Bibliophilie · Kaffeeklatsch mit Autoren & Illustratoren

Kaffeeklatsch mit Erik R. Andara

© Juliana (Farbenmelodie / creativum-universum)

Zum #IndieAuthorDayDE 2019 gibt es auch mein erstes Interview mit einem Autor. Dies ist eine Premiere für mich und meinen Blog und läutet auch gleichzeitig eine neue Kategorie auf meinem Blog ein und zwar: „Kaffeeklatsch mit Autoren und Illustratoren“. Eine der drei Kategorien, welche nun auf meinem Blog erscheinen. Da es sich hierbei hauptsächlich um SP- und Indie-Autoren handeln wird, findet Ihr diese auf meiner Blogseite Selfpublisher & Indie.

Da ich eine Revoluzzerin bin, ignoriere ich das „DE“ am Ende und habe mir natürlich einen österreichischen Autor geschnappt *g*.

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Erik R. Andara

© by Heidi Breuer
Autoren-Info
Erik R. Andara wurde 1977 in der Nähe des Dunkelsteinerwalds in Österreich geboren und wuchs dort zurückgezogen in einer kleinen Klause am Waldrand auf. Er widmete sich unmittelbar nach seiner Ankunft auf der Erde dem Lesen und Erzählen von Geschichten. Als er überrascht feststellen musste, dass diese Realität auch nach dem Übertritt ins neue Jahrtausend fortbestehen sollte, ging er nach Wien, um von dort aus seine Suche auszuweiten und aus allen Ecken und Enden des Multiversums weiteres Material für seine Geschichten zusammenzutragen. Heutzutage widmet er sich vor allem dunkler Phantastik.
Zuletzt erschienen seine Geschichten und Illustrationen in Ausgaben des Visionariums und des IF- Zeitschrift für angewandte Fantastik. Seine erste Geschichtensammlung erschien im Februar 2018 unter dem Titel „Am Fuß des Leuchtturms ist es dunkel“ und im Herbst 2018 seine Novelle „Hinaus durch die zweite Tür“, beides im Whitetrain-Verlag. Sein Debütroman „Im Garten Numen“ erschien im Mai 2019.

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Vor einem Jahr war Erik R. Andara für mich DIE Neuentdeckung unter SP- & Indie-Autoren. Nach nur wenigen gelesenen Werken wurde er bereits zu einem meiner Lieblingsautoren und von denen gibt es nicht viele.
Sein Stil ist sprachgewaltige Literatur und Coolness zugleich, welcher einen in Storys eintauchen lässt, in denen nichts ist wie es scheint und die dichte und beklemmende Atmosphäre nur so um einen wabbert. Er hat einen völlig neuen und speziellen Stil – andaraesk.
Es gibt jedoch noch einen Grund, weshalb ich seine Werke nahezu verschlinge. Er schreibt in einem Subgenre, welches ich im deutschsprachigen Raum schon vergessen glaubte – Phantastik/Weird Fiction.
Erik hat mich also wieder zu meinem einstigen Lieblingsgenre geführt, mir neue Einblicke gewährt und durch die Möglichkeit andere Autoren und Verleger (vor allem im deutschsprachigen Raum) kennenzulernen, gezeigt, dass die Phantastik alles andere als vergessen ist.
Zudem könnte ich stundenlang mit ihm über Bücher schwafeln, obwohl … was haben wir gesagt? Sofern es um Bücher geht, ist es kein Geschwafel *g*.  Tja, und im Grunde seht Ihr hier jetzt einen Auszug aus einem unserer bibliophilen Gespräche, in dem es natürlich um die Phantastik geht – was ist dieses Subgenre, wieso ist es ein Stiefkind unter den Genres und welche Verlage empfiehlt er. Natürlich sind auch Lieblingsbücher und -Autoren ein Thema und er muss sich der SuB-Frage (SuB = Stapel ungelesener Bücher) stellen.

