Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen · Rezept zum Buch

Rezension „Hexenwerk: Die gestohlenen Kinder von Schwarzbach“ von Tanja Hanika ★★★

Too much tell, too less show, doch eine durchaus spannende Schauernovelle mit überraschenden Wendungen

Im Anschluß gibt es ein gruseliges Rezept zum Buch *muahahaha*

Creepy Witchcraft

Endlich sind Sommerferien. Aber die besten Freunde Simon und Linus bringen sich selbst um den Ferienspaß, indem sie die alten, unheimlichen Frauen verärgern, die für sie wenige Sommer zuvor noch die vermeintlich bösen Kinderfresserinnen waren. Einst ein kindischer Gruselspaß, wird die Bedrohung nun real: Die Alten sind tatsächlich Hexen. Aus Kinderfleisch ziehen sie Lebensenergie, um ewig zu leben und ihr böses Werk zu tun.
Um nicht wie die anderen gestohlenen Kinder aus Schwarzbach zu enden, setzen Simon, Linus und ihre Freunde alles daran, die Hexen zu vernichten.Teufelsbuhlschaft, Eiterernte und Hexenkräuterkunde machen die alten Frauen zu mächtigen Gegnerinnen.
Warnung: Bedingt durch die Hexenthematik kommen in diesem Roman Kinder zu Schaden: Es findet Gewalt von Kindern und gegen Kinder statt… (Klappentext)

© Pink Anemone

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„Sie würde das Leben dieser frechen Bälger beenden und dafür selbst ihr Leben und das ihrer Teufelsschwestern verlängern. Und aus der Schädeldecke des Anführers würde sie eine Schale formen, die sie dem Ewig Finsteren zum Geschenk darbieten würde. Niemand, der sich gegen sie erhob, sollte am Leben bleiben.“
(S. 30)

Die Sommerferien haben begonnen und Simon und seine Freunde sind bereit für alle möglichen Sommerabenteuer. Da trifft es sich gut, dass die berüchtigten Hexen der Kleinstadt Schwarzbach um ein Mitglied reicher geworden sind und somit für reichlich Gesprächsstoff unter den 12-Jährigen sorgen.
Schon vor Jahren kursierte unter den Kindern das Gerücht, dass es sich bei den alten Damen um Kinderfresserinnen handelt. Obwohl die fünf Jungs schon 12 Jahre sind und sich mächtig erwachsen fühlen, empfinden sie es als Abenteuer den betagten Damen nachzuspionieren. Wer hätte ahnen können, dass an den Gerüchten mehr dran ist als gedacht … viel mehr!
So erleben die Kinder nicht nur ein Sommerabenteuer, sondern einen wahren Horrortrip, welcher grausam über sie hinwegrollt.

Man liest aus verschiedenen Perspektiven, wie z.B aus der von Simon, Linus und Melvin, drei der fünf Jungs, die es faustdick hinter den Ohren haben.
Bisher wuchsen sie und ihre Freunde gut behütet auf und schlugen sich mit den normalen Themen des Erwachsenwerdens herum. Im Verlauf der Story werden sie jedoch mit grausamen Dingen konfrontiert, druchleben Ängste und wahre Horrorszenarien, beweisen Mut und müssen über sich selbst hinauswachsen. Die Story hat also auch durchaus etwas von einem Coming-of-Age-Horrorroman.

© Pink Anemone

„All seine kindischen Ängste von Monstern unter dem Bett oder Vampiren am Fenster waren lächerlich gewesen, und auch damals hatte er sie nicht in jeder Pore seines Körpers gefühlt, so wie jetzt. Es war, als hätte er gelernt, was wahre Angst vor einem greifbaren Schrecken war.“
(S. 49)

Ebenso erhält man Einblick in die Sicht der drei Hexen.
Agnetha, Eusebia und Otilia weilen schon seit Jahrhunderten auf dieser Welt. Gemeinsam bewohnen sie ein altes Haus am Rande von Schwarzbach, dienen schon Zeit ihres Lebens dem Gehörnten und wollen noch viele weitere Jahrhunderte leben. Dafür müssen sie sich hin und wieder Kinderfleisch einverleiben und sind daher für das regelmässige Verschwinden von Kindern in diesem Ort verantwortlich.
Ihre Gedanken sind grausam, böse und blutrünstig und auch zwischen den Hexen herrscht Mißgunst. Mit ihnen reist man auch in ihre jeweilige Vergangenheit und erhält so Einsicht in ihre persönliche Geschichte.

Man liest noch aus ein paar anderen Perspektiven, wobei so manche davon für mich eher unwichtiges Beiwerk waren und sich hierbei so manche Seiten eher wie Lückenfüller lesen, da sie nicht wirklich die Handlung voran bringen.
Das betraf auch leider die Reise in die Vergangenheit der Hexen. Ich liebte diese Passagen, die authentische Sprachführung und das historische Setting und hätte gern mehr davon gelesen.
Ich kritisierte beim Buch „Werwölfe in Aremsrath“ von Tanja Hanika die fehlende Atmosphäre des historischen Settings, doch hier ist das keineswegs der Fall. Im Gegenteil! Es war absolut fantastisch,  doch gerade diese Passagen spielten für die Story selbst absolut keine Rolle und verpufften klanglos, was ich als sehr schade empfand.

