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Rezension „Hauffs Märchen“ von Wilhelm Hauff ★★★★★

Wunderbare Märchensammlung, welche einem in den Orient entführt und zum Träumen einlädt.

Von Pink Anemone zusammengestellt

Am Ende gibt es einen Link zu dem Rezept zum Buch „Orientalischer Milchreis“.

Abenteuermärchen

Die Märchen von Wilhelm Hauff zählen zu den schönsten unseres Geschichtenschatzes: Kalif Storch, Zwerg Nase, Der kleine Muck, Das kalte Herz – sie entführen in ferne, oft orientalische Welten und schicksalhafte Verwicklungen. Leser jeder Generation und jedes Alters können in Hauffs so farbige und dramatische Erzählungen abtauchen. Der Schriftsteller aus der Zeit der Romantik wurde nur 26 Jahre alt, und doch hinterließ er einen immer wieder neu faszinierenden Kosmos. In diesem Band ist er vollständig versammelt… (Klappentext)

© Pink Anemone

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„In einem schönen fernen Reiche, von welchem die Sage lebt, dass die Sonne in seinen ewig grünen Garten niemals untergehe, herrschte von Anfang an bis heute die Königin Fantasie. Mit vollen Händen spendete diese seit vielen Jahrhunderten die Fülle des Segens über die Ihrigen und war geliebt, verehrt von allen, die sie kannten.“
(S. 8 – „Märchen als Almanach)

Wilhelm Hauff war ein deutscher Schriftsteller der Romantik und wurde nur knapp 25 Jahre. Trotzdem hat er sich als Schriftsteller einen Namen gemacht und dies vor allem durch seine Märchen.
Diese Märchen erschienen in Almanachform, wobei im „Märchen-Almanach auf das Jahr 1826“ die Geschichten im Orient angesiedelt sind. Im „Märchen-Almanach auf das Jahr 1827“ wird das orientalische Setting zusätzlich auf das Setting im europäischen Raum ausgeweitet. Der „Märchen-Almanach auf das Jahr 1828“ beinhaltet eher Sagen und Räubergeschichten.

Foto: © picture alliance/dpa/Keystone

Hauffs Märchen beinhalten Geschichten aus seiner eigenen Feder, jedoch auch Geschichten von anderen Autoren, wie z.B. von den Gebrüdern Grimm das bekannte Märchen „Schneeweißchen und Rosenroth“ und auch „Das Fest der Unterirdischen“, welches in den grimmschen Märchensammlungen nicht zu finden ist und daher nahezu unbekannt ist.

Die vorliegende Ausgabe beininhaltet alle drei Almanache, aber nicht die Märchen der Gebrüder Grimm. Es ist also nicht die vollständige Ausgabe, wie auf dem Cover angeführt ist.

In Hauffs Märchen begegnen sich die Figuren auf unterschiedliche Weise und erzählen sich entweder im Beduinenzelt ihre Geschichten oder man lauscht als Gast eines Scheichs verschiedenen Erzählungen.
Es handelt sich hier also um Geschichten, welche in eine Rahmengeschichte eingebettet sind.

© Pink Anemone

„Vergnügt rückten die fünf Kaufleute näher zusammen und ließen den Fremden in ihrer Mitte sitzen. Die Sklaven schenkten die Becher wieder voll, stopften die Pfeifen ihrer Herren frisch und brachten glühende Kohlen zum Anzünden. Selim aber erfrischte seine Stimme mit einem tüchtigen Zuge Sorbet, strich den langen Bart über dem Mund weg und sprach: >>So hört denn die Geschichte von Kalif Storch.<<“
(S. 17)

Diese Märchen erzählen von der Gier nach Reichtümern und falschen Vorurteilen, von leidvollen Flüchen, aber auch von ungleichen Freundschaften, Glück und Reichtum, welches nicht mit Gold aufzuwiegen ist.
Sie sind manchmal skurril und amüsant, ein anderes Mal unheimlich und hin und wieder auch traurig und melancholisch. Doch alle enthalten sie einen tiefsinnigen Kern, der einem durchaus nachdenklich zurück lässt.

