Kinder- & Jugendbücher · Klassiker · Rezensionen

Rezension „Der Zauberer von Oz“ von Sébastien Perez & Benjamin Lacombe ★★★★★

Eine der schönsten Adaptionen dieses Klassikers, welche zum Betrachten und Träumen einlädt.

Von © Pink Anemone zusammengestellt

Eine Vogelscheuche auf Reisen

Sébastien Perez hat die berühmte Geschichte in einem leichten und poetischen Stil neu gefasst; er erzählt sie aus der Perspektive der Vogelscheuche, die sich fälschlich für dumm hält. Denn sie beschützt nicht nur Dorothy, sondern hält auch die Gruppe um Dorothy, deren Hund Toto, den Blechmann und den Löwen zusammen und findet in gefährlichen Situationen stets eine Lösung. Und trotzdem ist es ausgerechnet die kluge Vogelscheuche, die von dem Zauberer mit Verstand ausgestattet werden möchte, so wie der beherzte Blechmann mit einem Herzen und der tapfere Löwe mit Mut … (Klappentext)

© Pink Anemone

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„In wenigen Minuten hatten sie die schöne Wiese mit dem frischen Gras hinter sich gelassen und befanden sich wieder auf dem goldgelben Weg. Der war jetzt längst nicht mehr so düster wie in den Wäldern, sondern in ebenso gutem Zustand wie im Land der Munchkins.“
(S. 66)

Jeder kennt den Märchenklassiker „Der Zauberer von Oz“ des Amerikaners Lyman Frank Baum. Dieser erschien in den USA 1900 unter dem Originaltitel „The Wonderful Wizard of Oz“, in deutscher Übersetzung jedoch erst 1940.

„Der Zauberer von Oz“ Originalausgabe 1900 / Bildquelle: Wikipedia

Vor allem durch den Film aus dem Jahr 1939 mit der jungen Judy Garland als Dorothy feierte dieses Märchen große Erfolge.
Doch um was geht es überhaupt in diesem Märchenklassiker?

© Pink Anemone

In diesem Märchen gelangt das Mädchen Dorothy mit ihrem kleinen Hund Toto durch einen mysteriösen Wirbelsturm in das Land des Zauberers von Oz. Dabei landete sie mitsamt ihrem Haus im Ostland namens Munchkins und auch gleich direkt auf der dort lebenden bösen Hexe.
Da trifft sie auf die gute Nordhexe und bittet sie, sie doch wieder nach Hause nach Kansas zu schicken. Leider kann ihr die Hexe nicht helfen, gibt ihr aber den Rat den großen Zauberer von Oz aufzusuchen, welcher ihr bestimmt helfen kann. Dafür gibt sie ihr noch die silbernen Schuhe der plattgedrückten bösen Hexe mit. Und so macht sich die kleine Dorothy auf den Weg zur Mitte des Reiches, wo der besagte Zauberer herrscht.
Dabei macht sie die Bekanntschaft von ganz besonderen Wesen. Sie begegnet einer Vogelscheuche, die sich gern Verstand wünscht, um nicht mehr so dumm zu sein, immerhin ist ihr Kopf voller Stroh. Ein Blechmann kreuzt ebenso ihren Weg und dieser wünscht sich ein Herz in seiner verrosteten Brust und auch ein Löwe kommt des Weges, der nur zu gerne so mutig wie andere Löwen wäre, da er sich selbst als großen Feigling sieht.
Und so macht sich diese ungewöhnliche Truppe gemeinsam auf den Weg zum großen Zauberer von Oz, jeder mit seinem ganz eigenen Wunsch.

Dies ist die Originalstory und es gibt zu dieser schon unzählige Adaptionen in Form von Filmen, Theaterstücken und Musicals.
Was macht nun gerade dieses Buch für mich so besonders?