© Pink Anemone

Der Schreibstil selbst wirkte anfangs etwas holprig und unausgereift und manchmal wollten die Gedanken und Sprachführung der Jugendlichen nicht so recht zu deren Alter passen (Worte wie z.B. „Neckereien“ oder „Bösewicht“). Dies alles änderte sich jedoch, als die Autorin scheinbar ihren Rhythmus gefunden hat und einem dann ihr gewohnt flüssiger und einfacher Schreibstil durch die Story begleitet und das mit viel Atmosphäre.

Das einzige Manko, was es noch zu erwähnen gibt und bei dem ich wieder Bezug auf ein Vorgängerbuch der Autorin nehme, ist das Abschweifen.
In „Werwölfe in Aremsrath“ kritisierte ich das Tempo, mit welchem einem die Autorin regelrecht durch die Geschichte peitschte. Diesmal verrennt sich die Autorin in Nebensächlichkeiten und Erklärungen, während manche Handlungsstränge ins Leere führen, auf der Strecke bleiben oder am Ende völlig unwichtig für die Handlung waren. Too much telling, too less showing.

In „Hexenwerk“ sind aber diesmal die Protagonisten hervorragend gezeichnet, sowohl die Guten, als auch die Bösen. Vor allem mit den Jungs fühlte ich mit, spürte deren Ängste, Enttäuschungen und Verzweiflung. Ich habe sie allesamt in mein dunkles Herz geschlossen.

© Pink Anemone

„Seine Mutter glaubte ihm nicht und am Ende seines Bettes stand diese grässliche alte Frau, die nach Hölle und Verwesung stank, und streckte ihre knochigen Finger nach ihnen beiden aus.“
(S. 104)

Doch trotz all dieser Kritik, bin ich von der Story selbst begeistert und obwohl es keineswegs ein Horrorroman im eigentlichen Sinn ist, wie angeführt, sondern eher eine Schauernovelle, habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Es gibt nämlich durchaus schaurige Szenen, bei denen sich einem die Härchen im Nacken aufstellen, Wendungen, die einem ein überraschendes „Ohha“ entschlüpfen lassen und der Showdown am Ende war absolut packend, während der Verlauf bis dahin spannend zu verfolgen war.

Fazit:
Obwohl ich einiges auszusetzen habe, was vermutlich daran liegt, dass ich eine äußerst kritische Leserin bin, bin ich von dieser Story begeistert. Ich fieberte mit den Jungs mit, welche sich auf eine gefährliche Hexenjagd begeben.
Da es eher ein Schauerroman ist, können diesen auch etwas Zartbesaitete lesen und sich so auf Halloween einstimmen, denn für einen Horrorroman fließt definitiv zu wenig Blut und auch die grausameren Szenen werden nicht explizit dargestellt, bzw. beschrieben.
Die Autorin selbst hat seit ihrem letzten Buch eine unglaubliche schriftstellerische Entwicklung hingelegt. Vor allem bezüglich Charakterzeichung und der diesmal vorhandenen Atmosphäre, welche einem während der Story begleitet. Es ist also noch etwas Luft nach oben, viel fehlt jedoch nicht mehr.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Andere Bloggermeinungen
Von Janna

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von Anja

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit herzlichen Dank an Tanja Hanika!

© Pink Anemone

 

  • Taschenbuch: 231 Seiten
  • Verlag: Independently published (29. August 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1688524517
  • ISBN-13: 978-1688524514
  • Preis: 11,98€ (Stand vom 19.10.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book

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Autoren-Info
tanja hanika
(Foto: D. Pfingstmann)

Tanja Hanika wurde 1988 in Speyer geboren. An der Universität Trier studierte sie Germanistik und Philosophie. Nun lebt sie mit Mann, Sohn und zwei Katzen in der schönen Eifel.
Als sie mit ungefähr acht Jahren eine Kinderversion von Bram Stokers „Dracula“ in die Hände bekam, entdeckte sie nicht nur ihre Liebe zum Lesen, sondern wollte ebenfalls solche Geschichten erzählen. Auf einer alten Schreibmaschine entstanden erste Kurzgeschichten, die sie bis heute gut in einer Schublade versteckt hält.
Weitere Informationen zur Autorin und ihren Texten: www.tanja-hanika.de

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Rezept zum Buch

Link folgt in paar Minuten / © Pink Anemone

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Ein Kommentar zu „Rezension „Hexenwerk: Die gestohlenen Kinder von Schwarzbach“ von Tanja Hanika ★★★

  1. Zunächst: ich liebe es das du so ehrlich und kritisch bist! Zumal du immer den richtigen Ton triffst – du benennst klar was dich störte oder worüber du stolperst und wirst dabei nie persönlich (also gegen Autor*in, du weißt wie ich meine?!) ❤

    Dein Satz "diese Passagen spielten für die Story selbst absolut keine Rolle und verpufften klanglos", ich weiß was du meinst! ich hätte auch gern mehr davon gelsen und Bezug zur Geschichte der Gegenwart gehabt, aber ich denke es diente 'einfach' der Charakterskizzierung und somit störte es mcih nicht wirklich.

    Das du wieder ein Rezept dazu gezaubert hast finde ich wundervoll! Und ich werde dich heute noch bei meiner Rezension verlinken :-*

    Mukkelige Grüße!

    Liken

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