Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen

Rezension „Das Tagebuch der Eleanore Druse – Rätselhafte Vorfälle im Kingdom Hospital“ von Richard Dooling ★★★★

Dieses Buch ist quasi ein Appetizer in Buchform für die TV-Serie „Kingdom Hospital“ von Stephen King, daher nicht jedermanns Sache

Hospital der Geister

Kingdom Hospital ist ein Krankenhaus der ganz besonderen Art. Es wurde auf den Trümmern einer Textilfabrik errichtet, die 1969 niederbrannte, wobei Dutzende Arbeiter, vor allem Kinder, den Tod fanden. Die Konstruktion des Krankenhauses scheint modern, doch unter der neuen Fassade lauert noch immer das Böse. Eleanor Druse, eine 75 Jahre alte Großmutter, die sich für das Übernatürliche interessiert, stellt ihre eigenen Nachforschungen an und berichtet davon in ihrem Tagebuch … (Klappentext)

© Pink Anemone

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„Wann war ich aus meiner vertrauten Vergangenheit in diese ungewisse, mir fremde Gegenwart aufgebrochen? Am Freitag, dem 13. Dezember, in jener Nacht, in der Madeline Kruger gestorben war.“
(S. 131)

Wir lesen hier die Aufzeichnungen, bzw. das Tageguch der 75-jährigen Eleanor Druse. Sie ist Professorin de Parapsychologie und esoterische Psychologin und arbeitet ehrenamtlich als Sterbebegleiterin im Kingdom Hospital.
Eines nachts bekommt sie einen Anruf ihres Sohnes Bobby, welcher als Krankenpfleger im besagten Krankenhaus arbeitet. Madeline Kruger, eine Jugendfreundin von Eleanor, wurde nach einem Suizid eingeliefert. Sie redet wirres Zeug von einem kleinen Mädchen, welches sich noch immer hier herumtreibt und fragt ständig nach Eleanor. Die rüstige Eleanor macht sich natürlich sofort auf den Weg, doch leider war es für Madeline zu spät. Eleanor kippt daraufhin um und macht eine Nahtoterfahrung, doch Madeline hat ihr eine äußerst mysteriöse Nachricht hinterlassen.
Bald steckt die resolute Dame mitten in einer parapsychologischen Untersuchung. In diesem Krankenhaus in Main gehen nämlich merkwürdige Dinge vor sich, deren Ursprung bis weithin in  die Vergangenheit reichen, als hier noch kein Krankenhaus stand. Im Zentrum der Geist eines kleinen Mädchen, welches Eleanor unbedingt etwas mitteilen möchte.

© Pink Anemone

Um erstmal die Verwirrung bezüglich des Autors dieses Buches aus der Welt zu schaffen, sei gleich einmal erwähnt, dass der Autor NICHT Stephen King ist (manche sollten wirklich lernen zu lesen, also RICHTIG zu lesen).
Der Autor des vorliegenden Buches ist Richard Dooling und die Story basiert auf der Miniserie „Kingdom Hospital“ von Stephen King. Dooling schrieb auch ein paar Drehbuchfolgen für diese Serie.
Die Miniserie ist wiederum das Remake der Serie „Hospital der Geister“ des dänischen Regisseurs Lars von Triers. Während ich von der Serie von Stephen King nur mässig begeistert war, fand ich „Hospital der Geister“ genial. Die Serie enthält zwar den ein oder anderen Grusel- und Schockmoment, ist aber vor allem schwarzhumorig und äusserst strange. Daher ist diese sicherlich  nicht für jeden Geschmack.

„Auf dem Rücken liegend schaute ich hinauf zur Zimmerdecke mit den nicht eingeschalteten Lampen und konnte in panischer Angst nur an eines denken: dass ich mir nur ja nicht die Hüfte gebrochen hätte. In meinem Alter ist – auch bei Osteoporoseprophylaxe – eine standrechtliche Erschießung einer gebrochenen Hüfte bei weitem vorzuziehen.“
(S. 27)

Zugegeben, das Buch verläuft anfangs etwas schleppend, vor allem wenn man, wie ich, die gesamte Zeit ungeduldig auf paranormale Ereignisse wartet. Bis dahin befindet man sich mit Eleanor in einem anderen Krankenhaus, in dem sie aufrund ihres Schädel-Hirn-Traumas nach dem Ohnmachtsanfall und angeblichen Epilepsie behandelt wird. Hier begegnet man macht- und geldgeilen Neurochirurgen, Psychologen, die einem nicht zuhören und einer Patientin, welche aufgrund eines Ärztepfuschs Apallikerin ist. Man lernt dabei aber auch Eleanor kennen – eine selbstbewusste Dame mit schwarzem Humor, einem Hang zum Mystischen, die nicht auf den Mund gefallen aber auch ziemlich dickköpfig ist. Des Öfteren musste ich über ihre Gedanken und Aussagen schmunzeln und manchmal nervte sie mich aber auch ein kleines bisschen mit ihrer Klugscheißerei und fordernden Art.
Was der Autor mit dieser langen Vorgeschichte bezwecken wollte, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute jedoch, dass er hier mit dem amerikanischen Gesundheitssystem ein bisschen abrechnet.