© Pink Anemone

„Dorothy musste Hindernisse umgehen, Toto sprang über Löcher, und er selbst, der Strohkerl, stolperte und fiel immer wieder der Länge nach hin. Jedes Mal half das Mädchen ihm lächelnd wieder auf die Beine. Er war gerührt von ihrer Freundlichkeit und schrieb seine Ungeschicklichkeit dem Umstand zu, dass er nur Stroh im Kopf hatte. Und das machte ihn sehr traurig…“
(S. 18)

Jeder der das Märchen gelesen hat, fand darin eine Figur, welche man besonders ins Herz schloß.
Für die einen war es der ängstliche Löwe, der mutig sein wollte, das kleine Mädchen Dorothy, welches zurück nach Hause möchte, der Blechmann, der so gern ein richtiges Herz in seiner Brust schlagen spüren will oder die Vogelscheuche, die gerne Verstand hätte, weil sie meint sie wäre dumm.
Für mich war es immer schon die Vogelscheuche, da sie so tollpatschig ist, sich daher für dumm hält aber auch gleichzeitig unheimlich witzig war.
Diese Adaption wird aus eben deren Sicht erzählt und somit bekommt man Einblick in eine ganz andere Perspektive.

© Pink Anemone

Man ist dabei als die Vogelscheuche zusammengebaut wird und wie sie es empfindet plötzlich hören, sehen, riechen und sprechen zu können, wie es ist auf Dorothy und die beiden anderen zu treffen und erlebt all die Abenteuer auf ihrer Reise zum Zauberer von Oz.

Diese Reise ist keineswegs einfach und sie müssen viele Hindernisse überwinden, Gefahren bestehen, wie z.B. ein Mohnfeld, welches herrlich duftet, einen jedoch ewig schlafen lässt, wenn man sich zu lange darin befindet oder einen breiten reißenden Fluss, der unüberwindbar erscheint. Man trifft aber auch auf andere Wesen, wie z .B. die Mäusekönigin.

© Pink Anemone

„Um sie herum war der Mohn an die Stelle der Kornblumen getreten. Dann verschwanden auch die Veilchen und die Rosen und schließlich die Nelken. Bald waren sie nur noch von den großen roten Blumen umgeben, die sehr stark dufteten, weil sie so viele waren.“
(S. 53)

Während der Blechmann, der Löwe und vor allem die Vogelscheuche weiterhin ihren Wünschen hinterherjagen, wird dem Leser im Verlauf der Geschichte klar, dass der Blechmann bereits ein ganz großes Herz besitzt, der Löwe durchaus mutig ist, wenn es darauf ankommt und die Vogelscheuche, die immer an sich selbst und ihrer Intelligenz zweifelt, die besten Einfälle hat.

© Pink Anemone

Der Schreibstil ist flüssig und gleichzeitig märchenhaft poetisch, wobei die Message, welche diese Geschichte inne hat, keinesfalls verloren geht und im Verlauf der Story immer deutlicher wird. Nämlich, dass unglaublich viel in einem steckt und es an einem selbst liegt alles zu erreichen, was man sich wünscht, ebenso das man im Team alles schaffen kann, denn „gemeinsam ist man stark“.
Die Geschichte ist also spannend, witzig und tiefgründig zugleich.

„Dem Löwen sträubten sich die Rückenhaare, er brüllte und zeigte seine Krallen. Mais stellte sich vor Dorothy, das Mädchen nahm Toto auf den Arm.
Geflügelte Affen zerteilten mit ihren Schwingen die Luft und waren im Nu über ihnen.“
(S. 83)

Begleitet wird diese Geschichte von wunderschönen Illustrationen von Benjamin Lacombe, welche der Story auf traumhafte Weise Leben einhauchen und zum Träumen und vor allem zum längeren Betrachten einladen.
Die Kombination aus Story und diesen Illustrationen hat nahezu etwas magisches und lässt einen in die Welt von Mais, der Vogelscheuche, und deren Freunden eintauchen, ihre Abenteuer erleben und ist dabei, wie sie sich auf der Reise sich selbst finden.

