Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen

Rezension „Kill Creek“ von Scott Thomas ★★★★★

Abgefahrenes Horrorhous-Feeling, welches mich begeistern konnte.

Es ruft nach Dir

Am Ende einer langen Straße mitten im ländlichen Kansas liegt einsam und verlassen das Finch House. Es ist berüchtigt, schließlich ereilte jeden seiner Bewohner einst ein grausames Schicksal. Könnte es eine bessere Kulisse geben, um die vier erfolgreichsten Horrorautoren der USA zu einem Interview zusammenzubringen und das ganze live im Internet zu streamen? Was als harmloser Publicity-Spaß beginnt, entwickelt sich schnell zum Albtraum für alle Beteiligten. Denn es kommen nicht nur die dunkelsten Geheimnisse der vier Schriftsteller ans Tageslicht, auch das Finch House selbst hütet ein dunkles Geheimnis. Aber anders als die vier Autoren möchte es dieses nicht für sich behalten. Und schon bald gibt es den ersten Todesfall … (Klappentext)

© Pink Anemone

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„Diejenigen, die daran vorbeigingen und mit einer lebhaften Fantasie gesegnet waren, berichteten schon bald von unheimlichen Lichtern in den Fenstern, von einem Heulen in der Nacht, von umherstreifenden Gespenstern und einer Frau, deren aufgeknüpfter Leichnam an einem Ast der alten Buche baumelte …“
(S. 364)

Es gibt Häuser, welche man ansieht und weiß, dass diese ein Traumhaus für einen wären, ohne sie von innen je gesehen zu haben. Häuser, die von außen schon Gemütlichkeit und eine heimelige Atmosphäre versprühen und die man vom Fleck weg kaufen würde, wenn man nur das Geld dafür hätte.
Und dann gibt es Häuser, welche einem Gänsehaut über den Rücken laufen lassen, wenn man nur an ihnen vorbeifährt. Die drohend vor einem aufragen, eine dunkle und bösartige Aura ausstrahlen und über deren Schwelle man um alles Geld der Welt nicht treten würde.

Das Finch House in Kansas gehörte im Jahre 1859 zu Ersterem und wurde in nur wenigen Jahren zu Letzterem, als in ihm das erste Mal Blut vergossen wurde. Seinen Namen erhielt es jedoch erst viel später in den 70ern durch die 68-jährigen Zwillingsschwestern, welche das Haus renovierten und zu ihrem Zuhause machten.
Schon damals rankten sich düstere Gerüchte und Legenden um dieses Haus, doch die beiden Schwestern störte das nicht. Im Gegenteil – bis zu ihrem Tod verließen sie das Haus nicht, schienen mit dieser bösartigen Aura regelrecht zu verschmelzen. Die Finch-Schwestern waren die letzten Bewohner. Niemand wollte mehr die Schwelle dieses Hauses betreten, in dem das Böse zu wohnen scheint. Dieses Haus scheint SELBST das Böse zu sein und somit wurde es zum berühmtesten Spukhaus Amerikas um das sich düstere Mythen und Geheimnisse ranken, welche bis heute bestehen.

© Pink Anemone

So ein Haus eignet sich doch hervorragend für eine ganz besondere Halloween-Kampagne. Vier Horrorautoren sollen in diesem berüchtigten Spukhaus zwei Tage verbringen, um während dieses Aufenthaltes interviewt zu werden.

Sebastian Cole ist ein wahres Urgestein unter den Horrorautoren, ebenso der tiefreligiöse David Slaughter. Sam McGarver ist Ende 30 und hat sich ebenso als Autor von Horrorromanen im klassischen Stil einen Namen gemacht, während die junge Autorin T.C. Moore erotische Horrorsplatter am laufenden Band produziert.
Alle vier erhielten eine Einladung eines gewissen Mr. Wainwright, der dafür berühmt und berüchtigt ist abgefahrene und ebenso unberechenbare PR-Aktionen zu starten. Und somit begeben sich alle in das Finch-Haus, welches nur auf sie gewartet zu haben scheint. Das Haus und das Böse in ihm sind erwacht, es verfolgt sie bis nach Hause und es ist noch lange nicht fertig mit ihnen.

© Pink Anemone

„Als die Zeiger auf genau acht Minuten nach ein Uhr standen, erwachte das Haus. Es war zu dem plötzlichen und unumstößlichen Schluss gekommen, dass die Zeit reif war. Es hatte lange genug gewartet. Das Spiel konnte beginnen.“
(S. 243)

Man erhält Einblick in die Perspektive fast aller Beteiligten und somit auch in ihre Vergangenheit, wobei Sam und T.C. deutlich im Vordergrund stehen. Stück für Stück werden so ihre dunkelsten und tiefsten Geheimnisse aufgedeckt und auch das Haus offenbart auf diese Weise SEINE Geheimnisse.