Ich wünsche Euch also viel Spaß und am besten Ihr holt Euch auch einen Kaffee, denn es wird gemütlich, interessant und dauert ein bissl *g*

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So, Kaffee steht bereit. Für mich ein großer Schwarzer und süß und für Erik sowas wie nen Milchkaffee und ohne Zucker. Also beim Kaffee kommen wir ja schon mal nicht zusammen *g*. Aber nun endlich zum Interview…

PA: Dein Debüt „Im Garten Numen“ hat vor Kurzem das Licht der Welt erblickt. Bisher „nur“ in limitierter Ausgabe. Anbei erstmal HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH“ Abgefahrene Story, welche einen wieder einmal hinter den Nebel blicken lässt. Bevor wir uns jedoch auf dieses Werk stürzen, zuerst einmal allgm. Fragen zu dem Subgenre Weird/Strange-Fiction und der Phantastik, in welchem Du Dich als Autor Zuhause fühlst. Dieses Genre zu definieren ist selbst für mich schon schwierig, da sich dieses Genre vor allem durch düstere Atmosphäre auszeichnet und bei mir ein bestimmtes Gefühl während des Lesens auslöst.  Ebenso verwechseln manche Phantastik mit Fantasy und zusätzlich kann es in allen Genres enthalten sein. Wie würdest Du dieses Genre beschreiben, um es für Außenstehende und Neuleser verständlich zu machen? Was zeichnet dieses Genre aus?

Erik: Danke, Conny. Ja, mein Roman ist endlich erschienen, und die Erstauflage bereits so gut wie vergriffen, die Zweitauflage allerdings in Vorbereitung und ab Oktober erhältlich. Ich bin überglücklich, dass das Buch so gut angenommen wird.

Zu Deiner Frage nach dem Genre: Unter Schriftstellerinnen und Schriftstellern kursiert der geflügelte Ausspruch, dass der Begriff Genre vom Handel eigens für den Verkauf erfunden worden sei. So etwas wie Genre gebe es nicht. Und trotzdem gibt es gerade in der Phantastik hierzulande ganz viele kluge Leute, die sich gerne darüber unterhalten, wie sich ebendieses definiere. Ich lausche dann immer gebannt und sehr interessiert, muss aber vorwegschicken, dass ich selbst mir ganz wenige Gedanken über Genredefinitionen und geschichtliche Bewandtnis mache. Wenn ich es für eine Erzählung brauche, dann lese ich mir das Wissen kurz an oder frage jemanden, der viel mehr davon versteht als ich. Ich selbst sehe mich aber zu gleichen Teilen als Leser und als Schriftsteller, und auf diesem Wege gehe ich dann auch an die Sache ran. Also über Geschichten selbst, nicht über Hintergrundinformationen und Literaturtheorien. Ich war, was wissenschaftliche Angelegenheiten betrifft, immer schon ein sehr ungeduldiges Kind.

Aber was ich Dir gerne anbieten kann, ist eine persönliche Definition von Phantastik. Für mich ist es eine Verbindung der sechs Sinne, wobei ich als sechsten Sinn den Traum benennen würde. Es ist eine Synästhesie, die sich über geflügelte Schilderungen in die Wahrnehmung schlängelt, um dessen gewahr zu werden, was die Dinge krönt, wenn man sie über alle sechs Sinne zusammenfasst und als Ganzes betrachtet.
Als wahrer Phantast jagt man das Unbeschreibbare, und muss sich damit zufrieden geben, ihm nur nahe zu kommen, es aber niemals einzuholen. Wenn ich ehrlich bin, besteht vielleicht auch genau darin das große Glück. Zu wissen, dass man niemals damit aufhören muss, dem Ziel nachzulaufen, das heißt demnach auch, niemals fertiggeschrieben und fertiggelesen zu haben. Das ist doch das Wunderbarste überhaupt, oder? Ein Leben in und für die Geschichten.