© Pink Anemone

Hauff wusste Atmosphäre zu erschaffen und bei einer zusätzlichen literarischen Sprachgewalt mit einnehmenden Beschreibungen des Settings, verliert man sich in diesen Märchen.

„Fröhlich wanderte er den ganzen Tag, denn er war ja ausgezogen, um sein Glück zu suchen; wenn er einen Scherben auf der Erde im Sonnenschein glänzen sah, so steckte er ihn gewiss zu sich, im Glauben, dass er sich in den schönsten Diamanten verwandeln werde. Sah er in der Ferne die Kuppel einer Moschee wie Feuer strahlen, sah er einen See wie einen Spiegel blinken, so eilte er voll Freude darauf zu, denn er gedachte in einem Zauberland angekommen zu sein.“
(S. 102 – „Die Geschichte von dem kleinen Muck.“)

Nicht alle Märchen davon sind zum Vorlesen für Kinder geeignet, da es doch hin und wieder etwas brutal zugeht. Als Kind wurden mir diese Märchen jedoch auch vorgelesen und ich wurde deshalb keineswegs davon traumatisiert und wage auch zu behaupten, dass aus mir keine Psychopathin geworden ist. Ich denke das sollen die Eltern jedoch selbst entscheiden und eventuell die Märchen zuvor selbst lesen.

© Pink Anemone

„Aber Entsetzen! Welches Schauspiel stellte sich meinem Auge dar, als ich das Verdeck betrat. Der Boden war mit Blut gerötet, zwanzig bis dreißig Leichname in türkischen Kleidern lagen auf dem Boden, am mittleren Mastbaum stand ein Mann, reich gekleidet, den Säbel in der Hand, aber das Gesicht war blass und verzerrt, durch die Stirn ging ein großer Nagel, der ihn an den Mastbaum heftete; auch er war tot.“
(S. 40 – „Die Geschcihte von dem Gespensterschiff“)

Begleitet werden diese Märchen durch wunderschöne klassische Illustrationen von Theodor Weber, Theodor Hosemann (illustrierte u. a. E.T.A. Hoffmanns gesammelte Schriften) und Ludwig Burger (porträtierte auch Kaiserin Maria Theresia).

© Pink Anemone

Fazit:
Schon als Kind habe ich Hauffs Märchen geliebt und sie wurden mir wirklich oft vorgelesen. Damals wie heute konnten mich diese Abenteuermärchen mit orientalischem Flair begeistern. Für mich war es also eine kleine wunderbare Reise in die Kindheit und ich genoss dieses Gefühl von Nostalgie.
Hauffs Märchen laden auf jeden Fall zum Träumen ein und lässt uns LeserInnen in ferne Lande reisen, in denen uns orientalische Klänge begleiten, der heiße Wüstensand unter unseren Füßen knirschen lässt und wir zu Gast in wunderbaren Palästen sind.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen
© Pink Anemone

 

  • Gebundene Ausgabe: 477 Seiten
  • Verlag: Anaconda Verlag GmbH (5. Oktober 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866478526
  • ISBN-13: 978-3866478527
  • Preis: 9,95€ (Stand vom 04.12.2019)
  • Auch erhältlich als: E-Book, HB und TB (jedoch als andere Ausgabe)

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Autoren-Info
Foto: © picture alliance/dpa/Keystone

Wilhelm Hauff (* 29. November 1802 in Stuttgart; † 18. November 1827 in Stuttgart) war ein deutscher Schriftsteller des Biedermeier. Er war ein Hauptvertreter der Schwäbischen Dichterschule.

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Rezept zum Buch

Orientalischer Milchreis
© Pink Anemone

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Ein Kommentar zu „Rezension „Hauffs Märchen“ von Wilhelm Hauff ★★★★★

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