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Rezension „Die Anstalt der Toten“ von Moe Teratos ★★★★★

Asylum-Ghost-Horror vom Feinsten – spannend, verstörend und verdammt creepy

Triggerwarnung: Depression, Suizidale Gedanken, psych. Mißbrauch

Die Vergangenheit ruht nicht

Yannick Gerlach ist der Sohn liebender und wohlhabender Eltern, eigentlich sollte er ein glücklicher junger Mann sein, doch das ist er nicht. Ihn plagen Suizidgedanken und er wird immer wieder Opfer seiner eigenen Ängste. Durch einen schrecklichen Unfall, an dem Yannick Mitschuld trägt, kommt sein kleiner Bruder Theodor ums Leben. Yannick wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, und was er dort erlebt, stellt jeden Schmerz, den er vorher geglaubt hatte zu spüren, in den Schatten. Denn in der Seelenheil-Klinik leben nicht nur die Patienten unter menschenunwürdigen Verhältnissen, sondern auch die Geister derjenigen, die dort gewaltsam zu Tode gekommen sind. Yannick versinkt in einem Sumpf aus Realität und Einbildung, aus dem es offenbar kein Entkommen gibt… (Klappentext)

© Pink Anemone

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„>>Was zum Teufel soll ich hier, wenn mich niemand behandelt?<<
Und was der Junge dann sagte, brachte ihn völlig aus der Fassung:
>>Sterben sollst du, sterben, nicht mehr…<<“
(S. 58)

Der 27-jährige Yannick ist am Ende. Seit Kindheit an plagen ihn Depressionen und seit Kurzem auch suizidale Gedanken. Mehrfach schon wollte er den letzten Schritt gehen, doch jedes Mal wurde er gefunden oder er konnte es nicht. Mit einem Revolver, so denkt er, wird und muss es jetzt funktionieren. Doch nicht er befördert sich damit ins Jenseits, sondern sein kleiner Bruder – ein Unfall.
Die Eltern ziehen nun die Reißleine und Yannick wird zwangseingewiesen. Ausgerechnet in eine Klinik, um die sich fürchterliche und beängstigende Gerüchte ranken. Doch wie fürchterlich und beängstigend es dort wirklich ist, erfährt er erst.
Was geht in dieser Psychiatrie vor sich? Wieso verschwinden Patienten von einer Nacht auf die andere und werden nie mehr gesehen? Und was sind das für Schreie, die nachts durch die Gänge hallen?

© Pink Anemone

Dieser Horrorroman geht bereits zu Beginn unter die Haut und das noch ohne paranormale Ereignisse. Man erhält Einblick in eine geplagte Seele und das auf sehr eindringliche Art und Weise. Ebenso sind die Vorgänge in der Psychiatrie von pflegerischen Seite aus auch ziemlich harter Stoff, denn in dieser modernen Klinik herrschen Zustände wie in den Irrenanstalten des 18. Jahrhunderts. Daher kommt dieses Buch nicht gänzlich ohne Triggerwarnung aus.

Doch schon bald nimmt die Story eine Wendung und es wird unheimlich und schaurig und alles beginnt mit einem verstörend vollgekritzelten Buch aus der Anstaltsbibliothek, welches Yannick zu einem Tagebuch einer scheinbar ehemaligen Patientin führt.

„>>Du siehst sie, nicht wahr?<<, legte Marvin nach.
Yannick nickte stumm und starrte ihn an.
>>Wie viele?<<
>>Zwei, ein Mädchen und einen Schatten.<<
Er lächtelte gequält: >>Dann hast du noch eine Menge vor dir.<<“
(S. 120)

Die Figuren sind durchwegs gut und facettenreich gezeichnet. Vor allem Yannick, aus dessen Perspektive erzählt wird. Seine Gedanken und Gefühle werden sehr eindringlich beschrieben.
Man bekommt aber auch Einblick in das besagte Tagebuch, welches von einem 17-jährigen Mädchen stammt. Hierbei hat sich die Autorin einer jugendlicheren Sprache bedient, welche es dadurch authentisch erscheinen lässt, ohne das es nervig wird. Letzteres ist ja nicht so selbstverständlich.

© Pink Anemone

Man blickt über die Schulter von Pflegern und Patienten und erhält nach und nach immer mehr Einblick in die Vergangenheit der Klinik, welche die Geister nicht ruhen lässt. Manchmal hat man selbst als Leser das Gefühl zwischen Wahn und Realität zu stecken und ist sich nicht sicher, ob sich Yannick nicht doch in einer Psychose mit Halluzinationen befindet. Wie er ist man hin und hergerissen, steht Ängste aus und hat unheimliche und verstörende Begegnungen, die einem die Gänsehaut rauf und runterlaufen lassen.

„Der Geist hatte den Mund geöffnet, die Kiefer ausgehängt wie eine Schlange, die Zunge hing heraus und strich über den Boden. Die Proportionen waren nicht stimmig.“
(S. 172)

Der Schreibstil ist flüssig und äußerst plastisch. Weiters schafft es die Autorin Atmosphäre zu schaffen, hier vor allem paranormale Grusel-Atmosphäre, welche ich voll und ganz genossen habe.
Die Story selbst ist spannend, mit ein paar überraschenden Wendungen gespickt, sodass man nie weiß, was einem auf der nächsten Seite erwartet und das Ende entwickelt sich zu einem schlüssigen Showdown.

© Pink Anemone

Fazit:
Es war für mich ein herrlich zu lesender Asylum-Ghost-Horror – spannend, verstörend und creepy, also genau das was ich wollte, erwartete und auch bekam.
Diese Autorin sollte man sich also unbedingt gönnen, wenn man auf diese Art von Storys abfährt – blutig, verstörend und mit einer Menge Leichen, oder in diesem Fall Geister.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Weitere Buchinformationen

 

  • Taschenbuch: 328 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (17. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1508599777
  • ISBN-13: 978-1508599777
  • Preis: 9,98€ (Stand vom 21.10.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book
© Pink Anemone

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Rezensierte Werke der Autorin

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Autoren-Info
Bildquelle: Redrum-Verlag

Wenn Moe Teratos eine Geschichte schreibt, hat sie immer ein klares Ziel vor Augen: Menschen müssen sterben. Möglichst viele. Und dabei ist es ihr egal, ob sie den Figuren Zombies, Wesen aus einer anderen Welt, Mutanten oder – was ihre Lieblingsvariante ist – einen Serienkiller auf den Hals hetzt.
Bei einer Sache kann man sich bei ihren Büchern also sicher sein: Gestorben wird immer. Mal geht es schnell und schmerzlos, mal langsam und qualvoll.
Wenn sie sich nicht der Welt von Gewalt und Tod hingibt, lebt sie zusammen mit ihren Katzen und ihrem Mann ein ziemlich spießiges Leben in Duisburg.

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