Aber ich vermute, dass Du Dir eine andere Antwort von mir erhofft hast. Darum noch einen abschließenden Versuch, jene Art von Phantastik und Weird Fiction zu beschreiben, die mir persönlich am Herzen liegt. Für mich wird sie vor allem durch eine dichte Atmosphäre ausgezeichnet, durch Figuren, zu denen man eine Beziehung aufbauen kann, und durch die Suche nach Erklärungen, nicht zuletzt außerdem durch eine starke, literarisch versierte Stimme, in der die Begebenheiten geschildert werden. Aber fällt Dir was auf? Genau das macht ja eigentlich jede andere gute Geschichte ebenfalls aus, egal ob Phantastik oder nicht. Also kehre ich wieder zu meinem ursprünglich Gesagten zurück: Die Phantastik selbst dient uns als Logbuch für den sechsten Sinn, der die anderen fünf anleitet. Um uns gegenseitig zu vergewissern, dass wir nicht ausschließlich wahnsinnig sind, wenn wir Dinge sehen und erleben, von denen man uns im allgemeinen Realitätsentwurf sagt, dass es sie nicht gebe. Also: Horror, Weird Fiction, Magischer Surrealismus, Science Fiction, Fantasy … um nur einige davon zu nennen, das sind die mannigfachen Namen, die Phantastik trägt, und das wirklich wundervolle am Ursprungsgedanken der Weird Fiction ist, dass sie sich das hehre Ziel setzt, all das zusammen zu sein, aus diesen geschätzten literarischen Formen zu kondensieren und intensivieren. Und dementsprechend lesen sich dann auch Erzählungen aus dem Bereich – eindringliche Seltsamkeiten aus allerlei Himmelsrichtungen. Ich hoffe, da war etwas dabei für Dich, das als Antwort zählt. Ich sehe bereits einige der gebildeteren Kollegen und Kolleginnen ihre Köpfe schütteln, wenn sie meine Ausführungen hier zu Ohren bekommen. Wie gesagt, es gibt viel exaktere, wissenschaftlichere Erklärungen dafür. Aber dies hier ist eben nur ein kleiner Teil meiner persönlichen Ansicht zum Thema.

PA: Also ich habe noch nie eine schönere Definition der Phantastik gehört als Deine und von wissenschaftlichen Erklärungen halte ich zwar prinzipiell viel, aber wenn es um das GEFÜHL beim Lesen geht, dann ist das Theoretisieren nicht ganz das Richtige.

Melvin – Eriks ständiger Begleiter und sowas von süß / © Erik R. Andara

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PA: Während sich in den USA dieses Genre großer Beliebtheit erfreut, ist es bei uns im Europäischen Raum eher ein kleines Stiefkind unter den Genres. Wieso verhält es sich Deiner Meinung so?

Erik: Ehrlich gesagt habe ich das auch ganz lange propagiert, aber eigentlich stimmt das so gar nicht. Ich glaube, dass es sich viel eher so verhält, dass die Phantastik heutzutage noch weiter verbreitet ist, als sie das früher einmal war. Über Comics, Filme, Fernsehserien und sogar über manche Werbespots ist sie in alle Bereiche des Kulturalltags gesickert.

Allerdings grenzt sich das „hohe“ Literaturbusiness im deutschsprachigen Raum – so wie sonst eigentlich nirgends – willentlich und wissentlich von der Phantastik ab und stellt sie ins Schundeck. Deswegen auch die Berührungsangst mancher Leser und Leserinnen, die sich einfach nicht vorstellen können, dass Phantastik anspruchsvoller Lesegenuss sein kann. Da beißt sich dann die Katze in den Schwanz, denn als Schriftsteller braucht man Geld, um arbeiten zu können, Geld allerdings verdient man vor allem über Buchverkäufe, und verkauft wird man nur, wenn man die Infrastruktur eines gut etablierten Verlag zur Verfügung hat. Genau diese Verlage sind allerdings in diesem Bereich vor allem an Fantasy und Science Fiction interessiert, und da vorwiegend an Übersetzungen. Es ist einfach leichter und billiger, sich an namhafte Schriftstellerinnen aus dem Ausland dranzuhängen, die sich von selbst verkaufen, als hiesige Talente aufzubauen.
In Ländern wie England, Großbritannien und Frankreich, um nur einige zu nennen, wird einfach wenig bis gar nicht zwischen Phantastik und unphantastischer Literatur unterschieden, daher ist es dort für Schreiber und Schreiberinnen um etliches leichter, sich einen Namen zu erarbeiten. Natürlich kämpfen aber gerade Schriftsteller und Schriftstellerinnen in Amerika mit ganz anderen Problemen, wie Krankenversicherung und Sozialsystem. Es ist nirgends leicht, von seiner Kunst zu leben, wenn man die entsprechenden Verbindungen und Kontakte nicht bereits in die Wiege gelegt bekommen hat.