Der Schreibstil ist flüssig, absolut fesselnd und es eröffnet sich einem eine Geschichte ganz im Stile der so beliebten Horrorhouse-Filme wie z.B. „Amityville“ und „The Shining“. Im Gegensatz zu den Filmen besitzt dieser Horrorroman jedoch etwas mehr Tiefe und es beginnt alles eher gemächlich.
Dies gestaltet sich aber keineswegs langweilig. Man lernt die Protagonisten kennen und erhält die ersten Einblicke in deren Leben, ihre Sorgen und bruchstückhaft auch in ihre Traumata und Vergangenheiten. Auch die Geschichte des Finch-Hauses lernen wir kennen und die Bedrohung und Düsternis ist von Anfang an allgegenwärtig.

© Pink Anemone

Wie auch die Protagonisten, werden wir Leser von diesem Haus verfolgt und spüren dessen Macht auf jeder einzelnen Seite. Daher gestalten sich die anfangs eher ruhigeren zwei Drittel keineswegs langwierig oder weniger gruselig.
Der wahre Horror beginnt jedoch erst im letzten Drittel und das auf fantastische und auch blutige Weise. Hier wird dann für Gänsehaut und Ekelszenen gesorgt, welche sich mit überraschenden Wendungen abwechseln und einen regelrecht mitreißen.
Das Ende gestaltet sich so wie es sich für einen wahren Horrorroman gehört und so findet dieses Buch einen äußerst gelungenen Abschluß. Für mich also quasi ein Happy End, wenn auch ein böses *muahahaha*

„Etwas quietschte hinter ihm. Der Rollstuhl rollte ein kleines Stück nach vorne. Er hörte das leise Trippeln von Schuhen auf dem Boden. Plötzlich ereilte ihn die untertrügliche Gewissheit, dass jemand hinter ihm stand, ihn beobachtete, darauf wartete, dass er sich umdrehte. Er spürte förmlich, dass Augen auf ihm ruhten, lauschte konzentriert und glaubte, leisen Atem zu hören.“
(S. 425)

Fazit:
Endlich wieder einmal ein Horrorroman, der selbst mich mit den Ohren schlackern ließ.
Mit diesem Buch hält man eine abgefahrene Story in den Händen, welche ein tolles Horrorhouse-Feeling bereit hält und das obwohl es sich anfangs noch eher ruhig gestaltet. Jedoch wird bereits hier schon für den ein oder anderen Gänsehautmoment gesorgt. Im letzten Drittel holt der Autor jedoch zum gewaltigen Schlag aus und ich flog durch die Seiten, welche den wahren Horror, inklusive Ekelszenen für mich bereit hielten.
Dieses Buch ist keinesfalls etwas für sensible Mägen und schwache Nerven. Ich hingegen liebe es! Und somit ende ich mit einem Lovecraft-Zitat:

„Die älteste und stärkste Emotion des Menschen ist Furcht, und die älteste und stärkste Form der Furcht ist die Angst vor dem Unbekannten.“
(H.P. Lovecraft)

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit herzlichen Dank an

 

  • Taschenbuch: 544 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (12. August 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • Originaltitel: „Kill Creek“
  • ISBN-10: 3453320255
  • ISBN-13: 978-3453320253
  • Preis: 14,99€ (Stand vom 06.09.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book
© Pink Anemone

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Autoren-Info
© Kimberly Thomas

Scott Thomas hat an der University of Kansas Englisch und Film studiert. Er ist Co-Creator und Produzent von Disney Channel’s Best Friends Whenever und Disney XD’s Randy Cunningham: 9th Grade Ninja, und hat Fernsehfilme und Teleplays für verschiedene Netzwerke wie MTV und VH1 geschrieben. Mit Kill Creek veröffentlicht er seinen ersten Roman. Scott Thomas lebt mit seiner Familie in Sherman Oaks, Kalifornien.

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5 Kommentare zu „Rezension „Kill Creek“ von Scott Thomas ★★★★★

  1. Liebe Conny,
    ich bin ja im Horror so gar nicht bewandert und genau das soll eins meiner ersten Bücher dazu sein.
    Ich bin schon total gespannt darauf – habe deswegen deine Rezension dazu jetzt nur etwas „überlesen“, melde mich nochmal bei dir, wenn ich das Buch gelesen habe 🙂 Falls ich es überlebe 🙂

    Liebste Grüße Anett

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  2. Ist es was für mich?
    Bei Heyne haben mich in letzter Zeit selten Bücher aus der Sparte gruselig unterhalten 😦
    Schleiche seit der Vorschau drumherum und bin mir nicht sicher. Lesezeit muss gut eingeplant werden 😛

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Conny 🙂
    tolle Rezension. Das Buch hatte ich auch auf dem Schirm, allerdings hat mir die Leseprobe so gar nicht gefallen deshalb habe ich es erstmal wieder von meiner Liste gestrichen. Vielleicht bekommt Kill Creek aber doch eine zweite Chance, es scheint ja echt gut zu sein 🙂

    LG

    Gefällt 1 Person

    1. Bei diesem Buch gehen die Meinungen ja wirklich auseinander. Mir persönlich hat es gefallen. Zuerst gemächlich und ruhig, wobei der Schauer und die Bedrohnung permanent spürbar ist und am Ende kommt es zu einer Wendung es geht ab – leicht trashig mit viel Blut. Perfekt 😉

      Liebe Grüße aus Wien und wir lesen uns ja gleich *g*
      Conny

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