende Schlacht …

© Pink Anemone

Der Autor dieser Story ist hier Vincent Brugeas und der Illustrator Ronan Toulhoat, welche sich zur Aufgabe gemacht haben Conan neu auferstehen zu lassen. Dabei orientieren sie sich ebenfalls an den klassischen Storys von Robert E. Howard. Dieses Mal bin ich von den Illustrationen begeistert. Während sich Brugeas auf das Wesentliche der Originalgeschichte fokusiert und es trotzdem schafft alles zu sagen, haucht Toulhoat mit seinen Zeichnungen Atmosphäre ein und erweckt Conan zum Leben. Von Anfang an genoß ich jedes einzelne Panel im klassischen Comicstil. Manchmal kommt es hierbei auch zu einer gelungenen Mischung aus Zeichenstilen und die Kampfszenen sind einfach eine Wucht. Es wird gemetzelt, gegen das Böse gekämpft und auch die Erotik kommt nicht zu kurz, wobei das Ende dann doch etwas abgeflacht wurde.

© Pink Anemone

Auch hier erhält man im Anschluß Informationen zur Entstehung des Originals dieser Geschichte.

Nach diesem Teil der Conan-Comic-Reihe beschloss ich der Reihe treu zu bleiben und bestellte mir sogleich auch den bereits erschienenen 3. Teil der Conan-Reihe. Ich war angefixt!

© Pink Anemone

„Gerüchte besagten, dass die Horde des schändlichen Hexers um fünftausend Soldaten aus Stygien angewachsen war, die in ihren Streitwagen dem Befehl des rebellischen Prinzen Kutamun unterstanden. Dieser fand größten Gefallen daran, die Dörfer der Umgebung niederzubrennen.“
(Teil II. – S. 26)

Weitere Buchinformationen
© Pink Anemone

 

  • Gebundene Ausgabe: 72 Seiten
  • Verlag: Splitter-Verlag; Auflage: 1., (20. November 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • Originaltitel: „Conan le Cimmérien, Tome 2 : Le colosse noir“
  • ISBN-10: 3962192034
  • ISBN-13: 978-3962192037
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Preis: 15,80€ (Stand vom 12.08.2019)

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III. „Jenseits des schwarzen Flusses“ von Mathieu Gabella & Anthony Jean ★★★★
© Pink Anemone

„… dennoch gab es einen großen Unterschied zwischen ihnen und dem Cimmerier. Sie waren Söhne der Zivilisation, die halb in die Barbarei zurückgefallen waren. Er war ein Barbar.
Sie hatten gelernt, sich heimlich zu bewegen … ihm waren diese Dinge angeboren.“
(Teil III. – S. 15)

Hier begeben wir uns in den Dschungel und zwar in die Provinz Conajohara. Einst gehörte dieses Gebiet den Pikten, ein gefürchtetes und wildes Volk. Die Hyborier drängten sie jedoch zurück, bis über den schwarzen Fluss. Dieser ist nun die Grenze zwischen dem neuen Siedlungsgebiet der Hyborier und den Pikten.
Keiner der Soldaten, die den Fluss überquerten, um das Land der Pikten zu betreten, kehrte jemals zurück. Die Pikten hingegen überschreiten immer öfters die schwarz-flüssige Grenze, um die Siedlung anzugreifen. Angeführt werden sie von dem gefährlichen Magier Zogar Sag und sein Ziel ist ein blutiges Massaker.
Conan verdingt sich zur Zeit als Söldner in dieser neuen Siedlung. Bei einem seiner Patrouillengängen trifft er auf Balthus und gemeinsam wollen sie dem Magier entgegentreten, um die Siedlung zu retten. Ein Kampf auf Leben und Tod und wahrlich dämonisch.

Hier durften sich der Comic-Autor Mathieu Gabella und der Illustrator Anthony Jean austoben.
Auch Gabella hält sich bei der Story an das Original von Robert E. Howard, der in diesem Werk die Kolonisierung Amerikas verarbeitet und in keinem Werk ist das deutlicher zu spüren, als in „Jenseits des schwarzen Flusses“. Hier wird auch die Frage aufgeworfen, wer hier wirklich im Recht ist – die Siedler oder die Pikten, welche im Grunde nur ihr Land verteidigen. Als Cimmerier kann Conan nämlich auch durchaus die Situation der Pikten nachvollziehen. Auch dies konnte Gabella hervorragend in den Comic einfließen lassen.

© Pink Anemone

Es ist ein düsterer Comic voller Männer, die brutal und bestialisch töten, es ist aber auch eine Story mit Tiefgang, vor allem als die Abschlußworte gesprochen werden. Es ist auch eine der wenigen Geschichten, die ohne Erotik und halbnackter Frauen auskommt. Also nicht enttäuscht sein, wenn hier keine Titten zu sehen sind.

Die Illustrationen sind eine Wucht und man hat einen Conan vor sich, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Till Lindemann aufweist (Frontsänger von Rammstein). Dies mag manchen jetzt nicht unbedingt positiv erscheinen, doch ich finde diesen Conan äußerst passend und gelungen.
In Sepia- Blau- und Grüntönen führt uns Anthony Jean durch die grüne Hölle des Dschungels und das in einem Zeichenstil, der zu beindrucken weiß und der mich absolut begeistern konnte. Jede Seite würde ich mir am liebsten im Posterformat an die Wand hängen.
Das Eine passt zum Anderen, bzw. ergänzen sich Autor und Illustrator auf eine Weise, die den Leser in eine abgefahrene Story tauchen lässt und die Story des Autors Robert E. Howard ehren.

© Pink Anemone

Wie in jedem Band dieser Comic-Reihe, findet man auch hier im Anschluß detaillierte Informationen über die Entstehung dieser Kurzgeschichte Howards und sein Grundgedanke dahinter. Ebenso befinden sich am Ende verworfene Illustrationen und Probezeichnungen.

© Pink Anemone

„>>Die Barbarei ist der natürliche Zustand der Menschheit … Die Zivilisation ist nichts weiter als ein Unfall.<<“
(Teil III. – S. 48)

Weitere Buchinformationen
© Pink Anemone

 

  • Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
  • Verlag: Splitter-Verlag; Auflage: 1., (22. Januar 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • Originaltitel: „Conan le Cimmérien, Tome 3 : Au-delà de la rivière noire“
  • ISBN-10: 3962192042
  • ISBN-13: 978-3962192044
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Preis: 15,80€ (Stand vom 12.08.2019)

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Wie im Original sind auch hier alle Teile in sich abgeschlossen und können eigeständig gelesen werden.
Weiters hat jeder Band aus dem Splitter-Verlag einen anderen Autor und Illustrator. Somit bin ich gespannt, was es hierbei noch zu entdecken gibt und wie die anderen franko-belgischen Autoren und Illustratoren die Geschichte Conans umsetzen.

Ich für meinen Teil bin von dieser Comic-Reihe absolut begeistert und angefixt. Das bedeutet es wird hierzu noch die ein oder andere Reihenvortellung geben. Der nächste Teil „Conan der Cimmerier: Die scharlachrote Zitadelle“ erscheint bereits im Sept. 2019 und ich bin jetzt schon ganz hibbelig und voller Vorfreude.

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