So sieht die literarische Wahrheit hierzulande und auch überall sonst aus, also durchaus monetär und mit Standesdünkel umsäumt. Wobei man auch da nicht alles über den Kamm scheren darf, es gibt ja ganz viele Kleinverlage und Selfpublisher, die bemüht sind, dem entgegenzuwirken, mitunter durchaus erfolgreich. Qualität setzt sich letztendlich immer durch, das ist das Mantra, mit dem man leben lernen muss. Egal, ob es stimmt oder nicht, es trägt einen zumindest durch den Tag.

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PA: Bleiben wir gleich mal bei dem Thema „Verlage“. Wieso scheuen sich Verlage Werke aus diesem Genre zu übersetzen und zu verlegen?

Erik: Ein befreundeter Verleger hat vor kurzem erst gemeint, dass mittlerweile die Unternehmer in den Chefsesseln der größeren Verlage sitzen, und nicht mehr die Literaturliebhaber, und ich denke, dass genau DAS das Hauptproblem darstellt.

Wir haben im deutschsprachigen Raum mit der heimischen Phantastik gebrochen, weil sie zwischenzeitlich als Deutschtümelei verschrien war. Und das ist ja auch nicht ganz so falsch, wenn man sich ansieht, womit in den letzten Jahrhunderten Propaganda gefahren wurde.
Die Phantastik hat sich dann vor allem in den sogenannten Schundheften niedergeschlagen, und diesen Ruf nie wieder ganz abgewaschen bekommen. Heutzutage verbindet man mit der Phantastik vor allem Horror oder Fantasy, obwohl der Spielraum so unermesslich viel größer ist. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass es kaum Literatur gibt, in denen sich nicht zumindest vereinzelte Tropen der Phantastik wiederfinden, nur versucht man das halt in den Hintergrund zu spielen und sich davon abzugrenzen.
Zwischenzeitlich hat vor allem der Extrem-Horror bei uns Fuß gefasst, und kaum etwas kann daneben bestehen. Ich glaube das liegt zu einem daran, dass das die Leute, die gerne nuanciertere Phantastik-Klänge lesen würden, vom heimischen Markt abschreckt, und diese halt entweder im englischen Original lesen oder die wenigen Übersetzungen, die dann in größeren Verlagen erscheinen (auch oft bewusst abgegrenzt zur Phantastik, mir fallen da ad hoc Haruki Murakami, Paul Auster, Salman Rushdie und dergleichen ein, natürlich auch Stephen King, aber der ist ein eigenes Thema). Das hat sich aber erst in den letzten Jahrzehnten geändert, ich denke mir das oft, wenn ich antiquarisch nach Büchern suche.

Hin und wieder erwischt man Erik auch lachend ^^ / © Erik R. Andara

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ist wirklich viel vom englischsprachigen Markt zu uns geströmt. Wenn man vor die Jahrtausendwende zurückgeht, dann wurde da bis dahin so Einiges übersetzt, und hat sich auch verkauft, aber da waren eben noch besagte Leute in den Chefetagen der großen Verlagen unterwegs, denen es um die Liebe zur Geschichte ging, und nicht um Gewinnoptimierung. Ich behaupte, dass auch heute noch eigentlich viel, viel mehr Leute Phantastik lesen wollen, es aber niemanden gibt, der ihnen das beibringen möchte, weil man verlagstechnisch halt lieber auf gesicherte Verkaufszahlen mit wenig Aufwand schaut. Da druckt man lieber zum x-ten Mal etwas, das sich so ähnlich liest wie ein großer Titel, der bereits Erfolg hatte. Es fehlen heutzutage die Wegbereiter und Liebhaber, die gewillt sind, entsprechend in die Phantastik zu investieren und wieder ein adäquates Bewusstsein bei der Leserschaft zu bilden. Ich denke nach wie vor, dass es dann im deutschsprachigen Raum neuerlich zu einem Aufstieg der Phantastik in die Ränge der gleichwertigen Literatur (wie das schon klingt, oder?) kommen kann.