Sobald Eleonor wieder entlassen und zurück in Main ist, macht sie sich sofort an ihre Nachforschungen (endlich!!) und dann geht es so richtig los.

© Pink Anemone

Der Schreibstil ist flüssig und einfach gehalten und sobald die Story im eigentlichen Krankenhaus ihren Lauf nimmt, geht es auch durchaus spannend und auch creepy zur Sache.
Hier begegnet man nicht nur skurrilen Figuren, wie z.B. dem Sanitäter Ollie, der von den Augen Toter besessen ist, sondern auch geisterhaften Figuren wie Dr. Rattentod, der immer vor einem Unglück oder einem Todesfall auftaucht, oder dem Geist eines kleinen Mädchens. Es wird also auch für Gänsehautmomente gesorgt.

„Dieses kleine Mädchen war knochenbleich, und sein schmutziges altes Krankenhaushemd hing ihm in ausgefransten Fetzen am Körper. Die Kleine war hier und doch wieder nicht hier, denn ich konnte durch sie hindurch auf die Gläser mit den brodelnden Flüssigkeiten direkt hinter ihr blicken.“
(S. 221)

Wie Stephen King streut aber auch Dooling Wortspiele, sog. Easter-Eggs, ein, wie z.B. den Namen „Carrie von Trier“ – eine Kombination aus Carrie (Protagonistin aus King’s erstem Horrorroman) und Lars von Trier (Regisseur der Originalserie), oder die Aufschrift einer Schädlingsbekämpfungsfirma „LuvKraft Pest Control“.

Ein abgeschlossenes Ende darf man sich hier jedoch nicht erwarten, denn dieses Buch fungiert in gewisser Weise als kleiner Appetizer für die Serie von Stephen King. Also falls Ihr es lesen wollt, dann kauft Euch auch gleich die Serie auf DVD dazu.

© Pink Anemone

„Viel schlimmer aber war die Erkenntnis, dass hier am Kingdom Hospital in der Grenzregion zwischen Leben und Tod nicht nur die verlorenen Seelen eines unschuldigen Mädchens umhergeisterte, sondern auch das Böse selbst. Dr. Rattentod konnte jederzeit wieder zuschlagen.“
(S. 231)

Fazit:
Falls man nicht vor hat sich die Serie anzusehen, sollte man auf das Buch ehrlich gesagt verzichten. Dieses „Ende“ frustet einen sonst ziemlich.
Mir persönlich hat es durchaus gruselig-amüsante Lesestunden beschert und danach gönnte ich mir sogleich die Serie.
Ein kleiner Tipp am Rande: wenn schon TV-Serie, dann „Hospital der Geister“ ansehen. Der typisch dänische Humor (morbid, strange und fern des Mainstreams) haben eben nur die Dänen drauf.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Weitere Buchinformationen

 

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Dt. Erstausg. (1. Juni 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • Originaltitel: „The Journals of Eleanor Druse – My Investigation of the Kingdom Hospital Incident“
  • ISBN-10: 3453879643
  • ISBN-13: 978-3453879645
  • Preis: nur noch gebraucht erhältlich
© Pink Anemone

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Autoren-Info
Bildquelle: Kingwiki

Richard Dooling wurde 1955 in Omaha geboren. Nach dem Studium der englischen Literatur arbeitete er als Beatmungstechniker auf einer Intensivstation, studierte dann Jura und wurde Anwalt in St. Louis. In den 80er Jahren verbrachte er sieben Monate in Sierra Leone. Er lebt heute wieder in Omaha.

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Filmtrailer

Lars von Trier’s The Kingdom – Originaltrailer

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„Kingdom Hospital“ von Stephen King – Trailer

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3 Kommentare zu „Rezension „Das Tagebuch der Eleanore Druse – Rätselhafte Vorfälle im Kingdom Hospital“ von Richard Dooling ★★★★

  1. Stephen King Verfilmung, ok, guck ich gerne.
    Lars von Trier Filme, los, her damit!
    Damit hast mich getriggert XD
    Hattest zwar schon erwähnt, dass die Serie gut ist, aber hattest den guten Lars dabei auch erwähnt? 😛

    Gefällt 1 Person

    1. Ganz bestimmt. Bis vor kurzem kannte ich ja die Serie von Stephen King ned. „Hospital der Geister“ hingegen habe ich schon vor Jaaaahren gesehen und flasht mich noch immer. Werde wohl doch einen Filmbeitrag schreiben 😆

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