© Pink Anemone

Fazit:
Dies ist eine der schönsten und märchenhaftesten Adaptionen dieses Klassikers und dies aufgrund der äußerst gelungenen Kombination aus stimmungsvollem und poetischem Schreibstil und der traumhaft schönen Illustrationen.
Immer wieder blätterte ich während des Lesens durch das Buch und betrachtete ein ums andere Mal diese wunderschönen farbenprächtigen Zeichnungen.
Die Reise ging für mich viel zu schnell zu Ende, doch zum Glück gibt es noch mehr dieser Adaptionen von diesem Autor und Illustrator.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Bloggermeinungen
© Buchperlenblog

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Weitere Buchinformationen
© Pink Anemone

 

  • Gebundene Ausgabe: 120 Seiten
  • Verlag: Verlagshaus Jacoby & Stuart GmbH; Auflage: 1 (1. August 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 6 – 8 Jahre
  • ISBN-10: 3964280267
  • ISBN-13: 978-3964280268
  • Originaltitel dieser Adaption: „Le magicien d’Oz“
  • Originaltitel des Klassikers: „The Wonderful Wizard of Oz“
  • Preis: 29,00€ (Stand vom 15.12.2019)

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Autoren- & Illustratoren-Info

Sébastien Perez (Autor)

Bildquelle: Verlagshaus Jacoby & Stuart GmbH

Sébastien Perez, geb. 1975 in Beauvais, begann schon früh mit dem Schreiben von Geschichten, in denen er stets Fantastisches mit Humorvollem mischt, aber auch immer ein Thema anreißt, das ihm am Herzen liegt, wie z.B. die Toleranz. Er hat bereits mehrere Kinderbücher veröffentlicht.

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Benjamin Lacombe (Illustrator)

© Matthieu Dortomb

Benjamin Lacombe, geb. 1982 in Paris, hat Grafische Künste studiert und parallel als Werbe- und Comiczeichner gearbeitet. Mit 19 Jahren unterzeichnete er die Verträge für seinen ersten Comic und mehrere illustrierte Bücher. Seitdem hat er etwa vierzig Bücher illustriert und geschrieben und gilt mittlerweile als einer der erfolgreichsten Repräsentanten der zeitgenössischen französischen Illustration. Benjamin Lacombe lebt und arbeitet in Paris. 2017 war Lacombe für den Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis nominiert.

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Lyman Frank Baum

Lyman Frank Baum 1911 / Bildquelle: Wikipedia

Lyman Frank Baum wurde 1856 in Chittenago (New York) als Sohn eines deutschstämmigen Geschäftsmannes geboren. Beruflich war er in vielen verschiedenen Geschäftsfeldern tätig, bevor er sich der Schriftstellerei widmete. So versuchte er sich u.a. als Geschäftsmann in der Ölbranche, als Geflügelfarmer, als Theaterschauspieler, Journalist und Zeitungsherausgeber. Wirklich erfolgreich war er allerdings in keinem dieser Berufe. Mit seinem Buch „Der Zauberer von Oz“ erreichte der Vater von vier Kindern 1900 schließlich den Durchbruch. Lyman Frank Baum starb 1919 in Los Angeles.

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Filmtrailer zu Filmadaptionen

1939

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2013

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2019

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7 Kommentare zu „Rezension „Der Zauberer von Oz“ von Sébastien Perez & Benjamin Lacombe ★★★★★

  1. Hallo liebe Conny 😉
    Ich habe mir schon vieeeeeeeeeeeeeele Bücher seit Kindertagen gewünscht.
    Doch selten war ich so verzaubert von der Vorstellung und so verliebt in die wundervollen Details
    wie bei diesem Buch. ❤
    Liebe Grüße, Hibi

    Gefällt 1 Person

    1. Dieses Buch ist soooo wunderschön, das glaubst Du nicht. Die Aufmachung traumhaft schön, mit Goldakzenten (glaub das habe ich gar nicht in der Rezi erwähnt).
      Ich habe zwar niemanden, dem ich das vorlesen kann, aber ich selbst habe es genauso genossen darin zu schmökern.
      Liebe Grüße
      Conny

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  2. Hach, optisch > farblich wunderschön, allerdings *ich spüre die Gertenrute auf meinem Rücken* mag ich die Gesichter von Mister Lacombe nicht so 😦
    Deshalb sind die anderen Werke von ihm auch bisher nicht zu mir gewandert. Alles drumherum: super! Aber sobald es an Menschen geht, bin ich raus. Aber muss ja auch mal sein, das ich aus der Reihe tanz 😛

    Gefällt 1 Person

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