PA: Dieser Buch-Kapitalismus im Großverlagswesen ist mir auch schon sauer aufgestoßen, welcher vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten ein gewaltiges Ausmaß angenommen hat. Nur neben all diesen Großverlagen ist es für die Kleinverlage schwer Aufmerksamkeit zu erregen … vor allem bezogen auf die Phantastik. Und da Du als Autor da auch ganz andere Einblicke hast, kommen wir auch schon zur nächsten Frage…

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PA: Welche Verlage kannst Du für Neuleser und Neuentdecker dieses Subgenres empfehlen? (inkl. Verlinkung zu den Verlagen)

Erik: Also gleich vorweg einmal natürlich den White Train, insbesondere dessen Imprint, den Nighttrain. Jetzt nicht nur, weil meine eigenen Bücher dort erscheinen, sondern weil der Verleger und Schriftsteller Tobias Reckermann, der den Zug betreibt, eben genau einer jener Menschen ist, denen es vorrangig darum geht, ein neues literarisches Bewusstsein bezüglich Phantastik zu schaffen. Da ist vor kurzem erst „Nachtschatten“ erschienen, nach dem vorjährigen „Next Weird“, das sind zwei ehrgeizige Bände, die im kleinen Rahmen herausgegeben wurden, aber in aller Deutlichkeit wiedergeben, was sich auf dem Sektor im englischsprachigen Raum tut. Da gibt es wirklich nur ein passendes Wort dafür: phänomenal!

Nebenher gibt Tobias Neulingen wie mir, die wir sonst kaum Chancen auf Veröffentlichung haben, über seine Plattform die Möglichkeit, uns einen Namen zu erarbeiten. Das ist genau jene Art von Literarischer Philanthropie, der es uns viel zu oft mangelt. Außerdem schreibt er selbst ganz tief in die Bereiche Weird Fiction und Fantasy hinein, und versucht seit Jahren die Bereiche auszuloten, stößt dabei in Tiefen vor, die ihm so leicht keiner nachmacht. Wenn man einmal unsere Jahrzehnte Revue passieren lässt, dann kann ich mir vorstellen, dass man Tobias an erster Stelle der Leute führt, die Szene geschaffen haben.

 

Dann ist da noch die Edition Phantasia von Joachim Körber, das ist auch einer jener großen, verdienten literarischen Philanthropen, die der deutschsprachigen Phantastik bekannt sind. Stets um die Sache bemüht. In seinem Verlag kann man als Interessierter oder Interessierte kaum einen Fehlgriff tätigen. Ich denke, Du kennst seine Verlagsseite, da gibt es ja mehr Perlen als Muschelschalen, behaupte ich einmal salopp.

Außerdem noch der Golkonda Verlag, der sich auch sehr darum bemüht, entsprechend anspruchsvolle Stücke in den Sprachraum zu importieren. Und da unbedingt Laird Barrons „Hallucigenia“ und John Crowleys „Ka“. Wenn man diese beiden umwerfenden Bücher erst einmal gelesen hat, dann ist man eh angefixt. Das ist also ebenfalls ein Verlag, den man sich auch unbedingt ansehen sollte.

Dann macht sich der Blitz Verlag und Jörg Kleudgens Goblin Press auch immer sehr um die Sache bemüht, und bringen lesenswerte Übersetzungen aber auch heimische Autoren und Autorinnen auf den Mark.
(Anm. von C.: Von Goblin Press leider keine Webseite auffindbar, jedoch auf Facebook vertreten und zwar HIER)

Der junge Verlag Hammer Boox von Markust Kastenholz ist auch gerade aufgebrochen, um sich um der Phantastik anzunehmen, den sollte man sich auch unbedingt ansehen.
(Anm. von C.: Wie soll man sich den ansehen, wenn nur auf Facebook anzutreffen -> HIER)

Dann wären da natürlich noch der Festa Verlag, der neben seinen extremen Horror-Veröffentlichungen auch psychologischeren Horror und die Schauerklassik bedient.

Ansonsten: Septime, Liebeskind, Kunstmann Verlag (dort vor allem Jeff Vandermeer) … ich habe jetzt unzählige vergessen, aber das sind die ersten, die mir dazu einfallen. Idealerweise fährt man einmal auf den BuCon in Dreieich, das ist die größte Phantastik-Messe im deutschsprachigen Raum, und verschafft sich dort selbst einen Überblick.

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PA: So, und nun zu Dir und Deinem Weg zum Autor. Wann hat Dich die schriftstellerische Leidenschaft gepackt, dich quasi die Muse geküsst und wie gestaltete sich Dein Weg?

Erik: Du, ich habe vor inzwischen vierzehn Jahren meinen ersten Roman geschrieben. Zu schreiben, habe ich natürlich viel, viel früher begonnen. Ich habe ja quasi auch die Drehbuchschreiberei studiert – wenn auch nicht ganz fertig – weil ich damals schon unbedingt Erzähler sein wollte. Seit Anfang der 2000er habe ich allerdings außerdem noch eine Karriere als Illustrator und Kunstmaler verfolgt, die ich dann vor drei Jahren gänzlich begraben habe, weil ich mich nur noch der Schriftstellerei widmen möchte.

In den letzten vierzehn Jahre habe ich insgesamt vierzehn Romanmanuskripte und unzählige Geschichten und Novellen verfasst, zu veröffentlichen habe ich aber erst voriges Jahr begonnen. Zum Einem, weil ich davor einfach nirgends untergekommen bin, zum anderen, weil ich jetzt erst der Überzeugung bin, dass ich ein herzeigbares Niveau erreicht habe.

Wie gestaltet sich mein Weg? Nun, schwierig einerseits, weil man sich als Außenstehender gar nicht vorstellen kann, wie viele Steine einem in ebendiesen Weg gelegt werden. Ich denke, ich habe im letzten Jahrzehnt mehrere hundert unerhörte Verlagsbewerbungen verfasst, ehe ich jetzt endlich bei Tobias (Whitetrain-Verlag / Anm. von C.) untergekommen bin.
Andererseits ist das aber wahrscheinlich auch gut so, weil ich dadurch ständig dazu gezwungen war, mein eigenes Werk auf Schwachstellen abzuklopfen, und dadurch zum besten Schriftsteller zu werden, der ich sein kann. Da ist meinen Weg natürlich noch lange nicht zu Ende gegangen, ich habe vor, noch Vieles zu lernen und fest an der Qualitätsschraube zu drehen. Ich habe auch das Gefühl, dass da mit jedem Buch etwas weitergeht.

Andererseits bin ich mit meiner Entscheidung, mich nur noch aufs Schreiben zu konzentrieren, in den letzten drei Jahren sehr glücklich gewesen. Ich führe beileibe kein luxuriöses Leben, Urlaub ist etwa ein Fremdwort für mich und das Finanzielle stets sehr knapp bemessen. Aber die Hoffnung, mir ein ganzes Leben über das Erzählen von Geschichten gestalten zu können, lässt derlei Entbehrungen zur Unwichtigkeit verblassen. Ich gehe nebenbei jobben, um mir Bücher, Wohnung, Essen, Medizinisches und Anschaffungen für Melvin, meinen geliebten Hund, leisten zu können.

Wenn das kein Anlass ist, um ein Foto vom süßesten Hund ever einzubauen *g* / © Erik R. Andara

Viele Leute würden mein Leben wahrscheinlich als sehr unkomfortabel erleben, zumindest im Verhältnis zu dem, was wir in Mitteleuropa gewohnt sind, aber trotzdem bin ich sehr glücklich damit. Ich würde sogar behaupten, dass ich mich mit der Entscheidung für die Schriftstellerei zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben richtig frei fühle. Natürlich hoffe ich darauf, zumindest mäßigen Erfolg zu haben.
Dass ich irgendwann einmal reich damit werde, das habe ich sowieso abgeschrieben. Aber ein größerer Verlag und ein geregeltes Einkommen, das wäre schon etwas, dass einen Teil der realen Schwere eines solchen Lebens von meinen Schultern nehmen könnte. Aber wie gesagt, ich möchte nicht klagen, es ist ein wundervolles Leben, Geschichten erzählen zu dürfen. Und immerhin habe ich mir in den letzten zwei Jahren schon eine kleine treue Leserschaft aufbauen können, die mir etwas zurückgibt, das kein geregeltes Gehalt der Welt aufwiegen könnte.

PA: Hier die von mir rezensierten Werke von Erik:

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PA: Wann hattest Du Deine erste Idee zu Deinem Debütroman „Im Garten Numen“ und wann wurde der Entschluss gefasst das jetzt durchzuziehen?

Das ist eigentlich recht rasant gegangen. Die erste Idee hatte ich voriges Jahr, während ich noch an meiner Novelle „Hinaus durch die Zweite Tür“ geschrieben habe. Und noch während ich an den Korrekturarbeiten dazu gesessen bin, habe ich auch schon an „Im Garten Numen“ zu schreiben begonnen.
Das hat dann alles in allem fünf Monate in Anspruch genommen. Dann vier Monate Nachbearbeitung und Lektorat, und im Mai ist er bereits erschienen.
Das ist also eine regelrechte Rutschbahn gewesen. Wobei ich dazusagen muss, dass ich während ich an einem Buch schreibe, bereits zwei, drei weitere Bücher im Voraus konzeptioniere und plotte. Ich sitze auf einem riesigen Ideenüberhang, der abgearbeitet werden möchte, und ich hoffe, dass das auch so bleibt.

PA: Ich hoffe das natürlich auch, aber ich denke da brauche ich mir bei Dir echt keine Sorgen zu machen *g*

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PA: Und nun eine besonders Wichtige Information für alle die Deinen Roman lesen wollen. Wann ist dieser im öffentlichen Handel erhältlich?

Erik: Es gibt noch Restexemplare von der Erstauflage zu erstehen, aber nur noch wenige, die war sehr schnell ausverkauft. Es kommt jetzt für den BuCon eine zweite Auflage von 50 Stück, davon sind allerdings auch bereits 20 Stück reserviert, also wenn man ein Exemplar ergattern möchte, muss man schnell sein. Nachdem das alles limitierte Ausgaben sind, sollte man direkt mit mir oder dem Verlag Kontakt aufnehmen.
Ich habe die Hoffnung, dass eine Taschenbuchausgabe von einem größeren Verlag mit Buchhandlungsauslieferung gebracht wird, aber das steht leider noch in den Sternen. Derweilen hatte ich einige Versprechungen, die sich leider nicht eingelöst haben. Aber ich möchte das auf jeden Fall noch unterbringen, bevor der nächste Roman kommt, das wäre mir eine riesige Freude.

Die zweite Auflage von „Im Garten Numen“ / © Erik R. Andara

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PA: Was ich von Dir weiß, bist Du ja gerade in einem richtigen Schreib-Flow. Auf was dürfen sich wir Leser freuen?

Erik: Also, ich sitze gerade einem Sword and Sorcery-Roman, der in der dunklen Rollenspielwelt von MALMSTURM spielt, der ist zur Hälfte fertig und soll nächstes Jahr noch veröffentlich werden.

Dann kommt im Frühjahr meine nächste Geschichtensammlung namens „Hotel Kummer“, die einige ältere Geschichten, vor allem Magazinveröffentlichungen der letzten beiden Jahre, sammelt, und zwei völlig neue Geschichten namens „Jener, der da kommt“ und eben „Hotel Kummer“ enthalten wird.

„Hotel Kummer“ / © Erik R. Andara

Außerdem sitze ich ab Herbst mit einem Schriftstellerfreund an einer Briefnovelle, über die ich noch nicht allzu viel verraten möchte, und bin in einem Episodenroman vertreten, der ebenfalls nächstes Jahr erscheinen wird, beides Weird Fiction.

Und dann mein nächstes, großes Ding, das, worauf ich richtiggehend brenne, es endlich zu schreiben, das wird der nächste Roman namens „Die Erloschenen“, über den ich noch nicht allzu viel verraten möchte. Was ich allerdings bereits dazu sagen kann, ist, dass ich vorhabe, mich damit weiterzuentwickeln, und dass ich mit der Handlung – zumindest zu Beginn – nach Wien zurückkehren werde, allerdings mit globalen Bandbreite. Ich hoffe auf eine Winterveröffentlichung 2020, kann allerdings noch nicht recht abschätzen, wie umfangreich die Geschichte werden wird und ob das so hält. Spätestens Anfang 2021 allerdings soll das Buch erscheinen.

© Erik R. Andara

Ich denke, dass ich zusätzlich noch etliche Geschichten in Magazinen und Anthologien unterbringen werde. Von zwei, drei weiß ich bereits. Aber die obengenannten Projekte, vor allem letzteres, da steckt mein Herzblut drinnen.

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PA: Du bist jedoch nicht nur Autor, sondern auch durch und durch Bibliophiler und liest selbst Bücher weg wie nix. Welches sind Deine Lieblingsautoren und was Deine Lieblingsbücher? Ich zücke hierbei schon mal selbst meinen Stift, denn Deine bisherigen Leseempfehlungen an mich, waren bisher immer Gold wert. Jaaaa, diese Frage stelle ich auch aus etwas egoistischen Gründen *g*

Erik: Pfuh, das ist eine schwierige Frage, weil das natürlich auch die Tagsverfassung betrifft, und es so viele davon gibt.

Momentan entdecke ich gerade einen neuen absoluten Liebling mit Vladimir Nabokov, von diesem Meister der Sprachkunst lese ich gerade das Gesamtwerk und liebe ihn von Tag zu Tag mehr.

Ganz oben stehen bei mir immer Michel Houellebecq, Paul Auster, Haruki Murakami, Salman Rushdie, Norman Mailer, Laird Barron und Dan Simmons.

Dann habe ich mich gerade in Paul Evenson, Kurt Fawver und Christopher Slatsky verschossen, von denen es leider nur marginal Übersetzungen gibt (von Christopher Slatsky allerdings ist eines seiner Meisterwerke namens „Alectryomancer“ im Next Weird enthalten).

Und ansonsten lese ich ebenso viel wie ich schreibe und könnte wahrscheinlich nicht mehr mit dem Aufzählen aufhören, wenn ich jetzt erst einmal beginne. Da wären noch Ursula LeGuin, Sibylle Berg, Marlene Haushofer, Mattias Faldbakken, T.E. Grau, Joe Abercrombie, Steven Erikson, Cixin Liu, Alastair Reynolds, Irvine Welsh, und, und, und … zu viele, um sie zu nennen, und wahrscheinlich würde die Liste in einer Woche bereits mit anderen Namen besetzt sein, was niemanden davon in seiner Großartigkeit schmälert. Es gibt einfach wirklich verdammt viele wundervolle Bücher da draußen, und ich möchte sie alle zumindest einmal gelesen haben.

Erik & Melvin  / © Erik R. Andara

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PA: Und nun die Frage die sich mir da unweigerlich stellt – Wie groß ist dein SuB? *g*

Erik: Momentan schätze ich, dass etwa 180 bis 190 Bücher auf meinem Stapel ungelesener Bücher ruhen, allerdings wächst das wöchentlich. Ich brauche es zur Psychohygiene, mehr Bücher zu kaufen als ich lesen kann. Wobei das nicht daran liegt, dass ich wenig lese, ganz im Gegenteil, ich lese – zumindest höre ich das oft von Freunden und Bekannten – exorbitant viel, sehe das auch als wichtigen Teil meines Berufs als Schriftsteller. Aber ein großer SuB hält einen bescheiden. Zeigt einem, was man alles von der Welt noch nicht weiß. Und gleichzeitig gibt er einem Sicherheit, weil man vor Augen geführt bekommt, wie viele wundervolle Geschichten noch vor einmal liegen.

PA: Na dann habe ich gleich viel weniger ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir meinen SuB ansehe *g*

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PA: Vielen herzlichen Dank Erik, dass Du Dich von mir löchern hast lassen und mir und Deinen Lesern einen Einblick in die Phantastik, Deinen Werdegang und in Deine Bibliophilie gewährt hast. Nun noch Selfietime, was natürlich auch für Melvin gilt.

Erik: Vielen Lieben Dank für dieses wundervolle Gespräch, Conny. Und danke dafür, dass du meine Bücher liest und mir hilfst, sie in die Welt hinauszutragen. Ich wünsche Dir noch unzählige erfüllte Lesestunden, einen schönen Herbst und einen noch schöneren Winter.

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